Update: 13.04.2008

Die Feuersäule bei Friedrichsruh
Die Bismarcksäule in Reinbek-Silk

Kurz nach dem Tode von Otto von Bismarck berief die Burschenschaft Alemannia zu Bonn zu einer Sitzung der Studentenvertreter auf, in der u.a. beschlossen wurde, am Anfang des Wintersemesters 1898/1899 eine Aufforderung an die gesamte Studentenschaft ergehen zu lassen, um eine gemeinsame monumentale Ehrung für Otto von Bismarck vorzunehmen.

Nach einem konkreten Vorschlag der Ehrung in Form einer Säule vom Aachener Bildhauers Christian Lehr, der sich an die Burschenschaft Alemannia zu Bonn wandte, wurde auf Antrag dieser Burschenschaft am 03. Dezember 1898 auf der Hamburger Tagung der deutschen Hochschulen u.a. beschlossen, Bismarcksäulen zu errichten.

Aus eigenen Mitteln der Deutschen Studentenschaft wollte man mit dem Bau von zwei Säulen als Beispiel vorangehen, eine davon bei Friedrichsruh und eine bei Straßburg (Elsass, wurde aus finanziellen Gründen nicht ausgeführt).

In Zusammenarbeit mit Fürst Herbert von Bismarck wurde für die Säule der Studentenschaft bei Friedrichsruh der Hamberg (Hammelsberg) bei Silk ausgewählt.

Beim Wettbewerb der Deutschen Studentenschaft wurde der Entwurf „Götterdämmerung“ des Architekten Wilhelm Kreis im April 1899 zur Ausführung empfohlen. Auch in Friedrichsruh sollte dieser Entwurf einer Feuersäule gebaut werden.

Der Bauplatz dieses als Feuersäule ohne Aussichtsfunktion errichteten Turmes auf dem Hamberg wurde von Herbert von Bismarck kostenlos zur Verfügung gestellt.

Ausgeführt wurden die Bauarbeiten durch die Firma Georg Holborn in Schwarzenbek. Als Baumaterial verwendete man Harzburger Granit (wurde mit Ziegelhintersteinmauerung ausgeführt).

Im Innern führt ein Steigeisen zur Plattform des Turmes, über die man die an der Turmspitze eingebettete Feuerschale erreichen konnte.

Am Säulenschaft wurde ein Reichsadlerrelief mit Bismarck-Wappen angebracht, vor der Säule wurde zusätzlich ein Feuer-Altar installiert. Die Gesamtkosten für den Bau der Säule, den die Studentenschaft übernahm, betrugen ca. 65.000 Mark.


Befeuerung der Säule

Nach der Idee des Architekten Wilhelm Kreis wurden auf dem Turmkopf Kästen mit einer leicht brennbaren Asphaltmasse gestellt. In diese sollten, oben an einem eisernen Gitter angebunden, große Holzscheite mit Draht festgebunden werden, um beim Abbrennen eine große Flammenwirkung zu erreichen. Nach dem Zusatz von rohem Erdöl aus den Erdölwerken zu Wilhelmsburg wurde das Brennmaterial auf der Feuerschale entzündet.

Nach der ersten Befeuerung aus Anlass der Einweihung nahm man von dieser Art der Befeuerung Abstand, da sich ein starker Funkenflug entwickelt hatte. Die Befeuerung wurde derart geändert, dass man lediglich Abfallöle [sic!] verwendete, die zu einem hellen rotgelben Feuer mit großen schwarzen Rauchfahnen führte. In den nächsten Jahren wurde die Befeuerung verstärkt, indem man über der ersten Ölkastenreihe – etwas zurückliegend – eine zweite Reihe von Ölkästen anbrachte, die durch das untere Feuer schnell erhitzt wurden und die insgesamt eine höhere Flammenwirkung erreichte.


Einweihung der Säule

Die Einweihung der Bismarcksäule wurde am 21. Juni 1903 feierlich begangen. Bereits am Abend vorher traf sich der Ausschuss der Deutschen Studentenschaft im Patriotischen Gebäude in Hamburg. Nach Besichtigung einiger Hamburger Museen, des Zoologischen Gartens und weiterer Sehenswürdigkeiten fuhren die Studenten mit dem Zug nach Friedrichsruh. Nach Besuch des Bismarck-Mausoleums und des „Bismarckturmes des Herrn Specht bei Hofriede“ (Aumühle) zogen die Studenten mit einem Fackelzug zur Säule. Die eigentliche Einweihungsfeier fand in den Abendstunden am Turm statt. Die Befeuerungseinrichtung auf dem Turm wurde erstmals entzündet.

Über 1.000 Studenten sowie auch der Architekt Wilhelm Kreis nahmen an der Einweihungsfeier teil. Die Säule wurde bei der Weihe in die Obhut des Fürsten Herbert von Bismarck gegeben, der dazu auch den Turm-Schlüssel erhielt. Man war sich einig, dass der Turm ins Eigentum der Familie Bismarck überging. Die Verpflichtung für die Unterhaltung der Säule verblieb jedoch bei der Deutschen Studentenschaft.

Der Ausschuss der Deutschen Studentenschaft (Hamburger Ausschuss für die Bismarcksäulenweihe in Friedrichsruh“) nannte sich noch am selben Tage in  „Akademischer Bismarckausschuss zu Hamburg“ um. Man beschloss, jedes Jahr am 21. Juni in Anwesenheit des „Viererausschusses“ (jeweils drei Studenten aus vier verschiedenen Universitäts-Orten: Berlin, Bonn, Heidelberg und Stuttgart) das Feuer auf dem Turm zu Ehren Bismarcks zu entzünden und die Säule zu unterhalten.


Geschichte des Turmes nach der Einweihung

Von 1904 bis 1933 wurde die Bismarcksäule jährlich am 21. Juni befeuert. Die Säulenfeiern hatte immer die gleiche Festfolge, die Hauptrede hielt meist ein Auserwählter der Hamburger Akademiker. Die jährlichen Sonnenwendfeiern wurden regelmäßig mit einem Besuch des Mausoleums verbunden.

Lediglich im Kriegs-Jahr 1917 fand die Feier ohne Beteiligung von Studenten statt, das Feuer wurde vor der Säule (vermutlich im Feueraltar) entzündet.

Da das Bauwerk bis auf den 21. Juni jedes Jahres nicht genutzt wurde, wurde die Tür schon in den ersten Jahren immer wieder aufgebrochen, um über die Steigeisen im Inneren des Turmes nach oben zu gelangen. Trotz des Auswechselns der Holztür in eine Eisentür (später wurde der Eingang regelmäßig zugemauert) gelangten immer wieder Besucher in und auf den Turm. Dabei wurde u. a. auch eine später installierte Druckrohrleitung zur Hinaufbeförderung des Öls zerstört.

Kurz nach der Einweihung wurden durch mangelhafte Verfugungen Schäden an der Säule festgestellt. Diese konnten teilweise durch eine Schadensersatzleistung des Bauunternehmers behoben werden.

Seit dem 1. Weltkrieg existierte der Viererauschuss nicht mehr, der die Säule unterhalten sollte. Für die Pflege des Denkmals fehlten nun finanzielle Mittel.

Nach 1933 waren an der Säule erhebliche Fugenschäden zu beklagen. Die Unterhaltung der Säule wurde vom Reichsstudentenführer übernommen, die Hamburger Studentenschaft sollte die Durchführung übernehmen.

Seit 1949 erfolgten wieder regelmäßig Sonnenwendfeiern an und auf der Säule.

1959 erhielt der Akademische Bismarckausschuss den Zusatz „Vereinigung Hamburger Akademikerverbände“.

Fürst Bismarck und Oberschulrat Heesch führten Ende der 1950er Jahre Verhandlungen über Sanierungsmaßnahmen am Bauwerk. Bismarck beteiligte sich mit 10.000 DM, akademische Verbände, Hamburger Unternehmer und Bürger spenden zusätzlich 10.200 DM.

1966 beabsichtigte Fürst Bismarck, die Säule der Vereinigung Hamburger Akademikerverbände zu schenken. Dies gelang wegen eines Erbvertrages mit seinem Sohn nicht.

Im Jahr 1968 wurden die Sonnenwendfeiern aufgrund der politischen Situation an den Universitäten eingestellt.

Im Jahr 1986 sollte die Bismarcksäule saniert werden. Der Urenkel des Reichskanzlers, Maximilian von Bismarck, war nicht in der Lage, die jetzt denkmalgeschützte Säule zu unterhalten.

Die Stadt Reinbek, in der die Säule nach der Eingemeindung liegt, beabsichtigte, Grundstück und Säule in Erbpacht zu übernehmen, um die Säule in einen Aussichtsturm umzuwandeln. Im Haushalt wurden 236.000 DM für diese Maßnahme festgeschrieben. Durch veränderte Mehrheiten in der Stadtverordnetenversammlung nach der Kommunalwahl wurde am 23.04.1986 die o.a. Planung eingestellt.

Der Beschluss der Stadtverordnetenbesammlung (SPD, Grüne und FDP) besagte, dass das Denkmal "ein Relikt aus der Vergangenheit ist, für das städtische Mittel nicht zur Verfügung stehen".

Die Bismarcksäule wurde vor 1987 unter Denkmalschutz gestellt.

Die Säule ist (Stand: Dezember 2007) in einem dringend sanierungsbedürftigen Zustand. Das untere Drittel ist seit Jahren mit Graffiti beschmiert, die Säule ist hinten offen.


Anmerkungen zur Benennung der Bismarcksäule Friedrichsruh:

Den Verfasser dieser Zeilen erreichten mehrere Anfragen, warum diese Säule "Bismarcksäule Friedrichsruh" genannt wird. Der Ort Friedrichsruh, der ein Teil der Gemeinde Aumühle ist, liegt durch den Fluss Bille abgetrennt im Kreis Herzogtum Lauenburg. Zudem liegt Friedrichsruh noch auf der von der Bismarcksäule abgewandten Seite Aumühles.

Diese Bismarcksäule wurde im Auftrage des Ausschusses der Deutschen Studentenschaft zur Errichtung von Bismarcksäulen gebaut und finanziert. Der Bau dieser Bismarcksäule war als Bismarcksäule in bzw. bei Friedrichsruh geplant und wird in der mir vorliegenden Literatur (bis 1937) immer als Bismarcksäule in (oder bei) Friedrichsruh bezeichnet (siehe auch Grafik unten links).

Zitat aus einem unveröffentlichen Manuskript von Valentin von Bismarck (1915):
"Zuweilen macht ferner der Umstand Schwierigkeiten, daß die Bauten weitab von einer größeren Stadt stehen, so daß man im Zweifel sein kann, ob man sie nach der Stadt oder nach dem Berge benennen soll. Am treffendsten und vor allem auch wohl am gerechtesten wird in den meisten Fällen die Benennung nach dem Orte sein, der die Bismarcksäule oder Bismarckturm erbaut hat [...]. Die Bismarcksäule Friedrichsruh kann nur so benannt werden und bedarf keines weiteren Zusatzes."

Die Angabe "Bismarcksäule Friedrichsruh" sollte zudem den Bezug zu Otto von Bismarck aufzeigen (Herbert von Bismarck spendete das Grundstück und weihte den Turme ein.).


Link Karte Google Maps