Update: 22.03.2010

Vier Bismarck-Verehrer gründeten Verein
Die Bismarcksäule in Bad Schwartau

Im Oktober 1899 trafen sich die vier Schwartauer Bismarck-Verehrer Oberamtsrichter Carl von Heimburg (52 Jahre), der Rechtsanwalt Hans Böhmcker (29), der Bankdirektor Carl Fick (40) sowie Pastor Johannes Zeidler (66), um einen Aktionsausschuss für den Bau einer Bismarcksäule zu gründen.


Bau-Vorbereitungen

Bei einer ersten öffentlichen Versammlung am 14.04.1900 gründete man den "Verein zur Errichtung einer Bismarcksäule auf dem Pariner Berg", um auf der höchsten Erhebung der Heimat (70,05 m über NN) mit Hilfe von Spenden aus der Bevölkerung eine Bismarcksäule zu errichten. Als Vorsitzender des Vereins wurde Pastor Zeidler gewählt.

Bei dieser Versammlung war auch Ernst Theodor Lampe, Hufner und Gastwirt vom Pariner Berg, anwesend. Dieser stellte den Bauplatz kostenlos zur Verfügung und spendete einen Grundbetrag von 1.000 Mark. Zudem stellte er alle auf seinen Äckern liegende Feldsteine zur Verfügung. Die weiteren Kosten des Turmbaus (Gesamtkosten: 11.000 Mark) wurden komplett von Spenden aus der Bevölkerung gedeckt. Spenden wurden einerseits durch die Ausgabe von Mitgliedskarten (Beiträge) gewonnen, andererseits haben neben den Bürgern von Schwartau, Rensefeld und Groß Parin auch viele Bürger aus Ahrensbök, Stockelsdorf, Gnissau, Curau, Gleschendorf, Süsel, Obernwohlde, Siblin, Gothendorf und den Dörfern der damaligen Gemeidnen West-Ratekau und Ost-Ratekau für den Turmbau gespendet.

Entworfen wurde die Säule von Architekt Eduard Gildemeister aus Bremen, ausführender Baumeister waren Gustav Menschel und Steinmetzmeister Karl Steen aus Schwartau.


Grundsteinlegung und Einweihung

Die Grundsteinlegung wurde am 30. Juli 1901 (3. Todestag von Otto von Bismarck) mit einer Festveranstaltung feierlich begangen, an der u.a. der Schwartauer und Pansdorfer Kriegerverein, der Turnverein Schwartau, die Schlachterinnung, der Schwartauer Sängerbund und der Quartettverein teilnahmen. Ein Festzug führte vom Bahnhof zum Pariner Berg. Der Weg zum Bauplatz war mit Fahnen und Girlanden geschmückt. Vor dem im Jahre 1889 errichtetem Aussichtsturm auf dem Pariner Berg (wurde kurz darauf abgerissen) war eine Bismarck-Büste aufgestellt, vor der der Grundstein feierlich enthüllt wurde.

Am 01. November 1901 wurde mit dem Bau der Säule begonnen. Die Bauarbeiten waren im Sommer 1902 abgeschlossen.

Bei der feierlichen Einweihungsfeier am 28.09.1902 wurde die Feuerschale auf dem Turm erstmals entzündet, die mittels petroleumgetränktem Holz und Torf befeuert wurde. Über 1.000 Besucher nahmen an der Einweihungsfeier teil.


Baubeschreibung

Der 12,82 m hohe sich nach oben hin verjüngende Aussichtsturm mit Feuerschale mit quadratischem Grundriss (5 m x 5 m) steht auf einer 15 m x 15 m großen Terrasse, die über sieben Treppenstufen zu erreichen ist. Über weitere acht Stufen gelangt man zum Turmeingang.

Über dem Eingang des Turmes ist ein Bismarck-Wappen in Stein angebracht. Linksseitig des Eingangs ist im dort angebrachten Grundstein das Datum der Grundsteinlegung, der "30. Juli/1901" eingemeißelt. Über eine Wendeltreppe aus Metall und einer Steinstufe (insgesamt 38 Stufen) ist die Aussichtsplattform mit Feuerschale erreichbar.


Geschichte des Turmes

Bis zum Jahr 1929 fand jährlich am Bismarckturm eine Sonnenwendfeier statt.

Im 2. Weltkrieg wurde das Bauwerk als Flugabwehr-Leitstelle genutzt. Entlassene französische Kriegsgefangene beschädigten nach Kriegsende Teile des Turmes.

Das Bismarckturm wurde 1958 aus Sicherheitsgründen (Beschädigungen) gesperrt. Die Tochter des Stifters Erna Bussing (geb. Lampe) wurde aufgefordert, die Sanierungsarbeiten durchzuführen, da sie Rechtsnachfolgerin des Landwirts Ernst Theodor Lampe sei. Diese sah sich jedoch nicht als Eigentümerin der Säule und weigerte sich, die Sanierung auf ihre Kosten durchführen zu lassen.

Eigentümer der Säule war der Verein, der jedoch nicht mehr bestand und dessen Vorstandsmitglieder alle verstorben waren. Da es keinen Rechtsnachfolger des Vereins gab, wurde auf Initiative vom damaligen Bürgermeister Dr. Heinz Blankenburg die kostenlose Übereignung des Turmes samt Grunstück an die Stadt Bad Schwartau angeregt. Nach Verhandlungen mit Frau Bussing wurde am 09.08.1960 ein Übereigungsvertrag zwischen ihr und der Stadt geschlossen. Seitdem ist die Stadt Bad Schwartau Eigentümerin des Grundstücks und der Bismarcksäule.

Es dauerte aber noch zwölf Jahre, bis der Turm im Jahre 1972 saniert werden konnte (Kosten: 35.000 DM). Die Feuerschale wurde abgenommen und der Turmkopf wurde mit einer festen metallenen Abdeckung versehen.

Im Jahr 1977 veranstaltete der "Gemeinnützige Bürgerverein Bad Schwartau" eine Jubiläumsfeier am Turm (75 Jahre Bismarcksäule). Dabei wurde eine Hinweistafel aufgestellt. Der Bürgerverein stiftete zwischen 1977 - 84 eine neue Befeuerungsanlage für den Turmkopf.

Im Jahre 1980 wurde das Bauwerk unter Denkmalschutz gestellt.


    Öffnungszeiten

    Die Bismarcksäule ist ganzjährig geöffnet (Stand 2010, Eintritt kostenlos).


    Anschrift der Gaststätte "Pariner Berg" an der Bismarcksäule

    Ehepaar Knees
    Pariner Berg
    23611 Bad Schwartau
    Tel.: 0451/21418


    Links

    Google Maps

    Google Earth


    Quelle: "Die Bismarcksäule auf dem Pariner Berg", Dokumentation von Georg Harders 1984