Update: 20.01.2010

Aussichtsturm mit umgebauten Kopf
Der Bismarckturm in Wurzen

Der Deutsche Patriotenbund (nach anderer Quelle der "Reichsverein für Wurzen und Umgebung" unter Vorsitz des Maschinenfabrikanten Richard Klinkhardt) regte im April 1901 den Bau dieses Bismarckturmes auf dem Wachtelberg an.

Wie in vielen anderen Städten wurde ein Komitee zur Errichtung eines Bismarckturmes gebildet (Vorsitz: Fabrikant Richard Klinkhardt, nach anderer Quelle: Kommerzienrat Baeseler).

Als Architekten beauftragte man nach einer durchgeführten Konkurrenzausschreibung Wilhelm Kreis, dessen von der deutschen Studentenschaft im Jahre 1899 preisgekrönter Entwurf "Götterdämmerung" bis zum Jahr 1911 insgesamt 47-mal gebaut wurde.

Für Wurzen sollte Kreis einen architektonisch anderen Entwurf realisieren. Auffällig sind bei diesem ausgeführten Entwurf der aufgesetzte Rundbau und der wuchtige Mittelschaft mit den kleinen Rundsäulen an den Ecken.

Der Bau wurde durch Spendenmittel finanziert, u.a. führte das Komitee eine Bismarckturm-Lotterie durch.

Als Standort für den Turm wählte man den Wachtelberg (148,5 m über NN) in Dehnitz bei Wurzen aus. Als Baumaterial wurden Lüptitzer Quarzporphyr und Bruchsandstein verwendet. Die Bauausführung übernahm Firma M. Viehweg (nach anderer Quelle: Baumeister Dietzel aus Wurzen). Der Turm ist 1,5 m tief in den Felsen gegründet und ruht auf einer dicken Zementbetonsohle. Es war vom Architekten beabsichtigt, dass der Turm aus den Felsen herauszuwachsen scheint.

Die Basis des Bauwerks ist ein knapp zwei Meter hoher pyramidenstumpfartiger Sockel, in dem die im Süden liegende und zum Eingang führende breit angelegte Treppe mit acht Stufen eingebettet ist.

Über eine Holztreppe gelangte man zur Aussichtsgalerie. Der obere, runde Teil des Turmes schließt mit einem Kuppelgewölbe ab, auf dem die aus Eisenblech geschmiedete Feuerschale mit einem Durchmesser von 2,0 m ruht. Die 11 Zentner schwere Feuerschale sowie das äußere Umfriedungsgeländer wurden vom Schlosser A. Dämmich gefertigt.

Am Tage der Einweihung wurde der Bismarckturm erstmals befeuert. Mehrere Tausend Besucher nahmen an der Einweihungsfeier mit Fackelzug zum Turm teil.

Im Jahr 1945 wurde der Turm durch amerikanischen Panzerbeschuss (2 - 5 Volltreffer) beschädigt. Dabei wurde auch die Holztreppe zerstört. 1947 war eine Sprengung des beschädigten Turmes geplant. Die Sprengung konnte verhindert werden, das Bauwerk wurde nun aus ideologischen Gründen in "Wachtelbergturm" umbenannt.

In den Jahren 1950/51 wurde eine Sanierung des Turmes beschlossen; dieser Beschluss wurde 1953 widerrufen. Trotzdem erfolgte bereits im Jahr 1954 eine erste Sanierungsmaßnahme, bei der die Kriegsschäden beseitigt wurden. Das Bauwerk blieb für Besucher aber weiterhin verschlossen.
1974 plante die Stadt erneut, den Turm zu sprengen, was verhindert werden konnte.
Von 1975 bis 1984 baute Klaus Zeibig aus Wurzen in seiner Freizeit am Turm.

Im Jahr 1978 wurde die Feuerschale bei Sanierungsarbeiten komplett entfernt. Der Turmkopf wurde umgebaut (neue Überdachung). Dadurch wurde das Bauwerk auf 19,4 m aufgestockt. 1979 wurde die von einem Wurzener Kunstschmied gefertigte Wetterfahne auf das Turmdach gesetzt.

Bei diesen umfangreichen Sanierungsmaßnahmen wurde die zerstörte Holztreppe durch eine Stahltreppe mit 60 Stufen ersetzt, die zur Aussichtsgalerie führt. Über eine weitere Treppe gelangt man zur überdachten Aussichtsplattform.

Am 06. Oktober 1984 konnte der Wachtelbergturm für Besucher geöffnet werden. Die regelmäßige Turmöffnung übernahm Klaus Zeibig aus Wurzen (Tel.: 03425/810706), der das Bauwerk auch im Jahr 2007 zu den u.a. Zeiten öffnet. Von 1984 bis 2004 wurde der Turm, auf dem man an klaren Tagen eine Aussicht von bis zu 40 km hat, von über 50.000 Besuchern bestiegen.

1992/93 erfolgte eine weitere Sanierung des Turmes durch ehrenamtliche Helfer (u.a. Neuverfugung des Mauerwerks).

Der Bismarckturm liegt heute im Kernbereich des Naturschutzgebietes Wachtelberg Mühlbachtal, dem ältesten Schutzgebiet für Pflanzen in Deutschland.


Öffnungszeiten:
jeweils an Sonntagen von April bis September geöffnet
April / Mai 13:30 - 16:00 Uhr
Juni - August 15:30 - 18:00 Uhr
September / Oktober 13:30 - 16:00 Uhr

Eintritt:
1,00 €, für Kinder von 6 bis 14 Jahren 0,50 €, spezielle Gruppenpreise auf Anfrage (Tel.: 03425/810706)


Wegbeschreibung:

Die Stadt Wurzen erreicht man mit dem Auto über die A 14 Halle-Leipzig-Dresden

  • Abfahrt Grimma (Nr. 31), B 107 (17 km)
  • Abfahrt Leipzig-Ost (Nr. 26), B 6 (19 km)

Der Bismarckturm auf dem Wachtelberg im Stadtteil Dehnitz (Süden von Wurzen) ist weithin sichtbar.


Links

Google Maps

Google Earth


Dank an Ralph Männchen aus Dresden für alle Fotos und Wegbeschreibung, Dank an Klaus Zeibig aus Wurzen für umfangreiche Informationen!
Foto Turmkopf Bismarckturm Wurzen
Foto Eingangsportal Bismarckturm Wurzen
AK-Motiv Bismarckturm Wurzen
AK-Motiv Bismarckturm Wurzen
Foto Bismarckturm Wurzen 2004