|
Karl May spendete für den Turm
Der Bismarckturm in Radebeul
Durch den "Deutsch-sozialen Reformverein für Radebeul und Umgebung" wurde der Bau dieses Bismarckturmes angeregt. Es wurde ein "Ausschuss zur Errichtung eines Bismarckturmes auf den Lößnitzbergen" gegründet, der Spendensammlungen in Radebeul und Umgebung durchführte. Als Architekten gewann man Wilhelm Kreis, der u.a. die Bismarcksäule in Dresden-Räcknitz entworfen hatte.
Für Radebeul entwarf Wilhelm Kreis einen Ehrenturm ohne Feuerschale. Auf dem 4 m hohen quadratischen Unterbau (Kantenlänge 8,3 m x 8,3 m) ragt eine 7,5 m hohe zylindrische Säule auf. Auf dieser Säule ist ein offener Turmabschluss mit zehn kurzen Deckenpfeilern angebracht.
Durch den vorgelagerten Eingang (Nordseite), den man durch eine dreistufige, seitlich verkröpfte Treppenanlage aus Naturstein erreicht, gelangt man in den mit acht Nischen ausgelegten Innenraum des Turmes. Die Steine des Außenmauerwerks wurden bogenförmig versetzt angeordnet.
Bei diesem Bauwerk ist auffällig, dass Wilhelm Kreis ein auf Knotensteinen gestütztes Arkadenmauerwerk (vier Reihen übereinander und in sich versetzt) anstrebte. Jeder gemauerte Halbkreisbogen lagert auf einem Knotenstein, der etwas aus dem Mauerwerk vorsteht. Das Füllmauerwerk oberhalb der Arkaden ist ein Bruchsteinmauerwerk mit unregelmäßiger Schichthöhe, auf das ein dreistufiges, verschieden hoch gestuftes Gesimsband eingefügt worden ist.
Über dem Eingang wurde die Inschrift (Bismarck-Zitat)
WIR DEUTSCHEN / FÜRCHTEN GOTT SONST / NICHTS IN DER WELT
angebracht.
Im Dreiecksgiebel oberhalb der Inschrift befindet sich ein Bismarck-Wappen in Sandstein mit den (lateinischen) Inschriften
„Patriae inserviendo consumer“ und
„In trinitate robur“.
Finanziert wurde der Turm komplett aus Spenden. Sogar der Schriftsteller Karl May, der zu dieser Zeit in Radebeul wohnte, spendete 100 Mark für den Turmbau. Karl May war mit dem Architekten Wilhelm Kreis befreundet.
Im Jahr 1913 plante man, den Turm durch Einbau einer Treppe zum Aussichtsturm umzubauen, was aber aus finanziellen Gründen scheiterte. Nach dem 2. Weltkrieg wurden alle Hinweise auf Bismarck entfernt.
Der Turm liegt malerisch in den Lößnitzer Weinbergen und ist über die lange Spitzhaustreppe erreichbar. Das Bauwerk ist ganzjährig geöffnet.
Seit Anfang 2000 wurde in der Presse diskutiert, ob eine Treppe in den Turm gebaut werden soll. Im September 2007 wurde für sechs Wochen eine mobile Stahltreppenanlage im Turminneren aufgebaut, um den Besucherzustrom zu testen. Täglich stiegen durchschnittlich 150 Personen für 2 EURO pro Person auf den Bismarckturm (Auskunft des Türmers).
Der Denkmalverein hat im Februar 2008 bereits 2.000 EURO an Spenden für eine Treppe gesammelt und hofft, durch das Sammeln weiterer Spenden bis zum Jahre 2012 das Bauwerk als Aussichtsturm eröffnen zu können.
Links
Google Maps
Google Earth
|