Update: 06.01.2010
Der Bismarckturm an der tschechischen Grenze
Der Bismarckturm in Neugersdorf

Der Bau eines Aussichtsturmes in Neugersdorf wurde schon 1879/1880 vom "Naturwissenschaftliche Verein zu Neugersdorf" auf dem Hutungsberg geplant, doch die Finanzierung dieses Projektes war zunächst nicht möglich.

Der heimische Fabrikant Julius Hoffmann (1835 – 1903) griff die Idee im Jahre 1902 auf und regte den Bau eines Bismarckturmes als Aussichtsturm mit Feuerschale an.
Der Fabrikant selbst stiftete 12.000 Mark für den Bau des Turmes, dessen Baukosten insgesamt 20.000 Mark betragen sollten. Der Turm sollte auf dem höchstgelegenen Punkt in Neugersdorf (474 m ü. NN), der Spitze des Hutungsberges, errichtet werden.

Am 07.03.1904 wurden die Aussichtsmöglichkeiten mit Hilfe einer 16 m langen Leiter überprüft und für gut befunden. Der Bauplatz wurde dem Wachtschenkbesitzer Seidel im gleichen Jahr für 1.000 Mark abgekauft. Zu der Spende von Julius Hoffmann kam eine weitere Großspende in Höhe von 7.500 Mark von Arno Hoffmann. Die restlichen Baukosten von 500 Mark wurden über Vereinsgelder und Zinsen getragen

Der genaue Bauplatz auf dem erworbenen Grundstück wurde Anfang 1904 im Gemeinderat ausführlich beraten. Am 10.02.1904 entschied man sich, den Turm vier Meter nördlich in Richtung Seifhennersdorfer Straße zu legen. Die Baugenehmigung wurde schließlich am 23.02.1904 erteilt.

Der Baumeister Hermann Mihan aus Neugersdorf entwarf den Bismarckturm und übernahm auch die Bauausführung. Mitglieder des Naturwissenschaftlichen Vereins bildeten ein Baukomitee, um den Bauablauf zu überwachen.
Am 05.04.1904 konnte der Grundstein im Rahmen einer kleinen Feier gelegt werden.


Baubeschreibung

Als Baumaterial für den 19,5 m hohen Turm mit quadratischem Grundriss wurde wetterfester Sandstein aus den Walthersdorfer Brüchen, für das Fundament Basaltstein und für die Innenverkleidung Ziegelmauerwerk, in die die Stahlbetontreppe eingespannt wurde, verwendet.
Der Turmaufbau ist vierfach gegliedert:

1.    in einen viereckigen Unterbau,

2.    einen ebenfalls viereckigen Schaft,

3.    ein rundes aufsitzendes Oberteil sowie

4.    das auf der Plattform befindliche Austrittshäuschen mit aufgesetzter Feuerschale.

Eine Sandsteinbrüstung von 1,05 m Höhe schließt die Plattform ab.
Der Innendurchmesser des Bauwerkes betrug 2,8 m. Über dem Eingang wurde ein Bismarck-Medaillon mit einem Durchmesser von einem Meter angebracht, welches von Alfred Hoffmann gespendet worden war.

Im Turminneren befestigte man eine Ehrentafel aus schwedischem Granit mit Bismarck-Wappen sowie eine Widmung in goldener Schrift für den Stifter Julius Hoffmann:

"Bismarckturm, erbaut aus der Stiftung des Herrn Commerzienrat Julius Hoffmann vom Naturwissenschaftlichen Verein im Jahre 1904".

Unterhalb des oberen Treppenpodests wurde eine Syenitplatte mit der Inschrift

„Dem der in Not und Gefahr Tatenbringer – Retter war“

angebracht. Am 14.09.1904 gab der Vorsitzende des Naturwissenschaftlichen Vereins, Herr Bruno Elssner, die abschließende Fertigstellung des Turmbaus an.

Die oben aufgesetzte runde Feuerpfanne (1,45 m Durchmesser, 0,45 m Tiefe) aus Kupfer wurde fest eingemauert. Über eine freitragende Wendeltreppe mit 86 Stufen gelangte man zur Zinnenaussichtsplattform des Bismarckturmes.


Geschichte des Turmes

Nach sechsmonatiger Bauzeit konnte Turm am 09.10.1904 feierlich eingeweiht und erstmals eröffnet werden.

Die Verwaltung des Bauwerkes übernahm der Naturwissenschaftliche Verein Neugersdorf, der gleichzeitig auch als Eigentümer ins Grundbuch eingetragen wurde. Über ein in der „Wachtschenke“ hinterlegten Schlüssels war das Besteigen des Turmes gegen eine geringe Gebühr (Erwachsene: 10 Pfennig, Kinder: 5 Pfennig) möglich.

Anfang der 30er Jahre erfolgte die erste Sanierung des Turmes. Die Sandsteinquader mussten neu verfugt werden und die Fassade wurde wetterfest angestrichen. Das Bauwerk wurde an das Stromnetz angeschlossen und die Innenwände wurden weiß gestrichen. Zudem wurden die Außenanlagen neu gestaltet. Die Arbeiten wurden am 21.03.1933 offiziell abgeschlossen.

Eine geschnitzte Wegtafel mit der Gestalt Bismarcks und zwei Adlern wies nun den Weg zum Turm u.a. mit den Worten:

"Halt! Wandrer Halt! Ein Bismarckturm!" .

Eine im Sommer 1933 geplante Außenbeleuchtung durch Scheinwerfer scheiterte an den zu hohen Kosten.

Am 30.04.1938 wurde die Feuerschale nach Anordnung nach Anbruch der Dunkelheit über einen Zeitraum von 10 Stunden entzündet.

Am 03.05.1938 übertrug der Verein der Stadt Neugersdorf das Grundstück mitsamt Turm, da die zwangsweise Auflösung des Vereins durch die politischen Änderungen bevorstand. Ein Aufmarschplatz im Bereich des Turmes wurde geplant, aber nicht realisiert.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde der Turm in "Grenzturm" (aufgrund seines Standortes wenige Meter von der tschechischen Grenze entfernt), nach dem 2. Weltkrieg in "Turm der Jugend" umbenannt.

Nach 1945 wurde der sanierungsbedürftige Turm für den Besucherverkehr gesperrt. Das Bauwerk verfiel, Sanierungsmaßnahmen erfolgten über mehrere Jahrzehnte nicht.
Das ursprüngliche Bismarck-Medaillon ist seit ca. 1951 verschollen.

Am 23.05.1990 wurde der Bauzustand von der Staatlichen Bauaufsicht überprüft. Das Regierungspräsidium Dresden stellte 15.000 DM für die Sanierung zur Verfügung.

Ab Juli 1992 wurde der Turm ohne wesentliche äußere und innere Änderungen saniert (u.a. Reinigung der Fassade, Erneuerung der Kupferabdeckungen, neue Außentür, Einsetzen neuer Holzverbundfenster und Ausbesserung der Sandsteinquader).
Zudem musste der obere Teil der Treppenanlage rekonstruiert werden. Eine neue Elektroanlage wurde eingebaut, durch die eine neue und verbesserte Innenbeleuchtung möglich war.
Auch eine Außenbeleuchtung des Turmes konnte nun verwirklicht werden. Die gärtnerischen Anlagen wurden neu gestaltet.

Die Gesamtkosten für die Sanierung betrugen 589.000 DM.

Am 12.09.1993, zum Tag des offenen Denkmals, wurde das sanierte Bauwerk als Bismarckturm wiedereröffnet. Über 1.000 Besucher bestiegen den Turm am Tage der Neueröffnung. Im Zuge der Sanierung war oberhalb des Einganges ein neues Bismarck-Medaillon angebracht worden.

Der Neugersdorfer Museumsverein gab Anfang 2004 die Betreuung des Turmes (Öffnung) ab. Im Rahmen eines Projektes wurde der Turm bis Ende Oktober 2004 von zwei Mitarbeitern geöffnet. Im Jahr 2004 wurde der Turm von 1.574 Personen, im Jahr 2005 von ca. 700 Personen besucht.

Im Oktober 2004 wurde der Bismarckturm 100 Jahre alt. Bereits am 04.09.2004 wurde das Turmjubiläum feierlich begangen.

Seit Dezember 2005 ist über die Stadt Neugersdorf ein Flyer mit Informationen zum Bismarckturm erhältlich.


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Link:
www.neugersdorf.de

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Öffnungszeiten:
April bis Oktober; Sa.: 14 - 16 Uhr, So. + Feiertage : 10 - 11 Uhr und von 14 - 16 Uhr oder auch über Bismarckstübl, Seifhennersdorfer Str. 26a, Tel.: 03586/702478


Dank an Ralph Männchen aus Dresden und Wolfgang Fiedler aus Neugersdorf für Fotos und ergänzende Infos.


Foto der Bismarckturm-Einweihung vom 09. Oktober 1904