Update: 18.12.2009


Der Bismarckturm in Leipzig
Der Bismarckturm Lützschena-Stahmeln

Im Jahre 1910 regte der Leipziger Kaufmann Otto Erler den Bau eines Bismarckturmes bei Leipzig an. Mit Unterstützung des Amtshauptmannes von Rostiz aus Wallwitz bildete sich im Dezember 1910 ein „Ausschuss zur Errichtung eines Bismarckturmes bei Leipzig“.

Dieser Ausschuss rief die Leipziger Bevölkerung dazu auf, den Bau dieses Bismarckturmes finanziell zu fördern.

Bei der noch im Dezember 1910 geführten Standortdiskussion konnte sich der Ausschuss zuerst nicht auf einen geeigneten Standort festlegen. Zur Wahl standen u.a. der Tannenwald bei Lindenthal und der Wachberg bei Rückmannsdorf. Man wählte den Turmstandort schließlich außerhalb der Grenzen von Leipzig auf dem Erlerberg bei Hänichen, der höchstgelegensten Stelle im Umkreis. Ausschlagend war wahrscheinlich die kostenlose Überlassung des Bauplatzes durch Otto Erler.

Nach Klärung der Platzfrage beschäftigte man sich mit der Frage der Ausführung des Turmes. Zu diesem Zweck wurde vom Ausschuss ein Preisausschreiben initiiert. 88 Entwürfe für einen Bismarckturm gingen ein und wurden öffentlich ausgestellt. Die drei besten Entwürfe wurden mit Preisen ausgezeichnet. Der 1. Preis ging an den Entwurf des Architekten Hermann Kunze aus Leipzig. Dieser Entwurf wurde angenommen und ausgeführt.

Da die veranschlagte Bausumme bei 100.000 Mark lag und die Spenden aus der Bevölkerung nicht die erforderliche Höhe erreichten, wurde der Entwurf mehrmals vom Königl. Sächs. Baurat Bestelmeyer abgeändert. Aus technischen Gründen sollte das Bauwerk nicht mehr auf dem Hügel, sondern vor dem Hügel auf dem Erlerberg bei Hänichen errichtet werden.

Am 23.09.1913 wurde ein Bismarckturm-Verein e.V. gegründet, um durch die Beiträge der Mitglieder die noch fehlende Summe für den Bau zu sammeln. Vorsitzender dieses Vereins war Kaufmann Friedrich Gontardt aus Leutzsch.

Der Verein beschloss, als Material keinen „fremdartigen Baustein“, sondern Sand und Wasser aus der umliegenden Gegend für einen Eisenbetonbau zu wählen. Für die Ausführung der Arbeit wählte man einen Spezialisten für Eisenbetonbauten, die Fa. Max Pommer aus Leipzig.

Das endgültige Turmmodell wurde auf 2.000 Plakate gedruckt. Bei der feierlichen Grundsteinlegung am 01.04.1914 hatte man bereits 60.000 Mark für den Bau gesammelt. Am 18.09.1914 konnte (in einfacher Form) Richtfest gefeiert werden.

Der aus Stampf- und Eisenbeton gefertigte Turm mit quadratischem Grundriss (11,4 m x 11,4 m) hat auf einer Höhe von 10,2 m den ersten Umgang. Von hier aus führen Treppen durch den 12,45 m hohen verjüngten Mittelschaft des Turmes (Kantenlänge 8,7 m x 8,7 m) zum zweiten Umgang. Der Mittelschaft, der von der Form her an den Entwurf "Götterdämmerung" von Wilhelm Kreis erinnert, hat im Gegensatz zum Unterschaft abgerundete Ecken. Auf dem 8,1 m hohen Oberschaft (Kantenlänge 5,7 m x 5,7 m) mit ebenfalls abgerundeten Ecken wurde als Abschluss die gusseiserne Feuerschale (Durchmesser 2,0 m) angebracht. Über insgesamt 124 Treppenstufen gelangt man zum oberen Turmumgang. Über ein Steigeisen konnte man vom Inneren des Oberschaftes zur Feuerschale gelangen.

Über dem Portal wurde der Name "BISMARCK" angebracht.

Der 5 m breite und 30 m lange Vorplatz des Bauwerkes ist über eine 7,65 m breite Freitreppe mit acht Stufen erreichbar (Höhenunterscheid 1,45 m). Der Vorplatz wird von zehn Postamenten begrenzt, auf denen jeweils eine Beton-Kugel mit Durchmesser von 1 m aufgestellt worden ist.

Im Innern des Turmes befand sich die Bismarck-Gedächtnishalle, in der eine 1,3 m hohe Bismarckbüste aus Bronze (von Bildhauer Harro Magnussen aus Berlin) auf einem 2 m hohen marmornen Postament in einer halbkreisförmigen Nischenwand mit Muschelbekrönung aufgestellt wurde. Die Büste wurde von Dr. Willmar Schwabe gestiftet. Der Fußboden der Gedächtnishalle wurde mit halbgeschliffenen Solnhofener Platten ausgelegt. Die Oberlichtfenster aus buntem Kunstglas, gestiftet von Kommerzienrat Karl Weichelt, zeigten die Symbole des Eisernen Kreuzes sowie des Kreuzes Christi. Auf zwei weiteren achteckigen Kunstglas-Seitenfenstern (Höhe 1,5 m) war auf einem Fenster das Wappen Bismarcks, auf dem anderen das Reichswappen zu sehen (Büste und Fenster nicht mehr vorhanden).

Im Zuge der Gleichschaltung im 3. Reich erlosch am 20. März 1939 der Bismarckturm-Verein.

Vermutlich nach 1945 wurden alle Hinweise auf Bismarck entfernt.

Ende 1994 erwarb die Gemeinde Lützschena-Stahmeln den Turm von der Stadt Leipzig. Nach Sanierungsarbeiten (z.B. neuer Außenputz, Blitzableiter) konnte der Turm im März 1997 für den Besucherverkehr wieder freigegeben werden. Der am 10.01.1997 gegründete Bismarckturmverein Lützschena-Stahmeln e.V. kümmert sich seitdem um den Turm. Dieser wird seit dem 02. März 1997 der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Seitdem wird der Turm jedes Jahr mehrmals bei allen großen Veranstaltungen befeuert (alle Aktivitäten seit 1997 in der Chronik der Vereins-Website, Link s.u.)

Im Juni 1998 wurden die "BISMARCK"-Inschrift über der Tür sowie die Außentreppe erneuert. Seit dem 30. Juli 1998 kann der Turm in den Abendstunden illuminiert werden. Im Juni 1999 wurde die alte Tür durch eine stabile Holztür ersetzt.

Am 01.01.1999 wurde Lützschena-Stahmeln im Rahmen einer Gebietsreform in die Stadt Leipzig eingemeindet.

Der Bismarckturm in Leipzig öffnet seine Türen für Besucher in den Sommermonaten von Mai bis September an jedem Sonntag! Ende Juli / Anfang August findet alljährlich der Crosslauf "Rund um den Bismarckturm" (offizieller Ranglistenlauf) statt. Auch in den "Nicht-Sommer-Monaten" ist das Bauwerk an jedem ersten Sonntag im Monat von 14:00 - 16:00 Uhr geöffnet. Der untere Umgang des Turmes, den man über einen kleinen Weg erreicht, ist Tag und Nacht frei zugänglich.

Vom Turm aus bietet sich eine gute Aussicht auf das Völkerschlachtdenkmal und auf die Silhouette von Leipzig (u.a. den früheren Universitätsturm).

Der Bismarckturm-Verein entwickelte Anfang 2004 ein Konzept, um den Bismarckturm für Touristen noch attraktiver zu machen. Die ersten Maßnahmen konnten bis zum Sommer 2004 abgeschlossen werden (umfangreiche Arbeiten am Entwässerungssystem, Änderung des Haltestellennamens (Verkehrsbetriebe MDV) von "Hänichen" zu "Hänichen, Bismarckturm".

Im Jahr 2007 plant der Verein, die ehemalige Bismarck-Büste durch ein Bismarck-"Kunstwerk" eines jungen Künstlers zu ersetzen. Ein Spendenkonto für diese Initiative wurde bereits eröffnet.

Umfeld des Turmes

In den Jahren 1914 / 1915 wurde eine Lindenallee als direkter Zugangsweg (Sichtachse) zum Turm gepflanzt. 1973 wurde diese Allee als Naturdenkmal unter Schutz gestellt. Der Bestand wurde ab der heutigen Straßenbahn-Trasse sechssreihig angelegt. Die Allee setzt sich zweireihig fort und öffnet sich quadratisch vor dem Turm. Die Linden wurden auch als Anspielung auf den Namen Leipzig als "Lindenort" gepflanzt.

Seit April 2008 werden in der historischen, zum Bismarckturm führenden Linden-Allee 33 sogenannte Krim-Linden gepflanzt. Das ursprüngliche Aussehen des Platzes vor dem Turm, der von doppelseitig gepflanzten Linden begrenzt war, wird so wieder hergestellt.

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Standort (GPS-Daten):
Länge 12 Grad 15 Min 59 Sek.
Breite 51 Grad 23 Min 23 Sek.

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Anschrift:
Bismarckturm-Verein Lützschena-Stahmeln e. V.
Am Brunnen 4
04159 Leipzig

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Links:
Bismarckturm-Verein Lützschena-Stahmeln e.V.
(neue URL 2008)

Der Bismarckturm bei Leipzig (ausführliche Baubeschreibung, Beton und Eisen, 14. Jahrgang 1915, Download)

Die Festordnung für die Weihe-Feier des Bismarckturmes (zeitgenössischer Bericht, Download)

Link Google Maps

Link Google Earth

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