Update: 18.12.2009

Bismarckturm im romanischen Stil
Der Bismarckturm in Ingelheim

Der Bau dieses teuersten Bismarckturmes in Rheinland-Pfalz wurde von der rheinhessischen Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes am 29.03.1902 angeregt. Man wählte den Entwurf "Götterdämmerung" von Professor Wilhelm Kreis als Entwurf zum Bau der "rheinhessischen Bismarcksäule auf der Waldeck" aus, allerdings mit einigen Abänderungen (siehe Zeichnung von Wilhelm Kreis u. l.).

So sollte die Säule mit einer Höhe von ca. 30 m errichtet werden, um mit dem benachbarten Niederwald-Denkmal zusammen zu wirken. Statt des Reichsadlers am Säulenschaft sollte als Schmuck eine Bismarck-Figur zwischen die beiden vorderen Halbsäulen gesetzt werden. Am 18.08.1902 wurde erstmals der Grundstein für diese Säule gelegt. Der Bau wurde aber nicht fortgesetzt.

1906 gründete sich der "Rheinhessische Bismarck-Verein". Dieser verwarf endgültig den Plan zum Bau der Bismarcksäule nach dem Entwurf "Götterdämmerung". W. Kreis sollte einen neuen Entwurf speziell für Ingelheim schaffen.

Die Gemeinde Oberingelheim stellte das Gelände für den Turm kostenlos zur Verfügung, einschließlich des Ausbaus des Feldweges zum Denkmal. Die zweite Grundsteinlegung erfolgte am 18.08.1907.

Der neu entworfene Aussichtsturm mit quadratischem Grundriss (14 m x 14 m) erreichte nach fast fünfjähriger Bauzeit seine vorläufige Höhe von ca. 27 m. Der Bau wurde von Baumeister O. Hauswald aus Mainz ausgeführt. Als Baumaterial wurden Kalksteine ausgewählt, die in der Nähe der Baustelle (Westerberg und den Steinbrüchen am Mainzer Berg) gebrochen wurden. Das Mauerwerk wurde im Schichtmauerwerk mit rauer äußerer Sichtfläche ausgeführt.

Auf etwa 2/3 Höhe des ersten Obergeschosses sind schießschartenähnliche Wandöffnungen von einem Meter Breite und. ca. 2 m Höhe angelegt worden.

Auf die Anbringung einer Bismarck-Figur wie im ersten Turmentwurf geplant wurde jedoch verzichtet.

Nach einem Zeitungsbericht soll das Bauwerk bereits Ende 1910 bis zur Aussichtsplattform fertiggestellt worden sein, die auf Pfeilern ruhende Betonkuppel wurde nachträglich aufgesetzt (vor dem 23. März 1912) und liegt auf einer 60 cm dicken, in Bruchsteinen gemauerten Ringwand mit einem Innenradius von 2,7 m.

Die Schlussrechnung betrug 65.122,70 Mark, dazu kamen noch 2.500 Mark als Honorar für Wilhelm Kreis und einige Folgen- und Nebenkosten. Veranschlagt waren zuvor 27.000 Mark Baukosten.

Geschmückt ist das Bauwerk im Eingangsbereich mit einer Sandsteintafel mit der Inschrift

"ZU / BISMARCKS / EHR"

und einer darüberliegenden Balkonbrüstung.

Durch das Eingangsportal gelangt man in das quadratische Sockelgeschoss mit einer Höhe von 4,5 m und einer Kantenlänge von ca. 16 m.

Über eine rechtsdrehende Wendeltreppe mit 111 Betonstufen und 3 Podesten (nach 25, 56 und 79 Stufen) sowie 13 Stufen einer eisernen, linksdrehenden Wendeltreppe erreicht man die Aussichtsplattform mit Feuerschale. Diese wurde mit Braungrus [?], welches mit Petroleum getränkt wurde, befeuert.

Die schlichten Würfelkapitelle der zwei Säulen am Turmeingang sowie der Zahnfries am Abschlussgesims verweisen auf den romanischen Stil des Bauwerkes, der zur Bauzeit als "deutsch" empfunden wurde.

Nach 1925 wurde erstmals Ausbesserungsarbeiten durchgeführt. Bis in den Zweiten Weltkrieg fanden am Turm u.a. Sonnenwendfeste und Bismarck-Gedenkfeiern statt. Im Jahr 1953 wurde der immer noch bestehende Bismarck-Verein liquidiert, das Bauwerk ging in das Eigentum der Stadt Ingelheim über.

Nach Günter Kloss / Sieglinde Seele ("Bismarck-Türme und Bismarck-Säulen", Michael Imhof Verlag Petersberg 1997) wurde nach 1985 eine Bronze-Inschrifttafel mit der Inschrift

BISMARCKTURM / ERBAUT VOM / RHEINHESSISCHEN / BISMARCKVEREIN / ARCHITEKT / PROFESSOR WILHELM KREIS / 18.08.1907 GRUNDSTEINLEGUNG / 12.05.1912 EINWEIHUNG / HÖHE 31 m"

angebracht.

Der Bismarckturm steht heute in der Gemarkung Ober-Ingelheim.

Seit Dezember 2002 (Versuchsphase) wird der Bismarckturm nach einer Idee von Mario Ziarno und Hubertus Wermann in der Vorweihnachtszeit als Adventskerze umgestaltet. Am 20. November 2003 erhielt der Bismarckturm in der Vorweihnachtszeit auf Initiative des Vereins "Lebenswertes Ingelheim" eine spezielle Stahlkonstruktion. Die Konstruktion ähnelte einem spitz zulaufenden Sechseck, die in eine "Feuerschale" von zwei Meter Durchmesser auf dem Turmkopf mündete. In dieser "Feuerschale" wurde die 2,5 m hohe Stahlsilhouette einer Kerzenflamme angebracht. Durch starke Halogenlampen wird ein flackerndes Kerzenlicht simuliert ("Ingelumer Kerz").

Seit Herbst 2009 gibt der Verein "Lebenswerter Ingelheim" eine DVD mit dem Titel "100 Jahre Bismarckturm" heraus. Diese DVD ist für 9 € (+ Porto) über die E-Mail fbolenz (at) t-online.de erhältlich. Die Eröffnungsfeier von 1909 wird in einem 23minütigen Film nachgestellt.

Alljährlich wird die Ingelumer Kerz in der Adventszeit aktiviert (Stand: Dezember 2009). In der Adventszeit 2009 erstrahlt die Kerze bis Anfang 2010 (siehe Foto aus Dezember 2008 unten).


Öffnungszeiten:
01.04. - 30.09. von 09:00 - 20.00 Uhr
01.10. - 31.03. von 10:00 - 16:00 Uhr

Den Schlüssel erhält man im Bergrestaurant Waldeck am Bismarckturm.


Link (mit Wegbeschreibung:)

http://www.restaurant-pension-waldeck.de/

Bismarckturm bei ingelheimgeschichte.de

Link Google Maps

Link Google Earth



Dank für Fotos an Ralph Männchen, Dresden, Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch , Sven Kayse, Hartmut Geissler und Friedrich Hoening!
ursprünglicher Entwurf
Foto 2007 Bismarckturm Ingelheim, Fotograf: Hartmut Geissler
AK Bismarckturm Ingelheim kopflos 1911