Update: 04.12.2007

Monument für 200.000 Mark
Der Bismarckturm in Stettin

Bereits im Jahr 1899 wurde erstmals der Bau eines Bismarckdenkmals in Stettin, der Hauptstadt Pommerns, angeregt. Im Jahr 1907 konkretisierten sich die Pläne. Doch die Standortfrage verzögerte den geplanten Wettbewerb unter den deutschen Architekten. Der Bürgermeister Stettins sowie der als Sachverständiger hinzugezogene Architekt Bruno Schmitz plädierten für den Standort Schlächterwiese. Der Vorschlag der Stadträte, den Turm nördlich der Stadt auf dem aus der Ferne gut sichtbaren Weinberg (auch Juloberg genannt) zu errichten, wurde schließlich angenommen. Dabei handelt es sich um den höchsten Punkt am Westufer der Oder.

Es bildete sich der „Verein zur Errichtung eines Bismarck-Denkmals der Provinz Pommern e.V." unter Vorsitz des Landeshauptmanns von Eisenhart. Im Jahr 1910 wurde schließlich der Architektenwettbewerb ausgeschrieben.

Das Preisgericht (prominent besetzt mit Paul Wallot, Friedrich von Tiersch und Martin Dülfer) unter Vorsitz des Stadtarchitekten Wilhelm Meyer wählte den Entwurf des Architekten Wilhelm Kreis aus.

Finanziert wurde der mit 200.000 Mark Kosten teuerste Bismarckturm zur Hälfte durch Spendensammlungen. Der Provinziallandtag bewilligte einen Zuschuss von 100.000 Mark für den Bau des Monumentes mit Aussichtsfunktion. Eine Feuerschale war nicht vorgesehen.

Im Rahmen der Feier zum 100-jährigen Jubiläum der Völkerschlacht bei Leipzig wurde 1913 der Grundstein des Turmes gelegt. Am 01. April 1915 sollte das Bauwerk zu Bismarcks 100. Geburtstag eingeweiht werden.

Ausgeführt wurde der Bau durch die Fa. Comet, die Bauoberleitung oblag Architekt Wilhelm Kreis. Dieser verwirklichte ein monumentales Denkmal, welches auf antike und frühmittelalterliche Architektur anspielte und somit für Kreis als „germanisch“ galt und damit Ausdruck von Macht und Stärke war.

Als Baumaterialien wurden Muschelkalkstein (Verkleidung) und Beton verwendet.

Die Form des Denkmals ist abgeleitet vom Grabmal Theoderichs in Ravenna, dessen architektonische Form wiederum vom Grabmal der Caecilia Metella in Rom abgeleitet ist. Bereits bei seinen Bismarcktürmen in Jena (1906) und Radebeul (1907) zeigten Kreis' Entwürfe Parallelen zum Grabmal Theoderichs.

Beschreibung des Bauwerks:

Über eine zwanzig Meter breite Treppenanlage mit sieben Stufen - zwischen zwei stelenartigen Postamenten - erreicht man den Eingang (Südseite) des zweistöckigen kuppelbedeckten Rundbaus.

Zwischen dem Dreiecksgiebel des Eingangsbereiches und der Eingangstür wurde ein rundes Relief angebracht. Das Relief stellt einen runden Schild mit gekreuzten Speeren dar, auf dem zwei nackte Krieger erkennbar sind, die einen runden Schild mit dem Wappen Bismarcks tragen. Über dem mittleren Schild ist ein Herzogshut, darunter ein Feldherrenstab zu sehen. Oberhalb des Giebels befindet sich ein Rednerbalkon.

Durch den Eingang gelangte man durch einen 7 m langen Zugang (Vestibül, begrenzt von dorischen Säulenpaaren) in die fensterlose Kuppelhalle.

In der Halle hatte man 1921 eine Bismarck-Büste mit Inschrift von Bildhauer Hermann Hosaeus aus Berlin aufgestellt (die ursprünglich geplante riesige Bismarck-Statue konnte nicht verwirklicht werden). Auf dem Wandabschluss war die Rundum-Inschrift

Wir gehen mit eisernem Schritt, zermahlen, was der Herstellung der deutschen Nation und ihrer Herrlichkeit und Macht entgegen steht“ (Rede von Bismarck aus dem Jahr 1870)

zu lesen.

Über eine Steintreppe mit 16 Stufen erreichte man den Rednerbalkon, über weitere 27 Stufen den Umgang mit Eisengeländer.

Der Turmaufbau wird von zehn Strebepfeilern mit aufgesetzten Adlern gestützt. Die Adler symbolisieren die Wächter des Wehrturmes bzw. die Wächter des Heldengrabes.

Zwischen den Strebepfeilern liegen Rundbogenfenster, über denen Löwenmasken (als Symbol der Stärke und des Heldentums) angebracht wurden.

Über eine weitere Wendeltreppe erreichte man die obere Etage (mit Blick in die Kuppelhalle) mit zwei Ausgängen zur oberen Aussichtsebene.

Geschichte des Bauwerks:

Aufgrund des Beginns des Ersten Weltkriegs konnte der im Jahr 1915 bereits von außen fertig gestellte Turm erst 1921 eingeweiht werden.

Im Jahr 1992 war das Bauwerk im sanierungsbedürftigen Zustand vorhanden. Es fehlten die Adler auf den Strebepfeilern und die Bismarck-Büste, die Inschrift war noch zu erkennen (Quelle: S. Seele).

Die Adler wurden nach dem Krieg abgerissen und mit Teilen des Simses zu Boden geworfen. Einige Teile liegen noch am Fuße des Turmes. Einige beschädigte Adler findet man auf dem waldbedecktem Berghang in der Nähe des Bauwerks.

Im Jahr 2001 suchte die Stadt Szczecin in einer doppelseitigen und deutschsprachigen Anzeige in der Berliner Zeitung "Kurier Berlinski" nach deutschen Investoren zur Sanierung des unter Denkmalschutz gesetzten Bismarckturmes.

Noch im Jahr 2001 wurde das Bauwerk von einem Polen für 350.000 Zlotych erworben. Nach Auflagen der Stadt soll der neue Turmbesitzer im Innenraum eine Gaststätte herrichten. Der Turm soll wieder touristischen Zwecken dienen. Diese Vorgaben wurden nicht erfüllt.

Der Bismarckturm wurde im November 2005 verschlossen vorgefunden. Der Eingang ist durch eine Stahlplatte versiegelt. Die Außenwand des Turmes ist durch Stahlhaken von Freeclimbern beschädigt.

Seit Herbst 2006 hat das Bauwerk einen neuen Besitzer. Der Turm soll innen und außen nach Vorbild des Originalzustandes saniert werden. Mit der Planung der Sanierung wurde bereits begonnen (Stand: 31.10.2006).

Im Dezember 2007 sind noch keine Zeichen einer Sanierung erkennbar.

Link:
Bismarckturm-Galerie

Quellen:
Lexikon der Bismarckdenkmäler (Link)
Rafal Makala: „Der Bismarckturm in Stettin“ in: „Das Gemeinsame Kulturerbe“, Band III, Herausgegeben von Malgorzata Omilanowska, Instytut Sztuki Polskiej Akademii Nau, Warszawa 2006

Polnische Version dieser Seite (Dank an Marek Moson aus Wroclaw/PL für Übersetzung)

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Dank an Remigiusz Bilewicz und Stanislaw Krasicki (beide aus Stettin) sowie Thomas Pochert für Fotos und / oder aktuelle Infos!

AK-Motiv Bismarckturm Stettin
AK-Motiv Bismarckturm Stettin 1918
Foto Turmkopf Bismarckturm Stettin Oktober 2004 [Fotograf: S. Krasicki, Stettin]
AK-Motiv Bismarckturm Stettin