Update: 01.03.2005
Der doppelt gesprengte Turm
Der Bismarckturm in Bromberg

Der Vorstand der Ortsgruppe Bromberg des Ostmarkenvereins beschloss am 23. März 1905 den Bau eines Bismarckdenkmals. Am 01. April 1905 regte Professor Wiesner vom Vorstand der Ortsgruppe Bromberg auf einem Bismarck-Kommers erstmals den Bau eines Bismarckturmes in Bromberg an und rief zu Spendenzahlungen auf.

Aufgrund der positiven Resonanz und eingegangenen Spenden konnte bereits am 04. Oktober 1905 auf einer Versammlung ein "vorbereitendes Komitee für die Errichtung eines Bismarckdenkmals in Bromberg" unter Vorsitz von Oberbürgermeister Knobloch gegründet werden. Man einigte sich hier bereits auf die Errichtung eines "Feuerturmes" auf der Anhöhe der Vorortgemeinde Klein-Bartelsee.

Nach Ankauf von zwei Grundstücken (Größe: 12 Morgen) wurde nun das eigentliche Bismarckturm-Komitee gegründet, welches am 07. Februar 1907 erstmals im "Dickmannschen Saale" zusammentrat. Den Ehrenvorsitz und die Leitung übernahm "auf eigenen Wunsch" Regierungspräsident Dr. von Guenther.

Im März 1907 erfolgte der offizielle "Aufruf zur Errichtung eines Bismarckturmes in Bromberg", in dem man zur Abgabe von Spenden aufrief. Zur Finanzierung des Turmbaus wurden Haussammlungen, Aufführungen im Stadttheater, Konzerte, kinematographische Vorführungen usw. durchgeführt. Es wurden ebenfalls 20.000 Lotterielose zu einer Mark herausgegeben. Zahlreiche Vereine spendeten Beträge.

Im August 1907 wurde der zukünftige Standort des Bismarckturmes offiziell "Bismarckhöhe" genannt. Im Juli 1909 startete man nun auf gesicherter Grundlage der bisher eingegangenen Spenden von ca. 37.000 Mark ein "Preisausschreiben zur Erlangung von Entwürfen zu einem Bismarckturm in Bromberg." Bis November 1909 gingen 238 Entwürfe ein. Bei der "Verhandlung des Preisgerichts" wurde der Entwurf "Götterdämmerung" [!] des Architekten Paul Walther aus Berlin wegen "dessen gedrungener Form", der "sich der Landschaft am vorteilhaftesten anzupassen und zur Bekrönung des langgestreckten Hügelrückens am besten zu eignen schien" mit dem 1. Preis ausgezeichnet und zur Ausführung bestimmt.

Die Bauleitung übernahm der Königliche Baurat Ismar Hermann aus Bromberg, die Maurerarbeiten führte Maurer- und Zimmermeister Bruno Wiese aus. Auf ausdrücklichen Wunsch des Komitees erhielt das Bauwerk im Erdgeschoss eine Bismarck-Gedächtnishalle. Als Baumaterial verwendete man Zementbeton und Ziegelsteine für den inneren Teil des Turmes, die äußere Verkleidung bestand aus Findlingsblöcken (700 m³). Etwa 10 % der Feldsteine wurden der alten Bromberger Stadtmauer entnommen.

Am 31. März 1911 erfolgte der 1. Spatenstich in kleinem Rahmen. Die Feier der Grundsteinlegung für einen ausgewählten Personenkreis fand am 08. Mai 1911 um 11:30 Uhr statt. Zuvor waren 150 Einladungen zur Teilnahme an die Mitglieder des Ausschusses und des Komitees sowie an Behörden und an die Stadtverordneten Brombergs verschickt worden.

Nach der Grundsteinlegung wurden die Erd- und Fundamentierungsarbeiten durchgeführt. Am 11. Juli 1911 erfolgte eine Besichtigung des bereits eingerüsteten Turmes durch den Bauauschuss des Komitees. Nach Fertigstellung der äußeren Flächen wurden im Herbst 1911 die Innenarbeiten begonnen. Im Jahre 1912 wurde die innere Ausgestaltung nach einer Winterpause fortgesetzt. Im Juni 1912 erfolgte die Installation der runden, gusseisernen Feuerschale, entworfen von Leopold Zobel, mit einem Durchmesser von 3,5 m und einem Gesamtgewicht von ca. 2000 kg auf dem Turmkopf. Nach ersten schlechten Erfahrungen mit Probe-Befeuerungen wurde ein Gas-Röhrensystem eingebaut, welches bei der Befeuerung zu einer Flammenhöhe von 8-10 m führte.

Am 01. Mai 1913 waren die restlichen Arbeiten (Anbringung von Ehrentafeln, Glaserarbeiten, Fußbodenbelag usw.) abgeschlossen, die Einweihung des Turmes erfolgte erst am 25. Mai. Die Gesamtkosten für die Errichtung des Turmes betrugen 120.000 Mark.

Beschreibung des Turmes:
Der Turm erhebt sich auf einer quadratischen Grundfläche von 21 m Seitenlänge und hat eine Höhe von 25 m. Über eine Treppe mit 6 m langen Granitstufen, die von zwei 2,5 m breiten Mauern mit aufgesetzten Feuerschalen (2,5 m Durchmesser, jeweils 1000 kg schwer) eingefasst waren, erreichte man die Eingangsterrasse.

Durch das aus unbehauenen Granitblöcken gefertigte Eingangsportal betrat man das 6,5 m hohe Erdgeschoss. Durch die Vorhalle, in deren oberem Bereich ein Bismarck-Wappen angebracht war, gelangte man durch eine schmiedeeiserne Tür in die eigentliche Bismarck-Gedächtnishalle. Im Mittelpunkt dieser teilweise mit Marmor ausgekleideten Halle war auf einem 1 m hohen Marmorsockel ein 2,60 m großes Bismarck-Standbild aus Bronze, gefertigt von Bildhauer Richter-Elsner aus Berlin, aufgestellt. Oberhalb des Standbildes befand sich im Rundbogen der Mauer ein 1,25 m hohes Bronzewappen. In der Gedächtnishalle waren 25 gestiftete, bronzene Gedenktafeln angebracht, u.a. von den Städten Dortmund, Heidelberg, Duisburg, München, Lübeck, Bremen sowie von Vereinen, Offizierkorps und Verbänden.

Über eine Steintreppe erreichte man die zweite Etage (obere Halle) im 12 m hohen quadratischen Turmschaft (Seitenlänge 10,5 m). An der Außenwand des Turmschaftes (Front in Richtung der Stadt Bromberg) war ein 4 m hohes und 2,5 m breites Steinbild mit einem Hochrelief mit dem Bild eines bewaffneten Deutsch-Ordensritters eingefasst. Die obere Halle schmückten ein Bismarck-Kupferstich von Otto Sager aus Berlin sowie zahlreiche Fotografien aus der Geschichte des Turmes.

Eine Holztreppe führte zur zweiten Plattform, eine eiserne Treppe zur dritten Plattform auf dem 4,5 m hohen Turmkopf (Seitenlänge 6 m) mit aufgesetzter Feuerschale (Gesamt: 125 Stufen bis zur Turmspitze).

Sehr kurz war die Lebensdauer des dem "Eisernen Kanzlers" gewidmeten Monuments. Infolge des Versailler Vertrages wurde Bromberg an Polen abgetreten. Die deutsche Stadtbehörde demontierte die Ausstattung der Innenräume und brachte diese nach Schneidemühl.

Am 13. Oktober 1921 beschloss der Stadrat nach dem Anhören des Referats von Narcyz Weymann, den Turm der geistlichen Behörde zu übergeben. Nur neun Tage später wurde das Bauwerk in Anwesenheit vieler Priester, dem Stadtrat, dem Magistrat und Tausenden von Bürgern in Freiheitsturm umbenannt. Die Gedenkhalle sollte als Kapelle genutzt werden; auf dem Turm sollte ein Kreuz angebracht werden.

Im Herbst 1924 wurde ein Ausschuss des Stadtrates und des Magistrates zur Durchführung eines Wettbewerbs zwecks Umbaus des Turmes einberufen. Von 36 Entwürfen kamen zehn in die engere Wahl. Man entschied, dass das Äußere des Turmes ein Freiheitsdenkmal, das Innere eine Kapelle für die im Freiheitskampf Gefallenen sein sollte. Wegen Geldmangels kam es nicht zur Ausführung eines der eingereichten Umbauentwürfe.

Am 12. April 1928 wurde beschlossen, den Bismarckturm zu zerstören. 27 Abgeordnete stimmten mit Ja, 19 mit Nein bei einer Stimmenthaltung. Die Sprengung des Bismarckturmes (man benutzte Pikrinsäure) war beim ersten Versuch nicht erfolgreich. Nach dem mißglückten Versuch am 17.05.1928 fiel der Turm bei der zweiten Sprengung, diesmal mit 30 kg Trotyl, endgültig am 18.05.1928 um 18:13 Uhr.

Die Zerlegung des Turmes (seit dem 01. Mai 1928, also bereits vor der Sprengung) erfolgte durch die Baufirma von Franciszek Glowacki. Die Steine wurden zum Bau eines Elektrizitätswerkes verwendet. Die Stadt erhielt folgende Gegenstände des zerstörten Bauwerkes: durchbrochenes eisernes Tor, hölzernes, mit Kupferblech bedecktes Tor, Buntglasfenster, 10 Granittafeln, 17 Granittreppenstufen sowie ein Flachrelief des Ritters in Sandstein.

Das Bismarck-Standbild wurde später im Vorgarten des Deutschen Heimes in Frankfurt/Oder in der Gubener Straße aufgestellt.

Die Tafeln des Bromberger Bismarckturmes kamen Mitte der 20-er Jahre in das neu errichtete Tannenberg-Nationaldenkmal in Ostpreußen, nur die Tafeln von Stadt und Landkreis Bromberg kamen nach Meseritz, wo auch das Bromberger Kaiser-Wilhelm-Denkmal aufgestellt wurde. 1937 nach der Umgestaltung des Tannenbergdenkmals sollten die Tafeln nach Schneidemühl gebracht werden (unbestätigte Information).

Heute (Stand: April 2004) sind nur die Treppen erhalten geblieben, die zum Turm führten. Die Treppen führen heute auf den Freiheitshügel. Die Stufen beginnen heute auf dem Grundstück der Torunska-Strasse Höhe Hausnummer 86.

Fotos links (von oben nach unten):
1. eingerüsteter Turm 1911 / 2. Grundsteinlegung 08. Mai 1911 / 3. Einweihung 25. Mai 1913 / 4. Ehrentafel der Stadt Heidelberg / 5. Ehrentafel des Offizierkorps / 6. Ehrentafel des Ostmarkenvereins / 7. Bismarck-Standbild in der Gedächtnishalle / 8. AK Bismarckturm Bromberg undatiert / 9. AK Bismarckturm Bromberg Spendenkarte

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Dank an Stefan Dyroff aus Frankfurt/Oder und Marek Moson aus Wroclaw für ergänzende Informationen!

Polnische Version dieser Seite (Dank an Marek Moson aus Wroclaw für Übersetzung)

AK Bismarckturm Bromberg