Update: 04.10.2005
Die höchste „Götterdämmerung“
Der Bismarckturm in Kassel

Der Assessor Dr. jur. Franz Winterstein, 1. Vorsitzender der Ortsgruppe Kassel des Alldeutschen Verbandes, regte am 08. Februar 1900 auf einer Versammlung den Bau der Kasseler Bismarcksäule an.

Es wurde ein geschäftsführender Ausschuss zur Errichtung einer Bismarcksäule in Kassel unter Vorsitz des Reichs- und Landtagsabgeordneten Dr. Endemann (später abgelöst durch Oberbürgermeister Müller) gegründet. Der engere Ausschuss bestand aus zwölf Männern, der weitere Ausschuss aus 55 Männern aus allen Kreisen der Kasseler Einwohnerschaft.

Als Turmstandort wählte man nach eingehender Diskussion innerhalb des Ausschusses von zehn möglichen Bauplätzen den Brasselsberg im Habichtswald (434 m über NN) aus.

Nach einem durchgeführten Preisausschreiben entschied sich der Ausschuss für den von der deutschen Studentenschaft preisgekrönten Entwurf „Götterdämmerung“ des Architekten Wilhelm Kreis.

Unter Leitung des Stadtbauamtes übernahm der Architekt F. Zahn jun. die Bauausführung.

Am 15. Februar 1904 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Auf eine Grundsteinlegung wurde verzichtet. Knapp 7 Monate nach Baubeginn, am 02. September 1904 (Sedantag), konnte die nun fertiggestellte Bismarcksäule eingeweiht werden.

Mit 25,5 m Höhe ist das Kasseler Exemplar das höchste von 47 Bismarcksäulen nach dem Entwurf „Götterdämmerung“. Die Sockelbreite beträgt 8,66 m.

Der Turm wurde zweischalig errichtet: das Tragmauerwerk wurde aus Basalt, die Verblendung mit Tuffstein ausgeführt. Das Baumaterial wurde größtenteils auf dem Brasselsberg gewonnen.

Am Türsturz ist die Inschrift „BISMARCK“, an der Vorderseite des Bauwerkes ein Reichsadlerrelief angebracht.

Über eine Steintreppe mit 86 Stufen gelangt man ins obere Geschoss des Turmes in 15,48 m Höhe. Von dort aus geht es über 25 Stufen über eine eiserne Wendeltreppe zur Aussichtsplattform.

Die Säule sollte ursprünglich wie in anderen Städten an bestimmten Tagen zu Bismarcks Ehren befeuert werden. Zu diesem Zweck sollte sie mit abnehmbaren Feuerkästen bestückt werden. Die Forstverwaltung untersagte wegen Waldbrandgefahr die geplante Befeuerung des Turmes.

Am Freitag, den 02. September 1904 setzte sich um 15:00 Uhr ein Festzug von 1.200 Personen in Richtung Turm in Bewegung. Nach einem Festakt am Aussichtsturm ohne Feuervorrichtung wurde die Einweihung bis zum Einbruch der Dunkelheit gefeiert.

Bis zum 1. Weltkrieg wurden am Turm regelmäßig Gedenkfeste gefeiert. Ab 1911/12 wurden an der Bismarcksäule jährlich zweimal die Bergfeste „Heimchen“ des Töchterheims am Brasselsberg gefeiert. Die Bergfeste wurden bis zum Beginn des 2. Weltkrieges durchgeführt.

In den letzten Wochen des 2. Weltkrieges erlitt der Turm einige Schäden an der Brüstung, die im Jahr 1951 für ca. 400 Mark von der Stadtbauverwaltung ausgebessert wurden.

Das Bauwerk wurde vor 1947 offiziell in Brasselsbergturm umbenannt. Im amtlichen Straßenverzeichnis vom 01. Mai 1947 und auf damaligen Plänen wird der Turm mit diesem Namen bezeichnet. Der neue Name bürgerte sich aber nicht ein. Bereits wenige Jahre später wurde er auf Land- und Straßenkarten wieder Bismarckturm genannt. In der Kasseler Bevölkerung hatte sich der neue Name ebenfalls nicht durchgesetzt.

Am 28. Mai 1962 wurde der Turm durch Blitzschlag bei einem Gewitter beschädigt. Einige Steinbrocken der Balustrade auf der Nordwestseite lösten sich und fielen in die Tiefe. Der Turm wurde daraufhin gesperrt.

Erst fünf Jahre später, im Frühjahr 1967, wurden Maurer-, Beton- und Schlosserarbeiten für insgesamt 23.000 DM durchgeführt. 10.000 DM spendeten einige Kasseler Firmen, 13.000 Mark gab die Stadt Kassel zur Sanierung dazu.

Die Betreuung des Bismarcksäule übernahm ab sofort der Hessisch-Waldeckische Gebirgs- und Heimatverein.

Im Jahr 1992 richtete der Künstler Wolfgang Heinrich Fischer einen starken 30-Watt Argon-Ionen-Laser auf den Kasseler Bismarckturm, um auf das Projekt „Wahrzeichen Reichstag“ (Illumination des Reichstages) aufmerksam zu machen (mehr Infos: www.wahrzeichen.de, hier unter Laserplastiken, einstrahlig).

Wegen Vandalismusschäden musste das Bauwerk im Jahre 1995 wiederum für Besucher gesperrt werden. In den Jahren 1996/97 konnten die beschädigte Turmkrone und der Turmschaft für 400.000 DM saniert werden. Teilweise wurde der Turm außen mit neuen Tuffsteinblöcken verblendet. Am 10. Oktober konnte der sanierte Bismarckturm dem hessischen Forstamt Kassel übergeben werden und ist seitdem wieder geöffnet.

Am 02. September 2004 wurde die Bismarcksäule 100 Jahre alt. Am 04.09.2004 wurde das Jubiläum am Turm gefeiert. Eine Landschaftstafel auf der Aussichtsplattform wurde bei dieser Feier eingeweiht. Eine mehrwöchige Ausstellung zur Turmgeschichte von Herrn Bernhard Rüffert aus Kassel in den Gemeinderäume der Emmauskirche/Brasselsberg rundete das Jubiläum ab.

Der Turm ist ganzjährig zugänglich und in einem guten Zustand [Stand: August 2005].

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Wegbeschreibung:

A 44 Abfahrt KS-Wilhelmshöhe (Nr. 68).
Nach links abbiegen auf die B 520 in Richtung Brasselsberg (Konrad-Adenauer-Straße). Fahrzeug unterhalb des Brasselsberges auf der Konrad-Adenauer-Straße (kleiner Platz links gegenüber dem Blütenweg) parken und den Fußweg bergauf Richtung Bismarckturm wandern (Dauer: ca. 30 Minuten). Der Weg zum Turm ist mit entsprechenden Turmsymbolen an den Bäumen ausgeschildert.

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Vielen Dank an Bernhard Rüffert aus Kassel für umfassendes Informationsmaterial und Fotos aus dem Jahre 2004! Vielen Dank an Andreas Weber aus Kassel für Fotos aus dem Jahr 2003! www.motivschmiede.de

AK Bismarckturm Kassel undatiert
Foto Bismarckturm Kassel Innenansicht September 2003 [Fotograf: Andreas Weber, Kassel]
Bismarckturm Kassel Foto 2004 [Fotograf: Bernhard Rüffert, Kassel]
Foto Bismarckturm Kassel 1909 [Dank an Bernhard Rüffert]
Aussicht vom Bismarckturm Kassel auf den Ortsteil Brasselberg, Foto 2004 [Fotograf: Bernhard Rüffert, Kassel]
AK-Motiv Bismarckturm Kassel undatiert