Update: 14.01.2009

Turm auf dem Dommerberg
Der Bismarckturm in Darmstadt

Am 08. Mai 1899 beschloss der neugegründete Bismarckausschuss der Studentenschaft Darmstadts, Finanzmittel für den geplanten Bau der Bismarcksäule in Friedrichsruh, einem Gemeinschaftprojekt der Deutschen Studentenschaft, zu sammeln. Nach Fertigstellung des Turmes in Friedrichsruh sollte auch für eine geplante Bismarcksäule in Darmstadt Geld gesammelt werden.

Es dauerte bis zum Sommersemester 1904, bis durch Bismarckfeste den Baufond soweit angewachsen war, dass eine Grundsteinlegung des geplantes Turmbaus in Darmstadt durchgeführt werden konnte. Man hatte sich wegen der guten Aussichtsmöglichkeit bereits frühzeitig für den Dommerberg (264 m über NN) als Turmstandort ausgesprochen.

Der Bismarck-Ausschuss der Darmstädter Studentenschaft (Technische Hochschule) führte einen Architekten-Wettbewerb durch und wählte nicht den preisgekrönten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis.

Bei diesem Wettbewerb gewann von 62 eingereichten Entwürfen das Modell des zu diesem Zeitpunkt 23-jährigen Architekten Gustav Schmoll von Eisenwerth. Dieser hatte eine Feuersäule mit einer kleinen Aussichtsplattform entworfen.

Als Bauleiter wählte man Architekt Heinrich Stumpf aus Darmstadt. Als Maurermeister arbeitete Franz Simon aus Eberstadt am Turm. Die Eisenbetonarbeiten wurden durch die Fa. Dykerhoff und Wichmann AG aus Biebrich am Rhein ausgeführt.

Der aus Eisenbeton gefertigte Turm mit einer Verblendung aus Basaltbruchstein hat einen quadratischen Grundriss (10,42 m x 10,42 m) und ist mit 40.000 Mark der Bismarckturm mit den höchsten Baukosten in Hessen. Das Bauwerk wurde auf einer großen, leicht erhöhten und ovalen Terrasse erbaut. Durch einen Treppenaufgang von fünf Stufen passierte der Besucher zwei ca. 2,5 m hohe Podeste, die mit kleinen Feuerschalen ausgestattet waren, und ging geradewegs auf eine gemauertes Rundbecken (Feuerstelle von ca. 3 m Durchmesser) zu. Nach zwei Treppenaufgängen (drei bzw. vier Stufen), die wiederum von zwei Podesten mit Flammenschalen flankiert waren, erreichte man den Turmeingang.

Die Grundsteinlegung wurde mit einem groß angelegten, dreitägigen Fest der Studentenschaft vom 20. - 22.06.1904 begangen.

Zur Einweihung am 06.11.1908 fand ein Fackelzug der Studenten mit Musik statt, der um 19:45 Uhr vor dem Turm auf dem Dommerberg endete. Hier hatten sich bereits viele Zuschauer eingefunden. Nach mehreren Festreden schloss die Feier nach dem Absingen der Nationalhymne.

Durch die Eichentür gelangte man in die Eingangshalle des Turmes, die von einem Kuppelgewölbe überspannt ist. Eine Steintreppe führte zu den drei Etagen des Turmes. Von der dritten Etage aus gelangte man über eine Eisentreppe mit 25 Stufen zur kleinen Aussichtsplattform mit Feuerschale. Die Feuerschale mit einem Durchmesser von drei Metern wurde an bestimmten Tagen, meist zur Sommersonnenwende, mittels Paraffinöl (später durch Öl oder Gas) befeuert.

In der Eingangshalle, linksseitig neben dem Treppenaufgang, wurde eine Bismarckbüste aufgestellt.

Der Dommerberg wurde bis in die 40-er Jahre hinein als Aussichtspunkt gut besucht. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Berg auch als Aufmarschgelände genutzt.

Am 05.07.1949 entzündete die katholische Jugend am Fuße des Turmes ein Johannisfeuer. Nach dem 2. Weltkrieg nutze das US-Militär das Bauwerk als Ort für Militär-Manöver und als Schlafstätte und installierte eine Funkanlage auf dem Turmkopf. In der Folgezeit wurde der Raum in der obersten Etage von zwei Darmstädtern als Wetterwarte genutzt (bis Ende der 60-er Jahre).

Die Bundespost erwarb den Turm in den 1970er Jahren für 20.000 DM von den Studenten und installierte - nach Abbau der Funkanlage der US-Armee - eine Funkantenne und einen Peilsender auf dem Turm.

Seit dem Jahr 2006 ist die Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation und Post im Wege des Erbbaurechts Eigentümerin des Turmes. Eigentümer des Grundstücks ist das Land Hessen.

Die Bundesnetzagentur führte in den Jahren 2001 bis 2004 mehrere Sanierungen durch, u.a. wurde eine neue schmiedeeiserne Treppe zum Turmkopf installiert. Weiterhin wurde die Feuerschale entrostet und wetterfest gemacht. Im Jahr 2004 wurde der Turm außen komplett saniert (Neuverfugung, Abdichtung usw.).

Die Bismarckbüste in der unteren Etage ist nicht mehr vorhanden.

Im April 2008 wurde die Bismarckturm-Terrasse (Vorplatz) in gepflegtem Zustand vorgefunden. Das Bauwerk ist weiterhin verschlossen.

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Im April 2006 erschien das reich bebilderte und empfehlenswerte Buch "Der Bismarckturm und Waldpark Marienhöhe" von Thomas Deuster mit vielen weiteren interessanten Informationen und reichlich Bildmaterial zur Turmgeschichte.

Nähere Infos dazu auf www.bismarckturm-darmstadt.de

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Wegbeschreibung:

Von Darmstadt aus in südlicher Richtung über die B 449 in Richtung Mühltal fahren. Nach ca. 1 km links auf den Wanderparkplatz "Am Bismarckturm" abbiegen. Von dort aus ca. 500 m bergauf zum Turm laufen.

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Links

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Quellen:

- Thomas Deuster: "Der Bismarckturm und Waldpark Marienhöhe", S. Toechle-Mittler Verlag, Darmstadt 2006, ISBN 3-87820-121-4, S. 37-83
- Sieglinde Seele: "Lexikon der Bismarckdenkmäler", Michael Imhof Verlag Fulda, 2005, ISBN 3-86568-019-4, S. 93-94
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes 2 (1904), Nr. 9, S. 2 und 7 / 7 (1909), S. 14 - 16
- Kulturdenkmäler in Hessen, Stadt Darmstadt, Darmstadt 1994, S. 489

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Dank an Ralph Männchen aus Dresden für Foto oben, Dank an Ingo Marquardt für aktuelle Infos

Foto Bismarckturm Darmstadt April 2008 [Fotograf: Jörg Bielefeld, Menden]
Bismarckturm Darmstadt Grundsteinlegung 1904
Foto Bismarckturm Darmstadt April 2008 [Fotograf: Jörg Bielefeld, Menden]