Update: 19.12.2008

Der Turm mit den Chinesenhüten
Der Bismarckturm in Rathenow

70.000 Mark mussten 1913 für diesen Bismarckturm aufgebracht werden. Damit ist der Rathenower Bismarckturm neben dem Turm in Burg/Spreewald der teuerste in Brandenburg.

Die Rathenower hatten eine besondere Beziehung zu Bismarck, da hier Bismarcks politische Karriere begann und er zum Ehrenbürger ernannt wurde. Angeregt wurde der Bau des Turmes durch den Stadtverordneten Martin Weise und den Buchdruckereibesitzer Max Babenzien. Entworfen wurde dieser architektonisch ungewöhnliche Turm durch den Stadtbaurat Friedrich Sprotte aus Rathenow.

Die offene Kuppelhalle (Höhe des Hallengewölbes: 16 m) wird umgrenzt von zwei achteckigen Türmen und vier Strebepfeilern. Das Sterngewölbe ist in der Form des Johanniterkreuzes dargestellt. Unterhalb der Kuppelhalle wurde ein Bismarckstandbild aus Bronze aufgestellt (1942 eingeschmolzen).

In den beiden Türmen gelangte man über 90 Treppenstufen zur Aussichtsgalerie und zum Bismarckzimmer unter dem Turmdach. Von hier aus führte eine Treppe zur Aussichtsplattform mit Feuerschale. Der Bismarckturm war in eine Steingartenanlage eingebettet, von der man über eine Treppe, die von zwei Bären mit Wappenschild flankiert war, die Säulenhalle erreichen konnte.

Der Bismarckturm wurde bei Gefechten zwischen dem 25.04. und 06.05.1945 stark beschädigt. Spätere Nutzungsmöglichkeiten als Sternwarte, Hotel, Gaststätte usw. wurden wegen der damit verbundenen Eingriffe und Veränderungen der Bausubstanz verworfen.

Anfang der 1960er Jahre sollte der sanierungsbedürftige Bismarckturm bis 1965 zu einer Volkssternwarte umgebaut werden. Aufgrund fehlender Geldmittel wurden die bereits fertigen Umbaupläne nicht realisiert.

Seit 1991 steht der Bismarckturm unter Denkmalschutz.

Nach Informationen des Bismarckturmvereins Rathenow e.V. (gegründet 03.03.1997) wurde der Turm bis zum Jahr 2002 für 1 Million EURO komplett saniert.

Am 31.10.2002 war erstmals die Besteigung des Turmes wieder möglich. Die Feuerschale wurde überholt und wieder auf das Dach aufgesetzt. Zur Verhinderung von Vandalismus ist die Installation einer Videoüberwachung geplant.

Am 29.03.2003 ab 11:00 Uhr wurde der Bismarckturm im Rahmen einer Festveranstaltung (Übergabe des Turmes, Musik, Entzünden der Feuerschale u.a.) neu eingeweiht. Mehrere Tausend Besucher nahmen an dieser Veranstaltung teil.

Das imposante Bauwerk wird seit März 2003 vom Bismarckturmverein regelmäßig geöffnet. Im Jahr 2003 nutzten über 8.000 Besucher die Möglichkeit des Turmaufstiegs.

Im Jahr 2004 gab es aufgrund der "nicht stilgerecht gebauten Seitentürme" (sogenannte Chinesenhüte) Auseinandersetzungen mit den Denkmalschützern.

Am 09. März 2008 fand auf Initiative des Bismarckturm-Vereines auf dem Platz der Freiheit (vor dem Kreishaus) gegen ein beabsichtigtes neues Verfahren des Bauordnungsamtes des Landkreises eine Demonstration mit 150 Teilnehmern statt.

Auch im Frühjahr 2008 zieht sich das Gerichtsverfahren um den Streit der Türme hin, eine außergerichtliche Einigung zwischen dem Kreis und der Stadt Rathenow ist gescheitert. Der Kreis möchte die Türme nach historischem Vorbild umgestalten lassen, dies wurde von den Stadtverordneten abgelehnt. Das Verwaltungsgericht wird nun darüber entscheiden.

Am 13.07.2008 wird das Bismarckzimmer (Hochzeitszimmer) im Bismarckturm Rathenow feierlich eröffnet.

Ende November 2008 tagte das Verwaltungsgericht und verkündete im Urteil, dass die Sperrung der Seitentürme rechtens sei, da die Abweichung zwischen Planung und Bausausführung erheblich wäre. Die Stadt kann nun gegen das Urteil vorgehen (Berufungsverfahren beim Oberverwaltungsgericht) oder die Türme "denkmalgerecht" sanieren lassen.


Öffnungszeiten:
Jeden 2. und 4. Sonntag im Monat und an allen Feiertagen zwischen 01. April und 31. Oktober, jeweils von 13:00 bis 17:00 Uhr. Sonderöffnungen nach telefonischer Vereinbarung mit Herrn Müller, Tel.: 0160/8724197


Kontakt:
Bismarckturm-Verein Rathenow e.V., Vorstandsvorsitzende Karin Müller
Koloniestr. 9, 14712 Rathenow, Tel.: 0160/8724197
Spendenkonto: MBS Rathenow, BLZ 160 500 00, Kto.: 3 861 005 114


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Dank an den BT-Verein Rathenow für Informationen, Dank an Christoph Kloth aus Brandenburg für aktuelle Infos und Fotos vom 29.03.2003, Dank an Rocco Lenz von www.havelland.de für Infos.