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Monument im neogotischen Stil
Der Bismarckturm in Rathenow
Kurz nach dem Tode von Otto von Bismarck regten der Rathenower Dr. Heise und der Buchdruckereibesitzer Max Babenzien den Bau eines einfachen Bismarck-Gedenksteines aus märkischen Findlingen an. Der Landrat des Kreises Westhavelland, Friedrich Wilhelm von Loebell (1855 1931) konnte für diese Idee gewonnen werden, sodass bereits im Herbst 1898 ein Spendenaufruf in den heimischen Zeitungen veröffentlicht wurde. Es wurde ein Komitee gebildet, welches in kurzer Zeit über 1.000 Mark an Spendenmitteln sammeln konnte. Nach dem Wechsel des Landrates im Jahr 1900 zeigte der Nachfolger kein Interesse an der Fortführung des Denkmalprojektes, sodass die Planungen ruhten.
Nach einer (undatierten) Spende des Unternehmers Carl Paul Goerz (1854 1923) in den Denkmalfonds wurde das Projekt reaktiviert und erweitert. Der Gründer der Optischen Anstalt C.P. Goerz spendete 1.000 Mark sowie ein Bismarck-Standbild, welches von seiner Schwägerin Lilli Wislicenus in Berlin hergestellt werden sollte. Nun wurde durch den Bismarck-Denkmal-Verein e.V. [Gründungsdatum nicht bekannt] ein Denkmal größeren Maßstabes beschlossen und erneut Spenden gesammelt, u.a. wurden regelmäßig an Bismarcks Geburtstag (01.04.) Kommerse veranstaltet.
Die Rathenower hatten eine besondere Beziehung zu Bismarck, da hier Bismarcks politische Karriere begann (er hielt 1848/1849 Wahlreden in Rathenow und wurde aufgrund seines Wahlerfolges am 05.02.1849 Mitglied der Zweiten Kammer des Preußischen Abgeordnetenhauses). Bereits im Jahre 1875 wurde Otto von Bismarck zum Ehrenbürger der Stadt Rathenow ernannt.
Bauarbeiten und Einweihung
Stadtbaurat Friedrich Sprotte aus Rathenow entwarf einen 32 m hohen Bismarckturm als Aussichtsturm mit Feuerschale, der auf einer Kuppe des Weinberges errichtet werden sollte. In einer offenen Halle des Bauwerkes sollte die gespendete 4 m hohe Statue des ehemaligen Reichskanzlers aufgestellt werden.
Als Baumaterial für das 70.000 Mark teure Bauwerk wurden [Angaben nicht verifiziert] Ziegel, Klinker, Formsteine und Terrakotten von Matthes Ziegelei aus Rathenow geliefert. Die 30.000 Mark teure Bismarck-Bronzestatue wurde von der Kunstgießerei Martin & Piltzing in Berlin gegossen.
Die Grundsteinlegung des insgesamt 70.000 Mark teuren Bismarckturmes erfolgte am 01.04.1913, die feierliche Einweihung wurde am 24.06.1914 begangen.
Baubeschreibung
Die Säulenhalle mit Feuerschale hat einen polygonalen Grundriss und wurde im neogotischen Stil errichtet. Zwei achteckige Flankentürme mit Pyramidendächern an der Front- und vier Strebepfeiler auf der Rückseite bilden eine unregelmäßig-sechseckige offene Kuppelhalle (Höhe des Hallengewölbes: 16 m), die man von einer Steingartenanlage aus über eine mittig liegende Treppe mit 26 Stufen erreichen kann und die an den Seiten von zwei steinernen Bären mit Wappenschild (preußischer Adler) flankiert ist.
Am Treppengiebel der Kuppelhalle innerhalb eines Triumphbogens wurde ein farbiges Bismarck-Wappen (Mosaik) angebracht. An den Rippen des Sterngewölbes der Innenhalle sind abwechselnd das Bismarck- und das Stadtwappen zu sehen.
Die vier Meter hohe Bronzestatue Bismarcks wurde zentral und in erhöhter Position auf einer Findlingsplatte, die wiederum auf drei herausragenden Steinen (Menhiren) einer Anhäufung von Feldsteinen steht, in der Mitte der Säulenhalle aufgestellt.
In den beiden Türmen gelangte man über 90 Treppenstufen zur Aussichtsgalerie und zum Bismarckzimmer (Höhe 27 m) unter dem Turmdach. Von hier aus führte eine Treppe zur schmalen Aussichtsplattform mit der auf Metallfüßen stehenden eisernen Feuerschale.
Bedeutung
Dieses Bauwerk ist durch die in der Halle aufgestellte und nach außen sichtbare Bronzestatue, die neogotische Bauweise und der kathedralartigen Charakter in seiner Bauweise einzigartig unter allen Bismarcktürmen.
Durch die Darstellung des Hünengrabes (Feldsteine und Menhire) wird Bezug auf vorgeschichtlich-antikes Germanentum hergestellt.
Befeuerung
Nach unbestätigten Angaben soll die Feuerschale jeweils an Bismarcks Geburtstag entzündet worden sein. Als Brennmaterial wurden Holz, Teer und Pech verwendet.
Geschichte des Bauwerkes
Die Bismarckstatue sowie die Feuerschale wurden im Jahre 1942 zu Kriegszwecken eingeschmolzen. Der Bismarckturm wurde bei Gefechten zwischen dem 25.04. und 06.05.1945 stark beschädigt.
Anfang der 1960er Jahre sollte der sanierungsbedürftige Bismarckturm bis 1965 zu einer Volkssternwarte umgebaut werden. Aufgrund fehlender Geldmittel wurden die bereits fertigen Umbaupläne nicht realisiert. Die Zwischenräume der Strebepfeiler auf der Rückseite des Turmes wurden zu einem unbekannten Zeitpunkt zugemauert und mit fensterähnlichen Öffnungen versehen (siehe 5. Foto unten links).
Seit 1991 steht der Bismarckturm unter Denkmalschutz.
Am 03.03.1997 wurde der Bismarckturmverein Rathenow e.V. gegründet, der es mit Hilfe von Spenden schaffte, dass der Turm in den Jahren 2001 bis 2003 für eine Million EURO komplett saniert werden konnte. Die Bismarck-Statue fehlt weiterhin.
Am 31.10.2002 war erstmals die Besteigung des Turmes wieder möglich. Die Feuerschale wurde überholt und wieder auf das Dach aufgesetzt. Zur Verhinderung von Vandalismus ist die Installation einer Videoüberwachung geplant.
Am 29.03.2003 ab 11:00 Uhr wurde der Bismarckturm im Rahmen einer Festveranstaltung (Übergabe des Turmes, Musik, Entzünden der Feuerschale u.a.) neu eingeweiht. Mehrere Tausend Besucher nahmen an dieser Veranstaltung teil.
Das imposante Bauwerk wird seit März 2003 vom Bismarckturmverein regelmäßig geöffnet. Allein im Jahr 2003 nutzten über 8.000 Besucher die Möglichkeit des Turmaufstiegs.
Im Jahr 2004 gab es aufgrund der "nicht stilgerecht gebauten Seitentürme" (sogenannte Chinesenhüte) Auseinandersetzungen mit den Denkmalschützern.
Am 09. März 2008 fand auf Initiative des Bismarckturm-Vereines auf dem Platz der Freiheit (vor dem Kreishaus) gegen ein beabsichtigtes neues Verfahren des Bauordnungsamtes des Landkreises eine Demonstration mit 150 Teilnehmern statt.
Im Frühjahr 2008 scheiterte eine außergerichtliche Einigung zwischen dem Kreis und der Stadt Rathenow. Der Kreis möchte die Türme nach historischem Vorbild umgestalten lassen, dies wurde von den Stadtverordneten abgelehnt.
Am 13.07.2008 wurde das Bismarckzimmer (Hochzeitszimmer) im Bismarckturm Rathenow feierlich eröffnet.
Ende November 2008 tagte das Verwaltungsgericht und verkündete im Urteil, dass die Sperrung der Seitentürme rechtens sei, da die Abweichung zwischen Planung und Bauausführung erheblich wären.
Die Stadt wird (Stand: Dezember 2009) nicht mit einem Berufungsverfahren beim Oberverwaltungsgericht gegen das Urteil vorgehen und die „Chinesenhüte“ entfernen lassen, sodass die Türme den Vorgaben des Denkmalschutzes aus dem Jahre 2003 entsprechen werden.
Die Seitentürme sind derzeit für Besucher (März 2010) geschlossen, sollen aber nach vertragliche Einigung über eine konkrete denkmalgerechte Umgestaltung zwischen Stadt und Kreis wieder geöffnet werden.
Öffnungszeiten
Jeden 2. und 4. Sonntag im Monat und an allen Feiertagen zwischen 01. April und 31. Oktober, jeweils von 13:00 bis 17:00 Uhr. Sonderöffnungen nach telefonischer Vereinbarung mit Herrn Müller, Tel.: 0160/8724197
Kontakt
Bismarckturm-Verein Rathenow e.V., Vorstandsvorsitzende Karin Müller
Koloniestr. 9, 14712 Rathenow, Tel.: 0160/8724197
Spendenkonto: MBS Rathenow, BLZ 160 500 00, Kto.: 3 861 005 114
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