Update: 03.01.2007
Ein Löwe wachte über die Warte
Der Bismarckturm in Berlin-Köpenick

Der 1899 gegründete Verein "Bismarck-Warte zu Cöpenick e.V." unter Vorsitz des Amtsgerichtsrates Müller schrieb im November des Jahres 1900 einen Wettbewerb zwecks Entwurfes einer Bismarckwarte aus, bei dem der Entwurf des Berliner Architekten Otto Rietz aus Schöneberg gewann und auch ausgeführt wurde.

Als Standort wählte man den Großen Müggelberg (105 m über NN) in Berlin-Köpenick.

Die drei Eingänge der 1904 eingeweihten, 40 m hohen Bismarckwarte waren über jeweils einen Treppenaufgang auf drei Seiten des Turmes erreichbar. Beim Betreten der Bismarckwarte gelangte man in eine ca. 60 m² große Gedächtnishalle. Auf dem Hauptportal der Warte ruhte ein 5 m großer Löwe aus Stein, der als Sinnbild für die Kraft Bismarcks stand.

Über eine Treppe in der Gedächtnishalle erreichte man die 29 m hohe Aussichtsplattform. Über eine schmale Wendeltreppe war von dieser Plattform der Zutritt zur Feuerschale möglich (für Publikum gesperrt).

Die Feuerschale (Durchmesser 2 m) besaß eine besondere Installation zur Maximierung der Flammenhöhe. Die Kosten der Feuerschale betrugen 500 Mark, die zusätzliche Installation der Fa. Fiedler kostete 2.000 Mark. Befeuert wurde diese durch ein Gemisch aus Kollophonium, Teer, Petroleum und Harz.

Die von R. Fiedler aus Berlin erfundene Installation zur Erzielung einer höheren Flamme bestand aus einer Zentralstation mit Druck, Regulierungs- und Kontrolleinrichtungen, aus einem Betriebskessel sowie einem ausgeklügelten Röhrensystem. Eine maximale Flammenhöhe von 18 m konnte mit dieser Installation erreicht werden. Aus Kostengründen verzichtete man bereits vor 1907 auf diese Art der Befeuerung und verwendete bengalisches Rotfeuer. Die Fiedlersche Anlage wurden ebenfalls beim Bismarckturm in Pritzwalk verwendet.

Die aus dem Material Kalkstein gefertigte Warte wies an der Nordseite ein Brandenburger Adlerrelief mit der Inschrift

"UNSEREM/BISMARCK"

auf.

Das olympische Feuer 1936 wurde von Berliner Schülern über Köpenick bis in die Müggelberge getragen,wo es während der Spiele in der Bismarck-Warte brannte.

Die Sprengung der gesamten Anlage erfolgte im Frühjahr 1945, kurz vor Ende des 2. Weltkrieges. Die Deutschen wollten der herannahenden Sowjetarmee keine Orientierungspunkte für den Marsch auf Berlin bieten, so dass der Bismarckturm (und auch einige Kirchtürme) gesprengt wurden.

Reste des Turmes waren im Jahr 2004 nicht mehr zu finden.

Link: Otto-von-Bismarck-Feier am 01.04.1933 (Deutsches Rundfunk-Archiv)

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Dank an Ingo Marquardt und Martina Rohde aus Berlin für ergänzende Informationen!


Ausschnitt einer Ansichtskarte (mit Landkarte) aus dem Jahr 1913