Update: 01.06.2016

Vom Bismarck- zum Spatenbergturm
Der Bismarckturm in Sondershausen

Vorbemerkungen

Bereits im Jahr 1073 ließ Kaiser Heinrich IV. auf dem heutigen Spatenberg die Spatenburg errichten. Diese wurde bis Mitte des 19. Jahrhunderts mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Um 1845 waren nur noch Mauerreste vorhanden und es von geheimrat Holleufer aus Sondershausen geplant, an dieser Stelle einen Aussichtsturm zu errichten. Dieser Plan wurde zunächst nicht realisiert.


Bauplanung

Am 23.02.1895 versammelten sich die Vorstände der Sondershausener Vereine, um über eine Ehrung Bismarcks zu seinem 80. Geburtstag und eine allgemeine Feier zu beraten. Es wurde der Beschluss gefasst, ein dauerhaftes Denkmal in Form eines Turmes auf dem in das Wippertal hineinragenden Bergkegel der Olenburg (Spatenburg) zu errichten.

Es wurde ein engerer Ausschuss für die Errichtung eines Bismarckturmes im Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen unter Vorsitz von Redakteur und Hofdruckereibesitzer Alfred König gebildet. Der Ausschuss setzte sich aus Vorständen verschiedener Vereine aus Sondershausen zusammen.

Hofdruckereibesitzer König erläuterte am 02.03.1895 im Schützenhaus den geladenen Vereinen den Plan zur Errichtung eines Bismarckturmes und and Zustimmung bei den Vereinen.

Durch eine verbindliche Spendenzusage des Sanitätsrats Dr. Eduard Kobert standen bei Gründung des Ausschusses 5.000 Mark für den Turmbau zur Verfügung. Redakteur Alfred König sicherte zusätzlich einen Betrag von 2.700 Mark zu.

Am 14.03.1895 wurde ein Spendenaufruf veröffentlicht, der am 16.03.1895 in der örtlichen Zeitung abgedruckt wurde.

Als Standort für den Turm wählte man den Burgberg (Spatenberg) der ehemaligen Olen- oder Spatenburg auf dem ca. 380 m hohen Göldner. Da der Bauplatz im Eigentum des Fürsten Karl Günther von Schwarzburg-Sondershausen (1830-1909) stand, wurde dieser um Erlaubnis gefragt. Bereits wenige Tage später willigte der Fürst ein.

In einer Versammlung der Vereinsvorstände und des Ausschusses am 28.03.1895 berichtete Redakteur König, dass Landes-Bauinspektor Heyder die Fertigung eines Turm-Entwurfes und die Anfertigung der erforderlichen Bauaufstellungen übernommen habe. Von einer angedachten Grundsteinlegung am  01.04.1895 wurde wegen der kalten Witterung Abstand genommen.

Als Bevollmächtigter zur Ausschreibung der Bauarbeiten und sonstiger Geschäfte wurden Redakteur König und Seminardirektor Kaiser benannt.

Bis zum 18.04.1895 gingen vier Angebote ein. Das günstigste Angebot von Zimmermeister Wensel über gut 12.000 Mark überstieg die bisher gesammelten Mittel für den Turmbau.

Am 20.04.1895 wurde erneut ein Spendenaufruf veröffentlicht, um die noch fehlende Summe zusammenbringen zu können. Bei ausbleibenden Spenden sollte eine einfachere Bauausführung in Erwägung gezogen werden.

Am 23.04.1895 wurde die vereinfachte Ausführung verworfen, obwohl noch ca. 5.000 Mark an der Bausumme fehlten.

Am 07.06.1895 wurde auf der Sitzung des Ausschusses berichtet, dass der Turmbaufonds auf 9.200 Mark angewachsen war. Es wurde beschlossen, lediglich den Turm um 0,5 m schmaler zu bauen, um ca. 1.000 Mark an Kosten einzusparen. Die Bauarbeiten sollten kurzfristig starten.


Bauarbeiten

Am Di., 18.06.1895 wurde der Grundstein ohne eine besondere Feier gelegt. Eine Zinkbüchse mit Zeitdokumenten wurde im Grundstein eingemauert. Redakteuer König und Sanitätsrat Dr. Kober hielten kurze Ansprachen.

Entworfen wurde das Bauwerk von Landesbauinspektor Heyder und Baumeister Most. Die Bauarbeiten wurden von Hofbaugewerksmeister Eduard Wensel ausgeführt.

Als Baumaterial wurde Sandstein vom Todtenberg verwendet.

Am 26.06.1895 wurden die Arbeiten am Turmfundament abgeschlossen. Die Fürstliche Forstverwaltung hatte in den Tagen zuvor den Serpentinenweg zur Olenburg verbessert.

In einer Sitzung des Gemeinderates am 12.09.1895 wurde der Antrag des Komitees verlesen, den Bismarckturm nach der Einweihung in das Eigentum der Stadt Sondershausen zu übergeben. Dem Antrag wurde unter der Bedingung stattgegeben, dass die Stadt weder jetzt noch künftig Verpflichtungen übernehmen muss.

Am 21.09.1895 war der Turmbau fast vollendet, lediglich die Geländer mussten noch angebracht werden. Am 29.10.1895 wurden die letzten Arbeiten am Geländer durchgeführt.

Ein unbenannter Bürger von Sondershausen gab am 02.11.1895 bekannt, dass er die restlichen Kosten für den Turm spenden werde. Eingehende weitere Spenden sollten für die Erhaltung und weitere Verschönerung des Turmes dienen.


Turmbeschreibung

Der 22 m hohe Aussichtsturm ohne Befeuerungsvorrichtung mit aufgesetztem Seitentürmchen hat einen quadratischen Grundriss von 5,70 m x 5,70 m und ist aus Bruchstein-, Quader- und Zyklopen-Mauerwerk erbaut. Das Bauwerk gliedert sich in drei Elemente und verjüngt sich leicht nach oben. Über insgesamt 86 Stufen (Außen- und Innentreppe) erreicht man die Plattform.

Keller und Bismarckzimmer

Im unteren Bereich des Hauptturmes auf der Südseite führt eine Treppe zum Kellerraum nach unten.

Darüber liegt ein weiterer Raum (Bismarck-Zimmer) des Turmes. In diesem Raum wurde ein Bild von Otto von Bismarck, geschaffen von Maler Schulz aus Sondershausen, aufgestellt.

Eingang

Über eine 0,98 m breite Außentreppe mit rechtsseitigem Handlauf aus Metall (Höhe 0,87 m), die auf der Südseite beginnt und sich um 90° nach links zur Ostseite dreht, gelangt man zur Eingangstür des Turmes in 4,80 m Höhe. Nach zehn Stufen auf der Südseite des Turmes erreicht man einen Absatz, der direkt oberhalb des Kellereinganges liegt. Nach weiteren acht Stufen führt die Treppe auf die Ostseite des Turmes. Über neun Stufen (8+1) gelangt man in den Eingang (rundbogiger Eingang ohne Tür von 2,20 m Höhe). Die Anzahl der Außenstufen beträgt 27. Die Mauerdicke beträgt im Bereich des Einganges 1,12 m.

Erdgeschoss

Das 5,70 m x 5,70 m breite und 4,80 m hohe Erdgeschoss weist auf der Südostseite eine wuchtige Strebe (Höhe 3,05 m) auf, die im unteren Bereich 1,00 m lang und 0,90 m breit ist. In Höhe von 1,70 m folgt ein Absatz, der obere Bereich der Streber ist kleiner.

Mittelgeschoss

Das Mittelgeschoss ist durch ein einfaches Gurtgesims optisch vom Erdgeschoss getrennt und verjüngt sich leicht nach oben.

An der Nordseite wurde nach 1899 mittig oberhalb des Gurtgesimses ein steinernes Bismarck-Medaillon angebracht.

Obergeschoss

Das Obergeschoss ist durch ein einfaches Gurtgesims optisch vom Mittelgeschoss getrennt und verjüngt sich leicht nach oben. Oberhalb des Gurtgesimses in der Südwest-Ecke ist ein polygonales, zinnenbekröntes Seitentürmchen (Erker), auf der Nordseite des Turmes ein Balkon angebracht.

Innentreppe

Über eine Steintreppe mit 8x5 Stufen (mit Absätzen) erreicht man den Balkon mit steinerner Brüstung auf der Nordseite. Über weitere 19 Stufen (5+7+7) durch das Seitentürmchen erreicht man die zinnenbekrönte Aussichtsplattform. Die Gesamtzahl der Innenstufen beträgt 59.

Aussichtsplattform

Durch den oberen Bereich des Seitentürmchens gelangt man durch den 0,90 m x 2,00 m breiten Ausgang die zinnenbekrönte Aussichtsplattform mit einem Innendurchmesser von 3,20 m x 3,20 m.  

Die steinerne Zinnenbrüstung hat im Bereich der 17 Zinnen eine Höhe von 1,12 m, zwischen den Zinnen beträgt die Höhe 1,01 m.


Turmgeschichte

Die Einweihung des Bismarckturmes wurde am 10.11.1895 ab 15:00 Uhr im Rahmen einer Feier durchgeführt. Bürger und Mitglieder der örtlichen Vereine ziehen zum Spatenberg. Der Harzklub-Zweigverein stiftete für die Einweihung eine Fahne.

Die Weiherede hielt Seminardirektor Kaiser. Redakteur König übergab das Bauwerk zur Pflege und Wahrung an die Allgemeinheit, insbesondere aber an den Staat, die Forstbehörde und den Harzklub-Zweigverein. Die Einweihungsfeier wurde mit einem Kommers auf dem Waldschlösschen abgeschlossen.

Das Bauwerk ging kurz nach der Einweihung in das Eigentum des Harzklub-Zweigvereins über.

Nach Fertigstellung des Turmes wurde eine Tageswache für den Turm beschlossen, die Kosten für den Turmwärter sollten aus den zu erhebenden Eintrittskosten gedeckt werden.

Am 01.05.1901 brachten (wahrscheinlich) sozialdemokratische Arbeiter eine rote Fahne an der Fahnenstange auf dem Turmkopf an.

Das Bismarck-Relief, gefertigt von der Bildhauerei Helfer, wurde im März 1907 am Turm angebracht.

Nach Auflösung des Harzklub-Zweigvereins im Jahre 1927 ging der Turm in das Eigentum der Stadt Sondershausen über.

Bis 1945 wurde der Bismarckturm als Aussichtsturm genutzt. Nach 1945 wurde er in Spatenbergturm umbenannt. In den Jahren 1952 bis 1956 wurde über eine Umbenennung diskutiert, die Vorschläge Friedensturm, Waldturm und Stalinturm wurden verworfen.

In den nächsten Jahrzehnten wurde der reparaturbedürftige Turm nicht saniert. Anfang der 1960er Jahre wurde der obere Turmteil zerstört und der Treppenaufgang komplett abgeschlagen.

In den Jahren 1976/1977 forderte der Kulturbund die Instandsetzung des Turmes. Der Kostenaufwand sollte 16.000 DDR-Mark (u.a. 3.300 Mark für Außentreppen, Außentür 1.000 Mark, Treppe zur oberen Plattform 700 Mark) betragen. Es ist nicht bekannt, ob diese Maßnahmen durchgeführt worden sind.

Zwischen August 1984 und 1985 wurde der Turm in Eigenleistung der Bürger Volker Köhler und Horst Häring saniert. Das Seitentürmchen wurde um 0,50 m gekürzt und die Zinnenbekrönung entfernt. Die eiserne Sprossenleiter von der Aussichtsplattform zum kleinen Anbauturm wurde aus Sicherheitsgründen entfernt. Die Tür sowie zwei Fenster wurden ausgetauscht.

Die Außentreppe wurde durch eine Stahlkonstruktion der Fa. Schmiedmeister Albert Lien ersetzt. Die Betontreppenstufen wurden von der Fa. Kranert aus Keula erneuert.

Am 07.10.1986, dem XI. Parteitag der SED, wurde der Spatenbergturm wieder als Aussichtsturm eröffnet. Zur gleichen Zeit nutzte eine Fachgruppe des Kulturbundes Natur und Heimat den Kellerraum und das darüber liegende Zimmer für eigene Zwecke.

Im Jahr 1993 wurden Ausbesserungsarbeiten am Turm durchgeführt.

Im August 2004 ließ die Sondershäuser Stadtverwaltung ein ovales Bismarck-Relief aus Metall (Abguss einer Vorlage eines Jenaer Bildhauers von 1907) an der Nordseite des Bismarckturmes anbringen. Das alte verwitterte Kopf-Relief wurde entfernt.

Bei weiteren Sanierungsarbeiten (u.a. Treppengeländer) wurde auch das Umfeld des Bauwerks durch neue Bänke und eine Informationstafel aufgewertet.


Links

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Fotografen

-
Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Juni 2008)
- Bernd Keinert, Rothenstein bei Jena (September 2002)
- Marek Moson, Breslau (Mai 2013)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Mai 2013)


Quellen

- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von SONDERSHAUSEN (Thüringen)
- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 368
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 7 "Bismarckturm bei Sondershausen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903: 2. Teil, Nr. 101: „Der Bismarckturm zu Sondershausen (Thür.)“
- Thüringer Allgemeine vom 31.08.2004: „Spatenbergturm: Bismarck-Relief angebracht“
- Heimat-Echo Sondershausen, Ausgabe 22/95, S. 4-5
- Heimat-Echo Sondershausen, Ausgabe 5/97, S. 12-14
- Bielefeld, Jörg, Remscheid (Maße, Mai 2013, alle Angaben ohne Gewähr)