Update: 08.03.2011

Vom Turm zum Wohnhaus
Der Bismarckturm in Mühlhausen

Als Initiator des Bismarck-Turmes gilt der ehemalige Besitzer des Gebäudes, Oberstleutnant a.D. und Gutsbesitzer Wilhelm Werneburg aus Weidensee.

Bereits am 14.01.1905 hatte der „Städtische Verein“ (Verschönerungsverein) einstimmig für den Bau eines Bismarckturmes auf dem Rieseniger Berg (Höchster Punkt im Stadtpark) gestimmt.

Der 1905 geplante Bismarckturm sollte eine Höhe von 17 m erreichen und im Parterre sollte ein Restaurant untergebracht werden. Ein Mühlhauser Bürger hatte für den Bau des ca. 13.000 Mark teuren Turmes bereits 1.000 Mark gestiftet. Doch die Pläne wurden aus unbekannten Gründen nicht realisiert.


Bauplanung

Der Turm wurde 1908 als "Haus in der Obstanlage vor dem Stadtwalde für den Gutsbesitzer Herrn Wilhelm Werneburg" von Architekt K. Louis Müller aus Mühlhausen konzipiert und errichtet.

Kurz danach erfolgte die Umbenennung und Umgestaltung des Gebäudes in einen "Bismarckturm". Die Umgestaltung erfolgte durch ein rechtsseitig der Eingangstür angebrachtes bronzenes Bismarck-Medaillon und eine Wand-Inschrift unterhalb des Medaillons. Auf der Rückseite des Gebäudes wurde ebenfalls eine Inschrift angebracht.


Baubeschreibung

Der ursprüngliche dreistöckige Aussichtsturm ohne Feuerschale hatte einen quadratischen Grundriss (5,65 m x 5,65 m). Oberhalb der ersten Etage waren die Wände des Bauwerkes mit Schiefer verkleidet.

Auf dem Turmkopf war, leicht auskragend, ein Aussichtsplateau (5,75 m x 5,75 m) mit Brüstungsgeländer geschaffen worden.

An der Außenwand des Bismarckturmes, rechtsseitig der Eingangstür, befand sich ein bronzenes Bismarck-Medaillon, darunter die Wand-Inschrift:

Fürst Bismarck./
Du herrlich starker Geist, der Deutschland wieder einte,/
Du mächtigster der Helden./
In Deutscher Herzen wirst Du niemals sterben!/

So möge dieser Bau,
Zu Ehren Dir geweiht,/
Fest stehen bis in die fernste Zeit!/

Die Wand-Inschrift auf der Rückseite ist heute nicht mehr zu entziffern.


Geschichte des Bauwerkes

Im Jahr 1910 erfolgte der Anbau eines Wohnhauses. Auch der Anbau erhielt ein Aussichtsplateau mit Brüstungsgelände, zusätzlich erhöht durch eine Pergola.

Das Haus und der Turm wurden später mit Dächern versehen.

Das schlecht erhaltene Wohnhaus (Am Stadtwald 88) wird heute noch bewohnt (Stand: 2010).

Das Bismarck-Medaillon fehlt. Die Wand-Inschrift auf der Vorderseite ist nur schwach zu erkennen.


Anmerkungen

Nach Hinweis von Sieglinde Seele ist es wahrscheinlich, dass Wilhelm Werneburg der Bürger war, der im Jahre 1905 insgesamt 1.000 Mark für den Bau eines Bismarckturmes gespendet hatte. Nach Zerschlagung der Pläne zur Errichtung eines Bismarckturmes auf dem Rieseniger Berg funktionierte er das von ihm errichtete Obstlager- und Wächterhaus in einen Bismarckturm um.


Links

Google Maps

Google Earth


Quellen

- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): Bismarck-Turm von Mühlhausen (Thüringen)
- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 277-278
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 3. Jahrgang 1905 (Nr. 5, S. 6 + Nr. 8, S. 10)