Update: 06.04.2015

Vom Stadtberg- zum Bismarckturm
Der Bismarckturm in Hildburghausen

Bauplanung und Bauarbeiten

Im Jahr 1882 wurde dieser Turm vom heimischen Verschönerungsverein als Stadtbergturm auf dem 496 m hohen Stadtberg erbaut. Entworfen wurde der Aussichtsturm vom Künstler Plato Ahrens aus Hildburghausen, die Maurerarbeiten führte die Fa. Siegmund Leffler aus Hildburghausen aus.

Als Baumaterial wurden Kalkbruchsteine verwendet, die Hintermauerung erfolgte mit Ziegelsteinen.

Die Gesamtbaukosten von 4.000 Mark wurden durch freiwillige Beiträge aufgebracht. Bauunternehmer Siegmund Leffler verzichtete auf einen großen Teil der Baukosten.


Umbenennung

Am 01.04.1905, zu Bismarcks 90. Geburtstag, wurde der Aussichtsturm im Zuge der Bismarck-Verehrung vom Verschönerungsverein offiziell in Bismarckturm umbenannt und mit einer Feuerschale versehen.


Turmbeschreibung

Der 15 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsvorrichtung wurde in Form eines runden Wartturmes errichtet.

Über sieben Stufen einer Freitreppe gelangt man zum rundbogigen Turmeingang mit eingelassener Metalltür auf der Nordost-Seite.

Durch den Eingang gelangt man in den Innenraum mit einem Durchmesser von 4,20 m.

Über eine Wendeltreppe mit 20 Steinstufen gelangt man zum Bismarck-Gedenkraum mit vier bullaugenartigen Buntglasfenstern, die mit dunklen Steinen umrandet sind. Eine weitere Treppe mit 22 Stufen führt zum Turmzimmer im zweiten Geschoss mit vier Aussichtsbalkonen mit Rundbogenabschluss (kleine Austritte mit Metallgeländer). Über weitere 21 Stufen einer Metalltreppe gelangt man zur Zinnenaussichtsplattform (Durchmesser: 4,20 m) auf dem Turmkopf. Der Austritt auf die Plattform liegt auf der Westseite.


Turmgeschichte

Auf der Plattform wurde Anfang 1905 eine runde Feuerpfanne aus Schmiedeeisen (Durchmesser: 2,00 m, Kosten: 30 Mark) installiert, die mit Torf und Petroleum befeuert wurde. Der Torf wurde pyramidenförmig auf der Feuerschale aufgeschichtet, mit Petroleum getränkt und entzündet. Zusätzlich wurde etwas Naphthalin (aus Steinkohlenteer gewonnener Kohlenwasserstoff) zugesetzt. Die Brenndauer betrug 2 Stunden bei einer Flammenhöhe von 3-5 m.

Im Jahr 1908 wurde linksseitig des Einganges ein bronzenes Bismarck-Relief, geschaffen von Bildhauer Professor Ferdinand Lepcke aus Berlin, angebracht. Das Relief stiftete Prof. Lepcke als Andenken an die Heimatstadt seiner Mutter.

In den Jahren 1909 und 1910 konnte der Eingangsschlüssel des Turmes in den unterhalb des Turmes gelegenen Bergwirtschaften „Zur schönen Aussicht“ und „Schulersberg“ entliehen werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Bauwerk nicht zugänglich, eine Turmsanierung erfolgte im Jahr 1957.

1967 wurde das Gelände auf dem Stadtberg zum Sperrgebiet erklärt, da die Sowjets eine mobile Radarstation zwecks Luftraumüberwachung errichteten. In dieser Zeit verschwand das Bismarck-Relief am Turm.

Um 1990 wurde das Relief in einem Antiquitätenhandel entdeckt. Die geforderte Summe für das Relief konnte von der Stadt Hildburghausen nicht aufgebracht werden, zudem war die Rechtslage bezüglich des Reliefs unklar. Zwischen April 1990 und August 1991 wurde der Feuerschalenaufsatz des Bauwerks entfernt. Im Jahr 1991 zogen die sowjetischen Truppen ab. Der Turm war bis zu dieser Zeit für Besucher gesperrt.

Ab 1997 begannen die Sanierungsarbeiten am maroden Turm, die größtenteils von privaten Spendern finanziert wurden.

Am 03.10.1998 wurde der Bismarckturm feierlich wiedereröffnet (Feuerschale und Bismarck-Relief fehlten). Das ursprüngliche Bismarck-Relief (ca. 0,80 m x 1,00 m) von Ferdinand Lepcke, welches seit Jahrzehnten nicht am Turm war, wurde zwischen 1999 und 2003 etwas oberhalb der Eingangstür angebracht. Über der Tür ist das steinerne Wappen der Stadt Hildburghausen mit der Zahl „1882“ in der Mitte zu sehen.

Am 17.11.2000 erfolgte der Abschluss der Endmontage der Dachkonstruktion, es wurde eine wetterfeste Holz-Haube, getragen von einer Stahl-Konstruktion, installiert. Die 32 Zinnen der Brüstung blieben bei dieser Maßnahme erhalten. Die Gesamthöhe des Bauwerks beträgt mit der Dach-Haube ca. 18-19 m.

Im März 2015 war das Bauwerk in einem sanierungsbedürftigen Zustand.


Öffnungszeiten:

Im März 2015 war das Bauwerk ganztätig geöffnet. Der Schlüssel zum Turm war zuvor seit Juni 2005 im nahen Reiterhof zu entleihen.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 202
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von HILDBURGHAUSEN (Thüringen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 112 "Bismarck-Feuersäule zu Hildburghausen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 3. Jahrgang 1905 (Nr. 8, S. 9)


Fotos

- Jörg Bielefeld, Remscheid (1999 + Juni 2003)
- Sieglinde Seele, Mannheim (April 2005)
- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (November 2006)
- Ralph Männchen, Dresden (März 2015)