Update: 07.04.2016

Das Bismarck-National-Denkmal
Die Bismarckwarte in Apenrade

Vorbemerkungen (Deutsch-dänische Konflikte und Volksabstimmung)

Nach den deutsch-dänischen Konflikten in der Jahren 1840 und 1864 (Deutsch-Dänischer Krieg) im Herzogtum Schleswig gehörte Apenrade (Aabenraa) zunächst zu Preußen und seit 1871 zum neu gegründeten Deutschen Reich.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs stimmten im Jahr 1920 bei der Schleswigschen Volksabstimmung insgesamt 55,1 % zur staatlichen Zugehörigkeit der Stadt Apenrade zum Deutschen Reich. Allerdings wurde bei der Abstimmung in Apenrade auch die Einwohner des gesamten Kreises Apenrade mitgezählt, in dem insgesamt ein größerer Stimmenanteil (67,7 %) für Dänemark votierte, so dass auch die Stadt Apenrade in Folge zu Dänemark gehörte.


Bauplanung und Spendensammlung

Pastor Jessen aus Wilstrup trat bereits im Jahre 1893 für den Bau eines Denkmals auf dem Knivsberg (97 m über NN), der höchsten Erhebung Nordschleswigs, ein. Diese Anregung war Veranlassung zum Kauf des Knivsbergs für 6.750 Mark und zur Gründung der Knivsberg-Gesellschaft am 11.10.1893.

Vorsitzender der Knivsberg-Gesellschaft war der Schiffsreeder Michael Jebsen, der dem Verein 10.000 Mark stiftete.

Am 15.05.1894 wurde der Knivsberg als Versammlungsort der Deutschen in Nordschleswig eingeweiht.

Im Februar 1895 plante man, ein Bismarckdenkmal in Nordschleswig zu errichten. Bezüglich der Platzfrage wurden die Standorte Kiel und der Knivsberg in Apenrade diskutiert.

Zum 80. Geburtstag des ehemaligen Reichskanzlers Bismarck am 01.04.1895 traf in Apenrade eine Depesche vom Reichstagsabgeordneten Senator Michael Jebsen ein. Demnach hatte ein Freundeskreis aus Hamburg 7.000 Mark für den Bau eines Bismarckturmes auf dem Knivsberg gespendet. Damit war die Platzfrage entschieden. Die Summe wuchs innerhalb kurzer Zeit auf 10.000 Mark an.

Der Vorsitzende des deutschen Vereins für das nördliche Schleswig, Gymnasiallehrer Prof. Reinhold Macke aus Hadersleben (Haderslev) hatte in einer Vorstandssitzung den Antrag auf Bau eines Bismarck-National-Denkmals gestellt. Der Deutsche Verein für das nördliche Schleswig beschloss am 16.04.1895 in einer Vorstandssitzung in Rothenkrug (Rodekro) die Errichtung eines Bismarck-National-Denkmals in Form eines Bismarckturmes auf dem Knivsberg.

Es wurde ein Denkmal-Ausschuss gebildet, Oberpräsident von Steinmann und General Freiherr von Wrangel übernahmen das Ehrenpräsidium. Später traten auch Oberpräsident v. Köller, Hamburgs Bürgermeister Vensmann und Generaloberst Waldersee dem Ausschuss bei.

Bereits am 04. August 1895 wurde anlässlich des deutschen Volksfestes auf dem Knivsberg der Grundstein für das Monument gelegt.

Im Februar 1897 wurde ein Wettbewerb unter allen deutschen Architekten zur Erlangung eines geeigneten Entwurfs ausgeschrieben. Die Preisrichter forderten, dass der Bismarckturm ein nationales Wahrzeichen der Wiedergewinnung der deutschen Nordmark sein sollte. Für die Errichtung des Turmes waren 40.000 Mark, für die Gestaltung der Umgebung und einen Festplatz für 4.000 – 5.000 Personen insgesamt 10.000 Mark vorgesehen. Weiterhin soll der Turm "das Gepräge eines Denkmals tragen und darf nur möglichst wenig an Nützlichkeitsbauten, wie Festungs- oder Aussichtstürme erinnern." Der Turm sollte so hoch und stark wie möglich werden. Da die deutsche Bevölkerung Nordschleswigs ihre Jahresvolksfeste auf dem Knivsberg feierte, sollte der Turm auch eine Plattform für Redner haben und Platz für ein 80-köpfiges Orchester bieten. Die Ausschreibungsfrist lief bis zum 01. Mai 1897.

Das Preisrichteramt war besetzt mit dem Geheimen Regierungsrat Professor Otzen, dem Geheimen Regierungsrat Professor Essle und Baurat Schwechten aus Berlin.

Nach dem erfolgten Wettbewerb, bei dem 63 Entwürfe eingingen, wählte das Preisgericht den Entwurf "Auf Schleswigs Höhen" des Architekten Friedrich Möller aus Berlin – mit einigen Änderungen (z.B. Bismarck-Statue statt Medaillon und zwei Treppenanlagen zur Terrasse) zur Ausführung aus und prämierte ihn mit 200 Mark. Ein weiterer Entwurf von F. Möller mit dem Titel "Unserm Bismarck geweiht" wurde mit dem 2. Preis prämiert.

Drei Jahre später beteiligte sich Friedrich Möller auch mit zwei Entwürfen beim Bismarcksäulen-Wettbewerb der Deutschen Studentenschaft. Zwei Entwürfe von F. Möller wurden 1899 in Eisenach ebenfalls mit einem Preis ausgezeichnet.

Am 24.03.1898, noch zu Lebzeiten Bismarcks, erschien ein Aufruf zur Spendensammlung, der von 700 patriotischen Männern unterzeichnet war.

Die Gesamtkosten von 170.000 Mark wurden größtenteils von den Reedern M. & J. Jebsen aus Apenrade und Senator M. Jebsen aus Hamburg aufgebracht. Das restliche Geld wurden durch Spenden in der Provinz gesammelt.


Bauarbeiten

Der eigentliche Baubeginn erfolgte im Frühjahr 1898.

Ausgeführt wurde der Bau auf dem Knivsberg von den Maurermeistern Prüss und Koch, beide aus Berlin, unter Bauleitung von Kapitän Ulderup aus Apenrade. Der ursprüngliche Entwurf von Architekt Friedrich Möller, der auf eine Bausumme von 50.000 Mark ausgelegt war, wurde teilweise modifiziert.

Als Baumaterial wurden Granitfindlinge aus der Umgebung verwendet, die an Ort und Stelle bearbeitet und polygonal aneinandergefügt wurden. Für die Gesimse sowie für Tür- und Fenstereinfassungen wurde Granit-Werksteine aus Schweden (bearbeitet von der Firma Kessel & Röhn in Berlin) verwendet.


Turmbeschreibung

Das 45 m hohe Bauwerk wurde als Aussichtswarte mit Befeuerungseinrichtung errichtet.

Die Hauptfront des Turmes mit quadratischem Grundriss war der Ostsee zugewandt. Über zwei halbrund um den Bauplatz führenden Wege erreichte man die große halbkreisförmige Terrassenanlage mit einem Durchmesser von 45 m. Diese Terrasse diente als Festplatz für Zusammenkünfte der deutschen Bevölkerung Nordschleswigs (Knivsbergfeste) und war für ca. 5.000 Personen ausgelegt. Zwölf große unbehauene Felsensäulen grenzten die Terrassenanlage ein.

Zwei sechs Meter breite, parallel nach oben führende Freitreppen mit je 30 Stufen, mittig unterbrochen durch eine Rednertribüne, führten auf eine mit Granitbrüstung umgebene Mittelterrasse, auf deren beiden Ecken Feueraltäre angebracht waren. Von der mittleren Terrasse, direkt zwischen den Freitreppen, führten Stufen zur halbrund gebauten Rednertribüne nach unten. Auf dem Halbrund der Rednertribüne war außen eine „runde Fratze“ angebracht, die die „im Dunkeln wühlenden Kräfte“ abweisen sollte. Darüber waren die Worte „JUNGS HOLT FAST“ angebracht.

An der Nord- und Südseite führten von der Mittelterrasse Stufen nach unten. Durch drei große Torbogen gelangte man von hier aus in eine große mit Kuppelgewölbe überspannte Bismarck-Gedächtnishalle.

Von der Mittelterrasse aus gelangte man auf der Eingangsseite mittig über eine  Treppe mit 20 Stufen zur Hochterrasse mit ausgeprägten Eckpfeilern an allen Seiten am Fuß des 45 m hohen Turmes.

Über dem Eingang wurde in einer mit Granit-Mosaik ausgelegten Nische eine 7 m hohe Bismarckstatue aus Kupfer eingelassen. Die Statue wurde von Karl und Gustav Diedrichsen aus Hamburg gestiftet, von Prof. Brütt aus Berlin modelliert und von Bildhauer Gustav Lind aus Berlin hergestellt. Unterhalb der Statue waren zwei Wappen (Reichsadler und Schleswig-Holstein) mit der Inschrift "Up ewig ungedeelt" [Auf ewig ungeteilt] angebracht.

Oberhalb der Statue war die Inschrift

"WIR DEUTSCHE /
FÜRCHTEN GOTT /
SONST NICHTS /
 AUF DER WELT"

und die Jahreszahl "1864" umlaufend angebracht. Über der Aussichtsplattform war auf dem kegelförmigen Dach eine Fürstenkrone aufgesetzt.


Turmgeschichte

Die feierliche Einweihung der Bismarckwarte erfolgte am 04.08.1901. Die Weiherede hielt Pastor J. Jacobsen aus Scherrebek.

Das Bauwerk wurde als „Bismarck-National-Denkmal“ und „Deutsche Warte in der Nordmark“ eingeweiht und diente als nationales Wahrzeichen der Wiedergewinnung der deutschen Nordmark.

Am 01.04.1906 beschloss das Knivsberg-Komitee, jährlich zum 01.04. Freudenfeuer am Bismarck-Denkmal abzubrennen.

Johannes Henno aus Hamburg (gebürtig aus Apenrade) stiftete Ende 1906/Anfang 1907 ein Bismarck-Portrait zur inneren Ausschmückung der Warte.

Der Deutsche Verein für das nördliche Schleswig startete im Jahre 1909 einen Aufruf zur Unterstützung des Deutschtums im Grenzkreis Hadersleben, da das „unversöhnliche Großdänentum“ das Deutschtum bedrohen würde. Jeder Deutsche sollte zur Unterstützung Wehrschatzmarken kaufen, auf den Marken zu 2 und 5 Pfennig war das Bismarck-Standbild vom Knivsberg mit Wahlsprüchen abgebildet.

Das Standbild wurde am 13.05.1919 wegen der befürchteten Abstimmungsniederlage gegen Dänemark abmontiert. Die Bismarck-Statue wurde per Eisenbahn zuerst nach Rendsburg transportiert, zuvor wurde der Kopf abgesägt. In einer Viehmarkthalle in Rendsburg wurde die Statue unter Heuhaufen versteckt. Durch Entzünden eines Heuhaufens verlor der Kopf seine Patina. Eine Firma aus Kiel schweißte den Kopf wieder an die Statue. Das Standbild wurde danach zunächst beim Bauern Peter Gosch in Ascheffel-Vogelsang zwischengelagert. Bezüglich der weiteren Nutzung des Denkmals entbrannte eine Diskussion, da einerseits die Stadt Rendsburg und andererseits die Scheersberg-Gesellschaft an der Statue interessiert waren.

Anfang 1923 wurde das Standbild auf die Koppel des Gastwirts Thomsen in Quern gebracht, um es auf dem Scheersberg aufzustellen.

Nach mehrjährigen Verhandlungen schloss die Scheersberg-Gesellschaft mit der Landsmannschaft der Nordschleswiger in Flensburg am 04.05.1929 einen Vergleich: Das Standbild sollte im Jahr 1930 auf dem Aschberg aufgestellt werden, da das jährlich am 14.08. durchgeführte Aschbergest an die alte Tradition des bis zum 1. Weltkrieg begangenen Knivsbergfestes anknüpfte.

Nachdem der Ascheffeler Gastwirt Johannes Greve einen Bauplatz auf dem Aschberg in den Hüttener Bergen zur Verfügung stellte, wurde das Standbild im September 1930 aufgestellt.

Der Turm wurde am 16./17.08.1945 (nach anderer Quelle am 28.04.1945) mittels 850 kg Sprengstoff von vierzig dänischen Widerstandskämpfern gesprengt. Das Reliefportrait von Michael Jebsen sen. wurde vorher aus der Halle geborgen.

Im Jahr 1945 wurde auch das Standbild auf dem Aschberg beschädigt, da Schrottdiebe das Schwert des Reichskanzlers entwendeten (es wurde später wiedergefunden). Zudem hatten Besatzungssoldaten den Bismarck-Kopf beschossen und der Blitz war mehrfach ins Standbild eingeschlagen.

Im Frühjahr 1955, unmittelbar nach den Bonn-Kopenhagener-Erklärungen am 28./29.03.1955, in denen die Minderheitenrechte beider Staaten festgeschrieben wurden, wurden die Trümmer auf dem Knivsberg beseitigt und das Sockelfundament, das sich nicht entfernen ließ, zugeschüttet. Dadurch wurde der Knivsberg um drei Meter erhöht (100 m über NN).

Aus den Steinen des ehemaligen Turmsockels wurde eine Gedenkmauer erbaut. Auf der einen Seite der Gedenkmauer wurden die Inschrift „JUNGS HOLT FAST“ und eine Tafel mit den Namen der Mitglieder des Gründungsvorstandes der Knivsberg-Gesellschaft, auf der anderen Seite wurde ein Relief mit der Darstellung der ehemaligen Bismarckwarte angebracht.

An der Stelle des Turmes wurde am 18.08.1962 eine Gedenkstätte eingeweiht, die neben einer großen senkrecht aufgestellten Granitmauer aus zwölf Tafeln (Kriegsjahre) besteht, auf denen die Namen der Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkrieges angebracht sind.

Das gesamte Gelände gehört seit 1970 einer Jugendbegegnungsstätte (Jugendhof Knivsberg) der deutschen Minderheit in Nordschleswig.

Im Jahr 2016 ist das Gelände frei betretbar. Zweisprachige Informationstafel erläutern u.a. die Geschichte des Bismarckturmes und des Knivsbergfestes.


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Jugendhof / Bildungsstätte Knivsberg

Deutsche Volksgruppe in Nordschleswig


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 34
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von APENRADE (Nord-Schleswig)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 48 "Bismarck-National-Denkmal auf dem Knivsberg in Nordschleswig", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 4. Jahrgang 1906 (Nr. 7/8, S. 114); 5. Jahrgang 1907 (Nr. 2, S. 31); 7. Jahrgang 1909 (Nr. 4, S. 70)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, Nr. 56 "Das Bismarck-Nationaldenkmal auf dem Knivsberg in Nordschleswig"
- Deutsche Konkurrenzen, Band VII, Heft 8, No. 80, Leipzig 1897, „Bismarckturm auf dem Knivsberg in Nordschleswig“
- „Centralblatt der Bauverwaltung“ vom 17.02.1897, S. 84 und 26.06.1897, S. 288


Bildmaterial

- historische Ansichten: Archiv J. Bielefeld
- Fotos: Jörg Bielefeld, Remscheid (April 2016)