Update: 20.06.2016

Befeuerung nicht verwirklicht
Der Bismarckturm in Wettin

Bauplanung

In Wettin regten bismarckbegeisterte Bürger (Architekt Theodor Hülssner aus Leipzig, Bürgermeister Albrecht Wilcke aus Wettin, Gutsbesitzer Artur Lorenz aus Wettin und der Stadtverordnete Schade aus Wettin) im Jahr 1899 den Bau eines Bismarckturmes an.

Es wurde ein Bismarckturm-Komitee unter Vorsitz des Gutsbesitzers Artur Lorenz aus Wettin gebildet.

Als Turm-Standort wählte man den Salderberg des Großen Schweizerlings (143,5 m über NN) aus. Der Bauplatz wurde von der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellt.

Die Baukosten für den Turm (ohne Materiallieferungen) wurden auf 10.000 – 12.000 Mark geschätzt.

Am 23.01.1903 fand zum Besten des Bismarckturmes ein Konzert statt.

Ursprünglich sollte eine monumentale Feuersäule nach Entwurf des Architekten Theodor Hülssner aus Leipzig erbaut werden. Der Entwurf sah einen offenen Hallenbau mit Feuerschalen auf den zwei oberen Ecken, gekrönt mit einer kleinen offenen Haube vor. Dieses Projekt wurde jedoch nicht verwirklicht.

Das Komitee wählte im Jahr 1904 den Entwurf des Architekten Conrad aus Leipzig, der einen Bismarckturm ohne Feuerschale konzipiert hatte. Die  Baukosten für den neuen Entwurf wurden auf 8.000 Mark geschätzt, der Baufonds war zu dieser Zeit auf 4.500 Mark angewachsen.

Im Februar 1904 und im September 904 wurden erneut Konzerte zum Besten des Bismarckturmes im Schützenhaus des Schweizerlings durchgeführt.

Am 18.09.1904 wurde der Grundstein des Turmes gelegt.

Die insgesamt 12.000 Mark Baukosten für den Turm wurden durch Spenden, Veranstaltungen, Konzerte und Theateraufführungen sowie die Ausgabe von Anteilsscheinen aufgebracht. Die höchste Einzelspende eines unbekannten Spenders betrug 3.000 Mark.

Alle Fuhren an Steinen und sonstigem Baumaterial wurden von den Landwirtschaften Wettins und Umgebung kostenlos ausgeführt.

Auf die Installation einer Feuerpfanne wurde wegen des umliegenden Nadelwaldes verzichtet.


Bauarbeiten

Die Bauarbeiten starteten am 04.10.1904.

Die Bauausführung übernahm Maurermeister A. Herzer aus Wettin, die Steinmetzarbeiten wurden von Steinmetzmeister Bölecke aus Cönnern an der Saale durchgeführt.

Als Baumaterial wurde Porphyr aus Wettin und Sandstein aus Cönnern an der Saale verwendet.

Bereits Ende Oktober 1904 hatten die Arbeiten am Turm so gute Fortschritte gemacht, dass man die Einweihung für den 01.04.1905 plante. Die Bauarbeiten konnten aber erst im Mai 1905 beendet werden.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Der 21,5 m hohe Aussichtsturm ohne Befeuerungsmöglichkeit ist ein massives rechteckiges Bauwerk, welches sich nach oben hin verjüngt und im oberen Viertel in eine ovale Bauform übergeht.

Der Sockelbereich des Turmes weist an den Ecken wuchtige gemauerte Streben auf. Der Eingangsbereich im Osten des Turmes, der über eine Stufe zu erreichen ist, ist giebelartig vorgebaut. Die Fenster und der Eingang sind als Rundbogen ausgeführt.

Der Turm schließt mit einer Aussichtsplattform ab, die ringsum mit einer Steinbrüstung begrenzt ist.

Durch den Eingang gelangt man zur steinernen linksdrehenden Wendeltreppe mit 113 Stufen, über die die ovale Aussichtsplattform zu erreichen ist.

Über dem Eingang wurde die Inschrift

"WIR DEUTSCHEN/FÜRCHTEN GOTT SONST/NICHTS IN DER WELT",

darüber die Inschriften "A.D. /1905" und "BISMARCK" angebracht.


Turmgeschichte

Am 04.06.1905 wurde die Turm-Einweihung feierlich begangen. Der Festzug zog ab 14:30 Uhr vom Marktplatz zum Schweizerling. Die Weiherede am Turm hielt Burgprediger Hörich aus Wettin. Das Bauwerk wurde durch den Vorsitzenden des Komitees an die Stadt Wettin übergeben.

Im Jahr 1930 brachte man zum 25. Jubiläum des Turmes über dem Eingang ein Bismarck-Medaillon (Bronze-Eisenguss, 31 cm Höhe) an. Im 2. Weltkrieg wurde dieses Medaillon entfernt.

Bis in die 1930er Jahre wurde der Bismarckturm touristisch genutzt.

Im Jahre 1945 wurde der Turm durch Beschuss der Amerikaner im oberen Teil leicht beschädigt.

Eine Umbenennung in Friedensturm erfolgte im Rahmen einer Großkundgebung am 01.05.1950. Alle Hinweise auf Bismarck wurden vorher entfernt.

Der Zugang zum Turm wurde in den 1960er Jahren gesperrt. Nach Sanierungsarbeiten von Oktober 1991 bis Mai 1992 konnte der Turm am 30.05.1992 als Bismarckturm wiedereröffnet werden. Der Turm wurde außen neu verfugt, Treppen, Innenwände und die Zwischendecken wurden repariert oder erneuert. Die ursprünglichen Inschriften wurden wieder angebracht.

Im Jahr 1992 wurde das entfernte Bismarck-Medaillon bei Ausschachtungsarbeiten für eine elektrische Leitung zum Turm wieder aufgefunden. Am 01. April 2005 brachte man das Medaillon wieder über dem Eingang an.

Die Feier zum 100. Jahrestag des Bismarckturmes Wettin fand am Samstag, den 04.06.2005 statt. Nach einem großen Festakt wurde der Abend mit einem Bismarckturmfeuerwerk beschlossen.

im Jahr 2015 wurde ein Bogenmuseum im Bismarckturm eröffnet.


Öffnungszeiten:

Im Jahr 2016 ist der Aussichtsturm von April bis Oktober samstags und sonntags von 13:00 bis 17:00 Uhr geöffnet (nur bei sonnigem Wetter).

Der Bismarckturm in Wettin ist der höchste Aussichtspunkt im Saalekreis. Die weiß-grüne Fahne auf dem Turm signalisiert, dass der Turm geöffnet ist.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 406
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von WETTIN (Sachsen-Anhalt)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 115 "Bismarck-Turm zu Wettin (Sachsen)", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 3, S. 5), 2. Jahrgang 1904 (Nr. 6, S. 3: Nr. 11/12, S. 9); 3. Jahrgang 1905 (Nr. 5. S.5; Nr. 8, S. 9)
- Kunze, Werner: „Der Bismarckturm zu Wettin“, undatiertes Infoblatt
- Grünhagen, Siegfried: Information zum neuen Bismarck-Medaillon im März 2005


Fotografen

- Ralph Männchen, Dresden (Juni und Oktober 2005)
- Siegfried Grünhagen, Wettin (März 2005)
- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Mai 2006)
- Marek Moson, Wroclaw (Mai 2009)
- Christian Gerloff, Jena (September 2011)