Update: 20.06.2016

Kostenloser Entwurf des Turmes
Der Bismarckturm in Osterwieck

Bauplanung

Der Bau dieses Bismarckturmes wurde im Herbst 1898 von Tierarzt Wilhelm Schilling angeregt.

Aufgrund seiner Initiative bildete sich ein "Komitee zur Errichtung eines Bismarckturmes" unter Vorsitz des Bürgermeisters Schoof.

Als Bauplatz wählte das Komitee den Kirchberg aus, einen südlichen Ausläufer des Fallsteins bei Osterwieck (140 m über NN). Ausschlaggebend für die Standortwahl waren das benachbarte Schützenhaus mit Gastwirtschaft und ein bereits angelegter Weg auf dem Kirchberg.

Für den Turmbau gingen nach Gründung des Komitees nur geringe Spendenbeiträge ein, sodass das Vorhaben einige Zeit ruhte.

Am 24.10.1900 trat der Rittergutsbesitzer von Lambrecht-Benda auf Stötterlingenburg in einer Versammlung dem Komitee bei. Am 18.11.1900 wurde ein geschäftsführender Ausschuss gewählt.

Nach Vermittlung von Frau Lambrecht-Benda wurde der Entwurf des Turmes unentgeltlich von Professor Otto Raschdorf aus Charlottenburg zur Verfügung gestellt.

Am 09./10.06.1901 fand ein Basar zum Besten des Bismarckturmes statt.

Finanziert wurde der 18.000 Mark teure Turmbau durch Spenden, die vom Komitee gesammelt wurden. Es wurden auch Benefizveranstaltungen wie Basare, Militärkonzerte u.a. durchgeführt. Alle Gemeinden, die für den Turmbau spendeten, sollten auf einer Tafel verewigt werden und einen Turmschlüssel erhalten. Die Stadt Osterwieck spendete eiserne Laternenpfähle sowie Eichenbretter für die Eingangstür.


Bauarbeiten

Die Bauarbeiten auf dem Kirchberg, dem südlichen Hang des Fallsteins, begannen am 05.11.1901.

Ausgeführt wurden die Bauarbeiten durch Stadtbaumeister Karl-Friedrich Wilhelm und Maurermeister Wilhelm jun. aus Osterwieck. Die Bauleitung erfolgte durch Stadtbaumeister Milhan.

Als Baumaterial verwendete man Kalksteine aus den Steinbrüchen bei Osterode und Deersheim (Steinbruch des Maurermeisters Hundertmark) sowie Granitsteine aus Ilsenburg aus den Steinbrüchen der Gebrüder Weber. Auf eine Grundsteinlegung wurde verzichtet.

Die erratischen Blöcke am Rande des Bauplatzes wurden aus der näheren Umgebung der Stadt zusammengetragen.

Beteiligte Baufirmen und Handwerker:

Gebogene Eisenteile für die Kuppel: Schmiedemeister W. Huth, Osterwieck
Bearbeitung der Rundbogensteine: Steinhauer-Polier W. Brandes, Wilhelmshöhe
Schmiedeeiserne Innentreppe mit Holzstufenbelag: Fürstliches Stolbergsches Hüttenamt, Ilsenburg
Eingangstür: Zimmermeister Chr. Försterling, Lüttgenrode
Eingangs-Türbeschlag und eiserne Fenster: Schlossermeister Binkebank
Verglasung: Heinrich Dürschner
Malerarbeiten: H. Langenstraß

Im Dezember 1901 waren die Fundamentierungsarbeiten abgeschlossen. In der Osterwoche 1902 wurden die Gerüste aufgestellt. Der Bau wurde bis zum Boden der Aussichtsplattform fortgesetzt. Danach mussten die Bauarbeiten aufgrund von Materialmangel unterbrochen werden. Zudem richtete sich die Baumaterialien-Anfuhr nach dem landwirtschaftlichen Betrieb der Fuhrwerksbesitzer.

Zwischen dem 22.02. und 01.03.1903 wurden die „Werningschen vaterländischen Festspiele“ zum Besten des Bismarckturm-Baus durchgeführt.

Anfang Mai 1903 konnten die Bauarbeiten fortgeführt werden.

Bis Ende Oktober 1903 konnte der Turm bis auf das Innere, die Terrasse und die Futtermauer fertiggestellt werden.

Im Dezember 1903 spendete die Kreissparkasse 1.000 Mark.

Im ersten Halbjahr 1904 erfolgten schließlich die Innengestaltung, die Erdanschüttung und die Anlage der Terrasse. Der Kreistag des Kreises Halberstadt bewilligte ebenfalls 1.000 Mark für den Bau des Turmes.


Turmbeschreibung

Der 19,25 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit wurde auf dem südlichen Hang des Fallsteins errichtet.

Die angeböschte Erdschüttung des Bauplatzes ist nach Süden hin mit einer 16,56 m langen Futtermauer begrenzt. Die Futtermauer ist mittig durch eine 2,76 m breite Treppenanlage (inkl. beidseitiger Einfassung von jeweils 0,29 m) mit zehn Stufen durchbrochen. Diese Treppe führt auf die quadratische mit Steineinfassung begrenzte Terrassenanlage (Seitenlänge 9,94 m) auf der Südseite (Eingangsseite) des Turmes.

Über eine dem Eingangsbereich vorgelagerte Stufe gelangt man durch die 1,03 m x 2,03 m große Eingangstür mit Rundbogenabschluss in das Turminnere.

Der 2,50 m hohe Sockel des Turmes ist polygonal angelegt und wird auf den Seiten durch wuchtige Eckenauskragungen (0,54 m auskragend, 1,30 m breit) betont. Die Turmseiten zwischen den Auskragungen sind jeweils 4,11 m breit.

Im Mauerviereck über dem Eingang ist ein 0,40 m x 0,30 m großes metallenes Bismarck-Relief angebracht.

Oberhalb des Sockels verjüngt sich der Turmschaft nach oben bis zum Aussichtsgeschoss, welches mit einer Kuppel in Monierbauweise abschließt.

Die Turmmauern sind unten 1,80 m und oben 0,80 m stark. Das Turminnere beträgt 3,00 m x 3,00 m im Lichten, unten erweitern 0,80 m tiefe Nischen die vier Seiten des Raumes. Der Raum weist auf drei Seiten, außer auf der Eingangsseite, Fensterbögen (2,40 m breit und 0,75 m tief mit jeweils zwei kleinen eckigen Fenstern) auf.

Auf halber Höhe des Turmschaftes sind auf der Nord- und Westseite zwei Fensterbögen mit je zwei längeren Schlitzen vorhanden, auf der Ostseite sind es nur Blindfenster.

Unterhalb der Aussichtsplattform befinden sich auf allen Seiten jeweils drei Fensterschlitze.

Über eine schmiedeeiserne Innentreppe mit 55 holzbelegten Stufen und 9 Podesten gelangt man zur Plattform mit Aussichtslaube mit vier halbrunden Öffnungen zu jeder Seite (2,25 m x [max.] 1,70 m).

Durch die balkonartigen Auskragungen hat die Aussichtsplattform eine Seitenlänge von 3,95 m x 3,95 m. Der Treppenaustritt auf der Plattform hat eine Fläche von 2,60 m x 1,12 m.

In der 1,60 m weiten und 1 m hohen Bekrönung des Turmes wurden acht viereckige, gusseiserne Feuerkästen von je 60 cm Länge aufgestellt (bzw. eingehängt), die mit Torfmull befüllt waren und mit Petroleum getränkt wurden.


Turmgeschichte

Am 21.08.1904 fand bei gutem Wetter unter großer Beteiligung der Bevölkerung die feierliche Einweihung des Bismarckturmes statt. Der Schlussstein mit Urkunde wurde bei der Einweihungsfeier gelegt. Die Festrede hielt Dr. Knauth aus Osterwieck, das Schlusswort Regierungspräsident Dr. Baltz aus Magdeburg.

In einem besonderen Zelt lag das Goldene Buch aus, in das sich alle Festteilnehmer eintragen konnten. Am Einweihungstag erschienen neue Ansichtskarten vom Bismarckturm, die zum Besten des Baufonds verkauft wurden.

Das Turmfeuer in den acht Feuerkästen wurde erstmals am 02. April 1905 (nachträglich zu Bismarcks 90. Geburtstag) entzündet. Die Feuerung mit Torfmull soll sich gut bewährt haben.

Der Bismarckturm ging im Jahr 1906 in das Eigentum der Stadt Osterwieck über. Die Stadt verpflichtete sich, alljährlich den Turm einmal zu befeuern. In den Folgejahren wurde der Turm jeweils zur Sommersonnenwende, am Sedanstag sowie einmalig zur Enthüllung der Bismarckbüste in der Walhalla (Regensburg) entzündet. Die letzte aktenkundige Befeuerung zu Ehren des ehemaligen Reichskanzlers (110. Geburtstag Bismarcks) erfolgte 1925 bei einer Schützenfeier.

Im Jahr 1924 (nach anderer Quelle erst 1933) wurde nachträglich über dem Eingang ein bronzenes Bismarck-Relief angebracht.

Im 2. Weltkrieg blieb das Bauwerk kriegsbedingt unbeschädigt.

Im Jahr 1946 wurde in einer SED-Parteiversammlung darüber diskutiert, den Bismarckturm abzureißen, um ausreichend Baumaterial für die Neubauernhäuser zu haben. Durch den Einsatz des Kommunalpolitikers Wilhelm Gresse gelang es, den Abriss zu verhindern. W. Gresse überzeugte seine Parteikollegen der SED, das Bauwerk in "Friedensturm" umzubenennen und als Mahnmal gegen den Krieg weiter zu erhalten.

1947 wurde das Bismarck-Relief über dem Eingang bei Ausbesserungsarbeitern entfernt und im Heimatmuseum untergestellt.

Die offizielle Umbenennung in Friedensturm erfolgte am 01.09.1950. Im gleichen Jahr wurde der Turm für ca. 10 Jahre der Jugendorganisation FDJ übergeben, die diesen inoffiziell in "Friedensturm der Jugend" umbenannte.

Am 27. Juli 1963 genehmigten die Stadtverordneten erstmals 2.000 Mark für Reparaturarbeiten nach ersten Vandalismusschäden (u.a. fehlten Treppensegmente). Das Geld kam aus dem Fonds der Volksvertretung Nat. Aufbauwerk (NAW).

Eine umfassende Sanierung erfolgte in den Jahren 1974/75 durch freiwillige Arbeiten der FDJ-Brigade Schünemann aus der Molkerei Osterwieck. Am 30.04.1975 wurde der Turm als „Jugendobjekt“ feierlich übergeben. Zeitweilig wurde er von Jugendlichen einer 10. Klasse kontrolliert und abgeschlossen. Eine kostenpflichtige Besteigung des Turmes war zu dieser Zeit nur an Wochenenden möglich.

Weitere Sanierungen erfolgten 1985 (Einbau einer Gittertür) und im Oktober 1989 (Neuverfugung der Kuppel und des Mauerwerkes).

Ab März 1990 wurde der Turm trotz teilweise fehlender Treppenstufen zum Aufstieg freigegeben. Der Turmschlüssel war im Rathaus entleihbar.

Im Mai 1990 wurden die drei fehlenden Holzstufen kostenlos durch Tischlermeister Adolf Angerstein aus Hornburg eingesetzt.

Nach Instandsetzungs- und Reinigungsarbeiten wurde der Friedensturm im Mai 1992 wiedereröffnet. Es wurden u.a. eine Eisen- und eine Gittertür eingebaut. Nach 1995 wurde das Bauwerk wieder offiziell in "Bismarckturm" zurückbenannt.

Über dem Eingang wurde im Jahr 1999, anlässlich der 1025-Jahr-Feier der Stadt Osterwieck, der Schriftzug "BISMARCKTURM" angebracht. Der Schriftzug wurde von Hans-Jürgen Jachade gespendet.

Im Jahr 2003 wurde das Bauwerk durch Arbeitskräfte des Fremdenverkehrsvereins renoviert. Eine Wetterschutzhaube wurde installiert.

Im Jahr 2004 wurde der Bismarckturm 100 Jahre alt. Das Turmjubiläum wurde am 21.08.2004 festlich auf dem Kirchberg begangen.

Der Turm steht heute in einem Naturschutzgebiet.

Alljährlich wird seit 1995 jeweils am 01.05. ein Familienfest am Bismarckturm ausgerichtet [Stand 2011].

Im Jahr 2012 waren die Treppenwangen schadhaft und mussten ausgetauscht werden. Im Jahr 2013 erfolgte eine notdürftige Reparatur der Treppe, der Turm konnte wieder für Besucher geöffnet werden. Eine Spendensammlung ergab bis Frühjahr 2015 insgesamt 10.000 €. Die Treppe wurde bis zum 111. Jahrestag der Einweihung (21.08.2015) erneuert, die Einweihung erfolgte am 24.10.2015.


Öffnungszeiten:

Der Turmschlüssel kann in der Gaststätte Fallsteinklause (www.fallsteinklause.de), im Museum oder bei der Stadtverwaltung Osterwieck entliehen werden.

Durch die Aussichtskuppel mit den vier halbrunden Öffnungen ist eine gute Aussicht auf das Harzpanorama möglich.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 305
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von OSTERWIECK (Sachsen-Anhalt)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 104 "Bismarck-Feuersäule zu Osterwieck a. Harz ", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes; 2. Jahrgang 1904 (Nr. 2, S. 4; Nr. 6, S. 2; Nr. 11/12, S. 9) 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903: 2. Teil, Nr. 80b „Der Bismarck-Turm zu Osterwieck a. Harz“
- Festnummer der Ilse-Zeitung vom 21.08.1904 zur Einweihung des Bismarckturmes auf dem Kirchberg
- Kruppa, Gottfried: „Osterwiecker Patrioten wollten eigenen Turm“ in Volksstimme Magdeburg vom 19.08.2004


Fotografen

- Matthias Grimm (KAP-Foto April 2009)
- Robert Waibel (August 2010)
- Christian Gerloff, Jena (September 2011)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Oktober 2011)