Update: 20.06.2016

Die Säule mit neuem Überbau
Die Bismarcksäule in Petersberg bei Halle/Saale

Bauplanung

Initiiert wurde der Turmbau, nach Anregung von Pfarrer Dienemann aus Stumsdorf im Februar 1899, vom "Verein zur Erbauung und Unterhaltung einer Bismarcksäule auf dem Petersberg bei Halle" unter Vorsitz des Landrates Hans von Krosigk.

Als Standort hatte man die höchste Erhebung des Saalkreises, den Hohen Petersberg (230 m ü. NN), ausgesucht.

Erste Kostenschätzungen beliefen sich auf 6.000 – 7.000 Mark. Ende Mai 1899 erhöhte man die Kostenschätzung auf 22.000 Mark.

Der Bismarcksäulen-Verein wählte wie in vielen anderen Städten den von der deutschen Studentenschaft mit dem 1. Preis ausgezeichneten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis zur Ausführung aus.

Bis März 1900 konnten 12.000 Mark an Spenden gesammelt werden. Die Gesamtkosten für die Säule wurden nun auf ca. 30.000 Mark geschätzt, da mit Schwierigkeiten bei der Bauausführung gerechnet wurde und der Turm aus großen Porphyrblöcken errichtet werden sollte.

Am 23.02.1901 fand die Generalversammlung des Vereins statt, der zu dieser Zeit 180 Mitglieder hatte. Der Grundfonds für den Bau des Bismarckturmes betrug zu dieser Zeit 18.000 Mark. Die fehlenden Mittel sollten durch eine Wertlotterie aufgebracht werden.

Am 23.06.1901 fand bei gutem Wetter die feierliche Grundsteinlegung statt, an der neben den Mitgliedern und Ehrengästen des Vereins die Kriegervereine sowie viele Bewohner und Studenten teilnahmen. Superintendent Bethge aus Giebichenstein hielt die Festrede. Die Kosten für die Grundsteinlegung betrugen insgesamt 3.000 Mark.

Der Baubeginn sollte sich nach der Grundsteinlegung noch verzögern. Am 26.02.1902 betrug die Spendensumme inklusive Mitgliederbeiträge und der durchgeführten Lotterie 25.400 Mark.

Finanziert wurde der insgesamt 31.000 Mark teure Turm durch Spendensammlungen des Vereins.


Bauarbeiten

Der erste Spatenstich fand Mitte April 1902 unter Teilnahme einer größeren Besuchermenge und den lokalen Behörden statt.

Als Baumaterial wurden Porphyrsteine verwendet, die in den nahegelegenen Steinbrüchen bei Löbejün gebrochen wurden.

Die Bauoberleitung oblag Baurat Joh. Matz aus Halle, die Maurerarbeiten führte Maurermeister Becker aus Merkewitz aus.


Turmbeschreibung

Als Basis des 15 m hohen Aussichtsturmes mit Befeuerungsmöglichkeit dient ein zweistufiges quadratisches Podest. Die Podeststufen sind jeweils 0,50 m hoch und 1,30 m tief.

Darauf erhebt sich der quadratische Turmsockel mit einer Kantenlänge von 6,40 m x 6,40 m.

Über eine Treppe mit vier Stufen erreicht man den Eingangsbereich auf der Südseite. Ursprünglich gelangte man über eine Holztreppe mit Metallgeländer zur Aussichtsplattform.

Nach der Sanierung und Wiedereröffnung im Jahr 2000 erreicht man über eine Metalltreppe mit einem tragenden separaten Haltegestell die Aussichtsplattform. Eine leicht nach rechts drehende Steinstufe ist der Metalltreppe vorgelagert.

Über eine linksdrehende Metalltreppe mit 60 Stufen (in Absätzen 18 / 19 / 23 Stufen) mit rechtsläufigem verzinktem Metallgeländer erreicht man durch eine 2,00 m x 0,80 m große Metall-Austrittstür (Südseite) den Umgang auf der Plattform. Der Umgang ist mit einem Brüstungsgeländer versehen. Die Anzahl der Innenstufen (mit einzelner Steinstufe unten) beträgt 61.

Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit dreistufigem (seit 2000 nur noch zweistufigem) Oberbau zusammengehalten werden. Der alte dreistufige Oberbau wirkte wuchtiger, seit dem Jahr 2000 ist der seit 1945 fehlenden Überbau durch einen neuen, 3 m hohen Aufbau mit knapper Abstufung ersetzt worden.

Ursprünglich war auf dem Turmkopf eine fest eingemauerte, viereckiger Feuerpfanne (Seitenlänge 1,30 m) angebracht.

Abgeschlossen ist der 3 m x 3 m große zweistufige Aufbau seit 2000 mit einem leicht spitz auslaufendem Plexiglasdach.

Fensterschlitze befinden sich auf der Ostseite (in halber Höhe des Turmes) sowie auf der Westseite (in 1/3 und 2/3 Höhe).

Als einziger Schmuck wurde oberhalb des Einganges ein farbiges Mosaik (Motiv: Reichsadlerrelief, der das Bismarckwappen in den Fängen hält) angebracht. Das Relief wurde von der Dortmunder Mosaikfabrik R. Leistner gefertigt.


Turmgeschichte

An der Einweihungsfeier am 24.09.1902 nahmen u.a. der Oberpräsident der Provinz Sachsen (Staatsminister Dr. v. Bötticher), der Regierungspräsident (Freiherr von der Recke), die Studentenschaft aus Halle, viele Vereine und Bürger teil. Nach offiziellen Fest- und Begrüßungsreden wurde am Abend erstmals die Feuerschale entzündet. Als Brennmaterial wurde flüssiges Pech verwendet.

Bereits im Herbst 1903 hatten über 6.000 Personen die Bismarcksäule bestiegen. Die Aufsicht des Turmes oblag Steuereinnehmer Hennig und Forst-Aufseher Schüppel.

Am 21.06.1906 schloss die Studentenschaft von Halle die konfessionellen Verbindungen vom jährlichen Sonnenwendenfackelzug zu Ehren Bismarcks aus.

Der Bismarcksäulenverein beschloss am 01.12.1907 in einer Sitzung, die bisher im Eigentum des Vereins stehende Säule dem Kreiskommunalverband des Saalkreises zu übertragen und den Verein aufzulösen.

Der Überbau des Turmes wurde kriegsbedingt im Jahr 1945 durch amerikanische Geschütze stark beschädigt.

In der DDR-Zeit wurde der Turm (ohne Turmkopf) von der Post benutzt.

Nach der Wende 1989 wurde ein neuer Funkturm nahe des Turmes errichtet. Die Bismarcksäule wurde Eigentum der Gemeinde und sollte wieder für Touristen zugänglich gemacht werden.

Im Dezember 1996 plante die Verwaltungsgemeinschaft Götschetal-Petersberg, Geldmittel für eine Sanierung der Säule einzusetzen. Das Bauwerk blieb zu dieser Zeit weiterhin für Besucher verschlossen.

Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten (Bauherr Gemeinde Petersberg, Förderung Lotto-Toto GmbH) in den Jahren 1999/2000 konnte der Turm mit einer neu geschaffenen Aussichtsplattform mit Eisengeländer im Jahr 2000 wiedereröffnet werden. Ein Schild über dem Eingang weist auf die Instandsetzungsarbeiten hin.

Im Herbst 2000 erhielt der Turm einen neuen, ca. 3 m hohen Aufbau mit kleinem Absatz. Die Grundfläche des Aufbaus beträgt ca. 3 m x 3 m.
Abgeschlossen wird dieser mit einem leicht spitz auslaufenden Plexiglasdach.


Öffnungszeiten:
Turm ist verpachtet, täglich von 09 - 17 Uhr geöffnet (Stand: Mai 2016)


Eintrittspreise:
Erwachsene 1 € (ermäßigt 0,80 €), Kinder: 0,50 €


Links

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Museum Petersberg


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 183-184
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von Halle a. S.  (Sachsen-Anhalt)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 76 "Bismarck-Feuersäule auf dem Petersberg bei Halle a. d. S.", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes: 5. Jahrgang 1907 (Nr. 3, S. 47; Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903: 2. Teil „Die Bismarck-Säule (Architekt Kreis) auf dem Petersberg bei Halle a. S.“


Fotografen

- Dr. Wolfgang Seele, Mannheim (Mai 1990)
- Rainer Fischer (März 2005)
- Ralph Männchen, Dresden (Juni 2005)
- Marek Moson, Wroclaw (Mai 2009)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Mai 2009)
- Albrecht Behrends, Bochum (April 2010)
- Lars Lenzner, Hückeswagen (Juni 2011)
- Christian Gerloff, Jena (September 2011)
- Marco Barnebeck, Zwickau (Oktober 2011)


Foto Bismarckturm Halle / Saale ohne Überbau Mai 1990
Fotograf: Dr. Wolfgang Seele