Update: 20.06.2012

Turm-Einweihung nach langer Baupause
Der Bismarckturm in Ballenstedt-Opperode

Bauplanung

Oberbürgermeister Bruno Wendt aus Ballenstedt regte auf der 100-Jahr-Feier der Völkerschlacht bei Leipzig, am 18. Oktober 1913, den Bau dieses Bismarckturmes an.

Am 24.10.1913 lud der Kreisdirektor des Landkreises Ballenstedt, Dr. Willy Knorr, zur Gründung eines „Bismarck-Denkmal-Ausschusses“ am 02.11.1913 ein. Bei diesem Gründungstreffen wurde der Stahlsberg (270,60 m über NN) als Turmstandort bestimmt und der „Arbeitsausschuss zur Errichtung eines Bismarck-Denkmals auf dem Stahlsberge bei Ballenstedt“ unter Vorsitz von Kreisdirektor Dr. Knorr gegründet.

Der Arbeitsausschuss erließ am 01.12.1913 einen Spendenaufruf. Es war vorgesehen, dass vor dem Turm ein großer Sport- und Spielplatz eingerichtet werden sollte.

Zudem wurde Professor Wilhelm Kreis als Architekt des Bismarckturmes gewählt. Wilhelm Kreis entwarf einen Bismarckturm, der seinem preisgekrönten Entwurf "Götterdämmerung" sehr ähnlich war. Er konzipierte den Turm als Aussichtsturm mit Feuerschale.

Die feierliche Grundsteinlegung fand am 14.06.1914, kurz vor Ausbruch des 1. Weltkrieges statt. Da der Vorsitzende des Arbeitsausschusses, Kreisdirektor Dr. Knorr, im Juni 1915 einberufen wurde, übernahm der Kreis in der Kreistagssitzung vom 28.06.1915 alle Verpflichtungen des Vorsitzenden.

Die Gesamtkosten (bis 1915) betrugen 24.000 Mark und wurden aus Spendenmitteln getragen.


Bauarbeiten Teil 1

Die Bauarbeiten starteten unmittelbar nach der Grundsteinlegung.

Als Baumaterial für den Turm wählte man Harzer Kalksteine und Granit, zudem Stampfbeton mit Kalksandstein als Verblendung.

Die Bauausführung erfolgte durch Zimmermeister Fritz Falley aus Ballenstedt.

Weitere beteiligte Handwerker:

Schlossermeister Egeling              Schlosserarbeiten
Bildhauermeister Conert               Bildhauerarbeiten

Aufgrund des Krieges konnten die Bauarbeiten nicht ganz vollendet werden. Die ursprünglich geplante Einweihungsfeier am 01.04.1915 fand nicht statt.


Bauarbeiten Teil 2

Der Kreisausschuss unter Vorsitz von Kreisdirektor Geh. Regierungsrat Pietscher konnte das Bauwerk nach dem 1. Weltkrieg nicht weiter bauen, da die Steuereinnahmen für diese Maßnahme nicht ausreichten.

Bis zum Jahr 1929 wurden keine weiteren Arbeiten durchgeführt, der Turm drohte zu verfallen.

Am 12.07.1929 wurde von Rechnungsrat Höhne, dem Vorsitzenden des Harzklub-Zweigvereins Ballenstedt, der 15 Jahre vorher auch im Arbeitsausschuss mitgewirkt hatte, ein Vorschlag von Kreisdirektor Pietscher aufgegriffen. Dieser hatte angeregt, dass der Harzklub-Zweigverein den Aussichtsturm fertig stellt und der Allgemeinheit zugänglich macht.

Der ursprüngliche Entwurf von Professor Kreis wurde vom Bauleiter, dem Regierungs- und Baurat Dr. Ehrlich abgeändert und vereinfacht (u.a. kein Aufbau oberhalb des Gesimses und Verzicht auf Feuerschale).

Unter dem Bauleiter Dr. Ehrlich, der keine Kosten in Rechnung stellte, wurde das Bauwerk von Zimmermeister Falley bis Anfang 1931 fertig gestellt. Die Kosten für die restlichen Arbeiten betrugen 8.600 Reichsmark.


Turmbeschreibung

Der 11 m hohe Aussichtsturm ohne Befeuerungsvorrichtung war im ursprünglichen Entwurf von Prof. Kreis mit Feuerschale geplant, der Entwurf wurde 1929 abgeändert und vereinfacht (reiner Aussichtsturm).

Auf den geplanten Turm-Aufbau wurde verzichtet, sodass die Turmhöhe nur noch 11 m (statt der geplanten 16,50 m) betrug.

Das wuchtige Bauwerk erinnert mit seinen Dreiviertelsäulen an den Seiten stark an den Mittelteil des Standard-Entwurfs „Götterdämmerung“ des Architekten Wilhelm Kreis. Das Bauwerk war von Anfang an ohne Unterbau und Architrav geplant.

Das Bauwerk hat einen quadratischen Grundriss mit einer Seitenlänge von 8,00 m x 8,00 m (ohne Dreiviertelsäulen 7,40 m x 7,40 m).


Eingangsbereich

Über vier Steinstufen ist der im Nordwesten liegende Eingangsbereich (2,00 m x 1,00 m) zu erreichen.

Über dem Eingang wurde ein Bismarck-Wappen aus Kalkstein, angefertigt in der Kunstgewerbeschule in Düsseldorf, angebracht.

Der Eingangsbereich ist mit einer Tiefe von 1,90 m trapezförmig vorgebaut und schließt in 5 m Höhe mit einem Austritt ab.


Erdgeschoss

Die quadratische Grundfläche der Halle beträgt 5,69 m x 5,69 m mit Ausbuchtungen (¾-Säulen) an allen vier Seiten.
Vom Erdgeschoss führt in den vorderen Säulenschäften jeweils eine Steintreppe mit 18 Stufen zur 1. Etage. Das Erdgeschoss hat eine Höhe von 3,32 m.


1. Etage

Die quadratische Grundfläche des Raumes in der 1. Etage beträgt 5,64 m x 5,64 m mit Ausbuchtungen (¾-Säulen) an allen vier Seiten.

Über eine 2,00 m x 1,02 gelangt man auf der Nordwestseite auf den Balkon der Vorderseite des Turmes.
Über eine Stufe nach unten erreicht man die ovalförmige Austrittsfläche (maximal 0,90 m breit).

Über eine Treppe gelangt man von der 1. Etage (Beginn: linke Seite) zur 2. Etage. Die Absätze der Treppe (nach 4 / 13 und 10 Stufen) liegen genau innerhalb der ¾-Säulen. Die Geschosshöhe bis zur Plattform (über die zum Teil offene 2. Etage hinweg) beträgt 6,94 m.


2. Etage

Die 2. Etage besitzt keine durchgezogene Decke und ist größtenteils offen. Über die Aufgangstreppe gelangt man zu einem Gang in der 2. Etage, über die man über eine mittige Treppe mit 12 Stufen (beidseitiges Geländer) die Aussichtsplattform erreicht.


Aussichtsplattform

Der Austritt auf die Plattform erfolgt durch einen 2,10 m x 3,25 m großen beglasten Aufbau (Höhe 2,57 m) auf der Südostseite.

Der Innendurchmesser der Plattform beträgt 6,83 m x 7,07 m. Die steinerne Brüstung (bis 0,28 m Höhe) hat eine Dicke von 0,52 m, darüber ist ein Metallgitter angebracht. Unterhalb der Brüstung (0,48 m) kragt die Plattform aus. Die Auskragung auf der Nordwest- und Südostseite beträgt bis 0,40 m (Außendurchmesser gesamt: ca. 8,70 m), die Auskragung auf der Nordost- und Südwestseite bis 0,30 m (Außendurchmesser gesamt: ca. 8,70 m).


Fenster

Auf der Eingangsseite wurde über der Austrittstür ein kleines quadratisches Fenster eingelassen. Auf der Südwest- und Nordostseite befindet sich jeweils unten, mittig und oben ein schmaler Fensterschlitz, im Südosten nur ein schmaler Fensterschlitz unterhalb der Brüstung. Die Fenster sind verglast.


Turmgeschichte

Am 20.05.1931 konnte der nun vollendete Turm im Rahmen einer schlichten Feier eingeweiht werden. Das Bauwerk wurde in den Schutz des Harzklub-Zweigvereins Ballenstedt übergeben. Die zusätzlichen Kosten für die Bauarbeiten waren bei der Einweihung noch nicht vollständig gedeckt. Die Anhalter Harz-Zeitung überreichte bei der Einweihung eine Spende, weitere Gelder sollten durch freiwillige Spenden aufgebracht werden.

In der Nacht zum 31.08.1931 wurden die Glasscheiben des Turmes eingeworfen.

In den Folgejahren war das Bauwerk in den Sommermonaten von 07:30 bis 19:00 Uhr für Besucher geöffnet.

Nach dem 2. Weltkrieg und in der DDR-Zeit wurde der Turm dem Verfall preisgegeben. Aufgrund von Vandalismusschäden wurde das Bauwerk in den 1960er Jahren gesperrt. Eine offizielle Umbenennung wie bei vielen anderen Bismarcktürmen erfolgte nicht. In der DDR-Zeit hatte man kurzzeitig überlegt, den Turm in „Karl-Marx-Turm“ umzubenennen, der Plan wurde aber nicht realisiert.

Im April 1990 fehlte die steinerne Abschlussbrüstung des Turmes. Eine Eingangstür oder ein Gitter waren nicht vorhanden, die Treppenanlage vor dem Turm sowie oberhalb der 1. Etage im Turm waren verfallen.

In den Jahren 1994/1995 wurde der Turm mit Landesmitteln saniert.

Am 20.09.1994 waren die Treppen bereits mit Eisenträgern versehen und die Aussichtsplattform war mit einer Betonschicht verstärkt. Zahlreiche tonnenschwere Steine, die vor dem Turm lagen, wurden bei der Sanierung wieder eingesetzt.

Ausführende Firmen

Firma Oevermann, Niederlassung Braunschweig            Rohbau
Bode-Metall, Quedlinburg                                          Schlosserarbeiten
Firma Bürger                                                          Malerarbeiten
Firma Echtre & Co., Quedlinburg                                Dachklempnerei
Firma Schneider                                                      Glaserarbeiten

Die Sanierungsarbeiten (bis auf die Malerarbeiten und Dachverglasung) konnten Ende April 1994 abgeschlossen werden.

Der Turm wurde am Sa, 01.07.1995 im Rahmen eines Festes wiedereröffnet. Die Aussichtsplattform ist seit der Wiedereröffnung über eine Innentreppe mit 57 Stufen erreichbar.


Öffnungszeiten

Der Turm ist zu bestimmten Zeiten geöffnet. Der Schüssel kann über die Touristik-Information Ballenstedt entliehen werden.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 45-46
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von BALLENSTEDT (Sachsen-Anhalt)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 205 "Bismarck-Feuersäule bei Ballenstedt“, 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 12. Jahrgang 1914 (Nr. 1, S. 9; Nr. 6/7, S. 76)


Fotos

- Dr. Wolfgang Seele, Mannheim (April 1990)
- Kerstin Lucklum, Jena (Mai 2004)
- Ralph Männchen, Dresden (Oktober 2005 und Juli 2009)
- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Januar 2006)
- Christian Gerloff, Jena (September 2011)
- Marek Moson, Wroclaw (Mai 2012)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Mai 2012)