Update: 14.08.2015

Alter Kemmlerturm wich Bismarcksäule
Die Bismarcksäule in Plauen

Bauplanung

Die Ortsgruppe Plauen des Alldeutschen Verbandes regte den Turmbau durch einen Aufruf zur Errichtung einer Bismarcksäule auf einer vogtländischen Höhe am 05.03.1899 im Vogtländischen Anzeiger an.

Bereits am 28.05.1899 bildete sich auf einer von der Ortsgruppe einberufenen Versammlung im Prater zu Plauen der „Große Ausschuss für die Erbauung der Vogtländischen Bismarcksäule“. Ehrenvorsitzender des Ausschusses war Landgerichtspräsident Dr. Karl Alwin Hartmann, Vorsitzender war Superintendent Robert Lieschke, beide aus Plauen.

Da auch im restlichen Vogtland zwei weitere Bismarcksäulen (Netzschkau und Markneukirchen) errichtet werden sollten, konnte mit dem dortigen Ausschuss keine Einigung bezüglich einer Bismarcksäule für das gesamte Vogtland erzielt werden.

Zwei Standorte für die Säule für das übrige Vogtland wurden erörtert. Dabei handelt es sich einerseits um den Wendelstein bei Falkenstein, der Rittergutsbesitzer v. Trützschler auf Dorfstadt wollte das Baugelände kostenlos zur Verfügung stellen, andererseits der Kemmler bei Plauen.

Der Große Ausschuss entschloss sich am 13.05.1900 in einer Sitzung nach Begehung, Prüfung und anschließender Abstimmung mit 41 zu 35 Stimmen, die Bismarcksäule auf dem Kemmler (Nr. 242 des Flurbuches für Stöckigt), 4 km südöstlich von Plauen, zu errichten. Entscheidend bei der Auswahl waren die Möglichkeiten, dass das Gelände um den Turm als Festplatz dienen konnte und dass man vom Turm Aussicht auf „verschiedene Gegenden des Vogtlandes“ hatte.

Am 09.10.1900 wurde der Plan vom Stadtgemeinderat nach kontroverser Diskussion und anschließender Abstimmung mit 27:17 Stimmen genehmigt. Der Bauplatz auf dem Kemmler wurde dem Ausschuss von der Stadt Plauen kostenlos zur Verfügung gestellt. Um das Baugelände herum wurden vier weitere Grundstücke (Flurgrundstücke 237, 238, 239, 241 des Flurbuches von Stöckigt mit einer Gesamtgröße von 27,06 Ar) für 11.000 Mark angekauft, um an vogtländischen Gedenktagen Volksfeste an der Bismarcksäule durchführen zu können. Auf dem Bauplatz stand jedoch noch der 1883 von der Bergschlossgesellschaft errichtete alte Kemmlerturm, der für die Bismarcksäule weichen sollte.

Im Jahr 1901 gab es in der Bevölkerung Streit wegen des gewählten Turm-Standortes auf dem Kemmler, da einige Bürger den alten Kemmlerturm erhalten wollten.

Finanziert wurde der Bau der Bismarcksäule hauptsächlich durch Spenden. Der Vorstand des Bismarckturm-Ausschusses gab 800 Spenden-Sammellisten aus.

Am 10.10.1901 waren bereits 21.000 Mark für die Bismarcksäule gezeichnet, davon waren 18.000 Mark bar einbezahlt worden.

Ende 1901 wurde der Bauplatz der Säule von Vertretern des Bauausschusses und dem Architekten Prof. Wilhelm Kreis besichtigt. Der Architekt hielt die Standortwahl auf dem Kemmler für sehr geeignet. In einer anschließenden Bauausschuss-Sitzung wurden in Anwesenheit von Prof. Kreis das Größenverhältnis der Säule (1:3), die Materialwahl und der Einbau einer Treppe besprochen und beschlossen. Der Architekt verpflichtete sich, bis zum 15.01.1902 Bauzeichnungen im Verhältnis 1:50 vorzulegen.

Am 15.02.1902 war eine Summe von 28.055 Mark gezeichnet bzw. einbezahlt worden.

Da die Geldmittel für den Turmbau gesichert waren, wurde der alte Kemmlerturm nach Beschlusses des Stadtrates vom 18.03.1902 trotz zahlreicher Bürgerproteste abgebrochen.

Zur Ausführung wurde der von der deutschen Studentenschaft im April 1899 mit dem 1. Preis ausgezeichnete Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis bestimmt. Der Entwurf wurde von Baurevisor Reinhold Döhling abgeändert, u.a. wurde die Feuersäule durch den Einbau einer Treppe als Aussichtsturm gebaut.

Die Gesamtkosten betrugen 31.228 Mark, davon waren 30.561 Mark gespendet worden. Die restlichen 667 Mark wurden im Jahr 1903 aus städtischen Mitteln bezahlt.

Bereits am 01.04.1902 um 11:00 Uhr konnte die feierliche Grundsteinlegung erfolgen. Anwesend waren u.a. Oberbürgermeister Dr. Max Otto Schroeder, Mitglieder des Rates und des Stadtverordnetenkollegiums, Reichs- und Landtagsabgeordneter Zeidler aus Oberlosa, Kriegervereine und Vorstandsmitglieder des Alldeutschen Verbandes. Die Festrede hielt Superintendent Robert Lieschke.

Zwecks einer geeigneten Befeuerung wurde im Juli 1902 die Feuervorrichtung erörtert. Auf dem Grundstück der Gasanstalt wurden im Beisein von Gasanstaltsdirektor Jäckel und einigen Mitgliedern des Vorstands des Bismarcksäulen-Ausschusses mehrere Erprobungen durchgeführt.


Bauarbeiten

Bauleiter des Turmes war Baurevisor Reinhold Döhling, die Bauarbeiten (Fels-, Erd- und Maurerarbeiten) wurden von Plauener Baumeister Max Buchmann ausgeführt.

Als Baumaterial für das Außenmauerwerk wurde Granit gewählt, welches in den Steinbrüchen von C.F. Lenk in Schreiersgrün bei Treuen gebrochen wurde. Für das innere Mauerwerk verwendete man Fruchtschiefer aus Theuma und Tippersdorf. Teilweise benutzte man auch das Baumaterial des alten Kemmlerturmes, der zum Zeitpunkt des Baubeginns noch auf der Kuppe des Kemmlers stand und abgetragen wurde.

Die Kosten für die Fels-, Erd- und Maurerarbeiten betrugen 12.500 Mark, für die Granitlieferungen wurden 14.650 Mark an Steinbruchbesitzer Lenk gezahlt. Die Installation des Blitzableiters und die Arbeiten an der eisernen Wendeltreppe unterhalb der Plattform (gefertigt in der Cainsdorfer Königin Marienhütte) führte Schlossermeister Schimmel aus Plauen aus.

Weitere beteiligte Firmen und Handwerker

Bildhauer Brot, Zwickau               Bildhauerarbeiten
Königin Marienhütte, Cainsdorf      Eiserne Wendeltreppe mit Überbau

Anfang Juli 1902 war der Bau bis auf 13 m fortgeschritten. Anfang August 1902 wurde das Gerüst entfernt. Abschließend wurden die Sockelstufen hergestellt und der Reichsadler in den Granit der Säule eingearbeitet.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Der 18,25 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsvorrichtung hat einen quadratischen Grundriss.

Als Basis des Turmes dient ein zweistufiges quadratisches Podest.

Die untere Podeststufe ist 11,60 m x 11,60 m, die obere Stufe 10,45 m x 10,45 m breit. Die Podeststufen sind jeweils 0,75 m hoch.

Darauf erhebt sich der quadratische Turmsockel mit einer Kantenlänge von 7,00 m x 7,00 m. Die Breite der Säulenschäfte beträgt 6,20 m x 6,20 m.

Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit dreistufigem Oberbau zusammengehalten werden.

Auf der der Stadt zugewandten Seite ist als einziger Schmuck ein 2,64 m x 1,82 m großes Reichsadlerrelief aus Granit angebracht, welches von Bildhauer Brot aus Zwickau gefertigt worden war.

Über eine Steintreppe mit 65 Stufen bis zum Aussichtsraum in 13 m Höhe und eine eiserne Wendeltreppe mit Geländer (19 Stufen) ist die Aussichtsplattform des Aussichtsturmes besteigbar. Die Feuerschale wurde erst später installiert (1.000 Mark wurden für Fertigung von den Spendenmitteln einbehalten), da es keine ausreichende Erfahrung zur Detailausführung gab.

Zur Stadtseite wurde ein Reichsadlerrelief mit Bismarck-Wappen (2,70 m hoch, 1,87 m breit) von Bildhauer Brot aus Zwickau angebracht. Die Wand am Turmeingang trug die Inschrift:

Diese
vogtländische Bismarcksäule
wurde errichtet
1902
von dankbaren Vogtländern
an Stelle des ehemaligen Kemmlerturmes.
Letzterer war
der Kreisstadt Plauen
gestiftet
von der Bergschloßgesellschaft
1883
"


Turmgeschichte

Am 30. und 31.08.1902 fand die feierliche Einweihung der Bismarcksäule statt. Am 30.08.1902 wurde ein Kommers im „Prater“ veranstaltet. Am 31.08.1902 um 14:30 Uhr bewegte sich ein Festzug in Richtung Bismarcksäule, die anschließende Weiherede hielt Superintendent Robert Lieschke. Das Bauwerk wurde von Oberbürgermeister Dr. Johannes Ferdinand Schmid in das Eigentum der Stadt Plauen genommen. Das Feuer auf der Säule konnte noch nicht entzündet werden, da die Feuerungsanlage noch nicht installiert war. Als Ersatz wurde auf dem Kemmler ab 20:00 Uhr ein Höhenfeuer entzündet.

Zwecks Turmaufsicht wurde nach der Einweihung ein Turmwärter eingestellt. Die Säule wurde ab September 1902 von April bis November wochentags ab 10:00 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 08:00 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit geöffnet. In den Wintermonaten wurde das Bauwerk mittwochs und samstags um 13:00 Uhr sowie sonntags von 10:00 Uhr, jeweils bis zum Einbruch der Dunkelheit geöffnet. Der Eintritt betrug für Erwachsene 10 und Pfennige, für Kinder bis 14 Jahre 5 Pfennige.

Am Geburts- und Todestag Bismarcks wurde in den ersten Jahren ein Kranz an der Bismarcksäule niedergelegt.

Am 26.01.1904 beschloss der vogtländische Bismarck-Verein in seiner Generalversammlung, das Bauwerk nur noch am Sedantag zu befeuern.

Aufgrund des großen Besucherandrangs an der Säule und auf dem Kemmler wurde der Bau eines Unterkunftshauses geplant.

Am 26.03.1910 wurde das Unterkunftshaus neben der Säule eingeweiht. Der Entwurf des Hauses war von Architekt Nikolaus Squeder aus Plauen.

Nach 1945 wurde das Unterkunftshaus abgerissen.

Im Jahr 1946 wurde wegen des harten Winters der Wald um die Bismarcksäule herum mit Genehmigung der Stadtverwaltung abgeholzt, seitdem stand die Bismarcksäule frei.

Nach 1946 wurde die Bismarcksäule in Kemmler-Turm umbenannt.

In den 1960er Jahren wurden einige Bauschäden provisorisch beseitigt. Eine Fernseh-Antenne wurde installiert, die Säule war weiterhin für Besucher besteigbar.

In den Jahren 1972 und 1973 wurde die Feuerschale abgenommen und durch ein Schutzdach mit Antennenmast (Deutsche Post) ersetzt. Nach 1980 wurde diese Dachkonstruktion nochmals verändert. 1995 wurde die Antennenanlage bei Sanierungsarbeiten abgenommen.

Im Jahr 1994 scheiterte eine geplante Grundsanierung des Turmes an den zu erwartenden Kosten (900.000 Mark). Für 35.000 Mark konnte lediglich eine "Notsanierung" durchgeführt werden. Hierbei wurde der Turm durch Stahlbänder stabilisiert.

Im Jahr 1999 wurde das Sanierungskonzept nochmals überarbeitet, um den Turm sukzessiv bis zum 100. Jahrestag der Einweihung im Jahr 2002 für 550.000 Mark zu sanieren. Der hohe Eigenkostenanteil der Kommune (260.000 Mark) ließ diesen Sanierungsplan wiederum scheitern.

Am Samstag, 31.08.2002 fand zum 100. Jahrestag der Einweihung des Bismarckturmes eine Jubiläumsveranstaltung am Turm statt. Die Stadt Plauen gab zum Jubiläum eine 16-seitige Turmbroschüre heraus. Über ABM-Kräfte wurde das Umfeld des Turmes aufgewertet (Zugang neu beschottert, Säuberung des umliegenden Wäldchens usw.).

Im Juli 2013 wurde der Bismarckturm aus Sicherheitsgründen für Besucher gesperrt. Die seit Juli 1994 geplante Sanierung wurde aus finanziellen Gründen immer noch nicht durchgeführt (Stand: Mai 2015). Die Sanierungskosten wurden im Frühjahr 2014 auf 760.000 EUR geschätzt. Zunächst ist eine Notreparatur (Austausch der oberen Stahltreppe) in Höhe von 67.000 EUR vorgesehen. Im Juli 2014 wurde zu Spenden für die Sanierung aufgerufen.

Im April 2015 gründete Kai Grünler aus Plauen eine Privatinitiative zur Rettung des Kemmlerturmes (www.kemmlerturm.de). Durch Spenden dieser Initiave sowie weiteren Spenden zweier Vereine (Verein der Freunde Plauens und Spendeninitiative Stadt Plauen) konnten bis Juli 2015 die Metallspindeltreppe erneuert und das Betonsockelfundament saniert werden.

Der Turm ist daher seit dem 28.07.2015 wieder für Besucher zugänglich. Eine Eröffnungsfeier ist für den 05.09.2015 geplant.

Weitere geplante Sanierungsschritte ab 2016: Aussichtsplattform, Plattform-Überdachung mit vergrößertem Dach-Überstand. Weitere Spenden werden dazu dringend benötigt.


Öffnungszeiten:

Der Turm ist ganzjährig (von 08.00 Uhr bis 20:00 Uhr) geöffnet.


Links

Google Maps

Google Earth

360° Ansicht vom Turm (vom 30.12.2008)

Spendenaufruf 2014 (Youtube-Video)

Privat-Initiative zur Rettung des Kemmlerturmes (April 2015)


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 311
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von PLAUEN/VOGTLAND (Sachsen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 69 "Bismarck-Feuersäule auf dem Kemmler bei Plauen i. Vogtl.", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 2. Jahrgang 1904 (Nr. 2, S. 4; Nr. 6, S. 3); 4. Jahrgang 1906 (Nr. 4, S. 61; Nr. 7/8, S. 114+115); 5. Jahrgang 1907 (Beilage: Die Bismarck-Feuersäule).
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, "Die vogtländische Bismarck-Säule (Architekt Kreis) auf dem Kemmler bei Plauen i. Vogtl.“
- Bismarck-Ehrenbuch zur Weihe der Vogtländischen Bismarcksäule auf dem Kemmler am 30. und 31. August 1902, Verlag des Vereins zur Errichtung der Vogtländischen Bismarcksäule zu Plauen i. Vogtl.
- Unsere Heimat – Illustrierte Monatsschrift für das gesamte Erzgebirge und Vogtland, Jahrgang I, Nr. 12, September 1902: „Die vogtländische Bismarcksäule auf dem Kemmler“, S. 339-342
- Stadtarchiv Plauen: Akte des Stadtraths zu Plauen i.V., die „Vogtländische Bismarcksäule auf dem Kemmler betr.“
- Bielefeld, Jörg: 100 Jahre Bismarckturm auf dem Kemmlerberg bei Plauen, Hrsg: Stadt Plauen, 2002
- Kreisstadt Plauen: Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten auf die Jahre 1899 und 1900, S. 2 sowie 1901 und 1902, S. 7-10, Moritz Wieprecht GmbH in Plauen
- Vogtländischer Anzeiger vom 28.08.1901, 29.08.1901, 30.08.1901, 31.08.1901, 01.09.1901, 04.09.1901, 05.09.1901, 08.09.1901, 10.10.1901, 16.02.1902, 06.03.1902, 09.03.1902, 19.03.1902, 02.04.1902 und 07.08.1902


Bildmaterial

- Jörg Bielefeld, Remscheid (Fotos Juli 2002, Oktober 2003); historische Ansichten: Archiv J. Bielefeld
- Ralph Männchen, Dresden (Fotos April 2005)
- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Fotos September 2009)
- Marco Barnebeck (Fotos Oktober 2011)