Update: 11.03.2015

Säule mit verglastem Aussichtsbereich
Der Bismarckturm in Markneukirchen

Bauplanung

Kurz nach dem Aufruf der Deutschen Studentenschaft zum Bau von Bismarcksäulen im Jahr 1898 wurde diese Idee vom Königlich-Sächsischen Militärverein I zu Markneukirchen aufgenommen.

Musiksaitenfabrikant Max Paulus, Vorsitzender des Militärvereins I, regte den Bau dieser Bismarcksäule an. Der Vorstand des Vereins beschloss, die Säule auf dem Oberen Berg (630 m über NN) zu errichten. Für 900 Mark kaufte man einer Bürgerin das benötigte Grundstück auf der Bergkuppe ab.

Man entschied sich nach erfolgter Ausschreibung für den von der Deutschen Studentenschaft mit dem 1. Preis ausgezeichneten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis. Damit war Markneukirchen nach Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern der 2. Standort einer Bismarcksäule nach dem Entwurf von Kreis.

Am 08.10.1899 weilte Architekt Wilhelm Kreis selbst in der Stadt Markneukirchen, um den Bauplatz zu besichtigen und u.a. die Höhe der Säule, der Umgebung entsprechend, vorzuschlagen.

Die Gesamtkosten für den Turmbau betrugen 13.167 Mark und wurden ausschließlich durch Spendensammlungen und Schenkungen von Vorstandsmitgliedern des Militärvereins I zu Markneukirchen aufgebracht.


Bauarbeiten

Die Grundsteinlegung erfolgte am 01.04.1900 bei großer Beteiligung der vaterländischen Vereine und der Bevölkerung. Die Festrede hielt Pfarrer Herzog aus Erlbach.

Als Baumaterial wurde bayerischer Granit aus dem Fichtelgebirge verwendet, der von der Fa. Wölfel in Schönwald (Bayern) geliefert wurde.

Ausgeführt wurde der Bau von Maurermeister Hermann Seifert aus Markneukirchen, der Mitglied des Militärvereins I war.


Turmbeschreibung

Der 14 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsvorrichtung hat einen quadratischen Grundriss.

Als Basis des Turmes dient ein dreistufiges quadratisches Podest. 

Auf der Eingangsseite (Ostseite) gelangt man mittig durch die Podeststufen zur ca. 2 m hohen Eingangstür im Bereich des Turmsockels.

Auf dem Sockel erhebt sich der eigentliche Turmschaft, der sich bis zum auskragenden Architrav leicht nach oben hin verjüngt. Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die vom Architrav mit zweistufigem Oberbau zusammengehalten werden.

An der Westseite wurde mittig zwischen den Säulenschäften ein Reichsadlerrelief aus Granit, gefertigt von C. Wölfel aus Schönwald, am Eingang (Ostseite) die Inschrift

Erbaut
1900
Militärverein I
Vorsteher
Max Paulus

angebracht.

Auf der Nord- und Südseite sind verzierte Glasfenster eingelassen.

Der Bismarckturm erhielt ein dreiteiliges Feuerbecken, bestehend aus drei übereinander angeordneten Pfannen aus Eisenblech (4,00 m, 3,00 m und 2,00 m groß, Kosten insgesamt 1.000 Mark). Der erste und der zweite Behälter hatten in der Mitte Luftlöcher.

Zur Befeuerung wurde klein gespaltenes Holz sowie in Kolophonium getränkte Holzwolle zusammen mit Petroleum und Pech vermischt und pyramidenförmig in den Feuerbecken aufgetürmt.


Turmgeschichte

Die Einweihung der Bismarcksäule erfolgte am 15.07.1900 durch Pfarrer Rödel aus Markneukirchen.

Nur wenige Jahre nach dem Bau des Turmes wurde die Feuervorrichtung zugunsten einer Aussichtsplattform entfernt. Die Aussichtsplattform wurde bereits vor 1938 überdacht und verglast.

Bis in die 1950er Jahre war die Bismarcksäule für Besucher besteigbar. Im August 1959 wurden von der Deutschen Post, Funkamt Wülstrov (später Außenstelle Funkamt Erfurt), in der Säule Umsetzeranlagen und auf der Säule Empfangs- und Sendeanlagen installiert, um das Bauwerk als Fernsehkanalumsetzer zu nutzen. Ab dieser Zeit war der Turm für Besucher gesperrt. Die großen Antennenanlagen an der Säule beeinflussten die Statik in negativer Weise.

Seit 1980 konnte der Turm wieder für Besucher frei gegeben werden, da anderswo eine neue Sendeanlage der Deutschen Post in Betrieb genommen worden war. Das Bauwerk befand sich zu dieser Zeit in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand.

Nach Sanierungsarbeiten in den Jahren 1982-1989 wurde der Bismarckturm offiziell in Aussichtsturm umbenannt. Bei der Sanierung wurden die Quadersteine neu verfugt, Schäden an den Sockelplatten ausgebessert, die Innenwendeltreppe und der Dachaufbau rekonstruiert sowie eine neue Elektroanlage eingebaut.

Im Herbst 1989, direkt nach der politischen Wende, gründeten Markneukirchener Bürger den "Bismarck-Turm-Verein e.V."

Eine weitere Sanierung erfolgte 1997. Der Eingangsbereich erhielt einen metallenen Regenschutz. Am 23.07.1997 wurde die sanierte Säule wieder für Besucher freigegeben.

Am 17.06.2000 folgte die große Jubiläumsfeier am Turm mit abschließendem Feuerwerk.


Öffnungszeiten

Der Bismarckturm ist täglich geöffnet (orientiert sich an den Zeiten des Berggasthofes "Heiterer Blick").


Links

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Berggasthof Heiterer Blick


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 265
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von MARKNEUKIRCHEN (Sachsen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 21 "Bismarck-Feuersäule zu Markneukirchen – Sachsen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, "Die Bismarck-Säule (Architekt Kreis) in Markneukirchen“
- Harbig, Hans-Joachim / Pöllmann, Werner: Neikirnger Heimatbote, 7. Jahrgang 2000, Heft Nr. 1, S. 7-10
- Markneukirchener Zeitung, 10. Jahrgang, Nr. 24 vom 23.06.2000: „Bürgermeister Hoyer zum 100-jährigen Jubiläum des Bismarckturmes“


Fotos

- Jörg Bielefeld, Remscheid (Juni 2000 + Mai 2009)
- Ralph Männchen, Dresden (April 2005 + April 2011)
- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Mai 2009)
- Marek Moson, Wroclaw (Mai 2009)