Update: 19.10.2017

Bismarckturm im Landschaftspark
Der Bismarckturm in Grimma-Höfgen

Bauplanung

Bereits im Jahr 1899 gab es Planungen zu einem Bismarck-Denkmal, für welches der örtliche Verschönerungsverein 500 Mark spendete.

Jutta Ida Gleisberg, die vermögende Gattin des Grimmaer Großmühlenbesitzers Gleisberg, ließ diesen Bismarckturm in ihrem im Jahr 1900 angelegten Landschaftspark (Gleisbergpark) errichten.

Bei der Anlage des Gleisbergparks legte Frau Gleisberg großen Wert auf eine Einbindung kulturhistorischer Bezüge sowie natürlicher Gegebenheiten nach den Vorbildern englischer Landschaftsparks und italienischer Gärten.


Bauarbeiten

Das Bauwerk wurde im Jahr 1905 auf dem Beckenberg im Gleisbergpark (heute Jutta-Park, 180 m über NN) in Höfgen (ab 1994 Grimma-Höfgen) errichtet.

Als Baumaterial für den runden Turm wurden Granitsteine verwendet. Die Baukosten für den Turm beliefen sich auf 7.000 Mark.

Über den Architekten und den ausführenden Baumeister liegen keine Informationen vor.


Turmbeschreibung

Der 16,85 m hohe Aussichts- und Wasserturm mit abnehmbarer Feuervorrichtung ist ähnlich einem Wartturm mit auskragendem Zinnenkranz, der die Plattform begrenzt, errichtet worden.  

Auf der Rückseite ist dem Erdgeschoss ein flacher quadratischer Anbau mit Terrasse und Bogenöffnungen angeschlossen.


Erdgeschoss

An der Ostseite erreicht man über sieben 1,47 m breite Außenstufen (Höhenangaben: 1. Stufe 0,32 m, 2.-6. Stufe je 0,17 m, 7. Stufe 0,16 m) das bogenförmige, 2,28 m x 0,86 m große, mit Backsteinen umgrenzte Eingangsportal. Die Außenstufen sind durch je 0,52 m breite Mauern mit Backsteinaufsatz begrenzt.

Durch eine Holztür erreicht man das Erdgeschoss des Turmes mit einem Innendurchmesser von 3,80 m. Die Deckenhöhe des Erdgeschosses beträgt 5,16 m.
Die Mauerstärke im Eingangsbereich beträgt 0,78 m.

Über eine Tür an der Westseite erreicht man die quadratische Außenterrasse (3,80 m x 3,80 m) mit einer Unterbau-Höhe von 1,42 – 1,55 m (zur Westseite hin abschüssiges Gelände). Auf allen drei Seiten des Unterbaus sind je 1,96 m x 0,78 m große Rundbögen im Mauerwerk eingelassen. Die Terrasse selbst ist von zehn jeweils 1,10 m hohen Pfeilern umgrenzt, die durch Metallstreben miteinander verbunden sind. Acht Pfeiler sind jeweils 0,39 m breit und bis zu 0,50 m tief. Die beiden Eckpfeiler auf der Westseite sind 0,50 m x 0,50 m breit.

Am runden Turmschaft wurde auf der Terrassenseite ein Schild mit dem sächsischen Wappen und Jahreszahl (Zahl nicht bekannt) angebracht.

Ein Wasservorratsbehälter wurde im Keller des Bauwerkes installiert.


Obergeschoss

Nach 31 Innenstufen (rechtsdrehende Wendeltreppe aus Stein, Stufenhöhe 0,17 m) erreicht man das Zwischengeschoss des Turmes. Die Deckenhöhe bis zur Plattform beträgt 8,60 m. Die Zwischendecke ist 0,18 m, der Plattformboden 0,25 m stark.

Über 50 Stufen einer rechtsdrehenden Wendeltreppe (Steinstufen, Stufenhöhe 0,17 m) gelangt man vom Obergeschoss auf die Plattform.
Die Gesamtstufenzahl innen beträgt 81 Stufen.


Aussichtsplattform

Die Zinnenaussichtsplattform des Turmes liegt in 15,75 m Höhe. Über einen 2,70 m x 1,55 m großen offenen Ausstiegsbereich gelangt man auf die Plattform.
Insgesamt 21 jeweils 1,10 m hohe Pfeiler umgrenzen die Plattform. Diese Pfeiler haben jeweils eine Breite von 0,35 m, sind bis zu 0,50 m tief und sind mit Metallstreben miteinander verbunden.

Mittels einer abnehmbaren Feuerungsvorrichtung konnte der Turm beflammt werden.


Turmgeschichte

Nach der Einweihung des Turmes im Jahr 1905 konnte dieser von Besuchern zum Eintrittspreis von 10 Pfennig bestiegen werden.

Der Turm wurde im Jahr 1945 im oberen Bereich kriegsbedingt stark beschädigt. Bis Anfang der 1990er Jahre war das Bauwerk eine Ruine.

Nach einer Turm-Sanierung in den Jahren 1992/93 durch die Initiative der „Kadistzschen Denkmalschmiede“ wurde dieser am 01.05.1993 wiedereröffnet und der Öffentlichkeit im neugestalteten Juttapark übergeben (Landschaftspark im englischen Stil).

Seit 1993 ist der Bismarckturm Teil des Wasserkreislaufsystems einer Schiffsmühle. Eine Gruppe von Experten und Technikern realisierte in einem Pilotprojekt dieses agrartechnische Bewässerungssystem (Schiffsmühle, Bismarckturm, Springbrunnen). Unter dem Bismarckturm wurde eine Zisterne angelegt. Von hier aus wurde das Wasser im Park weiterverteilt.

Seit April 2001 wurde im Hausschiff der Mühle ein Museum zur Geschichte der mitteleuropäischen Flussschiffmühlen eröffnet. Im Bismarckturm war von 1996 bis 2012 eine Klanginstallation von Erwin Stache untergebracht.


Öffnungszeiten Bismarckturm

November bis März: täglich von 10:00 - 17:00 Uhr
April bis Oktober: täglich 10:00 - 19:00 Uhr
Eintritt frei


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 174
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von GRIMMA (Sachsen)


Bildmaterial

- Jörg Bielefeld, Remscheid (Fotos Oktober 2007, August 2017); historische Ansichten: Archiv J. Bielefeld
- Ralph Männchen, Dresden (Dezember 2004 + Juni 2008)
- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Juli 2006 + September 2011)


AK-Motiv Bismarckturm Grimma
AK-Motiv Bismarckturm Grimma