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Die 1. schlesische Bismarcksäule in Sachsen
Die Bismarcksäule in Görlitz
Die akademische Jugend in Görlitz regte den Bau dieser Bismarcksäule bereits kurz nach dem Aufruf der Deutschen Studentenschaft vom Januar 1899 an. Wie in vielen anderen Städten wurde ein Bismarckturm-Komitee (Ehrenvorsitzender Oberbürgermeister Paul Büchtemann, Vorsitzender Dr. Baron) gegründet.
Am 14.09.1899 erhielt der neu gegründete Verein vom Ober-Präsidenten der Provinz Schlesien in Breslau die Erlaubnis zur Sammlung von Spenden für die geplante Säule. Im Oktober 1899 veröffentlichte die „Niederschlesische Zeitung“ in Görlitz einen Spendenaufruf, der vom geschäftsführenden Ausschuss des Vereins und zweiundfünfzig Bürgern unterzeichnet war. Bereits zu dieser Zeit hatte sich das Komitee für den Entwurf „Götterdämmerung“ des Architekten Wilhelm Kreis entscheiden.
Am 12. Oktober 1899 werden wiederum in der „Niederschlesischen Zeitung“ Abbildungen und ein Grundriss des Entwurfs veröffentlicht, am 10. Dezember 1899 noch einmal mit Perspektive. Zudem wird berichtet, dass Wilhelm Kreis nach Ortsbesichtigung ein schriftliches Gutachten ausgearbeitet hat, dass der südliche Gipfel der Landeskrone als geeignet für den Standort der Bismarcksäule befunden wurde. Dieser Vorschlag wurde vom Komitee einstimmig angenommen. Der Baufonds war zu dieser Zeit schon auf 9.000 Mark angewachsen.
Mit dem Magistratsbeschluss vom 20. November 1900 wird dem „Komitee zur Errichtung eines Bismarckturmes“ ein Platz zur Errichtung eines „13 m hohen Baus“ auf der Landeskrone zur Verfügung gestellt. Die Überlassung erfolgte unentgeltlich.
Am 10. Juni 1901 wurden vom Vorsitzenden des Bauauschusses sowie vom ausführenden Unternehmer die zur Ausführung bestimmten Pläne (als Anlage des Vertrags vom gleichen Tag) unterschrieben.
Die Ausführung des Entwurfes übernahm Zimmermeister Adalbert Rothenburger aus Görlitz. Die stählerne Feuerschale mit einem Durchmesser von 2,28 m wurde von der Firma Albinius & Lehmann gefertigt und installiert (Kosten 412 Mark).
Durch Spendensammlungen in Görlitz und Umgebung konnte die knapp 20.000 Mark teure Feuersäule finanziert werden. Die Stände der preußischen Oberlausitz steuerten 2.000 Mark zum Turmbau bei. Beachtenswert ist, dass die geplante Bausumme von 20.000 Mark hier genau eingehalten werden konnte.
Die Görlitzer Feuersäule, die am 18. Oktober 1901 feierlich eingeweiht wurde, war damit die erste Bismarcksäule in Schlesien (heute Sachsen!).
Die Feuersäule ohne Aussichtsfunktion besteht aus Ziegelmauerwerk, welches im Verbund mit Granitwerkstein (Königshainer Granitstein) verkleidet wurde. Der untere, abgestufte Mauersockel wurde mit Granitplatten belegt.
Die jeweils fünfzig Zentner schweren Granitblöcke wurden per Bahn bis zum Görlitzer Güterbahnhof gebracht. Es dauerte sechs Tage, bis alle Blöcke zur Baustelle auf die Landeskrone verbracht worden waren.
Auf den quadratischen Grundmaßen von 7,92 m x 7,92 m baut sich die 4 m x 4 m breite Säule bis zu einer Höhe von 13 m auf. Durch eine Tür im unteren Sockel gelangt man in einen 1,5 m x 1,5 m breiten Hohlraum, von dem Steigeisen bis zur Feuerschale führen. Durch ein Loch in der Feuerschale wurde das Brennmaterial mittels Seilzug nach oben befördert und an patriotischen Feiertagen entzündet.
In der Umfassung des Turmes sind fünf schlitzförmige Fenster angebracht, die für Licht und Belüftung dienen sollen.
Man testete ursprünglich eine Befeuerung mit Pech, war aber mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Vor 1907 versuchte man eine Befeuerung mit Holz. Zu diesem Zweck setzte man ein 1,2 m hohes Eisengitter auf die Feuerschale. Im Eisengitter wurden vier Kubikmeter Fichten- und Birkenholz sowie drei Kubikmeter Reisigbündel gestapelt, mit Spiritus übergossen und entzündet. Durch diese Maßnahme erreichte man eine Flammenhöhe von 5-7 Metern bei einer Brenndauer von 3-4 Stunden.
Im Säulenschaft der Ostseite wurde ein Reichsadlerrelief angebracht. Ein geplantes Bismarck-Medaillon auf der Westseite wurde nie verwirklicht.
Jeweils am 01. April sollen bis (mindestens) 1915 Befeuerungen durchgeführt worden sein.
Etwa 1948 wurde das Reichsadlerrelief aus ideologischen Gründen zubetoniert. Der Bismarckturm wurde in "Freiheitsturm" umbenannt. Nach einer anderen Quelle wurde das Bauwerk am 21. Juni 1961 in „Turm des Friedens“ umbenannt. Die neue Bezeichnung setzte sich im öffentlichen Bewusstsein nicht durch.
Durch das Hochbauamt der Stadt Görlitz in Zusammenarbeit mit der Unteren Denkmalschutzbehörde wurde die Bismarcksäule 1994/95 saniert. Das zubetonierte Reichsadlerrelief wurde wieder freigelegt.
Am 100. Geburtstag der Bismarcksäule (18.10.2001) fand unter Leitung von Dr. Ernst Kretzschmar aus Görlitz ein kulturgeschichtlicher Spaziergang zur Bismarcksäule statt. Dr. Kretzschmar zitierte u.a. zeitgenössische Presseberichte und Texte der Reden zur Einweihung der Bismarcksäule.
Im Oktober 2007 ist die Bismarcksäule so zugewachsen, dass sie vom Fuß der Landeskrone aus Richtung Zentrum kaum zu erkennen ist.
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Der Turm befindet sich auf dem südlichen Gipfel der Landeskrone (auf der Fahrstraße 150 m vor dem Gipfel rechts abbiegen).
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