Update: 11.03.2015

Von Bismarck zu Fichte
Der Bismarckturm in Dresden-Plauen

Vorbemerkungen

Bereits bei der Anlegung des Westendparks in den 1880er Jahren wurde über die Errichtung eines Aussichtsturmes diskutiert. Am 26.09.1891, dem 100. Geburtstag des Dichters und Freiheitskämpfers Theodor Körner, wurde der vom Gartenarchitekten Carl Hampel angelegte, nun fertig gestellte Park an die Gemeinde Plauen übergeben. Der 2,40 ha große Westendpark war von der Baugesellschaft Dresdner Westend und den Gebrüdern Theodor und Erwin Bienert unentgeltlich angelegt worden.


Bauplanung

Am 27.12.1894 wurde auf einer Gemeinderatssitzung in Plauen anlässlich der Vorbereitungen der Feier zu Otto von Bismarcks 80. Geburtstag (01.04.1895) von Eisenbahnsekretär R. Müller vorgeschlagen, den vom Gemeinderat und mehreren Vereinen geplanten Aussichtsturm im Westendpark als Bismarckturm zu errichten.

Der Gemeinderat stimmte diesem Vorhaben zu und bewilligte Mittel aus dem von der Familie Bienert gestifteten Verschönerungsfonds. Nach dem Baubeschluss wurde einen Spendenaktion ausgerufen, zahlreiche Vereine spendeten Gelder für den Bau des Turmes.

Am 01.04.1895, beim Kommers zu Bismarcks 80. Geburtstag, wurden bei durch Gemeindevorstand Großmann veranlassten Sammlungen am gleichen Abend 4.500 Mark gezeichnet.

Bei einem ausgeschriebenen Wettbewerb unter einheimischen Architekten gewann Baumeister Hermann Blauert mit seinen Entwürfen den 1. und 3. Preis (der 2. Preis ging an Architekt Mebius). Da die Baukosten mit 25.000 Mark für den mit dem 1. Preis bedachten Entwurf zu hoch veranschlagt waren, wurde ein neuer Wettbewerb ausgerufen, bei dem die maximalen Kosten nicht über 20.000 Mark liegen durften.

So entschied man sich nach einer Bewertung von weiteren fünf Entwürfen für den Entwurf der Baumeister Ferdinand, William und Albert Fichtner.

Der Turm wurde im südöstlichen Teil des Westendparks (Parzelle Nr. 194 des Flurbuchs von Plauen) errichtet.

Die Gesamtkosten für das Bauwerk betrugen 20.800 Mark.


Bauarbeiten

Als Baumaterial wurde Sandstein für das innere Mauerwerk und Syenodiorit aus Dresden-Plauen ausgewählt. Für die Gliederungen, Bänder und Umrahmungen wurde harter, fester Sandstein verwendet. Die Bauausführung übernahm Baumeister Ferdinand Fichtner & Söhne.

Die Grundsteinlegung fand am 01.04.1896 in kleinem Kreis statt.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Der 27 m hohe Aussichtsturm ohne Feuerschale hat einen 6,20 m hohen quadratischen Sockel (6,95 m x 6,95 m), der an allen Ecken mit großen Quadern armiert und mit einer kräftigen Simsplatte bedeckt ist.

In halber Höhe des Sockels wurde auf der Nordwestseite des Turmes eine einfach umrahmte Inschrifttafel mit der Inschrift

Dem Fürsten Otto von Bismarck /
in Dankbarkeit gewidmet /
von der Gemeinde Plauen-Dresden
1896

angebracht.

An der Nordostseite erreicht man über vier Stufen den Eingangsbereich in 0,64 m Höhe. Hier ist die 0,63 m zurückgesetzte, mit wuchtiger Umrahmung versehene, 2,15 m x 1,05 m große Eingangstür eingelassen, welche mit einer konsolgetragenen schweren Verdachung in 3,70 m Höhe verziert ist. Direkt oberhalb der Verdachung wurde ein bronzenes Bismarck-Relief angebracht, welches von Ernst Moritz Weigel aus (Dresden-) Plauen gestiftet worden war.

Am oberen Abschluss des Sockels (Simsplatte) geht der äußere Bau in ein regelmäßiges Achteck über, auf dem sich der 20,50 m hohe Rundturm erhebt.

In halber Höhe des Turmschaftes ist ein mit Steingeländer umwehrter Austritt angebracht. Der Turmschaft führt nach oben zur leicht auskragenden Plattform, die besonders durch ein Kranzgesims mit Konsolen- und Bogenfries markiert ist.

Zur Eingangstür führen außen vier Steinstufen. Im Innern gelangt man über eine linksdrehende Wendeltreppe aus Lausitzer Granit mit 136 + 13 Stufen zur Zinnenaussichtsplattform.

Durch ein Treppentürmchen mit gusseiserner Haube und Metallspitze erreicht man die rund angelegte Plattform mit einem Durchmesser von 4,50 m. Die Plattform ist durch eine zinnenartige Steinbrüstung mit darauf befestigtem Eisengeländer eingefasst.


Turmgeschichte

Am Nachmittag des 02.09.1896 (Sedantag) wurde die Einweihung bei schlechtem Wetter durchgeführt. Ein Festzug führte zum Bismarckturm, der mit einer deutschen Fahne geschmückt war. Nach der feierlichen Schlüsselübergabe durch Ferdinand Fichtner an Gemeindevorstand Großmann hielt das Gemeindeoberhaupt die Festrede. Aufgrund starken Regens fielen das abendliche Feuerwerk und der Lampionumzug aus.

Am 13.09.1896 wurde dies nachgeholt, neben Turnwettbewerben am Bismarckturm wurde der Turm abends illuminiert und ein Lampionumzug durchgeführt. Zur bleibenden Erinnerung wurde eine Gedenkmedaille mit dem Motiv Bismarckturm aus Zinknickel in Talergröße geprägt (Münzanstalt Richard Diller, Dresden) und an alle Ehrengäste und Schulkinder ausgegeben.

Der Turmschlüssel wurde an Besucher gegen eine Gebühr von 10 Pfennig in der nahe gelegenen, 1895 erbauten Parkschänke ausgegeben.

Am 30.05.1902 stellte der Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz, Sektion Plauen-Dresden, eine metallene Orientierungsplatte im Wert von 600 Mark kostenlos für die Turmbrüstung zur Verfügung. Die 25 cm breite Metallplatte wurde 1903 installiert und umspannte die gesamte Mauerkrone des Turmplateaus. Im gleichen Jahr wurde Plauen in die Stadt Dresden eingemeindet.

Im Jahr 1937 wurde der Westendpark nach dem Umbenennungsbeschluss des Oberbürgermeisters in Johann-Gottlieb-Fichtepark umbenannt. In Dresden-Plauen wurde die Parkanlage im Volksmund abgekürzt „Fichtepark“ genannt.

In den Jahren 1939-1941 wurde der freie Rundplatz vor dem Bismarckturm angelegt.

Ab 1942 wurde das Bauwerk als Flugbeobachtungsposten genutzt und war für Besucher nicht mehr zugänglich. Auf der Plattform wurde eine Sirene angebracht (erst 1995 entfernt).

Den Zweiten Weltkrieg überstand das Bauwerk fast ohne Schäden. Das Bismarck-Relief wurde Anfang der 1950er Jahre entfernt.

Der Turm wurde 1954 aus ideologischen Gründen in Johann-Gottlieb-Fichte-Turm umbenannt. Das Landesamt für Denkmalpflege entschied im Oktober 1954, dass dieses Bauwerk nicht als Kulturdenkmal im Sinne der Denkmalschutzverordnung vom 26.06.1952 klassifiziert wird.

Im Jahr 1960 wurde die metallene Orientierungstafel auf der Plattform demontiert, da diese veraltet, verkratzt und kaum noch zu lesen war. Die Brigade 1. Mai des VEB Stanzila fertigte eine neue Orientierungstafel.

Am 19.05.1962, dem 200. Geburtstag von J. G. Fichte, wurde oberhalb der Eingangstür ein Fichte-Medaillon und am Turmsockel eine Gedenktafel mit den Lebensdaten Fichtes angebracht. Das Medaillon wurde von einem Coschützer Bildhauer gespendet.

Im Jahr 1968 war der Turm täglich (außer montags) geöffnet, an Wochentagen von 13 Uhr bis 18 Uhr, sonntags von 10 Uhr bis 12 Uhr und 13 Uhr bis 18 Uhr.

Das Bauwerk war im Jahr 1976 wegen Personalmangels über einen längeren Zeitraum geschlossen. 1977 war der Turm dienstags bis sonntags von 9 Uhr bis 18 Uhr geöffnet.

Zwischendurch wurde der Turm immer wieder aufgebrochen, sodass mehrfach Instandhaltungs- und Erneuerungsarbeiten durchgeführt werden mussten. Im Jahr 1980 und zwischen 1987 und 1990 war das Bauwerk für Besucher verschlossen.

Der Turm wurde von 1992 - 1998 sukzessive saniert. Im Jahr 1992 wurden die Steinstufen am Eingang erneuert, im Jahr 1994 die Elektrik im Turm.

Die Gestaltung des Fichteparks wurde in den 1990er Jahren wieder an den historischen Entwurf des Gartenarchitekten Carl Hampel angelehnt. Seit 1993 ist das Grünflächenamt der Stadt Dresden neuer Verwalter des Bauwerks.

Eine weitere Sanierung erfolgte im Frühjahr 2008.


Öffnungszeiten

Im Winterhalbjahr (01.10. - 31.03.) täglich außer montags von 10:00 - 16:00 Uhr

Im Sommerhalbjahr (01.04. -30.09.) täglich außer montags von 10:00 - 18:00 Uhr


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Dresden-Tipps


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 114-115
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von DRESDEN-PLAUEN (Sachsen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 9 "Bismarckturm zu Dresden-Plauen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, Nr. 81a "Der Bismarck-Turm zu Plauen bei Dresden"


Bildmaterial

- Jörg Bielefeld, Remscheid (Fotos Mai 2006, Oktober 2013); historische Ansichten: Archiv J. Bielefeld
- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Fotos Oktober 2008)
- Ralph Männchen, Dresden (Fotos November 2005)
- Christian Gerloff, Jena (Fotos April 2012)


Nr. 13: Fichteturm / Bismarckturm Dresden-Plauen