Update: 11.03.2015

Feueraltar auf der Herrenkuppe
Der Bismarckturm in Dresden-Cossebaude

Vorbemerkungen

Der Standort der im Jahr 1913 eingeweihten Bismarcksäule, die Herrenkuppe in Cossebaude, war in den Jahren 1905/1906 vom Verschönerungsverein Cossebaude als begehbarer Aussichtspunkt erschlossen worden.

Der Verein hatte am 27.02.1906 auf der Herrenkuppe die Wilhelm-Auguste-Ulme zu Ehren des kaiserlichen Silberhochzeitspaars (Kaiser Wilhelm II und Auguste Viktoria) gepflanzt. Auf dem umzäunten Aussichtspunkt war ein kleines hölzernes Plateau errichtet worden.


Bauplanung

Bereits im Jahr 1899 plante der Deutsche Reformverein Kemnitz und Umgebung auf der Warmbergkuppe in Cossebaude einen Bismarckturm zu errichten. Vorsitzender dieses Projektes war Lehrer Erich Krümmer aus Stetzsch. Es wurde ein Ausschuss zur Errichtung einer Bismarcksäule gegründet und Spendengelder gesammelt. Es wurden zwei Ansichtskarten mit einer projektierten Bismarck-Flammensäule auf der Warmbergkuppe des Bildhauers Anke herausgegeben. Nach einigen Jahren löste sich der Ausschuss ohne Ergebnis auf.

Der Prokurist der Cossebauder Eisenwerke G. Meurer AG, Paul Breßler, rief im Frühjahr 1909 zu einer Besprechung in Cossebaude am 11.05.1909 auf. Zu dieser Versammlung kamen 45 „nationalgesinnte Männer“, die den „Ausschuss für die Errichtung eines Bismarck-(Flammen- und Aussichts-)Turmes auf den Höhen von Cossebaude“ unter Vorsitz des Prokuristen Breßler gründeten. Der Ausschuss plante die Errichtung einer Feuersäule, welche am 01.04.1915 zum 100. Geburtstag von Otto von Bismarck eingeweiht werden sollte.

Der Ausschuss war in einen engeren Haupt- sowie in mehrere Einzelausschüsse für Bau, Finanzen, Werbung und Presse aufgeteilt. Erich Krümmer aus Stetzsch übergab dem Gesamtausschuss die gesammelten Spendengelder des Bismarcksäulen-Projektes aus dem Jahr 1899 in Höhe von 280-300 Mark sowie das Modell einer projektierten Feuersäule von Bildhauer Anke.

Ab Oktober 1909 wurde in den Orten der Amtshauptmannschaften Dresden-Altstadt, Dresden-Neustadt und Meißen nach offizieller Genehmigung Spendensammlungen durchgeführt.

Mit der Standortwahl des Turmes beschäftigte sich zunächst der Bauausschuss unter Leitung von Ortsbauinspektor Otto Engert. Zur Disposition standen die Aussichtspunkte Warmbergkuppe, Herrenkuppe, „Engerts Blick“ am nördlichen Warmberghang sowie der Spitzberg. Mittels 15-20 m langen Stangen wurden an diesen Orten die Sichtmöglichkeiten geprüft.

Bei der ersten Tagung des Gesamtausschusses am 26.11.1909 verständigte man sich auf Besichtigungen der vier möglichen Standorte durch Mitglieder des Hauptausschusses am 05.12.1909. Bei diesem Termin favorisierten die Mitglieder, trotz kontroverser Stimmen, zunächst den Standort Herrenkuppe, vertagten aber eine endgültige Entscheidung.

Zwecks Entscheidungsfindung fertigte Bildhauer Richard König aus Radebeul in Zusammenarbeit mit Architekt Rudolf Kolbe aus Loschwitz kostenlos Modelle der Herrenkuppe mit und ohne Turm an, welche am 15.03.1910 fertiggestellt waren. Von diesem „Projekt eines Bismarckturmes auf der Herrenkuppe bei Cossebaude“ wurde eine Ansichtskarte herausgegeben.

Zur zweiten Sitzung des Gesamtausschusses am 30.03.1910 wurde auch der Gemeinderat eingeladen, der vor Beginn der Sitzung die Modelle besichtigte. Der Gesamtausschuss einigte sich nun einstimmig auf den Standort Herrenkuppe. Die am 27.02.1906 gepflanzte Wilhelm-Auguste-Ulme auf der Herrenkuppe sollte wegen des Bauvorhabens versetzt werden. Der Spendenstand betrug am 30.03.1910 insgesamt 2.000 Mark.

Die endgültige Genehmigung zum Bau der Bismarcksäule durch den Gemeinderat erfolgte am 18.12.1911, nachdem ein wegen der Veränderung des Orts- und Landschaftsbildes gesetzlich erforderliches Gutachten von Architekt Prof. German Bestelmeyer erstellt worden war.

Am 01.04.1912 wurde dem Gemeinderat der Abbruch des Bauvorhabens ohne Angabe von Gründen gemeldet. Paul Breßler reichte am 10.08.1912 einen neuen Turm-Entwurf von Architekt Rudolf Kolbe in Form eines Feuer-Altars ein.

Der Ausschuss wurde nun in „Ausschuss für die Errichtung einer Bismarckehrung auf der Herrenkuppe in Cossebaude“ umbenannt. Bereits im September 1912 erteilte der Gemeinderat die diesbezügliche Baugenehmigung, machte dabei aber zur Auflage, dass die neue Terrasse durch starke Mauern umfasst werden muss und dass das kostenlos überlassene Baugrundstück und die neue Terrasse Eigentum der Gemeinde Cossebaude werden. Die Gnomenstiegmauer durfte nun auf der gesamten Länge abgerissen und als Auffüllmaterial für das Plateau verwendet werden. Die Ulme auf der Herrenkuppe konnte nun, direkt neben dem Bismarckturm, erhalten werden.

Am 30.10.1912 ging die Baugenehmigung der Amtshauptmannschaft Dresden-Neustadt (vorbehaltlich des Baugeldnachweises) ein.

Am 15.02.1913 wurden Breßler in Dresden die offizielle Baugenehmigung, weitere erforderliche Dokumente sowie ein hoher Geldbetrag von einem anonymen Spender überreicht.

Die Grundsteinlegung fand am 30.03.1913 in einfacher Weise statt.

Die Gesamtkosten beliefen sich auf 10.000 Mark.


Bauarbeiten

Als ausführender Baumeister war Fa. Säurig & Sohn aus Cossebaude tätig. Die Bauleitung erfolgte durch Architekt Rudolf Kolbe aus Loschwitz.

Als Material für den Feueraltar wurden Syenit und Muschelkalksteinbeton (Gesims) verwendet.

Die Feuerschale wurde im Mai 1913 geliefert und durch die Fa. Gebr. Barnewitz eingebaut.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Auf einem 180 m² großen runden Aussichtsplateau (Stützringmauer in Bruchsteinmauerwerk), wurde die quadratische Feuersäule ohne Aussichtsfunktion errichtet.

Der 4,50 m hohe Feueraltar lässt sich in drei Elemente gliedern:

Sockel

Als Sockel dient eine runde, 0,45 m hohe Bruchsteinplatte mit einem Durchmesser von 6,22 m.

Über jeweils eine Stufe auf allen vier Seiten gelangt man auf den Rundsockel des Bauwerkes.

Turmschaft

Auf dem Sockel erhebt sich der 2,80 m hohe und 3,22 m breite quadratische Turmschaft bis zum auskragenden, 3,80 m x 3,80 m großen Gesims.

Alle Mauerseiten des Turmschaftes weisen zur Mitte hin konkave Einbuchtungen (max. 0,15 m) auf. Außer auf der Westseite sind in den Einbuchtungen einfache, 0,52 m hohe und 1,60 m breite Steinbänke aus Sandstein eingelassen.

An der Westseite des Bauwerkes wurde eine Bismarckbüste als Herme (Hermessäule) von Bildhauer Richard König aus Radebeul angebracht.

An der Ostseite des Turmschaftes wurde eine Sandsteinplatte in hartem Postaer Stein mit einer Größe von 1,50 m x 2,50 m angebracht. Die 0,20 m starke Schriftplatte wurde von Bildhauer Schellenberg gefertigt und trug die Inschrift:

"Unserem unvergeßlichen
 Bismarck
 zum bleibenden Gedächtnisse
errichtet im Jahre 1913.
___________________________
 Der Ausschuß für die Errichtung
einer Bismarckehrung auf der
 Herrenkuppe in Cossebaude."

Die aufgesetzten Bronzebuchstaben wurden von der Württembergischen Metallwarenfabrik (Abt. Galvanoplastik) in Geislingen gefertigt.

Auf der Westseite des 0,52 m hohen Gesimses wurde mittig ein Bismarck-Wappen eingelassen. An gleicher Stelle des Gesimses sind an den anderen Seiten Eichenblätter im Stein herausgearbeitet.


Attika

Über dem Sims der Oberkante befindet sich ein etwas zurückgesetzter quadratischer Aufbau mit schneckenartigen Verzierungen an den Ecken.

In diesen Aufbau wurde ein eckiges Feuerbecken auf zwei parallelen Metallträgern aufgesetzt, welches über den Rand der Attika herausragte. Das Becken konnte über eine einzuhängende eiserne Sprossenleiter bestiegen werden.

Der Feueraltar ist innen hohl.


Turmgeschichte

Am Tag der feierlichen Einweihung, am 22.06.1913, zog ein Festzug zum Bismarckfeueraltar. Alle Festzugsteilnehmer trugen eine Gedenkmedaille.

Im Rahmen der Einweihungsfeierlichkeiten übergab Architekt Rudolf Kolbe das Bauwerk an den Vorsitzenden des Ausschusses, Paul Breßler. Dieser übergab den Feueraltar samt Ringmauer und Anlagen an die Gemeinde Cossebaude. Der Gemeinderat verpflichtete sich, die Pflege und Unterhaltung des Denkmals und die Anlagen zu übernehmen und zu überwachen.

Das Feuerbecken wurde anlässlich der Einweihung um 21:00 Uhr erstmals entzündet. Als Brennmaterial wurden Koks, Holz und Magnesium verwendet. Die Brenndauer betrug zwei Stunden.

Der Verschönerungsverein übernahm die Unterhaltung der Anlagen. Im Jahr 1913 wurden vor der Aussichtsterrasse mehrere Kiefern gepflanzt.

Der Ausschuss bestand bis mindestens 1915 weiter. Am 01.04.1914 wurde der Feueraltar mit Girlanden bekränzt, im Mai 1914 wurde ein Festausschuss für die Feier des 100. Geburtstages von Otto von Bismarck gebildet, der für die Jahrhundert-Feier in Cossebaude Spenden sammelte.

Im Mai 1914 wurden vom Ausschuss Buchstaben der Widmungstafel erneuert, da diese von unbekannten Tätern entwendet worden waren.

Am 01.04.1915, zu Bismarcks 100. Geburtstag, musste auf die ursprüngliche geplante Jahrhundertfeier mit Höhenfeuer verzichtet werden, da die Beschaffung von Brennstoffen und Chemikalien nicht möglich war. Am Bauwerk fand um 18:00 Uhr eine schlichte Bismarckgedenkfeier statt.

Im Jahr 1919 waren nochmals einzelne Bronze-Buchstaben der Widmungstafel entwendet worden. Das Bismarck-Relief und der Steinsockel wurden Anfang 1920 mit Teer beschmiert.

Zur Sommersonnenwende 1920 veranstaltete der Touristenverein Naturfreunde Briesnitz-Cossebaude eine Feier mit Befeuerung der Bismarcksäule.

Zwischen 1921 und 1932 wurden von ortsansässigen oder benachbarten Kultur- und Sportvereinen insgesamt sechs Sommersonnenwendenfeiern durchgeführt.

Nachdem 1922 erneut Bronze-Buchstaben aus der Widmungstafel entwendet worden waren, wurde überlegt, die Buchstaben einzumeißeln und den Text zu verkürzen. Als abschließende Lösung wurde auf Initiative des Verschönerungsvereins 1924 eine neue Inschrift-Platte mit eingravierten Buchstaben angebracht. Die von Bildhauer Wilhelm Hunger aus Loschwitz gefertigte Platte wurde geschellackt und mit brauner Ölfarbe getönt. Der geänderte Inschrift-Text soll gelautet haben:

"Unserem unvergeßlichen Bismarck errichtet im Jahre 1913.“

Zwischen 1925 und dem 04.03.1933 wurden vom Gemeinderat vier politische Veranstaltungen auf der Herrenkuppe genehmigt.

Auf Initiative des 1. Bürgermeisters Wenzel sollten nach 1945 der Bismarck-Kopf und die Widmungstafel entfernt werden. Da sich die Bauarbeiter weigerten, wurde dies von der politisch engagierten Jugend übernommen. Das Feuerbecken wurde entwendet, die Bismarckbüste entfernt. Feiern fanden auf der Herrenkuppe bis 1991 nicht mehr statt.

Zwischen 1945 und 1958 wurde der Feueraltar mehrfach vorsätzlich beschädigt.

Im Jahr 1959 wurde anlässlich des zehnjährigen Bestehens der DDR ein Fackelzug zum Turm durchgeführt.

Die Wilhelm-Auguste-Ulme war im Jahr 1985 wegen Pilzbefalls schadhaft, sie wurde 1995 entfernt.

In den Jahren 1991/1992 beschäftigte sich eine Oberschulklasse anlässlich einer Projektarbeit mit der Geschichte des Bauwerkes und veröffentlichte eine Broschüre, in der auch Vorschläge zur Sanierung gemacht wurden.

Der Feueraltar wurde 1992 unter Denkmalschutz gestellt.

Ab 1993 versuchte der Jugendverein „Alte Feuerwehr“, die Tradition der Sommersonnenwende wieder aufleben zu lassen.

Am 01.07.1997 wurde Cossebaude zu Dresden eingemeindet.

Laut einem Baugutachten vom März 1999 wurden Schäden, u.a. an der Feuerschale und an der Stützmauer der Terrasse festgestellt. In der 22. öffentlichen Ortschaftsratssitzung im August 1999 beschloss man, dem Verfügungsfonds Finanzmittel zur Sanierung des Bismarckturmes in Höhe von 26.100 DM zur Verfügung zu stellen.

Im Oktober 1999 wurde der Bismarckturm saniert und mit einem neuen Feuerbecken versehen. Das in die Attika eingebettete einfache Feuerbecken mit Luftlöchern im Boden wurde aus Baustahlblech (Fa. Schmiede und Stahlbau Gebr. Friedrich GmbH) gefertigt.  Eine erste Befeuerung mit dem neuen Feuerbecken erfolgte zur Wintersonnenwende am 18.12.1999. Zu den Sonnenwenden wurde der Bismarckturm anschließend einige Jahre vom Jugendverein Cossebaude befeuert. Durch die Hitzeentwicklung entstanden Brandschäden an der Attika.

Am 21.06.2008 wurde die letzte Befeuerung durchgeführt, danach wurde dies behördlich untersagt.

Am 22.06.2008, genau 95 Jahre nach der Einweihung, erhielt der Turm auf Initiative des Ortschaftsrates und des Heimat- und Verschönerungsvereins Cossebaude e.V. auf der Westseite ein neues Bismarck-Relief (Bronzeplatte, 0,45 m x 0,60 m) mit Inschrift auf einer separaten Tafel:

OTTO FÜRST VON BISMARCK
* 01. APRIL 1815 + 30. JULI 1898

Die Bronzeplatte mit dem neuen Bismarck-Medaillon und Namensschild wurde von der Kunstgießerei Lauchhammer geliefert. Für das Medaillon hatte man historische Vorlagen verwendet.

Im Oktober 2009 wurden bei der Begutachtung des Bauwerks Schäden im Bereich der Attika und der Feuerschale festgestellt, eine diesbezügliche Sanierung wurde als notwendig erachtet. Weitere Schäden am Feueraltar zeigten sich bei einer Schadenserfassung im April 2012.

Ab Mai 2013 wurden Sanierungsarbeiten am Turm durchgeführt, das Natursteinmauerwerk wurde erneuert und die Feuerschale aus Baustahl ersatzlos entfernt.

Eine neue Inschrift (Bronze-Buchstaben) wurde angebracht. Der Text lautet:

ZU
BISMARCKS
EHREN
1913
ERRICHTET

Die rund 40.000 EURO teure Sanierungsmaßnahme wurde im Dezember  2013 abgeschlossen.


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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 111-112
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von COSSEBAUDE (Sachsen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 185 "Bismarck-Feuersäule in Cossebaude bei Dresden", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Projektarbeit der Klasse 10a der Hans-Grundig-Oberschule Cossebaude Schuljahr 1991/92: Die Herrenkuppe, S. 7-19
- Bielefeld, Jörg: Turm-Maße (gemessen Oktober 2013, Angaben ohne Gewähr)
- Lambrecht, Dr. Jürgen: „Seit 100 Jahren: Das Bismarck-Denkmal in Cossebaude“, unveröffentlichter Bericht, erstellt im Rahmen der ehrenamtlichen Denkmalpflege, Dezember 2013; Standort: Stadtverwaltung Dresden, Amt f. Kultur und Denkmalschutz, Abt. Denkmalschutz, SG Ortsamt Cotta, Postanschrift: Königstr. 15, 01097 Dresden.


Bildmaterial

- Jörg Bielefeld, Remscheid (Fotos Mai 2006, Oktober 2013); historische Ansichten: Archiv J. Bielefeld
- Siegmar Baumgärtel, Dresden (März 2004)
- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Oktober 2008)
- Robert Waibel, Salach (April 2010)
- Christian Gerloff, Jena (April 2012)


Entwurfszeichnung Bismarck-Feueraltar Cossebaude