Update: 22.07.2012

Der Turm auf dem Wartehübel
Der Bismarckturm in Idar-Oberstein

Bauplanung

Angeregt wurde der Turmbau am 01. April 1903 bei einer Feier zu Ehren Bismarcks im Hotel Messinger durch die Kasinogesellschaft (insbesondere Theodor Veeck) von Idar.

Am 12.09.1903 wurde ein Komitee für die Errichtung einer Bismarcksäule in Idar (Fürstentum Birkenfeld) unter Vorsitz des Kaufmanns Theodor Veeck gegründet. In dem Komitee waren die Vorsitzenden aller Idarer Verein vertreten.

Das Komitee wählte den von der deutschen Studentenschaft preisgekrönten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis zur Ausführung aus. Es beschloss aufgrund der nachdrücklichen Empfehlung von Prof. Kreis, die Bismarcksäule auf dem Wartehübel, östlich der Gemeinde Idar, zu errichten.

Bis Sommer 1905 konnten 8.000 Mark an Spenden gesammelt werden, die Gesamtkosten wurden zu dieser Zeit auf 12.000 Mark geschätzt.

Im Jahr 1906 wurde Architekt Kreis beauftragt, seinen Bismarcksäulen-Entwurf „Götterdämmerung“ gegen Honorar speziell für Idar abzuändern.

Der Gemeinderat Idar stellte dem Baufonds des Turmes 3.000 Mark zur Verfügung. Daraufhin kam es zu Protestbekundungen der Sozialdemokraten, sodass das Komitee dem Gemeinderat das Geld wieder zurückübertrug. Aufgrund zahlreicher Spenden aus Bürgerkreisen konnten die Kosten für den Turmbau gedeckt werden. Die Gemeinde Idar hatte aber letztendlich doch 2.500 Mark für den Turmfonds zur Verfügung gestellt.

Die Gesamtkosten für den Turmbau betrugen 17.525 Mark, davon wurden ca. 12.000 Mark von ehemaligen Bürgern Idars, die im Ausland wohnten, gespendet.

Am 31.03.1907 wurde der Grundstein des Bismarckturmes gelegt.


Bauarbeiten

Bauleiter des Projektes war Architekt Hans Peter Weszkalnys (1867-1946) aus Saarbrücken; ausgeführt wurde der Bau durch die Fa. Steinheider & Kaiser aus Idar.

Als Baumaterial wurden Idarer Melaphyr und Niedermendiger Basalt für die Schmuckteile verwendet. Das Steinmaterial wurde von der Fa. G. Koehl aus St. Johann geliefert.

Die Eisentreppe wurde von der Fa. K. Reuther & Söhne aus St. Johann konstruiert.

Bereits im August 1907 konnten die Bauarbeiten abgeschlossen werden.


Turmbeschreibung

Der 15 Meter hohe Aussichtsturm mit Befeuerungseinrichtung hat einen quadratischen Grundriss.

Abweichend vom Bismarcksäulen-Entwurf „Götterdämmerung“ hat das Bauwerk einen schlichten, 0,50 bis 1,00 m hohen quadratischen Unterbau von ca. 7,50 m Seitenlänge. Auf der Westseite (Eingangsseite) ist der Unterbau im Bereich des Eingangs durchbrochen. Über fünf Stein-Stufen ist der Eingangsbereich (Metalltür) erreichbar.

Auf dem Unterbau erhebt sich das quadratische Sockelgeschoss mit einer Seitenlänge von 6,50 m und einer Höhe von ca. 4,00 m. An der Westseite des Turmes ist die Eingangstür eingelassen, an der Süd- und Nordseite sind jeweils zwei schmale Fensteröffnungen.

Über dem Sockelgeschoss erhebt sich der ca. 6,00 m hohe eigentliche Turmschaft. Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav, hier mit zweistufigem Oberbau, zusammengehalten werden.

Den Turm schmückt nach Westen hin ein zwei Meter hohes Stein-Relief mit Reichsadler mit Bismarck-Wappen zu Füßen (gefertigt von P. L. aus Saarbrücken, geliefert von der Fa. Gustav Kehl aus St. Johann/Saar). An der Nord- und Südseite des Turmschaftes ist mittig jeweils ein schießschartenähnliches Fenster eingelassen.

Die Aussichtsplattform des Turmes ist über eine Wendeltreppe (vor 1981 eiserne Spindeltreppe, ab 1982 durch Stahl-Wendeltreppe mit 75 Stufen ersetzt) erreichbar.

Auf dem Turmkopf wurde eine runde eiserne Feuerschale installiert.


Turmgeschichte

Am 01.09.1907 fand die feierliche Einweihung der Bismarcksäule statt. Bei der Feier dankte Theodor Veeck allen, die zur Vollendung des Baus beigetragen hatten. Anschließend übergab er den Schlüssel an den Schöffen, Herrn Wild, der den Turm in den Gemeindeschutz übernahm. Die Feuerschale wurde am Abend des Einweihungstages erstmals entzündet.

Die regelmäßigen Befeuerungen des Turmes wurden nur wenige Jahre durchgeführt.

Im Jahr 1933 wurden neben Idar und Oberstein 16 weitere vorher selbständige Orte zur Stadt Idar-Oberstein zusammengelegt.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Bauwerk vernachlässigt und musste geschlossen werden.

Eine erste Sanierung des Turmes erfolgte 1981 durch den neugegründeten Förderverein Bismarckturm Idar Oberstein e.V. für insgesamt 24.000 DM. Bei diesen Maßnahmen erhielt die Säule eine neue Treppenanlage, eine Stahlwendeltreppe mit 75 Stufen. Die Wiedereröffnung erfolgte am 04.09.1982.

Seit 1982 wird der Turm von zwei Halogenstrahlern vom Westen her beleuchtet. Die Feuerschale auf dem Turmkopf wird zusätzlich von drei kleinen Scheinwerfern angestrahlt.

Von 1982 bis 2001 wurde der Turm regelmäßig durch Harald Wild (Turmwart des Fördervereins) aus Idar-Oberstein geöffnet. Im Jahr 2001 musste der Turm von der Stadt Idar-Oberstein aus Gründen der Verkehrssicherheit geschlossen werden.

Im Jahr 2003 wurde der Bismarckturm für 40.000 EURO, aufgebracht durch Spenden und unterstützt von der Harald-Fissler-Stiftung, von außen saniert.

Seit 2009 wird auf dem Turmkopf jährlich zur Adventszeit eine Konstruktion in Form eines Sterns mit Schweif angebracht, welche nach Einbruch der Dunkelheit beleuchtet wird. Der Stern soll an die Weihnachtsgeschichte erinnern.

Der Förderverein Bismarckturm e.V. (Vorsitzende: Julianne Wild) kümmert sich weiterhin um das Bauwerk.


Öffnungszeiten (Stand 2012)

Ab 01. Mai 2004 wurde das Bauwerk täglich geöffnet. Im April 2010 wurde der Turm verschlossen vorgefunden.
Die aktuellen Öffnungstermine sind nicht bekannt.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 209
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von IDAR (Rheinland-Pfalz)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 141 "Bismarck-Feuersäule bei Idar", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 5, S. 9), 3. Jahrgang 1905 (Nr. 8, S. 10; Nr. 11, S. 11), 4. Jahrgang 1906 (Nr. 7/8, S. 111), 5. Jahrgang 1907 (Nr. 3, S. 44; Nr. 5, S. 70; Nr. 12, S. 214)
- Kleinmanns, Joachim: Rheinische Aussichtstürme des 19. und 20. Jh., Dissertation Aachen 1986, S. 23 (Nr. 80)


Fotos

- Jörg Bielefeld, Remscheid (März 2002)
- Ralph Männchen, Dresden (November 2006)
- Robert Waibel, Salach (April 2010)