Update: 03.02.2013

Bismarck-Gedächtnishalle und -Glasfenster
Der Bismarckturm bei Reichenbach auf der "Hohen Eule"

Bauplanung

Der "Verband der Gebirgsvereine an der Eule" regte den Bau dieses Bismarckturmes auf der "Hohen Eule" (1015 m über NN) im Jahr 1904 an. Das Bauwerk sollte auf dem Gelände des Grundherrn Graf Seidlitz-Sandreczki, 13 km südwestlich von Reichenbach, errichtet werden.

Der 1885 an gleicher Stelle gebaute hölzerne Aussichtsturm war baufällig geworden und sollte durch den massiven Bismarckturm ersetzt werden.

Der Verband der Gebirgsvereine hatte bereits 4.300 Mark an eigenen Mitteln für den Turmbau, die Gesamtkosten wurden auf 15.000 – 17.000 Mark geschätzt.

Entworfen wurde der Bismarckturm von Baumeister Henning. Der erste Entwurf wurde aus Kostengründen bis zum 01.11.1904 vom Baumeister Henning abgeändert, der Turm wurde schlanker ausgeführt und hatte eine geringere Mauerstärke. Auf eine zweite Treppenanlage linksseitig des Haupteinganges (spiegelbildlich zur rechtsseitigen Außentreppe) wurde ebenfalls verzichtet.

Es wurde ein Ausschuss zur Errichtung eines Bismarck-Turmes auf der Hohen Eule unter Vorsitz von Kreisschulinspektor Schulrat Tamm gegründet. Dieser forderte Anfang 1905 zum Kauf von Anteilsscheinen im Wert von 50 Pfennig bis 100 Mark auf.

Die Ortsgruppe Reichenbach des deutschen Ostmarken-Vereins stiftete 150 Mark für den Turmbau.

Bei einer Sitzung des Ausschusses am 01.04.1905 in Reichenbach wurde endgültig beschlossen, den Turm errichten zu lassen. Der Baufonds betrug zu dieser Zeit 11.000 Mark. Die Bauausführung wurde daraufhin an die Firma Bastänier & George aus Leipzig vergeben. Als Einweihungstermin wurde der 02.09.1905 ins Auge gefasst.

Finanziert wurde der Turm durch Spendensammlungen in Reichenbach und Umgebung. Bis 1907 konnten 18.218 Mark gesammelt werden.


Bauarbeiten

Ende Juni 1905 wurde mit den Vorarbeiten zum Bau begonnen, die Grundsteinlegung erfolgte am 01.07.1905.

Ausgeführt wurden die Arbeiten von der Firma Bastänier & George aus Leipzig. Als Baumaterial wurde Zementbeton verwendet.

Durch das schlechte Wetter verzögerten sich die Bauarbeiten, sodass der Einweihungstermin auf das Frühjahr 1906 verschoben wurde.

Anfang 1906 waren die Bauarbeiten fast vollendet, die Einweihung wurde nun für den Mai 1906 festgelegt.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Der 25 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsvorrichtung wurde als massiver Rundbau errichtet. Der Turm hat einen Durchmesser von 8 m.

Über eine Treppe mit sechs Steinstufen ist ein Absatz in Höhe des Haupteinganges auf der Südseite erreichbar. Durch das Hauptportal gelangt man in die 5 m hohe gewölbte Bismarck-Gedächtnishalle im Sockelbereich des Turmes.

In der Gedächtnishalle wurde eine 90 cm große Bismarck-Büste von Harro Magnussen (1861 – 1908) aus Berlin aufgestellt. Hergestellt wurde die Büste in der galvanoplastischen Kunstanstalt in Geislingen in Württemberg. Drei bunte Glasfenster der Halle waren mit Bildmotiven aus Bismarcks Leben verziert. Eines der Glasfenster wurde direkt über der Tür, die anderen beiden rechts und links davon eingelassen.

Von der Absatzstufe des Haupteinganges führt rechts eine teilweise um den Sockel des Turmes gewundene linksdrehende Außentreppe mit 14 Stufen mit Steinbalustrade zum Eingangsbereich des Turmes mit Aufstiegsmöglichkeit zur Turmplattform.

Durch den Eingang gelangt man über eine kleine Stufe in eine kleine Halle. Über eine Tür zur Eingangsseite hin (oberhalb des Einganges zur Gedächtnishalle auf der Südseite) gelangt man zu einem Austritt mit einer Balustrade.

Von der Halle erreicht man über 20 Steinstufen den ersten Absatz mit drei schmalen Fensteröffnungen (Süd-, Ost- und Nordseite) in gleicher Höhe. Eine vierte gleichgroße Öffnung liegt etwas höher auf der Westseite des Turmes.

Über weitere 32 Stufen gelangt man zum zweiten Absatz mit rundum acht schmalen Fensteröffnungen. Über weitere 42 Stufen einer linksdrehenden Metallwendeltreppe in einem gemauerten Zylinder erreicht man einen Austritt der Aussichtsplattform auf der Ostseite. Nach den ersten 21 Stufen ist ein Rundblick durch die 14 Fensteröffnungen möglich.

Die obere Aussichtsplattform des Bauwerkes hat einen Durchmesser von ca. 4,50 m. Das "Turmfeuer" wurde durch einen hier installierten Acetylen-Scheinwerfer erzeugt.


Geschichte des Turmes

Am 24.05.1906 (Himmelfahrts-Tag) wurde der Turm bei strahlendem Sonnenschein in Gegenwart von Landeshauptmann Freiherr von Richthofen, Graf Seidlitz-Sandrezcki und Vertretern verschiedener Behörden eingeweiht. Der mit Girlanden und Fahnen geschmückte Turmplatz wurde von Tausenden von Besuchern ausgefüllt. Nach Festreden und Musikvorträgen wurde der Turm von Herrn George (Fa. Bastänier und George) übergeben. Schulrat Tamm hielt eine Rede und dankte allen Spendern.

Im ersten Jahr der Turmöffnung wurden 21.000 Eintrittskarten verkauft.

Am 06.08.1910 wurde für den am 21.05.1909 verstorbenen Schulrat Richard Thamm eine Gedenktafel in Bronze mit der Inschrift

"Schulrat Richard Tamm, Vorsitzender des Verbandes der Gebirgsvereine an der Eule,
gest. den 21. Mai 1909. Rastlos warst Du bemüht, zum Bau die Steine zu tragen,
Deiner am fertigen Bauwerk drum ehrend gedacht. Sommer 1910"

im Inneren des Bismarckturmes angebracht.

Im Jahr 1913 wurde auf Veranlassung der Landesverteidigung von der Regierung beschlossen, auf dem Turm eine trigonometrische Station einzurichten. Dazu sollte auf zwei Granitsäulen des Turmkopfes eine Eisenkonstruktion angebracht werden.

Eine erste Turmsanierung erfolgte im Jahr 1939.

Nach 1945 wurde der Bismarckturm offiziell in General-Wladyslaw-Sikorski-Turm (polnischer Ministerpräsident im 2. Weltkrieg), später (um 1980) in Dr. Mieczyslaw-Orlowicz-Turm (aktives Mitglied der Polnischen Touristikorganisation PTTK) umbenannt. Beide Namen setzten sich nicht durch.

Der sanierungsbedürftige Turm wurde im Mai 1992 von Funkamateuren benutzt. Die Treppenstufen zur Gedenkhalle und die seitlich begrenzenden Kugeln waren beschädigt. Die Fenster der Halle waren nicht mehr vorhanden und mit Holzlatten von innen vernagelt. Der Austritt der oberen Halle war vermauert.

Im Jahr 1999 führte der Verein "Hohe Eule" (Stowarzyszenie Wielka Sowa) eine Untersuchung bezüglich des Erhaltungszustandes durch. Dabei wurde festgestellt, dass die Grundfassade saniert werden musste.

Bis Anfang Juni 2006 wurde der Bismarckturm für über 510.000 Zloty saniert. Finanziert wurde die aufwändige Sanierung durch EU-Finanzmittel, Zuschüsse der umliegenden Gemeinden sowie Spenden von Vereinen und Bürgern.

Das seit Sommer 2006 vollständig sanierte Bauwerk ist regelmäßig geöffnet.

Im Mai 2011 zeigten sich bereits wieder erste witterungsbedingte Schäden am Turmkörper.


Öffnungszeiten

Täglich vom 01. Mai bis 31. Oktober, nur bei gutem Wetter
Eintritt: Erwachsene 4 Zloty, Jugendliche (bis 19 Jahre) 2 Zloty, Kinder bis 6 Jahre frei (Begleitung erforderlich)


Links

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Bismarckturm Galerie

Fotogalerie Turmjubiläum 2006

Fotogalerie Sanierungsarbeiten 2005

Externe Bildergalerie Hydral-Seiten


Fotografen

- Marek Moson, Wroclaw (Fotos November 2003, Mai 2006)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Fotos August 2001, Mai 2006)
- Agata Salek, Swidwin (Foto Mai 2011)


Quellen

- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM auf der HOHEN EULE/Schlesien
- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 327
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 125 "Bismarck-Turm auf der Hohen Eule/Eulen-Gebirge", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes: 2. Jahrgang 1904 (Nr. 11/12, S. 10); 3. Jahrgang 1905 (Nr. 2, S. 5; Nr. 5, S. 6, Nr. 8, S. 9; Nr. 11, S. 10); 4. Jahrgang 1906 (Nr. 1, S. 12; Nr. 4, S. 59; Nr. 7/8, S. 111); 7. Jahrgang 1909 (Nr. 11/12, S. 184-187); 8. Jahrgang 1910 (Nr. 10/11, S. 176); 9. Jahrgang 1911 (Nr. 10, S. 187); 11. Jahrgang 1913 (Nr. 6/7, S. 101)


Polnische Übersetzung von Marek Moson, Wroclaw