Update: 29.12.2011

1,5 Tonnen Mörtel zum 100. Jubiläum
Die Bismarcksäule in Viersen

Bauplanung

Angeregt wurde der Bau dieser Bismarcksäule von patriotisch eingestellten Viersener Bürgern im Anschluss an eine Feier des Kaisergeburtstages in Viersen am 27.01.1899.

Am 06.02.1899 bildete sich aus diesen 24 Bürgern ein Bismarcksäulen-Komitee unter Vorsitz von Amtsrichter John. Bereits am 07.02.1899 wurde ein offizieller Spendenaufruf an die Bürgerschaft zwecks Bau einer Kreis’schen Bismarcksäule verfasst.

Der von der Studentenschaft preisgekrönte Entwurf "Götterdämmerung" von Wilhelm Kreis wurde eingehend auf Ausführbarkeit in Viersen überprüft. Nach einer Besprechung mit Wilhelm Kreis einigte man sich auf dessen Entwurf, der in einer etwas schlankeren Form ausgeführt werden sollte.

Als Standort für die Säule wurde der "Hohe Busch" (höchster Punkt Viersens mit 84,94 m über NN) auf der Wilhelmshöhe bestimmt.

Durch freiwillige Spenden (104 Bürger brachten 36.041,18 Mark auf) war die Bauausführung schnell gesichert.


Bauarbeiten und Grundsteinlegung

Die Bauleitung oblag dem Viersener Baugewerksmeister Carl Schnitzler. Als Material für den Turmbau wurde Grauwacke aus dem Wiehltal verwendet, die man zu Quadern verarbeitete.

Die Erdarbeiten für den Bau starteten am 01.05.1900, genau einen Monat später begannen die Bauarbeiten.

An der Grundsteinlegung am 30.07.1900 (Bismarcks 5. Todestag) nahmen mehrere Tausend Personen teil. Ein Festzug von 400 Personen setzte sich vom Gasthof Dickob in Richtung Bismarckturm unter den Klängen einer Kapelle in Bewegung.


Einweihung

Am 23.06.1901 konnte die Vollendung der Bismarcksäule als Aussichtsturm mit Feuerschale gefeiert werden. Ein Festzug von über 1.000 Teilnehmern zog ab 16:00 Uhr von der Kasinostraße aus unter den Klängen einer Militärkapelle in Richtung Bismarckturm. Nach der Eröffnungsrede und der Weiherede konnte bei einbrechender Dunkelheit die erste Befeuerung des 18,22 m hohen Turmes erfolgen.

Die Bismarcksäule wurde nach der Einweihung Eigentum des Viersener Bismarck-Bundes e.V. Dem Verein standen 5.000 Mark zur Verfügung, welche zuvor zweckgerichtet für die Säule gestiftet worden waren. Es bestand seitens des Bismarck-Bundes nicht die Absicht, den Turm an die Stadt Viersen zu übereignen.


Baubeschreibung

Als Basis des 18,22 m hohen Turmes , welcher teilweise aus Schichtenmauerwerk (Grauwackenbossenquadern) errichtet worden ist, dient ein dreistufiges quadratisches Podest.

Die untere Podeststufe ist 12,5 m x 12,5 m, die zweite Stufe 10,5 m x 10,5 m und die dritte Stufe 8,5 m x 8,5 m breit. Alle Podeststufen haben eine Höhe von 1 m.

Darauf erhebt sich der zwei Meter hohe quadratische Turmsockel mit einer Kantenlänge von 5,5 m x 5,5 m.

Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen (Durchmesser je 1,80 m), die von einem Architrav mit zweistufigem Oberbau zusammengehalten werden.

Auf der Westseite führt eine 12-stufige Treppe mit 1,5 m Breite zum Eingangsbereich.

Über eine steile Eisentreppe mit 60 Stufen und vier Podesten ist die Aussichtsplattform erreichbar.

Um die Turmbrüstung waren acht (nach anderen Angaben zwölf) 30 cm breite und 20 cm tiefe abnehmbare Eisenblechpfannen an Eisenstangen angebracht, die in der Brüstungsmauer eingelassen waren (Befeuerung durch Kieselgur, das mit 35 Litern Petroleum und 10 Litern Naphthalin getränkt war). Die Brenndauer betrug bei einer Flammenhöhe von 4-5 m ca. zwei Stunden.

Auf der Eingangstür an der Westseite war ein farbiges Bismarck-Wappen mit der Inschrift

"IN/TRINITATE/ ROBUR",

gefertigt von Bildhauer Joseph Kleesattel aus Düsseldorf und ausgeführt von Kunstschlosser Kox aus Viersen, angebracht.

An der Ostseite des Säulenschaftes wurde in 9 m Höhe eine helle Granitplatte von 1,25 m Breite und 2,38 m Höhe ein bronzenes Bismarck-Relief mit der Inschrift

"BISMARCK",

modelliert von Bildhauer Arnold Künne aus Berlin und hergestellt in der Erz- und Kunstgießerei von Schäffer & Walker in Berlin, angebracht.


Geschichte des Turmes

Trotz Protesten von ultramontan gesinnten Bürgern wurde am 01.04.1902 eine Bismarckfeier am Turm abgehalten. Gegen 21:00 Uhr wurde die Feuerschale entzündet und der Turm zusätzlich mit rotem bengalischen Licht erhellt. Gleichzeitig setzte sich ein Festzug vom Hohen Busch in Richtung Turm in Bewegung. Kurz darauf hielt Amtsrichter Johnen eine Ansprache am Bismarckturm.

Zu Bismarcks 90. Geburtstag, am 01.05.1905, war die Säule erneut Mittelpunkt einer Feier. Bürgermeister Stern hielt vor der befeuerten Säule, die wiederum zusätzlich mit bengalischem Licht beleuchtet wurde, die Festrede.

Vom 01.07.1901 bis zum 01.04.1906 wurde das Bauwerk von 15.785 zahlenden Besuchern bestiegen.

Bei der Jahresmitgliederversammlung des Bismarck-Bundes im März 1911 wurde den Anwesenden mitgeteilt, dass der Turm im Jahr 1910 von 3.328 zahlenden Besuchern sowie 2.532 Schülern mit ihren Lehrern bestiegen worden war.

Eine weitere Veranstaltung des Bismarck-Bundes am befeuerten Turm fand am 01.04.1911 statt. Neben Musikvorträgen und einer Rede von Bürgermeister Stern fand ein Festzug zum Turm statt.

Im Jahr 1911 wurde der Turm von 2.780, im Jahr 1912 von 3.150 zahlenden Besuchern bestiegen.

Nach 1913 (genauer Zeitpunkt unbekannt) ging die Bismarcksäule in das Eigentum der Stadt Viersen über.

Bis Ende der 1970er Jahre wurde das Bauwerk als Aussichtsturm benutzt. Aus versicherungstechnischen Gründen (Aufsicht wurde erforderlich) war das Betreten des Bismarckturmes danach vorerst nicht mehr möglich.

1994 wurde ein Konzept zur Sanierung entwickelt. Da die Plattform undicht war, gelangte Wasser ins Innere des Denkmals. Eine Neuverfugung sowie eine Abnehmen der Brüstung, die neu zusammengebaut werden sollte, wurde dringend notwendig.

Die Umsetzung dieses Konzeptes konnte aus finanziellen Gründen erst im Jahr 2001 für 370.000 Mark durchgeführt werden. Die Kosten wurden über einen Landeszuschuss, die Bürgerstiftung der Stadtsparkasse und die Stadt Viersen aufgebracht. Der bröckelnde Zementmörtel zwischen den Fugen des Bismarckturmes wurde durch 1,5 Tonnen schwereren Trass-Mörtel ersetzt.

Im Frühjahr 2005 verfassten Schüler des Leistungskurs Geschichte (Städtisches Gymnasium Dülken) unter Leitung des StD Gunnar Schirrmacher eine informative Broschüre zum Viersener Bismarckturm. Diese kann als PDF-Datei heruntergeladen werden (Link).

Seit 2006 wird der Bismarckturm von den Funkamateuren DARC e.V. OV R02 Grenzland in 41748 Viersen betreut und regelmäßig zugänglich gemacht (Öffnungszeiten s.u.).

Im Jahr 2010 wurde der Bereich "Hoher Busch" durch vielfältige Maßnahmen (Nordic-Walking-Parcours, Bau einer Mountainbikestrecke, einheitliche Beschilderung usw.) touristisch aufgewertet.


Öffnungen:

Seit 2006 wird der Turm an jedem 1. und 3. Sonntag eines Monats und zusätzlich an allen Feiertagen geöffnet. Vom 01.04. bis zum 30.09. ist der Turm von 11:00 bis 17:00 Uhr, vom 01.10. bis zum 31.03. von 11:00 bis 15:00 Uhr geöffnet.

Öffnungzeiten des Turmes (durch DARC)


Links

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Google Earth


Quellen

- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCKTURM von VIERSEN (Nordrhein-Westfalen)
- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 394
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903: 2. Teil, "Die Bismarck-Säule (Architekt Kreis) in Viersen"
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 43 "Bismarck-Feuersäule zu Viersen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes; 4. Jahrgang 1906 (Nr. 7/8, S. 114), 5. Jahrgang 1907 (Beilage: "Die Bismarck-Feiersäule"), 9. Jahrgang 1911 (Nr. 7, S. 135), 11. Jahrgang 1913, Nr. 4, S. 59
- Kleinmanns, Joachim: Rheinische Aussichtstürme des 19. und 20. Jahrhunderts, Dissertation Aachen 1986, S. 261/262


Fotografen

- Werner Kemmer, Bonn (November 2004)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (2002)
- Thomas Albustin (Mai 2005)