Update: 18.10.2017

Der Bismarckturm des Verkehrsvereins
Der Bismarckturm Langenberg in Velbert

Auf dem Hordtberg in Langenberg stand von 1893 bis 1904 ein hölzernes Aussichtsgerüst (Hordtbergturm), welches vom Verschönerungsverein Langenberg (Rheinland) unter Vorsitz von Lucas Colsmann errichtet worden war. Der 21 m hohe Holzturm mit quadratischem Grundriss von 4,50 m x 4,50 m wurde ausdrücklich als Provisorium bezeichnet.

Am 25.02.1904 wurde das aus Rundhölzern gefertigte Nadelholzgerüst aufgrund von Witterungsschäden abgebrochen.


Bauplanung und Finanzierung

Im Jahr 1899 regte der Fabrikant Ernst Feldhoff aus Langenberg den Bau eines Bismarckturmes in Langenberg an. Es bildete sich ein Bismarckturm-Bau-Komitee unter Vorsitz des Seidenfabrikanten Lucas Colsmann aus Langenberg, welches zur Hälfte aus Vorstandsmitgliedern des Verschönerungsvereins Langenberg (Rheinland) und Vertretern der Bürgerschaft bestand.

Im März 1902 wurde ein Wettbewerb unter fünf Architekten aus der Umgebung zur Fertigung eines geeigneten Turm-Entwurfes (bis 20.000 Mark Kosten) ausgerufen. Aus diesem lokalen Wettbewerb (beteiligt waren die Architekten Fritsche, Genschmer, Plange, Schnell und Sohlbach) ging der Architekt A. Eugen Fritsche aus Elberfeld als Sieger hervor. Sein Entwurf wurde ohne Änderungen realisiert.

Die Gesamtkosten stiegen weit über die veranschlagten 20.000 Mark hinaus auf insgesamt 59.000 Mark (inklusive Terrassierung, Kosten für Bauleitung, Probefeuer und Feiern).

Der Langenberger Fabrikant Ernst Feldhoff stiftete allein 30.000 Mark für den Turmbau auf dem Hordtberg (243 m über NN). Die Einzelspenden der Bevölkerung betrugen 29.000 Mark, dazu kamen 1.000 Mark aus dem bereits 1895 gegründeten Fond des Verschönerungsvereins Langenberg zur Errichtung eines massiven Turmes auf dem Hordtberg und 4.500 Mark an Zinsen (64.500 Mark standen zur Verfügung).

Am 28.12.1904 reichte das Komitee das Baugesuch ein, am 10.02.1905 wurde die Baugenehmigung erteilt. Die feierliche Grundsteinlegung konnte am 01.05.1905 durchgeführt werden.


Bauarbeiten

Die Bauarbeiten begannen kurz nach der Grundsteinlegung, der Bau war bereits Anfang 1906 vollendet.

Die Bauausführung erfolgte durch das Baugeschäft Wilhelm Niehuß aus Langenberg.

Als Baumaterial wählte man Basalt für die Sockelplatten und Ziegelmauerwerk für den Kern, welcher mit hammerfestem Phonolith (Porphyrschiefer aus dem Westerwald) verkleidet wurde. Architekturteile wurden ebenfalls aus Phonolith gefertigt. Steinmaterial für das Bauwerk wurde an der Baustelle (Steinbruch auf dem Hordt) gewonnen, hier vermutlich Sandstein für das Fundament.

Die feierliche Einweihung fand am 01.04.1906 statt, am Abend zuvor fand ein Fackelzug statt. Der Turm wurde 31.03.1906 erstmals (bengalisch) beleuchtet.


Baubeschreibung und Befeuerung

Der 28,40 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit hat einen quadratischen Grundriss von 8 m x 8 m.

Das Bauwerk gliedert sich in vier Elemente.

Erdgeschoss (bis 6,70 m)

Die untere Podeststufe des Basaltwerksteinsockels ist ab einer Höhe von 0,58 m bis 0,90 m abgeschrägt. In 2,70 m und 6,70 m Höhe ist das Mauerwerk zurückgesetzt, die Seitenlänge beträgt in der Höhe von 6,70 m auf jeder Seite 6,80 m.

Auf der Rückseite des Erdgeschosses ist der Turm apsidenförmig (bis in eine Höhe von 7 m) erweitert.

Der (ursprüngliche) Turmeingang im Erdgeschoss ist ein 2,00 m breites Rundbogenportal (Scheitelhöhe 3,51 m). Zwei kleine rechts und links des Portals auf dem Basaltwerksteinsockel aufsitzende Säulen mit Würfelkapitellen tragen den mit einem Zahnfries geschmückten Bogen, der innerhalb eines Giebels liegt.

Links- und rechtsseitig vom Eingang sind Wappen mit dem Schriftzügen "1. April 1815" und "30.07.1898" (Geburts- und Todesdatum Bismarcks) angebracht. Die steinernen Wappenschilde sowie die Bronzetür (Rundbogenportal) wurden von Kunstschlosser Groteir aus Elberfeld gefertigt.

Auf der Giebelspitze oberhalb des Einganges wurde unterhalb eines Rednerbalkons (an der Brüstung) ein farbiges Bismarck-Wappen angebracht.

Mittelgeschoss (bis 18 m)

Der ungegliederte Turmschaft verjüngt sich bis zum Gesims in 18 m Höhe auf 6,20 m Länge auf jeder Seite.

In Höhe von 10 m wurde auf der Eingangsseite (Ostseite) die großformatige Inschrift "BISMARCK" angebracht.

Der Turmschaft ist mit kleinen, hochrechteckigen Lichtöffnungen versehen, lediglich auf der Eingangsseite in 14 m Höhe sind drei gekoppelte Rundbogenfenster eingelassen.

Obergeschoss (bis 23 m)

Vier Rundpfeiler an den Ecken mit einem Durchmesser von 1,70 m stützen die obere Plattform in 23 m Höhe. Zwischen den Rundpfeilern liegt auf jeder Seite jeweils eine große rundbogige Aussichtsöffnung, die im Unterteil mit einer Balustrade versehen ist.


Umgang und Aufbau
(bis 28,40 m)

Oberhalb eines weiteren Gesimses in 23 m Höhe kragt der 6,24 m x 6,24 m große Aussichtsbereich mit einem 0,93 m breiten Umgang und 1,05 m hoher Brüstung aus.

Die Ecken des Aussichtsumganges sind mit 3,30 m hohen Strebepfeilern versehen, die jeweils 1,70 m x 0,63 m große Aussparungen für Besucher enthalten.

Auf dem Turmkopf wurde eine Feuerschale mit einem Durchmesser von 1,90 m angebracht.


Innenbereich des Turmes

Durch das große, aufwändig gestaltete Portal gelangt man in die 4,50 m x 4,50 m große und 4,20 m hohe Eingangshalle des Turmes im Erdgeschoss (heute Zutritt seitlich über den Gaststättenanbau). Seitlich sind zwei 0,65 m x 1,90 m große Nischen vorhanden.

Die Treppe zum ersten Obergeschoss mit 28 Stein-Stufen führt über den rückwärtigen Anbau. Vom 1. Obergeschoss bis auf eine Höhe von 14 m gelangt man über acht Treppenläufe (55 Stufen) an den Innenwänden nach oben, die jeweils von Podesten unterbrochen sind.

Über eine eiserne Metallwendeltreppe erreicht man über 27 Stufen das Aussichtsgeschoss und nach weiteren 27 Stufen auch den darüber liegenden Aussichtsumgang (2,02 m hohe und 0,80 m breite Tür im Osten).


Turmgeschichte

Die Kosten für die Einweihungsfeier betrugen 1.400 Mark, für die Grundsteinlegungsfeier am 01.04.1905 waren 300 Mark veranschlagt worden.

Eine Probe-Befeuerung des Turmes im Herbst 1905 durch Ingenieur Fiedler (Fiedlersche Installation wie z.B. am Bismarckturm Berlin) verlief nicht erfolgreich, sodass der Turm zur Einweihungsfeier vom Elberfelder Kunstfeuerwerker Lippold bengalisch beleuchtet wurde.

Stand der Turm zur Einweihung am 01.04.1906 noch alleine auf dem Hordtberg, wurde in den Folgejahren eine Gaststätte angebaut, über die man seit 1978 Zugang zum Turm hat. Zuvor war das Bauwerk außen aufwändig saniert worden.

Der Turmzugang war nach dem Umbau nur noch über die Gaststätte möglich.

Die alte Feuerschale wurde im April 1963 entfernt entfernt und durch ein Flachdach mit 13,20 m hohem Aufbau (700 kg schwerer Stahlrohrmast mit Antenne für TV-Empfang) ersetzt.

Am 01.01.1975 wurde Langenberg aufgrund einer Gebietsreform in die Stadt Velbert eingegliedert. Seitdem wird der Bismarckturm Langenberg in der Literatur fast ausschließlich als Bismarckturm Velbert bezeichnet.

In den Jahren 1995/96 wurden kleinere Schäden am Turm beseitigt. Die Gaststätte am Bismarckturm wurde im Jahr 2003 renoviert.

Am 01. April 2006 wurde das Bauwerk 100 Jahre alt. Der Verkehrsverein Velbert (VVV) als Eigentümer richtete an diesem Tag mit der Pächter-Familie ein Jubiläumsfest mit anschließendem Feuerwerk aus.

Am 11.07.2009 wurde direkt am Bismarckturm ein ca. 1 km langer Wald-Kletterpark eröffnet.

Im Juli 2012 wurde darüber diskutiert, die Gaststätte abzureißen und komplett neu errichten zu lassen, diesmal aber nicht direkt an den Bismarckturm angrenzend. Die Gaststätte wurde am Saisonende 2016 geschlossen (Pachtvertrag endete am 31.03.2017).

Der Abriss des Gebäudes sollte ursprünglich im November / Dezember 2017 erfolgen. Bis April 2018 sollte ein kleines freistehendes Gebäude neben dem Bismarckturm errichtet werden, das "Baumhaus" (Imbiss mit großem Thekenbereich). Im Oktober 2017 wurde nach einer Untersuchung der Bausubstanz der Gaststätte festgestellt, dass diese besser als erwartet ist. Die Gaststätte soll nun saniert und letztendlich erhalten werden.

Für 20.000 EUR soll die Außenverkleidung des Bismarckturmes aus Sicherheitsgründen (Mängel an den Fugen) mit einem Netz versehen werden. Ab 2018 soll das Bauwerk wieder durch das Turm-Eingangsportal und nicht mehr durch die Gaststätte betretbar sein.


Folgende Freizeitmöglichkeiten bieten sich dem Besucher:
Minigolf direkt am Turm, Gaststätte, Grillplatz, Naturlehrpfad und Wald-Kletterpark.

Der Bismarckturm wird im Jahr 2017 durch den Betreiber des Kletterparkes geöffnet.


Links

Google Maps

Google Earth

Gaststätte "Am Bismarckturm"

Kletterpark am Bismarckturm

Bismarckturm-Galerie aus Anlass des 100. Jahrestages der Einweihung

Karte und Wegbeschreibung des Naturlehrpfades am Hordtberg (PDF)


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 393
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von LANGENBERG
- Kleinmanns, Joachim: Rheinische Aussichtstürme des 19. und 20. Jahrhunderts, Dissertation Aachen 1986, S. 245-246, 270-271, 366, Nr. 40 + 77
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 122 "Bismarck-Feuersäule zu Langenberg-Rheinland", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes; 3. Jahrgang 1905 (Nr. 5, S. 6; Nr. 8, S. 9); 4. Jahrgang 1906 (Nr. 4, S. 59; Nr. 7/8, S. 110); 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)
- Maße: Jörg Bielefeld, Remscheid (Mai 2011), alle Maße ohne Gewähr


Fotos

- Lars Lenzner, Hückeswagen (Juni 2005)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (April 2003, März 2006 und Mai 2011)


Entwurf Bismarckturm Velbert