Update: 06.07.2017

Der Bismarckturm im Pausenhof
Die Lüdenscheider Bismarcksäule

Bauplanung

Im Herbst 1898 regte der Landrat des Kreises Altena, Dr. Hermann Heydweiler, in Lüdenscheid den Bau eines Bismarckturmes an.

Am 12.01.1899 wurde in einer Volksversammlung in der Gaststätte "Erholung" ein Bismarckturmausschuss unter Leitung von Oberlehrer Dr. Hotop gewählt. Weitere Mitglieder des 19-köpfigen Ausschusses waren u.a. Landrat Dr. Heydweiler, Bürgermeister Dr. Wilhelm Jockusch und der Fabrikant E. Wilhelm Turck.

Noch im Januar 1899 wurde in den Lüdenscheider Zeitungen zu Spenden für die Bismarcksäule aufgerufen. Innerhalb kurzer Zeit, bis zum 21.02.1899, wurden 26.543 Mark gesammelt. Insgesamt 1.300 Bürger hatten für den Bau des Bismarckturmes gespendet.

Wie im benachbarten Hagen wählte man den preisgekrönten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis für die Säule aus. Der Entwurf wurde von Stadtbaumeister Jödicke „den örtlichen Verhältnissen entsprechend“ abgeändert.

Von drei möglichen Standorten (Höh, Stadtpark und Breitenloh) wählten die Stadtverordneten mit einer ¾-Mehrheit, gegen den Vorschlag des Architekten Wilhelm Kreis, der sich für den Bauplatz "Höh" ausgesprochen hatte, den Breitenloh aus. Zuvor waren zu Testzwecken an den in der näheren Auswahl befindlichen Standorten Höh und Breitenloh Erinnerungsfeuer zu Ehren des verstorbenen Reichskanzlers entzündet worden. Es wurde beschlossen, dass das Gelände auf einer Breite von 60 m rings um die Säule nicht bebaut werden sollte.

Den Baugrund von 16 Morgen Größe stellte die Stadt Lüdenscheid kostenlos zur Verfügung. Die Stadt hatte das Grundstück im Jahr 1899 Frau Marie Tweer abgekauft. Das Grundstück sollte zudem als Sportplatz für Schüler und Turner eingerichtet werden.

Die Gesamtkosten für den Bau des Turmes betrugen 25.000 (nach anderer Quelle 30.000) Mark.


Bauarbeiten

Als Material wurde Grauwacke verwendet, welche in einem städtischen Steinbruch (Lüdenscheid-Höh) gewonnen wurde. Einzelne Blöcke im Sockel waren bis zu 5.000 kg schwer. Für die Abdeckung des Sockels und für die äußeren Stufen wählte man Niedermendiger Basaltlava.

Die Bauarbeiten wurden ausgeführt von der Baufirma Hugo Klein aus Lüdenscheid. Bauleiter war Stadtbaumeister Otto Jödicke.

Die Bauarbeiten konnten bereits im Oktober 1901 abgeschlossen werden.

Noch vor der offiziellen Einweihung fand am 01.04.1902 eine Gedenkfeier an der Säule statt, bei der das Feuer auf dem Turmkopf erstmals entzündet wurde. Die offizielle Einweihungsfeier hatte man auf den 11.05.1902 verschoben, weil man sich einerseits im Mai besseres Wetter erhoffte, andererseits war das Einweihungsdatum der 7. Jahrestag des Besuches einer Delegation von 3.000 Westfalen, die am 11.05.1895 von Otto von Bismarck im Sachsenwald persönlich begrüßt wurden.


Turmbeschreibung

Der 17,50 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsvorrichtung hatte einen quadratischen Grundriss.

Als Basis des Turmes dient ein zweistufiges quadratisches Podest. Eine Stein-Treppe führte auf der Eingangsseite (Ostseite) durch die Podeststufen zur Eingangstür.

Auf der Westseite war als einziger Schmuck ein Bismarckwappen aus Bronze, gefertigt von Paul Stotz aus Stuttgart, angebracht.  

Die vier Kanten des Schaftes bestanden - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit dreistufigem Oberbau zusammengehalten wurden.

Auf dem Turmkopf des über Holztreppen besteigbaren Bauwerkes wurde auf acht Streben eine schmiedeeiserne Feuerschale mit einem Durchmesser von 2 m angebracht. Die Kosten für die runde Feuerschale beliefen sich auf 682 Mark. Die Feuerschale wurde mit Scheitholz, welches mit flüssigem Teer und Petroleum getränkt war, befeuert.

Erstmals befeuert wurde die Säule vor der Einweihung am 01.04.1902 (Bismarcks Geburtstag).


Turmgeschichte

Bei der Einweihungsfeier am 11.05.1902 nahmen 30 Vereine, 1800 Schüler sowie zahlreiche Bürger teil. Dr. Hotop übergab nach einer Ansprache den Turmschlüssel an Bürgermeister Dr. Jockusch als Vertreter der Stadt. Die Weiherede hielt Superintendent Niederstein.

Nach der Einweihung fand in der neu errichteten Schützenhalle eine Festveranstaltung statt, bei der der damalige Landrat des Kreises Altena,  Fritz Thomeé, den Turm als "Wahrzeichen der Stadt" bezeichnete.

Im Jahre 1956 wurde um den Bismarckturm die Albert-Schweitzer-Schule gebaut. Das Bauwerk stand nun mitten auf dem Pausenhof der Schule.

Am 25.01.1965 beschloss der Rat der Stadt Lüdenscheid aufgrund schadhaften Baumaterials den Abbruch der Säule. Die Abtragung der Säule erfolgte im Sommer 1965. Eine Bürgerinitiative hatte zuvor vergeblich versucht, den Abbruch des sanierungsbedürftigen Turmes zu verhindern. Für den Erhalt des Turmes setzte sich besonders Oberstudienrat Dr. Deitenbeck ein.

Die Steine wurden zur Straßenabgrenzung beim Heckengang an der Kinderklinik des Kreiskrankenhauses Philippstraße verwendet. Weiteres Baumaterial (Grauwacke) des abgerissenen Bismarckturmes wurde in die Senken des unteren Honseler Bruches abgekippt (Baugebiet Honseler Bruch / Königsberger Str. / Glatzer Str.).

Da die Bürgerinitiative den Abbruch der Säule nicht verhindert konnte, bildete sich die „Interessengemeinschaft zur Errichtung einer Bismarck-Gedenkstätte“. Von der Stadt Lüdenscheid wurden eine Geldsumme sowie ein Grundstück im Loher Wäldchen zur Verfügung gestellt (ehemaliger Standort des Friedensdenkmals).

Als "Turm-Ersatz" wurde am 12.06.1968 dort ein 3,17 m hoher Bismarck-Gedenkstein eingeweiht, den Bildhauer Prof. Meller entworfen hatte. Das bronzene Bismarck-Wappen der ehemaligen Bismarcksäule ziert den Gedenkstein als Schmuck.

Der Grundstein der ehemaligen Bismarcksäule wurde gerettet und in den Museen der Stadt Lüdenscheid ausgestellt. Die Albert-Schweitzer-Schule wurde im Jahr 2014 geschlossen, anschließend wurde sie zeitweise als Flüchtlingsheim genutzt. Im Juni 2017 wurde das gebäude nicht genutzt.


Links (ehemaliger Standort)

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Quellen

- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von LÜDENSCHEID (Nordrhein-Westfalen)
- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 258
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 62 "Bismarck-Feuersäule zu Lüdenscheid i. W.", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes; 5. Jahrgang 1907 (Beilage: "Die Bismarck-Feuersäule")
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903: 2. Teil, „Die Bismarck-Säule (Architekt Kreis) zu Lüdenscheid (Westf.)“
- Timm, Willy: „Ihre Flammen lodern nicht mehr“, Der Märker, 25. Jahrgang 1976, Heft 2, S. 23-26
- Saal, Dieter (Stadtarchiv Lüdenscheid), Schreiben vom 08.03.2002
- Lüdenscheider Zeitung vom 12.05.1902
- Lüdenscheider Wochenblatt vom 12.05.1902
- Lüdenscheider Generalanzeiger vom 09./10.05.1942
- Lüdenscheider Nachrichten vom 20./21.06.1964


Foto Bismarckturm Lüdenscheid nach Fertigstellung 1902
AK-Motiv Bismarcksäule Lüdenscheid um 1905
Bismarckturm Lüdenscheid im Pausenhof der Albert-Schweitzer-Schule im Jahr 1963