Update: 16.11.2016

Flammen über dem Seilersee
Der Bismarckturm in Iserlohn

Bauplanung

Im Jahr 1911 bildete sich in Iserlohn ein Ortsausschuss zur Gründung eines Nationaldenkmals auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück (Nationaldenkmal wurde letztendlich nicht gebaut).

Im gleichen Jahr regte der Iserlohner Bürger Karl Weydekamp (Mitinhaber eines Exporthandelsgeschäftes) den Bau eines Bismarckturms in Iserlohn an. Als Standort wurden neben der Seilerkuppe auch der Tyrol und der Mühlenberg diskutiert.

Am 09.03.1913 wurde ein Komitee unter Vorsitz von Heinrich Rahlenbeck (ab 1925 Ehrenbürger von Iserlohn) zur Errichtung eines Bismarckturmes gebildet. Weitere Mitglieder dieses Komitees waren die Herren Wilke, Heinrich Sudhaus, Erwin Hölzerkopf (1. Bürgermeister), Carl Schmidt, Weyland und Siebrecht. Im Presseausschuss des Komitees war Walther Wichelhoven (Verleger des Iserlohner Kreisanzeigers) aktiv.

Zur Bismarckfeier am 01.04.1913 beschloss der Ausschuss die Gründung eines Bismarckturm-Komitees, um nun auf der Seilerkuppe oberhalb des Seilersees einen Bismarckturm zu errichten.

Am 08.04.1914 wandte sich eine Gruppe honoriger Iserlohner Bürger (die Herren Auer, Kirchhoff, Heutelbeck, Basse, Wilke, Weyland sowie Walther Wichelhoven) mit einem Spendenaufruf an die Iserlohner Bürgerschaft.

Vor Baubeginn kaufte man dem Bauern Westhelle für 3.600 Mark ein sechs Morgen großes Grundstück auf der Seilerkuppe ab. Der Bauplatz lag auf Flur 1, Gemarkung Hemer, Gemeinde Landhausen.

Um den besten Standort des Turmes auf der Seilerkuppe herauszufinden, baute man ein hölzernes Turmmodell auf und prüfte die Sicht auf den Turm.

Zur Erlangung eines geeigneten Turmentwurfs wurde ein Preisausschreiben durchgeführt. Aus den vier eingereichten Entwürfen wurde der gemeinsame Entwurf des Architekten August Deucker aus Iserlohn und des Stadtbaumeisters Karl Hoffmann zur Ausführung ausgewählt.

Noch vor Beginn des Ersten Weltkrieges konnten die Zufahrtswege zum Bauplatz fertig gestellt, die benötigten Steine in der Nähe des Standortes gebrochen und bearbeitet, Zement und Kalk am Ort gelagert sowie eine Transportbahn errichtet werden.

Bis zur Einweihung konnten von Iserlohner Bürgern über 29.500 Mark an Spenden für das als Aussichtsturm mit Feuerschale geplante Bauwerk gesammelt werden. Die Kreiskriegervereine hatten 700 Mark für den Turmbau gespendet.

Das überschüssige Geld sollte an den Zentral-Ausschuss für das Bismarck-National-Denkmal in Bingen abgeführt werden, für welches ab 1911 parallel in Iserlohn gesammelt wurde (siehe oben).


Bauarbeiten

Am 06.09.1914 konnte der Grundstein gelegt und mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen werden. Zwecks Wasserversorgung bei den Bauarbeiten wurde auf der Seilerkuppe ein Brunnen gebohrt. Das Baumaterial Grauwacke (mit sandsteinartigem Gefüge) wurde unterhalb der Baustelle (Steinbruch an Gut Magney) gebrochen.

Das Portal und die Außenwände des Feuerbeckens wurden aus Basaltlava hergestellt.

Die Bauarbeiten führten folgende Firmen aus:
Firma W. Budde (Maurerarbeiten), Ph. Ostermann (Erdarbeiten), Wilhelm Schumacher (Schlosserarbeiten), Heinrich Dubois (Klempnerarbeiten), Firma Schweitzer & Co. (Treppenarbeiten), C. Schmidt (Schreinerarbeiten) sowie W. Schödder (Terrassenanlagen). W. Scherer war für die Zufuhr aller Materialien verantwortlich.

Einige Baumaterialien (außer der Grauwacke) wurden vom Ostbahnhof angefahren und die letzten hundert Meter über einen elektrischen Aufzug zur Baustelle transportiert.

Wegen des Krieges konnten die Mauerschrägen und Brüstungen nicht wie geplant mit Kupferplatten abgedeckt werden, diese erhielten nur eine vorläufige Abdeckung aus Zink.


Baubeschreibung

Als Unterbau des 14,70 m hohen Bismarckturmes dient ein rechteckiges Plateau (13,80 m x 15,30 m) mit einer Höhe von 1,80 m. Über zwei Treppenanlagen auf der Ost- und Westseite mit jeweils 14 Stufen ist das Plateau zu besteigen.
Ursprünglich war nur die Südseite des Plateaus (bis mindestens 1960) mit einer Treppenanlage versehen.

Als Basis des quadratischen Turmes mit Portalvorbau und Treppe auf der Südseite dient ein dreifach gestufter Sockel. Die Grundfläche des Turmes beträgt 7,50 m x 7,50 m (untere Podeststufe). Die zweite und dritte, jeweils nur leicht zurückgesetzten Podeststufen sind 7,30 m x 7,30 m bzw. 7,10 m x 7,10 m breit. Die untere Stufe ist 0,95 m, die mittlere 1 m und die obere 2,00 m hoch.

Darauf erhebt sich der eigentliche, 7,05 m hohe Turmschaft des Aussichtsturmes mit Befeuerungsmöglichkeit. Die bossierten Wände verjüngen sich bis zum schwach auskragenden, 1,20 m breitem Kranzgesims in 11,00 m Höhe.

Das runde Feuerbecken mit einem Durchmesser von 5 m (Höhe: 1,20 m) ruht auf acht 2,30 m hohen Säulen (Säulendurchmesser je 0,75 m) nahe der Brüstung innerhalb der 5,50 m x 5,50 m breiten Aussichtsplattform (Außenmaße).

Ein wuchtiger Portalvorbau (unten 5,10 m x 2,29 m) mit kubischen Portal-Sockeln (1,19 m x 1,00 m) und 1,50 m hohen Säulen (Durchmesser 0,78 m) ist dem 2,50 m x 1,50 m großen Turmeingang auf der Südseite vorgelagert. Der Türsturz hat eine Breite von 3,50 m, ist an den Seiten jeweils 0,70 m und in der Mitte 1,20 m hoch.

Über vier jeweils 3,50 m breite Stufen und eine weitere, 1,50 m breite Stufe ist die 0,95 m hohe Eingangsebene erreichbar. Die Treppe ist ebenfalls mit kubischen Sockeln (0,80 m x 0,89 m) eingefasst, die jeweils mit einer Steinkugel (Durchmesser 0,60 m) bekrönt sind.

Durch die zweiflügelige hölzerne Eingangstür (2,50 m x 1,50 m) gelangt man in das Erdgeschoss des Turmes (Deckenhöhe 2,85 m). Über 18 Stufen (drei Absätze à 6 Stufen) einer Steintreppe erreicht man die 1. Etage, über weitere 26 Steinstufen (fünf Absätze mit 1x5, 3x6 und 1x3 Stufen) die 2. Etage direkt unterhalb der Aussichtsplattform. Eine schmale, rechtsdrehende Wendeltreppe aus Metall (Durchmesser 1,40 m) mit 13 Stufen führt direkt zur Aussichtsplattform.

Die jeweils 3,50 m hohen und 2,50 m breiten Rundbogennischen (Tiefe: 1 m) an der Nord- und Ostseite des Erdgeschosses sowie die eingekerbten Fenster stehen im Einklang mit der wuchtig-gedrungenen Gesamtform.

Eine Treppe vom Erdgeschoss (12 Steinstufen) nach unten führt zum Vorratsraum im Kellergeschoss.

Hinweis zur Turmhöhe:

Die ursprüngliche Turmhöhe betrug 14,50 m, die Fundamenttiefe betrug 1,60 m (Gesamthöhe inkl. Fundament: 16,10 m).

Im Laufe der Jahre wurden 0,20 m des Turmfundaments frei gelegt. Daher beträgt die Turmhöhe nun 14,70 m (bei einer Fundamenttiefe von 1,40 m).


Turmgeschichte

Das Einweihungsdatum fiel bereits in den 1. Weltkrieg. In den Abendstunden des 31.03.1915 hatte man im Rahmen einer schlichten Feierstunde den Turm an die Stadt übergeben. Am gleichen Abend (Vorabend zu Bismarcks 100. Geburtstag) wurde die Feuerschale des Turmes erstmals entzündet. Als Brennmaterial für das zwei Stunden dauernde Feuer wählte man Eichenscheite und Pech.

Es war geplant, den Turm vom 01.04. bis zum 01.10.1915 an Sonn- und Feiertagen zu öffnen, doch bereits im Jahr 1915 wurde das Bauwerk (bis zum 11.11.1918) als Standort für eine Flugwacht zweckentfremdet.

Im Jahr 1920 wurde der Iserlohner Bismarckturm trigonometrischer Messpunkt.

In den Jahren 1924 - 1933 sorgte der Iserlohner Friedrich Kirchhoff dafür, dass die Feuerschale jährlich zu Ehren Bismarcks entzündet wurde.

Am 01.08.1929 kam das Gebiet um die Seilerkuppe zur Stadt Iserlohn.

Im Zweiten Weltkrieg (ab 1940) wurde das Bauwerk von der Deutschen Wehrmacht als Richtfeuerstelle genutzt. Nach dem Krieg diente der Turm von 1945 bis 1955 als Funkleitstelle für die britischen Militärs. Erst im Jahr 1955 konnte er für alle Besucher als Aussichtsturm freigegeben werden.

In den Jahren 1956 und 1957 wurde die steinerne Schale durch Oberbürgermeister Fritz Rustemeyer befeuert.

Nach einer dringend notwendigen Sanierung im Jahr 1968 konnte das Bauwerk wieder als Aussichtsturm, erstmalig mit einer kleinen Restauration, genutzt werden. Der Turm wurde in den Folgejahren nur unregelmäßig geöffnet, so dass das Liegenschaftsamt der Stadt Iserlohn seit 1982 nach einem Turmbetreuer suchte.

Im Jahr 1988 meldete sich die Iserlohnerin Ute Remus nach einem Aufruf. Sie betreute den Turm bis zum Jahr 1995 und öffnete ihn regelmäßig. Bis zu 5.000 Besucher bestiegen den Turm daraufhin jährlich.

Im Jahr 1990 wurde das 75. Jubiläum des Bauwerkes im Rahmen eines großen Festes gefeiert (7.500 Besucher). Am Turm wurde eine Gedenktafel, gestiftet vom Iserlohner Kreisanzeiger, angebracht. Bürgermeister Fritz Fischer entzündete in den Abendstunden des 31. März 1990 die Feuerschale (Gasbetrieb).

Im Herbst 1991 wurden Sanierungsmaßnahmen durchgeführt (u.a. wurden die Fugen außen neu verputzt).

Ab 1995 verzichtete die Stadt Iserlohn auf eine Turmbetreuung. Der Turm wurde seitdem nur sporadisch geöffnet.

Zum 90. Jubiläum wurde der Bismarckturm vom Aktionskreis Pater Beda am 01. April 2005 geöffnet.

Der Bismarckturm Iserlohn wurde im Frühjahr 2008 Standort einer Relaisfunkstelle für Amateurfunk (DARC Iserlohn). Dazu wurden auf der ehemaligen Feuerschale Sonnenkollektoren angebracht.

Am 07.03.2015 wurden in den Räumen des Stadtarchives Iserlohn zum Turm-Jubiläum jeweils um 12:00 und 15:00 Uhr Vorträge zum Bismarckturm Iserlohn gehalten.

Am 11.04.2015 wurde das Jubiläum des Bismarckturmes direkt am Turm gefeiert.

Am 30.11.2015 hielten Lars Sonnenberg und Jörg Bielefeld im Stadtarchiv Iserlohn Vorträge über den Bismarckturm in Iserlohn und Bismarcktürme in NRW.


Öffnungszeiten und Termine

Jörg Traut aus Hemer (Aktionskreis Pater Beda) öffnet den Bismarckturm Iserlohn von Frühjahr bis Herbst am einem Sonntag pro Monat jeweils von 13:00 Uhr bis 17:00 Uhr (Stand: 2016).

Nächste Öffnungen:
So., 01.01.2017 (Neujahr) von 13:00 bis 17:00 Uhr. Es gibt Kaffee, Kuchen, Suppe, warme Würstchen, warme und kalte Getränke und Bilder vom Turm.

Schlüsselausgabe für Gruppen (gegen 10 € Pfand) bei der Stadtinformation Iserlohn (Tel.: 02371/02371/217-1820, Fax: 02371/217-1822).


Links

Google Maps

Google Earth

DARC Iserlohn (mit aktuellen Luftbildern vom Bismarckturm)


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 210
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von ISERLOHN (Nordrhein-Westfalen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 193 "Bismarck-Feuersäule bei Iserlohn", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 12. Jahrgang 1914 (Nr. 1, S. 10)
- Timm, Willy: "Ihre Flammen lodern nicht mehr" in "Der Märker", 1976, H. 2
- Iserlohn-Lexikon, Mönnig-Verlag Iserlohn, 1. Aufl. 1987, S. 196
- Bau-Akte Amt Hemer 1915, Gemeinde Landhausen, Heft 1


Fotografen

- Katja Bielefeld (+), Iserlohn (November 2001)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (1998, 2002, 2009)

Foto Bismarckturm Iserlohn
AK Motiv Bismarckturm Iserlohn
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AK Motiv Bismarckturm Iserlohn
AK Motiv Bismarckturm Iserlohn
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