Update: 01.04.2016

Die "Götterdämmerung" ohne Flammen
Der Bismarckturm in Hagen

In den Jahren 1900 und 1901 wurde auf dem Goldberg in Hagen (265 m über NN) eine der höchsten Bismarcksäulen nach dem Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis errichtet. In mehreren Quellen wird der Turm als "Wahrzeichen von Hagen" bezeichnet.


Bauplanung

Der Plan zum Bau des Hagener Bismarckturmes entstand durch eine Initiative der Hagener Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes am 01. Februar 1899 (Vorsitzender: Prof. Dr. phil. August Haake).

Bereits am 16.02.1899 bildete sich ein Denkmals-Komitee unter Vorsitz von Prof. Haake, welches mit den Vorarbeiten begann. Durch großzügige Spenden der Hagener Bürger konnten 60.000 Mark aufgebracht werden.

Als Turmstandort wählte man den Goldberg aus. Der 10.000 m² große Bauplatz auf dem Goldberg war eine Schenkung der Stadt (nach anderer Quelle wurde das Grundstück unentgeltlich von Gustav Osthaus zur Verfügung gestellt).

Der Ausschuss entschied sich für den am 22.04.1899 preisgekrönten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis. Dieser zeigte sich bei einem Besuch des Bauplatzes am 11.08.1899 sehr zufrieden mit der Standortauswahl.


Bauarbeiten

Im März 1900 begannen die Erschließungsarbeiten für den Steinbruch zur Gewinnung des Baumaterials auf dem Goldberg, die Bauarbeiten starteten am 20.06.1900.

Die Bauleitung übernahm Stadtbaumeister Lamprecht, die Bauausführung erfolgte durch die Baufirma B. Liebold & Co. aus Holzminden.

Als Baumaterial wählte man für das Innere behauene Grauwacke aus dem nahe gelegenen Steinbruch. Für das Äußere wurde Ruhrsandstein aus Wetter verwendet.

Die Bauarbeiten dauerten aufgrund des felsigen Untergrundes und des kalten Winters 1900/1901 länger als geplant. Die Bauarbeiten wurden im November 1900 wegen Frosteinbruchs vorübergehend eingestellt. Am 02. Juli 1901 konnte der Bismarckturm feierlich eingeweiht werden.


Turmbeschreibung

Als Basis des 24 m hohen Turmes dient ein vierstufiges quadratisches Podest (inkl. Böschungspodest).

Die untere Böschungs-Podeststufe ist 27,50 m x 27,50 m, die zweite Stufe 13,75 m x 13,75 m, die dritte Stufe 10,70 m x 10,70 m und die oberste Stufe 8,40 m x 8,40 m breit. Darauf erhebt sich der quadratische Turmsockel mit einer Kantenlänge von 6,40 m x 6,40 m. Die Böschungs-Podeststufe ist auf der Eingangsseite 1,10 m hoch, auf der Rückseite (Stadtseite) fällt der an dieser Seite ca. 4,80 m hohe Sockel leicht schräg zur Stadtseite hin ab. Die Höhen der übrigen Podeststufen betragen 0,90 m (2. Stufe) sowie 0,78 m (3. und 4. Stufe).

Der Turmsockel hat eine Gesamthöhe von 1,62 m. Der Böschungspodeststufe vorgelagert ist auf der Südostseite des Turmes eine nach oben hin schmaler werdende Treppe mit acht Stufen, die auf die Böschungspodeststufe führt. Von der Treppe aus erreicht man nach 6,60 m in gerader Linie die durch die weiteren Podeststufen nach oben hin laufende Treppe mit 13 Stufen (Breite jeweils 1,50 m) zum 1,00 m x 1,95 m großen Eingangsbereich des Turmes (Gittertür). Der Türsturz hat eine Breite von 2 m, ist an den Seiten jeweils 0,49 m und in der Mitte 0,60 m hoch. Von der Eingangsgittertür führt ein 1,62 m tiefer und 1,00 m x 1,95 breiter Gang zur innen liegenden Metall-Eingangstür.

Auf der Eingangsseite ist als einziger Schmuck ein 2,40 m x 1,00 m großes Reichsadlerrelief mit Bismarckwappen aus Sandstein von Bildhauer Wenzel Jina aus Koblenz nach einem Entwurf des Architekten Ronid angebracht.

Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit dreistufigem Oberbau zusammengehalten werden. An den Seiten des Turmes (von der Eingangsseite aus gesehen) sind jeweils drei schmale schießschartenähnliche Fenster eingelassen, davon zwei parallel in Höhe unterhalb des umlaufenden Bandes und ein Fenster unten.

Über eine steinerne Wendeltreppe im Innern mit 74 Stufen gelangte man zur Aussichtsplattform.


Geplante Befeuerung

Eine in Auftrag gegebene Feuerpfanne kam aus bislang unbekannten Gründen nicht auf das Bauwerk. Damit ist der Hagener Bismarckturm neben der Bismarcksäule in Wuppertal einer von nur zwei der 47 Bismarcktürme nach dem Entwurf "Götterdämmerung", die von Baubeginn an keine Feuerschale / Feuerpfanne erhielten.

Der Hagener Bismarckturm als Aussichtsturm ohne Feuerschale wurde an bestimmten Tagen (z.B. Bismarcks Geburtstag am 01.04.) bengalisch beleuchtet. Die erste rot-grüne bengalische Beleuchtung wurde am Vorabend der Einweihung um 21:30 Uhr durchgeführt.


Turmgeschichte

Der Vorsitzende des Turm-Komitees, Prof. Haake, wurde im Jahr 1902 Vorsitzender der neu gegründeten Hagener Ortsgruppe des Westfälischen Bismarckbundes. Die Bismarcksäule wurde zunächst der Hagener Ortsgruppe des Westfälischen Bismarckbundes übertragen und ging einige Jahre später in das Eigentum der Stadt Hagen über.

In den Jahren 1902 und 1905 fanden an Bismarcks Geburtstag Festkommerse statt, an deren Vorabenden die Säule bengalisch beleuchtet wurde.

Die Bismarcksäule wurde bis in die 1920er Jahre Ort nationaler Feiern und Feste. Jeweils am 01. April jedes Jahres (Bismarcks Geburtstag) wurde der Turm mit einer schwarz-weiß-roten Fahne beflaggt.

Im 2. Weltkrieg war der Vorplatz des Bauwerkes Standort einer Flakstellung.
Ende der 1940er Jahre wurde der Platz vor dem Turm als Aufmarschplatz der Hagener Kommunisten für Kundgebungen gegen die Besatzungsmächte in Deutschland genutzt.

Ein Unglück ereignete sich im Juli 1948 auf dem Bismarckturm: Aufgrund eines starken Unwetters suchte u.a. eine Pfadfindergruppe Schutz im Bismarckturm. Ein Kugelblitz tötete sechs Personen im Alter von 12-19 Jahren. Ursache war ein Defekt der vorhandenen Blitzableiteranlage.

Mitte der 1950er Jahre wurde neben dem Turm ein Verkaufspavillon errichtet. Der Platz am Turm wurde als Spiel- und Freizeitfläche genutzt.

Seit Ende der 1980er Jahre wurden auf dem Platz vor dem Turm mehrere Großveranstaltungen (Rock-Konzerte, Open-Air-Kinoveranstaltungen) durchgeführt.

Das Bauwerk wurde über viele Jahrzehnte hinweg als Aussichtsturm genutzt und war ein vielfrequentiertes und beliebtes Ausflugsziel. Über viele Jahre war der Bismarckturm der einzige der vier Hagener Aussichtstürme, der im Sommer frei zugänglich war und für Besucher durch den Standort nahe einer Kleingartenanlage, eines Restaurants, einer Freifläche, von diversen Spielmöglichkeiten und einem Verkaufspavillon ideale Bedingungen bot.

Im Herbst 2004 wurden einige Modifikationen und Reparaturen am Bauwerk vorgenommen (innere Tür, Geländer und Blitzableiter oben am Turm erneuert, Entfernung des schiefen Fahnenmastes). Der Turm wurde auch wieder sporadisch geöffnet.

Es war bis 2005 möglich, den Schlüssel zum Turm am benachbarten Forsthaus zu entleihen.
Im Frühjahr 2006 wurde der Zugang zum Turm dauerhaft durch einen Bauzaun versperrt.

Im November 2010 startete Stefan Sieling aus Hagen eine Initiative zur Erhaltung und Zugänglichmachung des Hagener Bismarckturmes [Kontaktaufnahme: bismarckturm-hagen (at) arcor.de]. Am 11.01.2011 wurde der Förderverein Bismarckturm Hagen e.V. gegründet, um das Bauwerk zu sanieren und wieder für Besucher öffnen zu können.

Die Sanierungsarbeiten (1. Bauabschnitt - Turmbekrönung) wurden von Mai bis September 2011 mit Hilfe von Sponsoren, Spenden und beantragten Mitteln bei der NRW-Stiftung durchgeführt. Weitere Sanierungsschritte folgten in den Jahren 2012 und 2013. Im Sommer 2013 waren bis auf das Sockelpodest, die Innentreppe und die Plattform alle Sanierungsarbeiten fertiggestellt.

Seit 2011 wird vom Förderverein jedes Jahr Ende Juni / Anfang Juli ein Familienfest veranstaltet. Im Juli 2013 wurde ein Open Air-Kino vor dem Bismarckturm durchgeführt.

Die restlichen Sanierungsarbeiten wurden von April bis Juni 2014 durchgeführt. Die feierliche Wiedereröffnung des Bismarckturms Hagen fand am Sa., 05.07.2014 statt.


Öffnungszeiten (Stand: April 2016)

Von April bis Oktober bei gutem Wetter alle 14 Tage sonntags sowie an Feiertagen von 13:00 bis 17:00 Uhr, genaue Termine werden auf der Vereins-Website angegeben.


Links

Förderverein Bismarckturm Hagen e.V.

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3-D-Modell Bismarckturm Hagen


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 181-182
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von HAGEN
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 45 "Bismarck-Feuersäule zu Hagen-Westf.", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 2. Jahrgang 1904 (Nr. 11/12, S. 5)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, "Die Bismarck-Säule (Architekt Kreis) in Hagen [Westf.]"
- Osses, Dietmar: "Flammende Mahnzeichen für den eisernen Kanzler" in: Hagener Stadtgeschichte(n) Bd. 6; "Bis in die fernste, fernste Zeit... - Hagen und seine Denkmäler", Herausgegeben von Beate Hobein und Dietmar Osses, Hagen 1996
- Timm, Willy: "Ihre Flammen lodern nicht mehr" in: Der Märker, 25 (1976), Heft 2, S. 23 ff.
- Osses, Dietmar u. Zolper, Andreas: Historische Denkmäler in Hagen, S. 29-33, Hagen 1997
- Stadtarchiv Hagen, Archivalien 4389 und 6343


Bildmaterial

- Jörg Bielefeld, Remscheid (Fotos 1998, 2003 und 2010); historische Ansichten: Archiv J. Bielefeld
- Lars Lenzner, Hückeswagen (Fotos April 2005)