Update: 20.02.2015

In 20 Jahren zum fertigen Turm
Der Bismarckturm in Delecke/Gemeindeverband Möhnesee

Vom Plan bis zur Fertigstellung

Am 01.04.1912 erschien im Soester Anzeiger ein Artikel, in dem der Wunsch geäußert wurde, dass auch in Soest zu Ehren des ehemaligen Reichskanzlers ein Bismarckturm errichtet werden sollte.

Diese Idee wurde vom Vorstand des Soester Vereins der nationalliberalen Partei aufgegriffen. Am 15.04.1912 beschlossen ca. 150 "Verehrer Bismarcks aus Stadt und Kreis Soest" die Bildung eines provisorischen Komitees zur Errichtung eines Bismarckturmes. Anfang Mai 1912 wurde dann ein großes Komitee unter Vorsitz des Buchdruckereibesitzers Wilhelm Jahn gebildet, welches am 07.05.1912 erstmals tagte.

Im Februar 1913 beschloss das Komitee, dass der Turm auf einem Grundstück auf der Haar, direkt am Kreuzungspunkt des alten Haarweges, errichtet werden sollte. Gutsbesitzer Bernhard Schulte aus Drüggelte stellte darauf dem Komitee das zwanzig Ar große Grundstück kostenlos zur Verfügung. Mitte Februar reichte Stadtbaurat Sudhoff einen Turm-Entwurf ein, der im oberen Teil einen Umgang und eine Feuerschale besaß.

Von Mitte März bis Mitte April 1913 erschien in der Zeitung mehrfach ein ganzseitiger „Aufruf zur Errichtung eines Bismarck-Denkmals für die Stadt und den Kreis Soest“, in dem um Spenden für dieses 12.000 – 15.000 Mark teure Projekt geworben wurde.

Nachdem der Oberpräsident von Westfalen im Mai 1913 eine Geldsammlung von Haus zu Haus genehmigte, kamen bis zum 21.06.1913 insgesamt 4.600 Mark zusammen. Bis Ende August 1913 waren die Spendenmittel auf 7.000 Mark angewachsen, sodass genug Finanzmittel vorhanden waren, um im Frühjahr 1914 mit dem Bau des Turmes zu beginnen. Am 01.03.1914 schloss das Komitee einen Vertrag mit Maurermeister Eberhard Heitger aus Günne ab, der bereits am 25.03.1914 mit den Ausschachtungsarbeiten am Fundament begann.

Am 01.04.1914 feierte das Komitee mit etwa dreihundert Interessierten die Grundsteinlegung des Turmes. Bis August 1914 war das Bauwerk bereits auf eine Höhe von acht Metern gewachsen, als die Arbeiten kurzfristig wegen des einsetzenden Ersten Weltkrieges gestoppt werden mussten.

Nach dem Krieg, am 18.02.1919, wurde der Vorsitzende des Komitees, W. Jahn, erneut aktiv. Er unterbreitete den Vorschlag, den Bismarckturm zusätzlich zu einer Gedächtnisstätte aller Gefallenen des 1. Weltkrieges umzubauen. Am 28.08.1919 wurde in der Zeitung um Spenden für die ca. 27.000 Mark teure Maßnahme gebeten. Bis zum Frühjahr 1920 gelang es sogar kurzfristig, 27.600 Mark an Spenden zu gewinnen. Doch die Inflation machte sich hier schon negativ bemerkbar, die Kosten waren im Vergleich zum Jahr 1914 bereits etwa um das 14-fache gestiegen. Die angesparte Geldsumme reichte im Jahr 1920 nicht mehr aus, um einen Turm mit Gedächtnisstätte zu errichten. Eine aktuelle Berechnung ergab, dass allein für die gusseisernen Tafeln, auf denen die 1.200 Namen der Gefallenen angebracht werden sollen, etwa 50.000 Mark einzuplanen waren.

So wurde im April 1920 beschlossen, den Turm nur ca. 12 m hoch zu bauen und ihn mit einer Aussichtsplattform mit Brüstung zu versehen. Vom Spätsommer 1920 bis Mitte Mai 1921 wurde wieder am Turmstumpf gearbeitet, der Bauausschuss beteiligte sich am 16.03.1921 mit einer „außerordentlichen Beihilfe“ von 10.000 Mark an den Kosten. Im Mai 1921 wurde das äußere Mauerwerk ausgefugt, um das Eindringen von Regenwasser zu verhindern. Die Hyperinflation in den Jahren 1922 und 1923 machte eine Fortsetzung der Arbeiten am Bismarckturm und der Gedächtnishalle bis Herbst 1923 aber unmöglich.

Am 20.12.1923 nahm der Kreis Soest den Turmrumpf in Obhut, nachdem man die Fenster des wegen Vandalismus beschädigten Bauwerks vermauert hatte. Doch am 24.12.1924 starb der Motor des Bismarckturm-Projekts, Wilhelm Jahn, sodass die geplanten Arbeiten nicht mehr fortgesetzt wurden.

Durch einen Zeitungsartikel am 27.08.1926 bezüglich des Stillstandes der Bauarbeiten wurde die Kreisverwaltung plötzlich wieder aktiv. Doch die politischen Parteien konnten sich nicht einigen. Bei der Sitzung des Kreistages am 04.08.1927 wurde der Punkt „Ausbau des Bismarckturms“ vertagt.

Im Februar 1930 gründete sich der „Verkehrsverein Möhnesee“, der sich sofort daran machte, das Problem „verwahrloster Bismarckturm“ zu lösen. Im September und nochmals Anfang Oktober 1930 wandte sich der Verein an den Landrat, der den Wunsch nach Instandsetzungsarbeiten an die Kreisverwaltung weitergab.

Diese reagierte am 09.10.1930, allerdings anders als vom Verkehrsverein erwartet: Die geforderten „Instandsetzungarbeiten“ entpuppten sich als Vermauerung des Eingangs und des Treppenhauses und nicht als Fortsetzung der Bauarbeiten. Doch der hauptamtliche Geschäftsführer des Verkehrsvereins, Wilhelm Bracht, gab nicht auf und beantragte den Weiterbau der Turmruine zu einem Aussichtsturm und einer Kriegergedenkstätte.

Erst am 15.03.1933 erörterte der Kreisausschuss die Fertigstellung des Bismarckturmes in Anlehnung an die ursprünglichen Pläne. Nun endlich wurden die Pläne für die Fortführung des Baues konkret. Bei Gesprächen erklärte sich der Verkehrsverein Möhnesee bereit, nach Fertigstellung des Turmes die Beaufsichtigung und Öffnung zu übernehmen. Der Kreisausschuss griff auf den im Jahre 1915 leicht geänderten Entwurf des damaligen Stadtbaurates Sudhoff zurück und vergab die Arbeiten an Meister Haverland aus Ampen, der im August 1933 mit den Bauarbeiten begann. Entgegen dem ursprünglichen Entwurf wurde nun der obere Teil mit Feuerschale weggelassen. Statt der ursprünglich geplanten 22,50 m Höhe hatte das Bauwerk mit einer Grundfläche von 7 m x 7 m nach Fertigstellung eine Gesamthöhe von 18 m.

Am 01.04.1934, dem 1. Osterfeiertag, wurde der aus Sandstein gebaute Turm - genau zwanzig Jahre nach der Grundsteinlegung - als Gedenkturm für Bismarck und die Gefallenen des 1. Weltkrieges sowie als Aussichtsturm eingeweiht. Gleichzeitig brachte man ein Hakenkreuzrelief an der West-Seite des Turmes an, um auch den braunen Machthabern Tribut zu zollen.

Im Innern erinnerten bronzene, in einer Truhe verwahrte Buch-Platten mit eingravierten Namen an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges.


Standort und Baubeschreibung

Der 18 m hohe Bismarckturm wurde auf der zwischen Möhnesee und Soest höchsten Erhebung des Haarstrangs (285,80 m ü. NN) errichtet. Ausgeführt wurde der leicht veränderte Entwurf des Stadtbaumeisters Sudhoff aus dem Jahr 1913, wobei die Turmhöhe von ursprünglich geplanten 22,50 m durch Wegfall der Befeuerungsmöglichkeit und einer Etage auf 18 m reduziert wurde.

Auf einer Grundfläche von 7 m x 7 m erhebt sich der Turm, auf der West- und Ostseite sind etwa 4 m hohe Anbauten gesetzt. Die Steintreppe geht über die ursprüngliche Gedächtnishalle und über den westlichen Anbau bis zur Aussichtsplattform in ca. 15 m Höhe. Die Decke der Gedächtnishalle bildet ein Kreuzgewölbe, die Fenster, zwei parallel auf der Südseite und eines im Anbau, wurden mit gelben Glaseinsätzen versehen. Über eine massive Treppenanlage aus Stein (75 Stufen) mit mehreren Zwischenpodesten erreicht man die seit 1987 umgebaute Aussichtsplattform (mit Glaskuppel als Wetterschutz und Bleidach). Über eine nach unten führende Treppe mit 15 Stufen gelangt man in den Kellerraum.

Über dem Eingang waren der Name „BISMARCK“, auf der Rückseite des Bauwerks die Daten zum 100. Geburtstag Bismarcks („1815 – 1915“) zu lesen.

Auf der Westseite wurde 1934 ein Hakenkreuzrelief angebracht, welches 1945 wieder entfernt wurde (Aussparung ist noch erkennbar).

Die Bauausführung erfolgte zunächst durch Bauunternehmer und Maurermeister Eberhard Heitger aus Günne, die in den Jahren 1920 und 1921 durch Maurermeister Wappelhorst aus Körbecke fortgeführt wurde. Die Fertigstellung des Aussichtsturmes ohne Feuerschale erfolgte durch Meister Haverland aus Ampen.

Die Kosten betrugen 8080 Mark (Torso im Jahr 1914), der Weiterbau in den Jahren 1920/1921 kostete 25.000 Mark, die Fertigstellung schlug mit 8.000 Reichsmark zu Buche.


Turmgeschichte

Von Mai 1933 bis 1936 übernahm der Turmwächter Ferdinand Bäcker aus Wippringsen die Öffnung des Turmes. Doch bereits 1936 wurde das Bauwerk von Soldaten der Deutschen Kriegsmarine benutzt. Von 1939 bis 1945 diente der Turm der Deutschen Luftwaffe als Beobachtungsposten, bis 1941 zunächst als Beobachtungsposten für Wald- und Feldbrände und ab 1941 bis zum Kriegsende als Flugmeldeposten.

Kurz nach Kriegsende entfernte man das Hakenkreuzrelief auf der Westseite. Bis 1958 blieb der Bismarckturm für Besucher verschlossen. Im gleichen Jahr wurde eine Relaisstation (Funk) eingerichtet. Eine Öffnung für Besucher war weiterhin nicht möglich. Im Jahr 1979 setzte sich der „Heimatverein Möhnesee e.V.“ unter Vorsitz von Prof. Dr. Wilfried Stichmann dafür ein, den Bismarckturm wieder zugänglich zu machen. Der Heimatverein teilte am 14.03.1984 dem Oberkreisdirektor mit, dass ein „Förderverein Bismarckturm“ gegründet werde, um sich der Zugänglichmachung des Turmes anzunehmen. Am 05.04.1984 konstituierte sich der Förderverein in Wippringsen (Vorsitzender Wilhelm Bracht bis 21.10.1986, danach Fritz Schwarzkopp). Die Eintragung ins Vereinsregister erfolgte am 19.12.1984.

Der Kreis Soest investierte im Jahr 1985 40.000 DM für bauliche Verbesserungen des Bismarckturmes. Nach Vorschlägen des Vereins zur Gestaltung des Turmes, für einen neuen Zufahrtsweg und die Anlage von Parkplätzen stellte der Kreis Soest im Jahre 1986 100.000 DM zur Verfügung.

Die Sanierungsarbeiten dauerten bis Anfang 1987. Der Turmkopf wurde zu einem flachen Turmabschluss mit Bleidach umgebaut und mit einer achteckigen Glaskuppel versehen. Am 21.05.1987 übergab der Hausherr, Oberkreisdirektor Rolf Harling, den Schlüssel des Turmes an Otto Mantel, den Vorsitzenden des Heimatvereins Möhnesee. Am So., 24.05.1987 wurde das Bauwerk erstmals seit über fünfzig Jahren ganztägig geöffnet.

Innen wurde der Turm mit Anschauungsmaterial über die Geschichte des Turmes und der ihn umgebenden Landschaft ausgestattet.

Der Nutzungsvertrag zwischen dem Kreis Soest und dem Heimatverein wurde am 11.08.1987 unterzeichnet, der Förderverein löste sich am 06.01.1989 auf, da seine Aufgaben erfüllt waren.

In den Jahren 2001 und 2007 wurden am Turm kleinere Sanierungsarbeiten durchgeführt.

Im September 2009 wurde eine Jubiläumsfeier zum 75. Jahrestag der Einweihung durchgeführt.


Öffnungszeiten:

Der Bismarckturm ist  sonn- und feiertags von 10:00 bis 12:00 Uhr in den Monaten Mai bis September bei guten Sichtverhältnissen geöffnet.


Aussicht:

Richtung Norden hat man, gutes Wetter vorausgesetzt, Aussicht auf Soest und die Beckumer Berge, im Osten auf Erwitte und den Teutoburger Wald. Nach Westen hin hat man einen gute Sicht auf Ense, die Kraftwerke an der Lippe und den Dortmunder „Florian“. Nach Süden hin kann man den Möhnesee und den Arnsberger Wald erkennen.


Wegbeschreibung

Google Maps

Google Earth (kmz-Datei)


Links

Kurzer Film mit Wegbeschreibung

Heimatverein Möhnesee (Stadtplan Wippringsen / Delecke)


Quellenangaben

- Archiv Seele, Mannheim (Bismarck-Turm von Soest/NRW); privates, sehr umfangreiches Archiv
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Sieglinde Seele / Günter Kloss: "Bismarck-Türme und Bismarck-Säulen", Michael Imhof-Verlag, Fulda 1997, S. 150
- Sieglinde Seele: "Lexikon der Bismarck-Denkmäler", Michael-Imhof-Verlag, Fulda 2005, S. 95/96
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Fritz Schwarzkopp: "Der Bismarckturm am Haarstrang in der Feldflur Delecke" in "800 Jahre Delecke 1191 - 1991", Vereinsdruck 1991, S. 173 - 177
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Wilhelm Bracht: "Geschichte des Bismarckturms auf der Haarhöhe über dem Möhnesee", Teil 1 (1912 - 1915) und Teil 2 (1919 - 1939), persönliche Aufzeichnungen von W. Bracht