Update: 08.03.2011

Der dritte Bonner Bismarckturm
Der Bismarckturm in Bonn - Bad Godesberg

Der Bismarckturm in Godesberg (seit der kommunalen Neugliederung am 01.08.1969 zu Bonn gehörig) ist der dritte auf heutigem Bonner Gebiet errichtete Bismarckturm.


Bauplanung

Die Nationale Vereinigung der Bürgermeisterei Godesberg, insbesondere Dr. Brandis, regte den Bau dieses Bismarckturmes am 09.07.1899 an. Aus dieser Vereinigung gründete sich das "Bismarck-Denkmal-Comitee zu Godesberg am Rhein" unter Vorsitz des Geheimen Medizinalrates Dr. Brandis.

Als Standort entschied man sich für einen Höhenrücken, an den sich westlich Godesberg anlehnt. Die Hauptfront des Turmes ist Richtung Rhein / Siebengebirge gerichtet.

Das Baugrundstück wurde zum Teil von der Gemeinde Godesberg, zum Teil vom Berliner Bankier von der Heydt gespendet.

Der Turm wurde durch Spenden finanziert. Die gesamte Bürgerschaft Godesbergs soll sich an der Finanzierung beteiligt haben.


Bauarbeiten

Entworfen wurde der als Aussichtsturm mit Feuerschale konzipierte Turm von Regierungsbaumeister Ernst Spindler (Firma Erdmann & Spindler aus Berlin). Dieser übernahm auch die Bauoberleitung ab Ende 1901. Durchgeführt wurden die Arbeiten zum Selbstkostenpreis von der Firma Theodor Wilhelm Düren aus Godesberg.

Als Baumaterial wurden braungelber Sandstein (aus den Brüchen der Fa. Spindler in Königswinter am Rhein) sowie Basaltlava verwendet.


Baubeschreibung

Der Aussichtsturm hat einen unregelmäßigen achteckigen Grundriss, die Eingangsseite (genau nach Westen ausgerichtet) sowie die Seiten zu den anderen drei Himmelsrichtungen sind jeweils 6 m lang. Die anderen Seiten sind jeweils 4,1 m lang.
 
Am Fuß ist der Turm (Quadrat mit abgefassten Ecken in Form von gleichseitigen Dreiecken: 2,9 m [Kathete] x 2,9 m [Kathete] x 4,1 m [Hypotenuse]) insgesamt 11,8 m lang (6 m Seitenlänge + 2,9 m an jeder Seite). Die Grundfläche der Säule beträgt somit 122,42 m².

Die Sockelhöhe beträgt durchgehend 2 m. Der in Höhe von 0,55 m bis 1,60 m Höhe abgeschrägte Sockel ist auf der Westseite durch eine 1,07 m breite Treppe mit 9 Stufen unterbrochen, die zum 1,00 m x 2,02 m großen Eingangsbereich führen (ursprünglich eine Holztür, Türgröße 0,95 m x 2,00 m).

In Höhe des Erdgeschosses sind rundum 12 geschwungene, jeweils 2,60 m hohe Strebemauern (auf den langen Seiten jeweils zwei, auf den kurzen Seiten jeweils eine) vorhanden.

Linksseitig vom Eingang wurde eine Inschrifttafel in ca. vier Meter Höhe angebracht:

"ERBAUT 1901-1902/ARCHITECTEN:/ ERDMANN & SPINDLER BERLIN/
AUSFÜHRUNG:/ THEOD. WILH. DÜREN GODESBERG"

Die sich auf dem Sockel erhebende Säule hat eine entarsisartige Form, der Säulenschaft verjüngt sich nach oben. Bossierte gelbbraune Sandsteinquader bilden den gesamten Oberbau.

Die Plattformbrüstung in 15,94 m Höhe wird von geschwungenen, glatt gehauenen Kragsteinen gestützt. Das Turmgesims ist durch einen umlaufenden Fries von aneinandergereihten Bismarck-Wappen verziert.

An der West und Ostseite sind jeweils zwei Fensteröffnungen (0,25 m x 0,85 m) eingelassen, auf der Nord- und Südseite ist es je eine Fensteröffnung (Südseite ist vermauert).

Durch die Stahltür gelangt man in die Innenhalle des Turmes (4,35 m x 4,35 m).

Über eine steinerne Wendeltreppe (rechtsdrehend hochgehend mit Metallgeländer) mit 60 Stufen erreicht man das Zwischengeschoss. Über eine Metallleiter mit zehn Sprossen steigt man durch einen rechteckigen Austritt, der mit einer Metallklappe verschließbar ist, auf die achteckige, 6,7 Meter breite Aussichtsplattform.

Die Feuerschale (sechseckiger Eisenrost mit Durchsteigeloch in der Mitte) ruhte auf einem Steinkranz, der von sechs Säulen (Höhe 2,50 m, Durchmesser 1 m, Abstand der Säulen 0,80 m) getragen wurde.

Die Feuerschale wurde mit in Petroleum getränktem Scheitholz befeuert. Ein korbartiges Gitter auf der Feuerschale sollte ein Herabfallen des Feuerungsmaterials verhindern.


Geschichte des Bismarckturmes

Bereits im Jahr 1908 zeigte sich, dass der Betonboden der oberen Plattform der Hitze nicht gewachsen war. Auch der Turmsockel zeigte zu dieser Zeit erste Risse, eine erste Grundsanierung musste durchgeführt werden.

Aufgrund von Vandalismusschäden musste die hölzerne Eingangstür nach 1912 durch eine eiserne Tür ersetzt werden. Die Schlosserei Jean Hesseler lieferte 1912 auch einen neuen Feuerkorb (Gewicht: 372 kg).

In den Jahren 1920 und 1923 wurde die eiserne Eingangstür beschädigt. Bis 1933 wurde der Turm jeweils am 31.03. und 21.06. befeuert.

Im Jahr 1952 plante man den Abriss des Turmes, da die Innentreppe marode geworden war. Aus Kostengründen verzichtete man auf den Abriss. Im Jahr 1958 wurden einige Außenschäden am Turm ausgebessert.

Das Bauwerk wurde im Jahr 1988 „als deutlich vom Jugendstil Veldescher Art beeinflusster Turm“ unter Denkmalschutz gestellt.

Auf dem Steinkranz mit der ehemaligen Feuerschale ist heute nur noch ein Schutzgitter angebracht.

Im Januar 2004 wurde der Turm nach einem Beschluss des Stadtbauamtes im Einvernehmen mit der Unteren Denkmalbehörde saniert. Durch Regenwasser hatten sich im Sockel Steine gelöst.

Der Turm ist weiterhin für Besucher verschlossen [Stand: 2010].


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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 72
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 58 "Bismarck-Feuersäule zu Godesberg am Rhein", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, "Die Bismarck-Säule zu Godesberg a. Rh."
- Kleinmanns, Joachim: Rheinische Aussichtstürme des 19. und 20. Jahrhunderts, Dissertation Aachen 1986, S. 277 (Nr. 69: BISMARCKTURM, Bonn)
- Schwalb, Karl Josef: "Der Bad Godesberger Bismarckturm" in Godesberger Heimatblätter, Jahresheft 1999 des Vereins für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V., S. 135 - 145
- Maße von Sieglinde Seele (Oktober 2005) sowie eigene Messungen (September 2010)


Fotograf

Jörg Bielefeld, Menden (Juni 2001, Oktober 2005, September 2010)