Update: 02.03.2012

Das gekrönte "B" nahe der belgischen Grenze
Der Bismarckturm in Aachen

Bauplanung

Der Bau dieses Bismarckturmes wurde bereits im Jahr 1899 von der Studentenschaft der Technischen Hochschule Aachen angeregt.

Am 01.03.1899 wurde in einer von der Aachener Studentenschaft einberufenen Versammlung ein Ausschuss zur Errichtung einer Bismarcksäule unter Vorsitz des Assessors a. D Robert von Goerschen und dem Ehrenvorsitzenden Oberbürgermeister Philipp Veltmann gebildet. Dieser Ausschuss startete einen Aufruf an die Bevölkerung zum Bau einer Bismarcksäule.

Trotz Unterzeichnung des Spendenaufrufs durch den höchsten Aachener Geistlichen, Domprobst Dr. theol. Buschmann, gab es ultramontane Proteste, z.B. durch den katholischen Bürger- und Wahlverein „Constantia“.

Der Ausschuss der Studentenschaft bildete mit einigen Aachener Bürgern ein Denkmalkomitee unter Vorsitz von Robert v. Goerschen, um den Turmbau zu verwirklichen.

Bereits im Mai 1900 waren 20.000 Mark an Spenden gesammelt worden.

Aufgrund von Differenzen im Magisterrat und in der Bevölkerung bezüglich des geplanten Bismarckturmes verzögerte sich das Projekt.

Am 26.02.1904 stimmte die Stadtverordnetenversammlung der Errichtung eines Turmes zu Ehren von Otto von Bismarck zu, "und zwar des nationalen Gedankens wegen wie auch zur Festigung und Erhaltung der Eintracht unserer Stadt" [Protokoll der Stadtverordnetenversammlung 1904]. Der Turm durfte nur unter den Bedingungen errichtet werden, dass er ohne Befeuerungsmöglichkeit ausgeführt wurde und gleichzeitig auch Helmuth Graf von Moltke (1800 – 1891; Ehrenbürger der Stadt Aachen seit 1890) und Albrecht von Roon (1803 – 1879) geehrt werden.

Als Bauplatz hatte das „Komitee für die Errichtung eines Bismarck-Denkmals im Aachener Wald“ eine Anhöhe am Rande des Aachener Waldes ("An den Fuchslöchern", heute Waldfriedhof an der Monschauer Straße) ausgewählt, der von der Stadt Aachen kostenlos zur Verfügung gestellt wurde.

Der Aachener Architekt Prof. Georg Frentzen (1854 - 1923) wurde kurz nach der Stadtverordnetenversammlung beauftragt, sein bereits vorliegendes und von Prof. Karl Krauß modelliertes Projekt auszuarbeiten.

Nach Fertigstellung der Planzeichnungen wurden diese zusammen mit den statischen Berechnungen des projektierten Turmes am 21.08.1905 an die Aachener Baubehörde übergeben.

Am 14. September 1905 wurde die Baugenehmigung erteilt. Als ausführende Baufirma war Boswau & Knauer GmbH aus Berlin tätig.


Bauarbeiten und Einweihung

Die Rohbauarbeiten begannen am 14. Oktober 1905.

Als Baumaterial verwendete man Grauwacke für die Wandflächen und das Untergeschoss (jeweils in Bossenquaderung ausgeführt) sowie Basaltlava für die Herzogskrone, die Eckquaderungen des Turmschaftes und das Bismarck-Wappen. Die innere Mauerschale ist aus Backstein.

Die Bildhauerarbeiten wurden von Bildhauer Haller aus Köln ausgeführt.

Die Rohbauabnahme erfolgte am 17.12.1906.

Am 22. Juni 1907 konnte das Bauwerk in feierlicher Weise eingeweiht werden. Die Festrede hielt Landgerichtspräsident a.D. von Görschen, danach wurden die Schlüssel durch den Erbauer an den Oberbürgermeister Philipp Veltmann (und damit an die Stadt Aachen) übergeben.

Die Stadt gestattete unter gewissen Vorsichtsmaßregeln an bestimmten Gedächtnistagen vor dem Turm ein Feuer zu entzünden.


Turmbeschreibung

Architektonisch ist dieser 27 m hohe Aussichtsturm ohne Befeuerungsmöglichkeit im Vergleich zum Einheitsentwurf und zu allen anderen Bismarcktürmen ein Unikum:

Der Turm erhebt sich in Form eines bekrönten großen „B“ über einer halbkreisförmigen, bis zu 5,2 m hohen Terrasse (Sockelgeschoss).

Das halbrunde Sockelgeschoss ist basteiartig aufgebaut. Die Terrassenanlage des Sockelgeschosses ist über zwei seitliche (als Fortsetzung der Zentrale des Halbkreises), jeweils 2,40 m breite Treppenaufgänge (Südwesten und Nordosten) mit jeweils 18 Stufen zu erreichen. 

Durch die abgestuften Strebepfeiler ist der halbkreisförmige Sockel in fünf gleichartige Segmente mit breiten Korbbogenöffnungen geteilt. Über den Korbbogenöffnungen liegt die am unteren Rand mit mehrteiligem Zinnenfries verzierte Werksteinbrüstung.

Das darüber befindliche axial-symmetrischen Untergeschoss hat eine Grundfläche von 11,35 m x 5,32 m, welches nach 1,2 m Höhe etwas zurückweicht. An den drei Rundbogenportalen (Eingänge auf den Schmalseiten sowie Hauptportal im NNW) sind die Schlusssteine konsolenartig ausgebildet und tragen über geflochtenen Eichenlaubgirlanden die von Prof. Karl Krauß (1859 – 1906) aus Basalt gefertigten Büsten Bismarcks, Moltkes und Roons.

Über dem Untergeschoss erhebt sich der viergeschossige Turmschaft mit einer Grundfläche von 9,80 m x 4,3 m in Form des Großbuchstabens "B". Diese B-Form entsteht durch Teilung des Turmschafts, durch Zurückspringen und Abschrägen der Ecken im aufstrebenden Mauerwerk, durch die unterschiedlich angelegten Balkone auf den Schmalseiten sowie den von links nach rechts ansteigenden Querbalken. 

An den Schmalseiten sind gleichartige Eingänge mit den Büsten Moltkes und Roons (von der Bismarck-Büste aus von rechts nach links) angelegt. Diese Eingänge führen nur in flachgedeckte Räume mit einer Grundfläche von 1 m x 2,7 m und sind nicht mit den beiden seitlichen Treppenaufgängen verbunden.

Das Hauptportal, welches über 5 Stufen zu erreichen ist, liegt in Höhe von 4,75 m unterhalb der Bismarck-Büste in der Mitte der Breitseite im NNW.

Über zwei getrennte Treppen mit je 101 Stufen erreicht man das Geschoss unterhalb der Aussichtsplattform. Die rechte Treppenanlage ist als Aufstieg, die linke Treppenanlage als Abstieg vorgesehen.

In ca. 7 m Höhe teilt sich der Turm in zwei Turmschäfte von je 3,3 m x 4,3 m Grundfläche, welche in 10,5 m Höhe durch einen von links nach rechts ansteigenden Querbalken verbunden ist, der eine Verbindungstreppe birgt. In 19 m Höhe werden die Turmschäfte wieder zusammengeführt.

Von dort aus gelangt man über 20 Stufen einer eisernen Wendeltreppe zu einer runden Plattform (innerer Durchmesser 3,5 m). Den Abschluss des Turmes bildet die knapp 5 m hohe  Herzogskrone mit dem Reichsapfel auf der Spitze. Die sechs Bügel der Krone werden durch einen eisernen Ringanker zusammengehalten.  

Unterhalb der Krone ist mittig das aus Basaltstein gefertigte Bismarck-Wappen angebracht.


Turmgeschichte

Bereits im Jahr 1910 mussten die Fugen des Turmes neu verputzt werden.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Bauwerk wegen Baufälligkeit gesperrt.

Um 1979 bildete sich eine Bürgerinitiative (Vorsitzender M. Josephs), um den Turm zu sanieren und für Besucher wieder zugänglich zu machen.

Der Reichsapfel der Herzogskrone wurde vor 1986 entfernt.

Der Bismarckturm wurde in den Jahren 1999 und 2000 saniert. Im Frühjahr 2005 folgten weitere kleine Sanierungsarbeiten.


Öffnungszeiten:

Mo.-Fr. von 08:00 - 16:00 Uhr
Der Eintritt ist kostenlos (Schlüssel erhältlich beim Pförtner des Haupteinganges zum Waldfriedhof)

Links:

Google Maps

Google Earth

Aachen-Burtscheid

Aussicht vom Turm auf die Stadt (Panorama)


Quellen

- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von AACHEN (Nordrhein-Westfalen)
- Seele, Sieglinde:
Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 28
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes; 1. Jahrgang 1903 (Nr. 4, S. 3), 2. Jahrgang 1904 (Nr. 6, S. 3), 5. Jahrgang 1907 (Nr. 2, S. 32 + Nr. 7/8, S. 99/100)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 138 "Bismarck-Turm zu Aachen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Kleinmanns, Joachim: Rheinische Aussichtstürme des 19. und 20. Jahrhunderts, Dissertation Aachen 1986, S. 271/272 (Nr. 79) + S. 367
- Dauber, Reinhard: "Das Bismarck-Denkmal für Aachen" in: Rheinische Heimatpflege, 16. Jahrgang (1979), S. 90-94
- Widera, Joachim: "Bismarck in Aachen" in "Katholikentage in Aachen", Einhard-Verlag Aachen 1986, S. 133-134


Fotografen

- Jürgen Graf, Aachen (März 2003)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (April 2000, November 2003)

Foto 2003 (Fotograf: Jörg Bielefeld)