Update: 14.07.2017

Der erste Bismarckturm in Niedersachsen
Der Bismarckturm in Stade

Bauplanung

Am 10. April 1886 wurde der Verschönerungsverein in Stade gegründet. Stadtbaumeister Fröhlich und Weinhändler Johann Grube stellten am gleichen Tag den Antrag, auf dem Schwarzen Berg (34 m über NN) einen Aussichtsturm zu errichten. Der Beschluss wurde vom Vorstand wegen der ungeklärten Finanzierung vertagt.

Im Jahr 1889 wurden die Gesamtkosten für den Bau auf 5.000 Mark veranschlagt. Erste Sammlungen brachten innerhalb von drei Monaten nur 903 Mark an Spenden ein.

Weinhändler Grube brachte den Plan, einen Aussichtsturm zu errichten, in den Folgezeit immer wieder ins Gespräch, obwohl der Vorstand des Verschönerungsvereins und Bürgermeister Carl Ludwig Neubourg das Projekt vorerst ruhen lassen wollten.

Im Jahr 1890 schlug Regierungspräsident Dr. Heyer (Vorsitzender des Verschönerungsvereins) vor, die Stadt mit Verschönerungsanlagen zu umgeben und den Aussichtsturm als Krönung dieser Anlagen errichten zu lassen. Mit dem Entwurf der Anlagen wurde Stadtbaumeister Fröhlich beauftragt.

Im März 1892 lag der Fonds für den Turmbau, den der Magistrat der Stadt verwaltete, bei insgesamt 1.200 Mark. Eine Baugenehmigung wollte der Magistrat erst erteilen, wenn das für die Errichtung des Turmes benötigte Kapital nachgewiesen sein würde.

Weinhändler Grube schlug 1893 vor, das noch fehlende Kapital über Kredite zu besorgen. Diese Idee wurde vom Vorstand des Verschönerungsvereins abgelehnt. Grube wurde im Herbst 1893 beauftragt, erneut eine Spendensammlung durchzuführen.

Im April 1894 war der Baufonds auf 2.900 Mark angewachsen. Der Weinhändler garantierte  1.000 Mark aus weiteren Sammlungen, sodass der Vorstand eine Kommission beauftragte, den Bauplan und vorhandene Kostenanschläge zu prüfen. Einschließlich der 1.000 Mark und den Zinsen rechnete man mit einem Gesamt-Baufonds von 4.500 Mark zum 01.05.1895. Daraufhin beschloss der Verschönerungsverein im Oktober 1894, mit dem Bau des Aussichtsturmes zu beginnen. Der Verein wollte in den nächsten fünf Jahren jährlich 150 Mark für dieses Projekt aus der Vereinskasse zusteuern.

Der Magistrat genehmigte den Bau nach den vorgelegten Plänen am 21.12.1894 und stellte 1.122 Mark aus Holzverkäufen (Aus- und Abholzungen vom Schwarzen Berg aus den Vorjahren) zur Verfügung.

Am 16. März 1895 beschloss der Vorstand des Verschönerungsvereins, den geplanten Aussichtsturm zu Ehren des 80. Geburtstages des ehemaligen Reichskanzlers am 01.04.1895 den Namen „Bismarckturm“ zu geben.

Finanziert wurde der insgesamt 7.530 Mark teure Bismarckturm aus dem Fonds des Verschönerungsvereins, aus Forsterträgen der Stadt und den Spenden der Bürger aus Stade.


Bauarbeiten

Im April 1895 begannen die Bauarbeiten.

Als Baumaterial verwendete man norddeutsche Backsteine (Normalklinker), für den Unterbau Sandsteinquader. Teile des Turmaufsatzes und die Treppe wurden aus Holz gefertigt.

Entworfen wurde der Turm von Baumeister Eduard Endell, der den Entwurf bereits 1887/1888 gefertigt hatte. Als Bauleiter fungierte Baurat Josef König, Bauherr war Weinhändler Grube.

Als ausführende Baumeister waren Maurermeister Bültzing jun. und Zimmermeister Schumacher tätig.

Am 03.08.1895 konnte das Richtfest gefeiert werden. Die Rede auf dem Bauwerk hielt Zimmerpolier Jürgens.


Turmbeschreibung

Das 22,50 m - mit Fahnenstange und schwarz-weiß-roter Fahne 30 m - hohe Bauwerk wurde als Aussichtsturm ohne Feuerschale aus norddeutschen Backsteinen (Unterbau: Sandquader) erbaut. Über dem Eingangsportal wurde ein bronzenes Bismarck-Medaillon (gestiftet von Weinhändler Grube, Wert: 306,50 Mark) angebracht, modelliert von Bildhauer Bruno Kruse aus Berlin (Ausführung: Albert Bierlingsche Kunstgussfabrik, Dresden).

Auf der Rückseite wurde eine Sandstein-Tafel mit folgender Inschrift angebracht:

"Der Vaterstadt von dem Verschönerungs-Verein
und seinen Gönnern gewidmet 1895"

Eine hölzerne Treppe mit 110 Stufen führte zur Aussichtsplattform, die 35 - 40 Personen aufnehmen konnte.


Turmgeschichte

Die Einweihung des Bismarckturmes fand am 29.09.1895 statt. Bürgermeister Dr. Oppermann hatte eine Urkunde verfasst, die vom neuen Vorsitzenden des Verschönerungsvereins, Regierungspräsident Himly, verlesen und zusammen mit einer Flasche 1891er Bismarck-Sekt extra dry in eine Glasurne eingemauert wurde.

Nach der Festrede und der offiziellen Einweihungsrede von Weinhändler Grube wurde der Schlüssel des Turmes von Baurat König an den Vertreter der Stadtverwaltung, Senator Heydrich, übergeben.

Am 05. März 1896 bedankte sich Otto von Bismarck schriftlich "verbindlichst für die Ehre", die ihm durch die Benennung des Aussichtsturmes auf dem Schwarzen Berge erwiesen worden war.

Im März 1896 waren insgesamt 1.400 Mark der Baukosten immer noch ungedeckt. Nachdem der Magistrat eine sofortige finanzielle Beihilfe abgelehnt hatte, bewilligte er im Mai 1896 einen Zuschuss von 600 Mark unter der Bedingung, dass die Restsumme nicht aus den Mitteln des Verschönerungsvereins getragen würde.

Kurz darauf wurde eine weitere Spendensammlung durchgeführt, die insgesamt 570 Mark einbrachte. Die Restkosten beglich Weinhändler Grube.

Am 01.04.1903 stiftete die Stadtbehörde auf Anregung von J. Grube eine Bismarckfahne für den Turm.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bismarckturm im Rahmen des Divisionsgefechtsstandes Schwarzer Berg (mit Bunker Sokrates) als Flugwache genutzt.

Zwischen 1945 und 1947 wurden die Holztreppe und andere hölzerne Teile des Turmes ausgebaut und als Brennmaterial verwendet. Fälltrupps der Stadtverwaltung und der Stadtwerke holzten zur gleichen Zeit große Teile des Baumbestandes vom Schwarzen Berg ab.

Eine geplante Sanierung des Turmes (neues Treppenhaus, Erhöhung des Turmes) scheiterte in den 1950er Jahren an den fehlenden finanziellen Mitteln.

Eine Neubepflanzung des Geländes mit 40.000 Jungpflanzen erfolgte Ende April 1951.

Der Bismarckturm wurde am 02. April 1962 von Heinz Schreiber gesprengt.


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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 370
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von STADE (Niedersachsen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 6 "Bismarckturm bei Stade", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 4, S. 4)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903: 2. Teil, Nr. 103 „Der Bismarck-Turm zu Stade“
- Bohlmann, Dieter-Theodor: „Sokrates“ - Die Geschichte der Reichsluftverteidigung, ihrer Anlagen und Liegenschaften in und um Stade 1935-2005, S. 160, 232-233, Herausgeber: Kreissparkasse Stade 2005
- Stadtarchiv Stade