Update: 15.01.2012

Bismarckturm von Stammtisch erbaut
Der Bismarckturm in Rosengarten-Ehestorf

Bauplanung

Am 01.04.1906 veranstaltete der Stammtisch „Bismarck-Nische“ einen Bismarck-Festkommers, an dem die Spitzen der Behörden und Körperschaften sowie Vertreter von Krieger- und anderen Vereinen teilnahmen. Auf Anregung von Fabrikant Dr. Ernst Eger wurde auf diesem Kommers beschlossen, eine Bismarcksäule zu errichten.

Daraufhin bildete sich ein „Komitee zur Errichtung des Bismarckturms“ unter Vorsitz von Dr. Eger, welches eine Spendensammlung einleitete.

Bei einer Auswahl von acht möglichen Standorten entschied sich das Komitee einstimmig für den Kiekeberg bei Ehestorf.

Der Besitzer des nahe gelegenen Gasthauses Peters Höh“, Wilhelm Schuster, erwarb den Bauplatz für 1.000 Mark. Es handelt sich dabei um drei Parzellen (zwei in Ehestorf, eine in Vahrendorf) von insgesamt 15.000 m² Größe.

Das Komitee wählte nicht den preisgekrönten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Professor Wilhelm Kreis (wie in 47 anderen Orten) aus, sondern beauftragte den Professor, einen neuen Entwurf für Ehestorf zu erarbeiten. Zuvor wurden aber auch Entwürfe von anderen Architekten, z.B. Rudolf Schäder, zwecks Ausführung in Betracht gezogen.

Die Grundsteinlegung erfolgte am 02.07.1912 um 18:00 Uhr. Die Festansprache übernahm der Vorsitzende des Komitees, Dr. Eger, die Einmauerung einer Kassette in den Grundstein wurde von Architekt Prien und Maurerpolier Harms durchgeführt. Die obligatorischen Hammerschläge auf den Grundstein wurden von Landrat Felix Rötger (Landkreises Harburg), Stadtsyndikus Tilemann, Bürgervorsteher-Wortführer Maul, Major Hopf als Vertreter der Garnison, Oberzollkontrolleur Zimmermann für die Turner, Direktor Dr. Friedrich für die Jugend sowie Kommerzienrat Dr. Eger, Stadtbaurat Dr. Hoehle, Architekt Prien und Mitgliedern des Komitees durchgeführt.

Die Kosten für den Turmbau betrugen 50.000 Mark, damit ist dieses Bauwerk der teuerste Bismarckturm in Niedersachsen. Die Bausumme wurde durch Spenden aufgebracht.

Erbaut wurde der Turm in unmittelbarer Nähe des Gasthauses "Peters Höh’" (heute „Gasthaus zum Kiekeberg").


Bauarbeiten

Gebaut wurde der Turm von der Fa. August Prien aus Harburg.

Zur Verblendung des Turmes wurden blaue Elbklinker verwendet (hartgebrannte blaue Klinker, die beim Brand gesintert wurden und dadurch eine unregelmäßige Farbgebung von bläulich schimmernd bis schwarz aufweisen). Das Portal und einige Verzierungen wurden in Sandstein ausgeführt.

Das Bauwerk konnte innerhalb von knapp vier Monaten errichtet werden.


Turmbeschreibung

Der 23 m hohe Aussichtsturm mit Feuerschale wurde auf einem 15.000 m² großen Areal (ca. 6 Morgen groß) errichtet.

Der runde Turm besaß drei Stockwerke.

Im unteren Bereich hatte das Bauwerk einen Durchmesser von 9 m bei einem Umfang  von 28,20 m. Der Eingang lag auf der Nordseite und führte im Innern des Turmes zu einem 6 m² großem Vestibül. Von dort aus gelangte man in die 24 m² große, kreisförmige Bismarck-Gedächtnishalle. Auf der Südseite der Halle befand sich eine Nische, die für die Aufstellung einer später geplanten Bismarck-Büste gedacht war. Links und rechts davon waren an den Seitenwände deutsche Reichsadler in Stein eingelassen.

Die Seitenwände waren durch rote Pfeiler mit weißen Fugen durchbrochen. Der Fußboden des Turmes war mit imitiertem Marmor belegt.

Die Mauerstärke bis zur Galerie (Umgang) in 12,80 m Höhe betrug 1 m.

In der Gedächtnishalle war die Inschrift

"Vom Brecher tück' scher Zwietracht, /
Vom Schmied der deutschen Eintracht,/
Vom Lenker in dem Weltensturm/
Erzählt in Ehrfurcht dieser Turm"

zu lesen.

Von der Halle aus gelangte man seitlich über eine steinerne Treppe zur 1. Etage. Direkt oberhalb des Eingangsbereiches befand sich ein aus Sandstein hergestellter Altan. Von dort aus erreichte man über eine eiserne Wendeltreppe die 2. Etage (Galerie mit Umgang), welche mit einer Metall-Brüstung versehen war.

Durch eine Tür auf der Nordseite gelangte man auf die Galerie. Die Mauerstärke des Turmes verringerte ab hier sich bis zum Anfang der Kuppel auf 0,50 m. Der runde Aufbau war rundum durch Quadratpfeiler durchbrochen, zwischen den längliche Fensterschlitze angeordnet waren.

In 20 m Höhe waren acht kreisrunde Aussichtslöcher eingelassen. Über eine im Innern angebrachte eiserne Leiter erreichte man das obere Stockwerk, über das sich eine Kuppel wölbte, welche mit der von Zinnen umgebenen Feuerwanne abschloss.

Die Feuerwanne war ein ringförmiger Behälter mit einem Durchmesser von 2,08 m, welche durch Querwände in fünf Segmente aufgeteilt war. Befeuert wurde diese zunächst mit Öl. Nach schlechten Erfahrungen mit Ölfeuerungen wurde diese nach April 1913 mit einem "Spezialgemisch" aus 5 kg Pech, 5 kg Schwefel, 2 kg Werg und 10 Liter Petroleum. Die Brenndauer betrug 1 - 1,5 Stunden.


Turmgeschichte

An der Einweihungsfeier am 27.10.1912 nahmen 5.000 Personen (davon 2.000 Schulkinder) teil. Regierungspräsident Adolf Heinrichs (Preußischer Regierungsbezirk Lüneburg des Landes Niedersachsen) war  bei der Einweihungsfeier offizieller Vertreter der Königlichen Regierung zu Lüneburg anwesend. Die Weiherede hielt Dr. Eger. Huldigungskränze wurden von der Stadt Harburg, dem Museumsverein zu Harburg, dem Nationalliberalen Verein des 17. Hannoverschen Wahlkreises, dem Pionierbataillon und dem Stammtisch „Bismarck-Nische“ niedergelegt.

In den Abendstunden wurde die Feuerwanne erstmals entzündet. Die Erdölwerke in Wilhelmsburg hatten dazu 1.600 Pfund Öl gestiftet.

Nach der Einweihung wurde der „Bismarck-Turm-Verein zu Harburg (Elbe) Stadt- und Landkreis e.V.“ gegründet, um für die Erhaltung des Bauwerkes zu sorgen.

Am 01.04.1913 (Bismarcks Geburtstag) wurde der Bismarckturm erneut befeuert, unterstützt von Harburger Pionieren, die die Turmumgebung zusätzlich mit Scheinwerfern ausleuchteten. Redakteur Pietsch (Harburger Anzeigen und Nachrichten“) hielt die Festansprache. Der Bismarck-Turm-Verein lud anschließend zu einem zwanglosen Zusammensein im benachbarten Gasthaus „Peters Höh‘“ ein.

Ende 1913 hatten bereits 20.000 Besucher den Bismarckturm bestiegen. Im weiteren Umkreis des Turmes waren durch den Bismarck-Turm-Verein zwölf Wegweiser aufgestellt worden.

Die geplante innere Ausstattung der Gedenkhalle im Turm sowie die Aufstellung einer Bismarck-Büste (später plante man eine Bismarck-Statue, eine verkleinerte Nachbildung des Hamburger Bismarckdenkmals) konnte aus Kostengründen nicht realisiert werden. Der Verein bat um Spenden, um dieses Vorhaben bis zum 100. Geburtstag von Bismarck (01.04.1915) durchführen zu können.

Die Mitglieder des Bismarck-Turm-Vereins zeigten sich enttäuscht von der Wirkung der Öl-Befeuerung auf dem Turm (Starke Rauchentwicklung und keine lodernde Flamme) und fragten beim Bismarck-Bund nach Möglichkeiten der Abhilfe und Erfahrungen bei Befeuerungen von anderen Bismarcktürmen. Die weiteren Befeuerungen erfolgten darauf mit einem Spezialgemisch, u.a. aus Pech und Schwefel bestehend.

Im Jahr 1939 errichtete das Reichsamt für Landesaufnahme auf der Galerie des Turmes einen Beobachtungspfeiler für die Landesvermessung.

Zwischen 1939 und 1945 wurde auf der Eingangsseite unterhalb des Umganges ein Hakenkreuz angebracht.

Während des 2. Weltkrieges wurden Gegenstände aus dem Helms-Museum im Bismarckturm ausgelagert.

Der Turm wurde am 20.04.1945 zwischen 08:00 - 11:00 Uhr von der deutschen Wehrmacht mittels zweier Bomben gesprengt. Mit der Sprengung sollte verhindert werden, dass vorrückende britische Truppen den Turm als Beobachtungsposten oder als Beschussmöglichkeit gegen Hamburg verwenden konnten. Die Überreste des Turmes wurden zerschlagen und zum Straßenbau verwendet. Die im Turm gelagerten Gegenstände des Helms-Museums gingen durch die Sprengung verloren.

Am 01.04.1948 wurde am ehemaligen Turm-Standort eine Bismarck-Eiche (Jung-Eiche aus dem Sachsenwald) gepflanzt. Diese erhielt den Namen „Bismarck-Eiche auf dem Kiekeberg“, ein großer Findling am Waldrand mit der Inschrift

Otto von Bismarck
1815-1898

erinnert seitdem an die ehemalige Gedenkstätte.

Das Grundstück mit dem Bauplatz des Bismarckturmes wurde dem Helms-Museum (Hamburger Landesmuseum für Archäologie) übereignet.

Im Jahr 1953 wurde auf dem Kiekeberg das "Freilichtmuseum am Kiekeberg" als Außenstelle des Helms-Museums errichtet.


Links (ehemaliger Standort)

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Freilichtmuseum am Kiekeberg

Gasthaus zum Kiekeberg


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 335-336
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von HARBURG (Hamburg-Harburg)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 183 "Bismarck-Feuersäule zu Harburg", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 11. Jahrgang 1913 (Nr. 1, S. 11), 12. Jahrgang 1914 (Nr. 1, S. 12; Nr. 3, S. 34/35).
- Denkhaus, Markus: „Eine dörfliche Gemeinde am Stadtrand von Hamburg“, S. 101, BoD 2001