Update: 18.04.2016

Die Säule auf dem Galgenberg
Der Bismarckturm in Hildesheim

Die am 01.04.1905 eingeweihte Bismarcksäule auf dem Nordhang des Galgenberges (172 m über NN) in Hildesheim ist seit über 100 Jahren ein beliebter Aussichtsturm, von dem man eine hervorragende Aussicht auf die Stadt Hildesheim hat.


Bauplanung und Finanzierung

Bereits am 01.04.1897 wurde bei einer Bismarckfeier die Errichtung eines Denkmals für den Fürsten Bismarck angeregt. Zwei Tage später waren bereits 3.200 Mark für das geplante Denkmal gezeichnet. Zu einer Realisierung des reinen Denkmalprojektes kam es nicht.

Chefredakteur Hermann Mayer, Vorstandsmitglied des Ortsverbandes Hildesheim des Alldeutschen Verbandes, regte am 02.02.1899 in einem Schreiben den Bau einer Bismarcksäule in Hildesheim auf einem der Hildesheimer Höhenzüge an. Dem Antrag stimmten die städtischen Gremien am 21.02.1899 zu.

Doch erst im Mai 1901 wurde die Idee konkreter, als ein "Ausschuss für die Errichtung einer Bismarcksäule" unter Vorsitz des Sanitätsrates Dr. E. Müller aus Hildesheim gegründet wurde. Am 23.05.1901 trat der Vorstand des neu gegründeten Vereins erstmals zusammen und plante, einen Spendenaufruf zu veröffentlichen.

Am 27.11.1901 wurde in den Hildesheimer Zeitung ein Spendenaufruf veröffentlicht, da man zunächst die Fertigstellung des Hildesheimer Kaiser-Wilhelm-Denkmals abgewartet hatte. Der Spendenaufruf war von 342 prominenten Bürgern aus Hildesheim und Umgebung unterzeichnet worden.

Der Ausschuss sammelte Spendengelder in Hildesheim und Umgebung.

Wie in 46 anderen Orten wählte man auch den von der deutschen Studentenschaft preisgekrönten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis zur Ausführung aus. Der Ausschuss entschied sich am 15.02.1902 für diesen Entwurf. Die Kosten wurden mit 25.000 Mark veranschlagt.

Ursprünglich sollte nur eine reine Feuersäule (Turm ohne Aussichtsmöglichkeit) errichtet werden, doch der Magistrat stimmte dem Einbau einer Treppenanlage zu und bewilligte dafür entsprechende Geldmittel. Der Architekt W. Braul fertigte eine Zeichnung mit einer bis zur Spitze des Turmes hinaufführenden Treppenanlage an.

Architekt Wilhelm Kreis besichtigte am 26.02.1902 die vom Ausschuss in die engere Wahl genommenen Standorte (Galgenberg und Bergholz) und sprach sich in einem Gutachten letztendlich für den Galgenberg aus.

Bereits im März 1902 konnte der Schatzmeister Wilhelm Ohlmer Spendeneingänge von 20.000 Mark verzeichnen.

Am 23.05.1902 entschied man sich in einer öffentlichen Sitzung der städtischen Gremien für den Galgenberg als Turmstandort. Gleichzeitig wurde festgelegt, dass das Bauwerk nach Fertigstellung in das Eigentum der Stadt übergehen würde, die dann für die Unterhaltung des Turmes zuständig sein würde.

Bei einer öffentlichen Sitzung am 17.04.1902 referierte Chefredakteur Meyer über das Vorhaben. Der Bismarcksäulen-Ausschuss hatte zwecks Überlassung des Bauplatzes eine Eingabe bei der Stadtverwaltung gemacht und zusätzlich um einen Zuschuss von 600 Mark bei den Erdarbeiten und 2.400 Mark für den Ausbau der Feuersäule als Aussichtsturm gebeten. Am 22.05.1902 wurden diese Eingaben auf einer Sitzung befürwortet. Die Stadt Hildesheim spendete letztendlich 3.000 Mark für die Erdarbeiten und die Treppenanlage im Inneren des Turmes.

Am 28.07.1902 wurden die Bauarbeiten an Hildesheimer Firmen vergeben. Auf Wunsch des Magistrats wurde die Säule fünf Meter vom Wald entfernt errichtet, sodass eine tiefere Fundamentierung als geplant notwendig war, da das Terrain zwei Meter tiefer als ursprünglich vorgesehen lag. Dadurch entstanden Mehrkosten von 6.700 Mark. 

Die Baugenehmigung erfolgte am 08.08.1902. Auf eine feierliche Grundsteinlegung wurde verzichtet.

Die Gesamtbaukosten betrugen 44.000 Mark.


Bauarbeiten

Die Bauleitung wurde dem Architekten W. Braul aus Hildesheim, die Ausführung dem Architekten und Maurermeister Karl Kattentidt aus Hildesheim übertragen. Die Steinmetzarbeiten wurden von L. Wickmann aus Hildesheim ausgeführt.

Als Baumaterial wählte man wetterfesten Dolomit aus dem Ith aus.

Am 19.08.1902 wurde mit dem Bau der Feuersäule begonnen. Ende des Jahres 1902 war die Säule auf halber Höhe, am 11.04.1903 stand der Rohbau des Turmes. Die Bauarbeiten am Turm konnten am 01.05.1903 abgeschlossen werden.

Für das Fundament wurden 92 m³ Betonbankett und 274 m³ Kalkbruchsteine verwendet. Das sichtbare Mauerwerk hat einen Rauminhalt von 630 m³. Das Gesamtgewicht der Säule beträgt über 2.500 Tonnen.

Der Bismarcksäulen-Ausschuss bat den Magistrat am 05.08.1903 schriftlich, die Aufschüttung sowie die weitere Gestaltung des die Säule umgebenden Platzes zu übernehmen. Erst am 11.01.1904 bewilligte die Stadt weitere 2.000 Mark für diesen Zweck.

Am 15.03.1904 erfolgte eine Probebefeuerung der Säule, dabei wurden 300 kleine Gaskörper in Kreuzform entzündet. Weitere Brennversuche folgten, weil sich diese Art der Befeuerung nicht als geeignet erwiesen hatte. Eine Befeuerung mit Petroleum getränktem Torf (wie bei der Bismarcksäule Rostock) wurde letztendlich ausgewählt.

Durch die Testversuche bei der Befeuerung und der Anlage der Grünflächen (inkl. Aufschüttung um das 2,50 m hohe Turmfundament) musste die Einweihung immer weiter verschoben werden.

Bis zum Frühjahr 1905 betrug der Baufonds 35.500 Mark. Die Gesamtbaukosten wurden zu dieser Zeit bereits auf über 40.000 Mark geschätzt.

Die feierliche Einweihung fand schließlich am 01.04.1905 (90. Geburtstag von Otto von Bismarck) statt.

Am 01.04.1905 um 18:30 Uhr setzte sich ein Festzug (3.000 Teilnehmer) bei schlechtem Wetter von der Steingrube aus in Richtung Bismarcksäule in Bewegung. Die Einweihungsansprachen hielten Stadtsyndikus Ludwig Götting sowie Oberbürgermeister Gustav Struckmann.

Die Säule wurde am Einweihungstag an die Stadt Hildesheim übergeben.

Die Feuerschale wurde erstmals entzündet.


Baubeschreibung

Als Basis des 20 m hohen Aussichtsturmes mit Befeuerungsmöglichkeit dient ein 11,30 m x 11,30 m quadratisches Fundament (Höhe über 2,50 m, größtenteils verdeckt durch Aufschüttungen), welches auf der Südwestseite bis zu 0,60 m und auf der Nordostseite bis zu 0,35 m oberhalb des Erdreiches zu sehen ist.

Darauf erhebt sich ein einstufiges quadratisches Podeststufe mit einer Kantenlänge von 11,06 m x 11,06 m und einer Höhe von 1,20 m (Tiefe der Podeststufe: 1,45 m umlaufend, im Bereich des Portals: 1,35 m).

Der quadratische Turmsockel hat eine Länge von 8,16 m x 8,16 m.

Eine Steintreppe mit sechs jeweils 2,70 m breiten Stufen führt auf der Eingangsseite im Südosten auf die erste Podeststufe zum Eingangsbereich des Turmes. Das wuchtige Eingangsportal aus Beton ist insgesamt 3,26 m x 2,40 m groß und kragt im unteren Bereich 0,10 m, im oberen Bereich bis zu 0,21 m aus. Die 2,36 m x 1,20 m große Eingangstür ist um 0,72 m zurückgesetzt.

Auf dem schlicht gehaltenen Eingangsportal oberhalb der Tür ist mit 0,31 m großen Buchstaben das Einweihungs-Datum

"1 APRIL 1905"

eingemeißelt. Oberhalb des 2,30 m hohen Sockels, als Übergang zum eigentlichen Turmschaft ist eine 7,56 m x 7,56 m breite und 0,30 m hohe Absatzstufe aufgesetzt.

Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit dreistufigem Oberbau zusammengehalten werden. Auf der Eingangsseite des Turmes sind auf zwei Ebenen insgesamt drei schmale schießschartenähnliche Fenster eingelassen, davon zwei parallel in Höhe unterhalb des umlaufenden Bandes und ein Fenster mittig darunter.

Ein plastisch hervorspringendes umlaufendes Band ziert im oberen Bereich des Turmschaftes das Bauwerk.

Auf der Südwestseite des Turmes ist unterhalb des Bandes mittig ein schmales Fenster eingelassen.

An dem aus Kalkstein gebauten Turm ist am Säulenschaft der Nordseite ein Reichsadlerrelief angebracht.

Der Turmschaft verjüngt sich nach oben hin und endet in etwa 12 m Höhe in einem auskragenden, vier Meter breiten Hauptgesims.

An der Oberkante (Turmkopf) hat das Bauwerk eine Seitenlänge von 4,56 m x 4,56 m.

Über eine Steintreppe mit 77 Stufen (im Abschluss Eisen-Wendeltreppe mit 20 Stufen) gelangt man zur Aussichtsplattform des Bismarckturmes.

Auf dem Turmkopf wurde eine Feuerschale aus Eisenblech angebracht. In dieser wurde zwecks Befeuerung Torf pyramidenförmig aufgeschichtet und mit Petroleum getränkt. Dadurch wurde eine Flammenhöhe von 3-5 m bei einer Brenndauer von zwei Stunden erreicht. Durch die Befeuerung mit Torf konnte der Funkenflug (wegen des nahegelegenen Waldes) in Grenzen gehalten werden.


Turmgeschichte

Das über der Eingangstür eingemeißelte Einweihungsdatum wurde erst nachträglich nach Kritik eines Hildesheimer Architekten (H. Wening) angebracht. Architekt Wening argumentierte am 28.04.1905, dass das eingemeißelte Einweihungsdatum die nachfolgenden Generationen an die Ereignisse jenes Jahres erinnern sollen.

Die Säule wurde bis 1918 jährlich zu Bismarcks Geburtstag befeuert (Angabe über alle Jahre hinweg nicht gesichert).

Bis in die 1930er Jahre zogen am Vorabend des 01. April Hildesheimer Bürger mit brennenden Fackeln zur Säule (außer im Jahr 1930).

Am 11.11.1935 und in den Folgejahren marschierten Hitler-Jungen zur Bismarcksäule, um an den dilettantischen Putschversuch Hitlers am 09.11.1923 in München und an das Gefecht bei Langemarck (am 10.11.1914 bei Langemarck/Belgien, welches zum Mythos verklärt wurde und zum Ehrentag der deutschen Jugend werden sollte) zu erinnern.

Im Zweiten Weltkrieg diente das Bauwerk als Flakstellung. Mitte der 1950er Jahre wurde die Säule wieder für Besucher geöffnet, nachdem sie über mehrere Jahre hinweg verschlossen war. Die Feuerschale war zu dieser Zeit bereits entfernt worden.

Das Bauwerk ist im August 2004 in einem äußerlich guten Zustand.

Zum 100-jährigen Turm-Jubiläum am 01.04.2005 fand keine gesonderte Veranstaltung statt. Dafür wurde das Bauwerk am 11.09.2005 (Tag des offenen Denkmals unter dem Thema "Krieg und Frieden") in den Mittelpunkt gerückt.


Öffnungszeiten:

Turm ist in den Sommermonaten geöffnet (Stand: 2016).


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 203-204
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von HILDESHEIM (Niedersachsen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 110 "Bismarck-Feuersäule bei Hildesheim", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes; 2. Jahrgang 1904 (Nr. 11/12, S. 9), 3. Jahrgang 1905 (Nr. 5, S. 6)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903: 2. Teil „Die Bismarck-Säule (Architekt Kreis) zu Hildesheim“
- Ruge, Rolf: „Der Bismarckturm“ in Galgenberg – Spurensuche in einem Hildesheimer Stadtviertel, Verlag Lax Hildesheim 2003, S. 147 – 152
- Kozok, Maike: „Die Bismarcksäule auf dem Galgenberg in Hildesheim“ in Hildesheimer Kalender 2005 – Jahrbuch für Geschichte und Kultur, Gerstenberg-Verlag 2005, S. 66-73


Fotografen

Jörg Bielefeld, Remscheid (August 2004, Oktober 2011)
Lars Lenzner, Hückeswagen (August 2005)