Update: 22.07.2012

Drachenköpfe als Säulenabschluss
Die Bismarcksäule in Hannover

Bauplanung

Ende 1898 plante die Studentenschaft in Hannover, eine Bismarcksäule in Hannover zu errichten. Bereits im Dezember 1898 zeichnete die städtische Lagerbierbrauerei 200 Mark für den Bau des Turmes.

Der Ausschuss der Studierenden der Kgl. Technischen Hochschule Hannover erließ am 26.01.1899 einen Aufruf zur Errichtung einer Bismarcksäule, welcher im Februar 1899 auch an die Bürgerschaft Hannovers gerichtet wurde.

Die geplante Höhe der Säule sollte 12 – 15 Meter betragen, die Kosten für den Bau einer Kreis‘schen Säule wurden auf 20.000 Mark geschätzt. Die Studenten schlugen vor, das Bauwerk an das Ende des an das neue Rathaus anschließenden Maschparks zu setzen.

Auf einer Versammlung der Studentenschaft im Frühjahr 1899 wurde beschlossen, eine Umlage der Studenten in Höhe von insgesamt 3.000 Mark zu erheben. Zudem wurde ein Ausschuss gewählt, der eine Veranstaltung zum Besten der Bismarcksäule planen und durchführen sollte. Das Königliche Oberpräsidium genehmigte der Studentenschaft eine namentliche Sammelliste zur Sammlung von Spendenbeiträgen. Ende März 1899 wurde die Sammelliste in Umlauf gegeben.

Der Magistrat aus Hannover zeigte sich mit der Standortwahl der Studentenschaft anfangs einverstanden. Der Magistrat teilte Baurat Eggers aus Berlin, der sich mit der Planung der Maschparks beschäftigte, den beabsichtigten Standort der Säule mit, damit dieser die Säule bei seiner Planung berücksichtigte.

Am 10.06.1899 eröffnete der Magistrat jedoch in einem Brief, dass die Säule „wegen ihrer schweren und wenig gegliederten Form nicht in den Rahmen des neuen Rathauses und Maschparks“ passen würde.

Das Stadtbauamt schlug am 01.07.1899 vor, den geplanten Turm in der Eilenriede oder in der Masch zu bauen. Der Standort in der Masch wurde vom Stadtbauamt favorisiert. Am 25.07.1899 nahm der Ausschuss den Vorschlag zur Kenntnis und entschied sich erst später endgültig für die Masch.

In der Bevölkerung, insbesondere bei den Sozialdemokraten und Welfen, regte sich Widerstand gegen den Bau einer Bismarcksäule in Hannover.

Bis Mai 1900 konnten 10.000 Mark an Spenden für den Turmbau gesammelt werden. Es wurde beschlossen, die jährliche Sonnenwendfeier am 21. und 22.06.1900 im Rahmen eines Basars durchzuführen. Zwecks Durchführung dieses Vorhabens wurde ein Ehrenkomitee, bestehend u.a. aus Professoren der Hochschulen, gebildet. Der Reinertrag dieses Festes betrug 11.000 Mark.

Nun wurde von den Studenten eine Bismarcksäulenbau-Kommission gewählt, welche die Vorarbeiten zur Errichtung planen und durchführen sollte.

Am 08.03.1901 entschied sich die Studentenschaft endgültig für den Standort der Säule in der Masch. Es wurde ein Platz am großen Teich in den Maschparkanlagen ausgewählt. Der genaue Standort in der Aegidienmasch war die Verlängerung der Achse der Geibelstraße im Süden der Stadt.

Nun wurden die Planungen für die Bismarcksäule einem erweiterten Ausschuss übergeben, bei dem alle Korporationen der Studentenschaft vertreten waren. Die maximalen Baukosten wurden auf 25.000 Mark festgesetzt.

Der Ausschuss entschied sich gegen den Bismarcksäulen-Standard-Entwurf „Götterdämmerung“ von Prof. Kreis, da der Entwurf aufgrund seiner Schlichtheit nicht in den modernen Park, in den der Maschpark in absehbarer Zeit gestaltet werden sollte, passen würde.

Im Mai 1901 wurde beschlossen, ein Preisausschreiben für einen neuen, für die Hannoveraner Verhältnisse geeigneten Entwurf durchzuführen.

Die Stadt Hannover erklärte sich bereit, die Fundamentierungskosten zu übernehmen und sich auch an den Kosten der Säule zu beteiligen.

Am 21.06.1901 fand in der Hochschule eine Bismarck-Gedenkfeier statt, an der neben den Spitzen der Behörden auch der Oberpräsident von Hannover, Graf Constantin zu Stolberg-Wernigerode (1843-1905), teilnahm. Bei der Feier sprach man die Hoffnung aus, bei der nächsten Sommersonnenwende die Flammen auf der geplanten Bismarcksäule entzünden zu können.

Im Oktober 1901 wurden die sechzig eingegangenen Wettbewerbsentwürfe im Saal des alten Rathauses ausgestellt. Am 21.10.1901 wurden fünf Entwürfe vom Preisgericht mit Ehrenpreisen ausgezeichnet. Die städtischen Kollegien sahen drei Entwürfe (von Sasse, Usadel und Osteroth) als geeignet für den Standort an.

Am 01.03.1902 entschied sich der Ausschuss der Studentenschaft für den Entwurf „Semnonenhain“ des Architekten Alfred Sasse aus Linden bei Hannover, welcher letztendlich mit einigen Änderungen zur Ausführung bestimmt wurde.

Da für die Durchführung des Bauvorhabens noch ca. 11.000 Mark fehlten, hoffte der Ausschuss, am 18.10.1902 den Grundstein für die Säule legen zu können. Die Grundsteinlegung musste verschoben werden, da die Genehmigung des Bezirksausschusses für die hochwasserfreie Aufschüttung des Säulenplatzes noch ausstand.

Im Dezember 1902 wurde ein Basar zum Besten der Bismarcksäule veranstaltet.

Der Ausschuss der Studentenschaft übertrug im Januar 1903 dem Baugeschäft Max Küster die Bauausführung. Die Kosten von 30.000 Mark sollten nicht überschritten werden.

Am 23.03.1903 begannen die Bau-Vorarbeiten. Die nun auf den 21.06.1903 vorgesehene Grundsteinlegung wurde wegen der gleichzeitig stattfindenden Einweihung der Bismarcksäule in Friedrichsruh auf den 30.06.1903 verschoben. Wegen eines Streiks und einer Aussperrung im Baugewerbe konnte die Grundsteinlegung erneut nicht stattfinden, sodass man die Veranstaltung endgültig auf den 18.10.1903 terminierte.

Die Feier der Grundsteinlegung begann bereits am Abend des 17.10.1903 mit einem Kommers der Studentenschaft beider Hochschulen im Metropoltheater. Am 18.10.1903 zog zur Mittagszeit die Studentenschaft mit ihren Korporationen neben weiteren Besuchern zum Denkmalsplatz in der Masch.

Unter den Ehrengästen befanden sich die Vertreter der Staats-, Kommunal- und Militärbehörden. Die Festrede hielt der Vorsitzende des Studentenausschusses der Technischen Hochschule, anschließend sprach Senator Gustav Fink (1854-1933) als Vertreter der Stadt Hannover. Nach Verlesung der Urkunde wurde diese in ein Metallbehältnis gelegt, welches danach verlötet und in den Grundstein versenkt wurde.

Abends fand ein Fackelzug der Studenten von der Stadt zum Denkmalsplatz statt. Die Studenten bildeten um den Grundstein einen Feuerkreis und warfen nach Erklingen des „Gaudeamus“ die Fackeln zu einem Bismarckfeuer zusammen.

Der beim Fackelzug erwartete Protest der Welfen trat nicht ein, obwohl bereits am Morgen der Grundsteinlegung „an allen Straßenecken große Plakate“ hingen, mit denen „feierlich protestiert“ wurde „gegen eine derartige Beschimpfung der königstreuen Hannoveraner“, weil es „Schimpf und Schande“ sei „auf annektiertem Grund und Boden“ und „aus ihren eigenen Steuerbeträgen […] ein Denkmal zu setzen“.

Die Gesamtkosten für den Turmbau betrugen letztendlich 43.000 Mark ohne Bauplatz und durchgeführte Erdbewegungen. Insgesamt 3.000 Mark betrug das Honorar für den Bauleiter, weitere 3.000 Mark wurden für Bildhauerarbeiten ausgegeben.

Die Baukosten hatten sich u.a. durch Mehrarbeiten erhöht. Es mussten, wie von der Baupolizei gefordert, die Fundamente verbreitert und die Mauerstärken beim Säulenschaft verstärkt werden.


Bauarbeiten

Die Bauleitung übernahm Architekt Alfred Sasse aus Hannover-Linden, die Arbeiten wurden vom Baugeschäft Max Küster aus Hannover ausgeführt. Die bildhauerischen Arbeiten übernahm Bildhauer E. Herting aus Hannover.

Die Säule und die Terrasse wurden aus roh behauenen Sandbruchstein-Blöcken aus dem nahegelegenen Deistergebirge (Nesselberger Sandstein-Granit) errichtet.

Ende August 1904 war der Rohbau des Turmes fast vollendet, lediglich einige Arbeiten am Relief, an den Terrassen und den Freitreppen mussten noch durchgeführt werden. Am 10.10.1904 sollten die restlichen Arbeiten beendet sein, um die Einweihung am 18.10.1904 ordnungsgemäß durchführen zu können.

Am Vorabend der Einweihung (Mo., 17.10.1904) fand, wie auch bei der Grundsteinlegung, ein Kommers beider Hochschulen im Metropoltheater statt.


Turmbeschreibung

Der 19,50 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit wurde auf einem 3.200 m² umfassenden und erhöhten Plateau in der Masch errichtet.

Die Säule erhob sich auf einem dreistufigen, zwei Meter hohen Unterbau mit einer rechteckigen Grundfläche von 16,30 m x 7,00 m. Die dritte Podeststufe war mit einer steinernen Brüstung versehen.

Über eine sechs Meter breite Freitreppe aus Sandstein auf der Ostseite (Stadtseite) des Turmes mit 14 Stufen gelangte man über die Podeststufen hinweg zum Eingangsbereich. Durch eine Doppelflügeltür (2,50 m x 2,00 m) gelangte man ins Innere des Turmes.

Mittig der 6,50 x 7,00 m großen Grundfläche der dritten Podeststufe erhob sich pyramidenförmig der Turmkörper der Säule. Oberhalb des Einganges war ein Bismarck-Porträtrelief, darunter der Name BISMARCK, angebracht.

Auf den drei anderen Turmseiten war in Höhe von 2,50 m auf einem umlaufenden Band die Inschrift

"BISMARCK-SÄULE DER STUDENTENSCHAFT HANNOVER 1903"

zu lesen. Auf der Rückseite befand sich eine steinerne Figur, ein germanischer Jüngling mit Schläger (dieser sollte die Studentenschaft symbolisieren).

Das Bauwerk besaß zwei Aussichtsplattformen, die über einen Innentreppe erreichbar waren. Die erste Aussichtsplattform in 14 m Höhe wies auf jeder Seite mittig große Fensteraussparungen auf. Links und rechts der Aussichtsfenster waren jeweils zwei runde "germanische" Kupferschilde (Rosetten) angebracht.

Direkt unterhalb der vier Aussichtsfenster war jeweils ein steinernes Wappen mit den folgenden Motiven angebracht:

1. Reichsadler (Ostseite)
2. Stadt Hannover (Nordseite)
3. Wappen der Provinz Hannover (Südseite)
4. Bismarck-Wappen (Westseite)

Die zweite Aussichtsplattform mit jeweils zwei Fensteröffnungen auf jeder Seite lag unmittelbar unter dem Turmkopf mit der Feuerbecken-Konstruktion.

Die Spitze des Turmes bildete das in vier Drachenköpfe auslaufende, aus acht Feuerschalen zusammengesetzte Feuerbecken. Dieses Feuerbecken sollte einen germanischen Weihkessel symbolisieren.

Die acht eisernen Feuerschalen mit kupferner Umwallung ruhten auf einem Betonsockel. Die 3.000 Mark teure und 2,85 m hohe Konstruktion mit einem Durchmesser von 3,25 m wurde von der Firma Gebr. Söhlmann gefertigt. Zwei der Feuerschalen hatten einen Durchmesser von 20 cm, die anderen sechs Schalen einen Durchmesser von 30 cm.

Zur Befeuerung wurden bis 1910 vier Fässer Illuminationspech der Fa. Karl Neß aus Jena verwendet (Gewicht/Kosten pro Fass 75 kg/7,50 Mark), welches in die acht Feuerschalen gefüllt wurde. Bei der Befeuerung wurde eine Flammenhöhe von 5-6 Meter bei einer Brenndauer von 2-3 Stunden erreicht.


Turmgeschichte

Die Einweihung der Säule erfolgte am Di., 18.10.1904 im Rahmen einer Feier. Auf Einladung der Studentenschaft versammelten sich um 13 Uhr die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden, die Lehrer der beiden Hochschulen und Abordnungen der Studentenschaft an der Säule.

Der Vorsitzende des Ausschusses der Tierärztlichen Hochschule hielt die Festansprache, der Rektor der Technischen Hochschule, Prof.  Dr. Barkhausen, die Weiherede. Anschließend übergab Architekt Sasse den Schlüssel zur Säule an die Studentenschaft. Im Namen der Studentenschaft übernahm der Vorsitzende der Kommission zur Errichtung der Bismarcksäule den Schlüssel und übergab die Bismarcksäule an Stadtsyndikus Eyl, der diese in Obhut der Stadt nahm. Die einzelnen studentischen Verbindungen legten anschließend Kränze mit Widmungsschleifen an den Stufen der Säule ab.

Die Feier endete abends mit einem Fackelzug der Studenten beider Hochschulen von der Stadt zur Bismarcksäule, die die Feuerschale auf dem Turmkopf erstmals entzündeten

Ende März 1905 wurde die Säule mutwillig beschädigt. Zur Sonnenwendfeier 1905 zogen die Studenten beider Hochschulen mit Fackeln zur Säule.

Am 01.04.1906 fand eine kurze Feier an der Bismarcksäule statt, deren Unterbau zu dieser Zeit zum großen Teil unter Wasser stand. Zur Sommersonnenwende 1906 fand wie im Jahr zuvor ein Fackelzug zur Säule statt.

In den Jahren 1906 und 1907 zeigten sich Baumängel, größere Strecken der gemauerten Abdeckung an der Stufenterrasse waren wegen des Senkens der Hinterfüllung eingebrochen. Das Mosaikpflaster wies Beschädigungen auf.

Im Frühjahr 1910 plante der Bismarck-Ausschuss, die Befeuerung auf das Verbrennen flüssiger Brennstoffe umzustellen. Dazu wurde auf dem Hof der Gebrüder Körting eine Probe mit Streudüsen dieser Firma vorgenommen. Ab 1911 wurde die Säule jeweils mit 300 l Benzol befeuert, welches durch 20 kg Kohlensäure nach oben gepresst und durch Streudüsen fein zerstäubt wurde.

Am 10.05.1933 war die Säule Veranstaltungsort der Bücherverbrennung in Hannover, welche vom studentischen Kampfausschuss initiiert und gesteuert war. Am 24.09.1933 fand vor dem Bauwerk der Aufmarsch des „Stahlhelm-Bundes der Frontsoldaten“ anlässlich dessen Anschlusses an die SA statt.

Im Jahr 1935 wurde geplant, die Bismarcksäule wegen des Maschsee-Baus (1934 – 1936) zu versetzen. Am 03.05.1935 wurde der Abbruch angeordnet. Da ein Wiederaufbau an anderer Stelle vorgesehen war, wurde die Säule sorgfältig abgetragen  und aufgehoben.

Am 26.11.1935 wurde die Aegidienmasch geflutet.

Im Jahr 1938 entschied die Stadt Hannover endgültig, die Bismarcksäule nicht wieder zu errichten.


Links (ehemaliger Standort)

Google Maps

Google Earth

Informationen zum Bau des Maschsees (PDF-Datei)


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 191-192
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM (SÄULE) von HANNOVER (Niedersachsen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 109 "Bismarck-Feuersäule zu Hannover", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 2, S. 3; Nr. 4, S. 4), 2. Jahrgang 1904 (Nr. 2, S. 3; Nr. 6, S. 2; Nr. 9, S. 2, Nr. 11/12, S. 9), 3. Jahrgang 1905 (Nr. 2, S. 4; Nr. 8, S. 11), 4. Jahrgang 1906 (Nr. 7/8, S. 114), 5. Jahrgang 1907 (Nr. 5, S. 72; Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, Nr. 46: "Die Bismarck-Säule zu Hannover"
- Zentralblatt der Bauverwaltung, 08.03.1902, S. 120