Update: 13.04.2016

Bismarck als Roland über dem Eingang
Der Bismarckturm in Bad Pyrmont

Bauplanung

Nach Bismarcks Tod am 30.07.1898 beschlossen fünf Bismarck-Verehrer aus Pyrmont und Oesdorf, auf dem Königsberg einen Bismarck-Aussichtsturm mit einem Reliefbildnis Otto von Bismarcks zu errichten. Bei den fünf Bismarck-Verehrern handelte es sich um Forstmeister Dr. Hartwig und Zeitungsverleger Gustav Bermann aus Pyrmont sowie Bürgermeister Frese, Lehrer Knüppel und Herrn Baumbach aus Oesdorf.

Der Plan fand in der Bürgerschaft Zustimmung, sodass ein Ausschuss zur Errichtung eines Bismarckturmes gebildet wurde, um die erforderlichen Gelder durch Spendensammlungen zu bekommen. Vorsitzender des Ausschusses war Gustav Bermann.

Die Fürstliche Domänenkammer des Fürstentums Waldeck-Pyrmont stellte den Bauplatz auf der Südseite des Königsberges zur Verfügung. Zudem wurde gestattet, Dolomit vom Königsberg als Baumaterial für den Turm gegen einen geringen Betrag zu brechen.

Der Ausschuss beauftragte Baumeister Riemenschneider, einen Entwurf für einen 31 m hohen Bismarckturm zu erstellen.

Unter Beteiligung zahlreicher Vereine wurde der Grundstein im Jahr 1901 feierlich gelegt. Da die Geldspenden nicht wie erwartet flossen, konnte der Bau des Bismarckturmes nicht beginnen.

Erst Ende 1907 wurden die Pläne zur Errichtung des Bismarckturmes wieder aufgenommen. Am 30.07.1908, genau zehn Jahre nach Bismarcks Tod, beschloss der Ausschuss, einen neuen Versuch zu starten, um Geldmittel für den Turmbau zu sammeln. In der Werkstatt des Bildhauers Oswald Rommel aus Hannover wurde ein 1 m hohes Gipsmodell des geplanten Turmes angefertigt und nach erhaltener Genehmigung des Fürsten Friedrich von Waldeck (1865-1946) ausgestellt.

In allen umliegenden Gemeinden wurden Sammlungen von Haus zu Haus durchgeführt. Die Spar- und Leihkasse stiftete 2.000 Mark für den Turmbau. Die Ausrichtung eines Blumentages im Jahr 1911 brachte 4.300 Mark ein, sodass der Baufonds auf 10.200 Mark anstieg.

Der Ausschuss schrieb aufgrund des hohen Spendenaufkommens die Ausführungsarbeiten unter der Bedingung aus, dass möglichst einheimische Handwerker beschäftigt wurden.

Die Gesamtkosten für den Turmbau betrugen ca. 30.000 Mark.


Bauarbeiten

Im Juni 1912 wurde der Grundstein der größeren Sicherheit wegen ca. 50 m nach Norden, auf den höchsten Punkt des Königsberges (238 m über NN), verlagert.

Mit der Bauausführung wurde die Fa. Siebold & Co. aus Holzminden beauftragt. Die Bauleitung übernahm Baumeister Riemenschneider aus Pyrmont.

Als Baumaterial wurde Dolomit vom Königsberg verwendet, der mit Zementmörtel vermauert wurde.

Bereits Ende des Jahres 1912 war der Turmbau vollendet. Die Einweihung des Bauwerks wurde zunächst auf Mai 1913 festgelegt. Bis zu diesem Termin wollte man das Plateau umgestalten und einen bequemen Fahrweg zum Turm anlegen. Da die Bildhauerarbeiten im Mai 1913 noch nicht beendet waren, wurde die Einweihung auf den 24.08.1913 verschoben.


Turmbeschreibung

Der 27 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungseinrichtung hat einen viereckigen Grundriss. Der Turm lässt sich in Sockelbereich, Turmschaft und Turmkopf gliedern.

Turmsockel

Der Eingangsbereich des etwa 5 m hohen viereckigen Sockels liegt auf der Westseite des Turmes. Über zwei Stufen gelangt man zur Doppelflügeltür mit Rundbogenabschluss. Durch das Eingangsportal erreicht man einen Raum im Turmsockel, der als Gaststube mit Theke und Bestuhlung für Ausflügler geschaffen worden war.

Auf der Nord- und Südseite schließt der Sockelbereich mit dachförmig abgestuften Verstärkungen ab, aus denen der Turmschaft herauszuwachsen scheint.

Turmschaft

Der Turmschaft verjüngt sich leicht nach oben. Auf der Eingangsseite (Westseite) ist ein 5 m hohes Bismarckstandbild aus Kalkstein angebracht, welches Bismarck als Roland (in Rüstung und auf einem Schwert aufgestützt) darstellt. Der Roland wurde von den Bildhauern Fritz Volcke aus Waldeck und Laun aus Holzhausen aus Kalksteinquadern gefertigt.

Im Treppenhaus (1. Etage, nach 3 x 8 Stufen) wurde eine Ehrentafel in Holz mit der Inschrift

"Ehrentafel/
der Förderer des Turmbaus:/
Fürstl. Waldeck. Domänenkammer./
Spar- und Leihkassen-Verein Pyrmont./
Gesellschaft "Spelunke" Pyrmont./
Karl Riemenschneider, Fürstl. Baukommissar,/
Erbauer des Turmes/
1913
"

angebracht.


Turmkopf

Der Turmkopf (Aussichtsgeschoss) kragt leicht nach allen Seiten aus und wirkt wie ein aufgesetzter Helm. Durch große Rundbögen auf jeder Seite ist von der überdachten 1. Aussichtsplattform eine Aussicht nach allen Seiten möglich. Über eine Wendeltreppe gelangt man zur oberen Aussichtsetage.

Die obere Aussichtsplattform wird von schmalen, zusammenlaufenden Streben (hohe Halbbögen) abgeschlossen, auf der mittig die Feuerschale installiert ist.

Die vier hohen Strebebögen mit der aufgesetzten Feuerschalenkonstruktion bilden eine Art Kronenabschluss.

Die Befeuerung erfolgte durch trockenes Brennholz, Holz von Teer- und Farbfässern sowie alte Farbe.


Besteigung des Turmes

Nach Betreten der Gaststube gelangt man linkerhand zum Treppenhaus. Über 24 Stufen an der Wand entlang erreicht man die 1. Etage des Turmes, welche mit einer Holztür verschließbar ist. Über 9 x 8 Steinstufen (rechtsdrehend) sowie eine Metallwendeltreppe mit 21 Stufen gelangt man zur Aussichtsgalerie. Über weitere 22 Stufen einer Metallwendeltreppe erreicht man die obere Plattform des Turmes (Gesamtstufenzahl: 139 Stufen).

Den Keller-Raum des Bauwerkes erreicht man vom Gastraum über eine Treppe nach unten.


Turmgeschichte

An der Einweihungsfeier am 24.08.1913 nahmen 32 Vereine und alle Schulen der Umgebung teil. Nach einem Festzug zum Turm wurde das Bauwerk in Anwesenheit des Landesdirektors von Waldeck-Pyrmont, des Kreisvorstandes und der Gemeindeverbände im Rahmen einer Feier eingeweiht. Anschließend wurde der Turm in die Obhut des Kreises übergeben.

Im Erdgeschoss wurde im Jahr 1913 ein Trinkstübchen (Gastraum) eingerichtet. Der Kellerbereich wurde als Küche angelegt.

Pyrmont wurde im Jahr 1914 in Bad Pyrmont umbenannt.

Im Jahr 1917 waren die Schulden für den Turmbau noch nicht beglichen, es fehlten noch 16.000 Mark. Eine große Anzahl Pyrmonter Bürger hatten Bürgschaften übernommen. Die Spar- und Leihkasse, die die 16.000 Mark geliehen hatte, erließ den Bismarckturm-Ausschuss die gesamte Summe unter der Bedingung, dass die Rechte für den Turm an die Spar- und Leihkasse übergingen.

Jeweils zum 01.04. (Bismarcks Geburtstag) wurde die Feuerschale auf dem Turmkopf in den ersten Jahren befeuert.

Im Jahr 1922 wurde die Stadt Bad Pyrmont Eigentümerin des Bismarckturmes, da sie Trägerin der Sparkasse wurde.

Die Strebebögen und die Feuerschale wurden nach 1970 entfernt.

Heute befindet sich an jeder oberen Turmecke jeweils eine kleine Feuerschale.

Aufgrund von Feuchtigkeitsschäden im Turm ist eine Bewirtung im Gastraum seit 2009 nicht mehr möglich. Im Juli 2012 wurden Sanierungsarbeiten geplant; im Juli 2013 begannen die Arbeiten am Turm und wurde im Oktober 2013 abgeschlossen.

Eine privat organisierte Feier zum 100-jährigen Turmjubiläum fand am 24.08.2013 am Bismarckturm statt.

Ende September 2014 verließ die bisherige Pächterin den Bismarckturm (mit angeschlossener Gastronomie), ein Nachfolger wurde bis April 2016 nicht gefunden.


Öffnungszeiten (Stand: April 2016)

Der Bismarckturm ist seit Oktober 2014 bis auf Weiteres geschlossen.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 181-182
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von BAD PYRMONT (Niedersachsen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 186 "Bismarck-Feuersäule zu Bad Pyrmont", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 5. Jahrgang 1907 (Nr. 12, S. 216), 9. Jahrgang 1911 (Nr. 11, S. 202/203), 10. Jahrgang 1912 (Nr. 2/3, S. 35), 11. Jahrgang 1913 (Nr. 11/12, S. 170)


Fotografen

- Katja Bielefeld (+), Iserlohn (September 2002, November 2004)
- Ralph Männchen, Dresden (April 2004)
- Lars Lenzner, Hückeswagen (August 2005)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (November 2008)