Update: 07.02.2013

Der Wiesbadener Eiffelturm
Der Bismarckturm in Wiesbaden

Vorbemerkung

Der höchste jemals gebaute Bismarckturm war ein 50 m hohes, hölzernes Provisorium. Auf der Bierstadter Höhe, in der Nähe des Wartturms, wurde im Juni 1910 ein hölzerner Aussichtsturm zur Bestimmung der Lage und Höhe einer geplanten massiven Bismarcksäule aufgestellt (im Volksmund "Wiesbadener Eiffelturm" genannt).


Bauplanung (Teil 1)

Aus Anlass der Enthüllung des Bismarck-Denkmals auf dem Wilhelmplatz (Bismarckplatz) in Wiesbaden am 08.10.1898 kam der Gedanke auf, in Wiesbaden einen steinernen Bismarckturm mit elektrischem Fahrstuhl zu errichten. Das Komitee des Bismarck-Denkmals erklärte sich bereit, den Überschuss des Denkmalfonds für den Bismarckturm zu spenden.

Aus finanziellen Gründen konnte der Bau eines Bismarckturmes zunächst nicht ausgeführt werden. Im Jahr 1907 wurde dieser Gedanke wieder aufgegriffen.

Am 10.04.1907 lud Regierungsrat Kantel zu einer Versammlung ein, auf der ein geschäftsführender Ausschuss für die Errichtung einer Bismarcksäule in Wiesbaden gewählt wurde. An der Spitze des Ausschusses waren Regierungsrat Kantel, Kommerzienrat Bartels, Stadtverordneter Wilhelm Neuendorff (Schriftführer) und Bankier Dr. Fritz Berlé (Schatzmeister) tätig.

Als Bauplatz wählte der Ausschuss einen 30.000 m² großen Platz auf der Bierstadter Höhe in der Nähe des Wartturmes.

Im Dezember 1907 erschien ein erster Spendenaufruf in der örtlichen Zeitung für einen 50 m hohen Turm. Als Baukosten waren 100.000 Mark veranschlagt.

Bis Anfang 1909 waren erst 26.000 Mark an Spenden zusammengekommen.

Am 02.09.1902 fand im Kurhaus Wiesbaden ein "Monster-Konzert" zum Besten des Bismarckturmes statt.

Bei einer Sitzung des engeren Ausschusses Anfang September 1909 wurde festgestellt, dass die Spenden nur noch spärlich flossen. Der Vorschlag des Architekten- und Ingenieurvereins, auf dem Bauplatz ein 50 m hohes Gerüst aufzustellen, welches bis zu einer Höhe von ca. 25 m für Besucher besteigbar war, wurde zugestimmt. Ein Flaggenmast mit Korb sollte die genaue Höhe der späteren Bismarcksäule kennzeichnen.

Die geplante Fertigstellung des hölzernen Gerüstes für Februar/März 1910 konnte nicht eingehalten werden.


Bauarbeiten (Holzturm)

Die Beton-Fundamentierungsarbeiten wurden von der Fa. Dyckhoff & Widmann aus Biebrich durchgeführt. Die Zimmererarbeiten übernahm die Fa. Carstens aus Wiesbaden. Beide Firmen arbeiteten zum Selbstkostenpreis. Als Baumaterial wurden 30 m³ Holz verwendet.

Am 14.05.1910 erfolgte die Bauabnahme des Gerüstes, das nach Fertigstellung auch als „Wiesbadener Eiffelturm“ bezeichnet wurde.

Am So., 22.05.1910 wurde das Gerüst für Besucher frei gegeben. Erwachsene Besucher zahlten 20 Pfennig, Schüler, Studenten und Soldaten 10 Pfennig für den Eintritt. Die Eintrittsgelder sollten für den Bau der massiven Bismarcksäule verwendet werden.


Bauplanung (Teil 2)

Ende Dezember 1911 war der Turmfonds auf insgesamt gut 47.000 Mark angewachsen.

Bei einer Sitzung des engeren und des weiteren Ausschusses am 23.03.1912 wurde vom 1. Vorsitzenden Kantel der Vorschlag gemacht, die Namen der Spender von 5.000 Mark oder mehr auf einer speziellen Ehrentafel in der geplanten Gedächtnishalle des Turmes zu verewigen. Der Vorschlag wurde angenommen. Zudem wurde beschlossen, dass der Turmbau ab einer Spendensumme von 70.000 Mark starten sollte. Die Durchführung eines speziellen Entwurfs-Wettbewerbes wurde abgelehnt.

Für den provisorischen Bismarckturm wurde 1912 ein neuer Turmwart eingestellt. Das Bauwerk war jährlich ab dem 01.04. an Vor- und Nachmittagen geöffnet. Am 01.04.1912 (Bismarcks Geburtstag) wurde das Bauwerk mit einer Flagge geschmückt.

Am 08.12.1912 veranstaltete der Männer-Turn-Verein ein Schauturnen im Paulinenschlösschen zu Gunsten der Bismarcksäule. Im Jahr 1913 erhöhte sich der Turmfonds um weitere 18.000 Mark auf insgesamt 65.000 Mark.

Bei der Jahresversammlung des engeren und des weiteren Ausschusses am 16.03.1914 wurde festgestellt, dass die Spendensumme knapp 80.000 Mark betrug. Da für einen „würdigen Bau“ eines steinernen Bismarckturmes nun insgesamt 175.000 Mark benötigt wurden, wurde der Baubeginn verschoben. Es wurde geplant, zum 100. Geburtstag von Bismarck am 01.04.1915 den Grundstein legen zu können. Weitere Pläne zur Gewinnung weiterer Spenden waren Blumenverkäufe und ein Kommers im Kurhaus.

Aufgrund des Ausbruchs des 1. Weltkrieges konnten die Pläne zum Bau des steinernen Turmes nicht weiter verfolgt werden.


Turmbeschreibung (Holzturm)

Auf ein Beton-Fundament (Grundriss 9 m x 9 m) wurde ein sich nach oben verjüngender Holzturm als Aussichtsturm ohne Befeuerungsmöglichkeit errichtet. Die obere Aussichtsplattform war 2,50 m x 2,50 m breit.

Über eine Treppenanlage konnte man die erste Besucherplattform in ca. 26 m Höhe erreichen. Von hier aus konnten mutige Bürger auf eigene Gefahr über fest angebrachte Leitern die oberste Aussichtsplattform in 50 m Höhe erklimmen.


Turmgeschichte

Im Jahr 1916 wurde der Holzturm für Besucher gesperrt, um einen Beobachtungsposten für die Flugabwehr einzurichten. Im Jahr 1918 war der Bismarckturm nicht mehr standsicher. Der Turm wurde im Januar 1919 wegen Baufälligkeit abgerissen.

Die geplante massive Bismarcksäule wurde nie verwirklicht.


Links (ehemaliger Standort)

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 407/408
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von WIESBADEN (Hessen)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 5. Jahrgang 1907 (Nr. 7/8, S. 103; Nr. 12, S. 216), 6. Jahrgang 1908 (Nr. 4, S. 58), 7. Jahrgang 1909 (Nr. 4, S. 67), 8. Jahrgang 1910 (Nr. 1/2, S. 22; Nr. 4, S. 63), 10. Jahrgang 1912 (Nr. 6, S. 76), 12. Jahrgang 1914 (Nr. 4/5, S. 51)
- Mai, Bernd-Günther: „Die Bismarcksäule auf der Bierstadter Höhe“, Erbenheimer Anzeiger vom 17.02.1989