Update: 09.11.2016

Der Turm auf dem Taufstein
Der Bismarckturm in Schotten

Bauplanung

Der im Jahre 1881 gegründete "Vogelsberger Höhen-Club" (VHC) plante bereits im Gründungsjahr die Errichtung eines Aussichtsturmes auf dem Vogelsberg, um u.a. den Tourismus zu fördern. Kurz darauf wurden in Schotten und Ulrichstein von VHC-Mitgliedern Spenden gesammelt, um den Plan verwirklichen zu können.

Im Jahr 1883 wurde ein hölzernes Vermessungsgerüst der Europäischen Gradvermessungskommission aufgekauft und mit einem Kostenaufwand von 300 Mark zu einem Aussichtsturm umgebaut. Bereits im Jahr 1898 wurde dieser Aussichtsturm baufällig und musste abgerissen werden.

Der VHC plante zudem, das hölzerne Vermessungsgerüst der trigonometrischen Abteilung des „Großherzoglichen Generalstabs“ auf dem Taufstein (774 m ü. NN) aufzukaufen und als Aussichtsturm umzubauen. Der Ankauf scheiterte im Jahr 1890 am zu hohen Preis. Der Großherzogliche Generalstab erlaubte trotzdem den Einbau von Treppen und einer Plattform. Auch dieser hölzerne Turm musste 1898 wegen Baufälligkeit abgerissen werden.

Daraufhin stiftete der VHC-Zweigverein Lauterbach 3.000 Mark für die Errichtung eines neuen massiven Aussichtsturmes. Im Jahr 1900 schlug der VHC-Zweigverein Hirzenhain vor, diesen geplanten Aussichtsturm als Bismarckturm zu errichten. Dieser Vorschlag wurde angenommen und ein Bauausschuss unter Vorsitz von Hugo Buderus gebildet. Ab 1902 wurden Spendengelder gesammelt.

Da die gesammelten Gelder für den auf 21.000 Mark veranschlagten Turm nicht ausreichten, wurde ein Bauausschuss unter Vorsitz des Kommerzienrates H. Buderus aus Hirzenhain (später Oberforstrat Dietenbach aus Schotten) gegründet, der die Finanzierung, Planung und den Bau vorantrieb. Innerhalb des Vereins konnten bis zur Grundsteinlegung am 13.07.1907 insgesamt 15.000 Mark Spenden gesammelt werden.

Den Entwurf des Turmes mit quadratischem Grundriss fertigte Architekt Ludwig Hofmann aus Herborn im Jahre 1906.

Die Gesamtkosten für den Turmbau betrugen 21.000 Mark.


Bauarbeiten

Die Bauausführung erfolgte durch die Firma H. Winn u. Co. aus Gießen. Als Baumaterial wurde Basaltstein verwendet.

Die Grundsteinlegung am 13.07.1907 wurde feierlich begangen.

Nur knapp zwei Monate nach der Grundsteinlegung (06.09.1907) stürzte der bereits bis zum 1. Stock fertig gestellte Turm zusammen. Daraufhin erfolgte eine zweite Grundsteinlegung.

Erst drei Jahre später (04.07.1910) konnte der Turm feierlich eingeweiht werden.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Der 22 m hohe Aussichtsturm mit Feuerschale hat einen viereckigen Grundriss. Das Bauwerk ist im Sockelbereich stark ausladend.

Der Turmschaft erhebt sich oberhalb des Sockels und verjüngt sich zunächst leicht nach oben hin, um im Bereich der viereckigen Plattform leicht auszukragen.

Mittig des Turmkopfes wurde ein Feuerbecken auf einem runden Aufsatz angebracht. Die Feuerschale wurde ursprünglich mit Holz mit Teerzusatz befeuert.

Der Eingang auf der Südwestseite ist als Rundbogen ausgebildet und über drei Steinstufen zu erreichen. Durch eine Holztür betritt man eine Halle, von der linksseitig eine linksdrehende Steintreppe abgeht. Über 23 Steinstufen erreicht man die 1. Etage. Von dort aus führt linksseitig eine rechtsdrehende Steintreppe 57 Stufen über mehrere Absätze zur 2. Etage. Eine linksdrehende Metallwendeltreppe mit 21 Stufen (ehemals Holzwendeltreppe mit 20 Stufen) führt von der rechten Seite bis zur metallenen Ausgangstür der viereckigen Plattform.


Turmgeschichte

Am 04.07.1910 fand die Turm-Einweihung im feierlichen Rahmen statt. Die Festrede hielt Prof. Bender aus Frankfurt/Main, die Weiherede wurde von Lehrer Link aus Rudingshain gehalten.

Im Jahr 1952 entwarf Pfarrer Herman Knodt aus Bad Nauheim das Wappen für den Landkreis Büdingen. Dieses Wappen, welches am 16.06.1952 vom hessischen Innenminister genehmigt wurde, zeigt den Bismarckturm auf dem Taufstein (Gültigkeit des Wappens bis zur Zusammenlegung der Landkreise Friedberg und Büdingen am 01.08.1972).

Am 16.07.1990 wurde der Turm nach dem hessischen Denkmalschutzgesetz zum "Kulturdenkmal" erklärt.

Nach mehreren kleineren Sanierungen nach 1945 musste das Bauwerk 1992 nach einem Orkan wegen Baufälligkeit gesperrt werden. Der Vogelsberger Höhen-Club (VHC) startete im Dezember 1994 die Aktion "Rettet den Bismarckturm", um Spenden für den Erhalt des "markantesten Baudenkmals im Naturschutzgebiet auf dem Taufstein im Naturpark Hoher Vogelsberg" zu sammeln.

1996/1997 wurde der Bismarckturm für 750.000 DM (nach anderer Quelle 610.000 DM) grundlegend saniert. Die Arbeiten am Bismarckturm, die von der Fa. Konrad Ahrens aus Bad Vilbel unter Leitung des Architekten Bechthold aus Lich durchgeführt wurden, waren am 01.08.1997 beendet, so dass das Bauwerk am 14.09.1997 feierlich wiedereröffnet werden konnte. Das Bauwerk erhielt u.a. eine Eingangstür aus Metall, am Turm wurde außen ein Relief mit der Inschrift

BISMARCK-
TURM
ERBAUT VON
1906 BIS 1910

angebracht.

Bis 1996 hatte der VHC den Bismarckturm vom Land Hessen gepachtet. Nach Abschluss der Sanierung und Ablauf des Pachtvertrages wurde ein neuer Vertrag zwischen dem VHC, der Stadt Schotten, dem Vogelsbergkreis und dem Zweckverband "Naturpark Hoher Vogelsberg" geschlossen, um eine dauerhafte Betreuung des Bismarckturmes durch den Naturpark bei finanzieller Beteiligung (Sonderumlage) der anderen Vertragspartner zu sichern. Seitdem kümmert sich das Forstamt Schotten um das Bauwerk.

Im Februar 2002 wurde der zuvor zugängliche Turm wegen herabfallender Teile des Innenputzes gesperrt. Seit Juli 2003 ist der Turm wieder zugänglich.

Am 30.05.2010 ab 09:00 Uhr wurde das 100-jährige Jubiläum des Bismarckturmes gefeiert. Zu diesem Zweck wurde der Aussichtsturm Ende April 2010 wegen "freiliegender Metallteile" und dadurch bedingter Ausbesserungsarbeiten gesperrt. Die Außenfassade wurde gesäubert und einige Fensterteile wurden ausgewechselt.

An der Feier nahmen - trotz schlechten Wetters - 120 Besucher teil.

Im November 2016 wurden für 6.500 € Hinweistafeln (verzinkte Stahltafeln mit Reliefform der Umgebung des Turmes) zur Orientierung der Besucher auf der Plattform angebracht.

Der Bismarckturm liegt im Naturschutzgebiet "Blockfelder am Taunusstein".


Ansprechpartner:

Vogelsberger Höhenclub
Beundestr. 26
63667 Nidda


Links

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Vogelsberger Höhen-Club e.V.

360° Fotos (Bild 1 / Bild 2 / Bild 3)


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 356
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM auf dem TAUFSTEIN b. Schotten (Hessen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 167 "Bismarck-Feuersäule auf dem Taufstein im Vogelsgebirge", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 2. Jahrgang 1904 (Nr. 2, S. 3: Nr. 11/12, S. 10), 3. Jahrgang 1905 (Nr. 11, S. 11), 4. Jahrgang 1906 (Nr. 7/8, S. 113), 5. Jahrgang 1907 (Nr. 3, S. 43; Nr. 5, S. 71; Nr. 12, S. 217), 6. Jahrgang 1908 (Nr. 5, S. 81), 8. Jahrgang 1910 (Nr. 4, S. 63; Nr. 7/8, S. 119)
- Raven, Peter: Broschüre „Rettet den Bismarckturm“, hrsg. vom Hauptvorstand des Vogelsberger Höhen-Clubs 1994


Bildmaterial

- Jörg Bielefeld, Remscheid (Juni 2003)
- Vogelsberger Höhen-Club e.V. (Mai 2010)
- Robert Waibel (September 2010)

AK Bismarckturm Schotten
AK Bismarckturm Schotten
AK Bismarckturm Schotten (Zeichnung)