Update: 06.07.2017

Die neue "Mengeringhäuser Warte"
Der Bismarckturm in Mengeringhausen (Bad Arolsen)

Bauplanung und Umbenennung

Herr Rohling aus Dortmund hatte beim Heimatfest (das alle sieben Jahre stattfindende Freischieß-Fest) im Jahr 1881 den Antrag gestellt, die verfallene Warte in Mengeringhausen neu zu errichten. Eine diesbezügliche Sammlung  am 25.06.1881 ergab 280 Mark. Es wurde ein Warte-Komitee unter Vorsitz von Bürgermeister F. Weizel gegründet, welches die weiteren Arbeiten übernahm.

Am 04.06.1882 wurde auf der Matzenhöhe in Mengeringhausen die neugebaute "Mengeringhäuser Warte" eingeweiht, die die alte eingestürzte "Mengeringhäuser Warte" ersetzte. Als Baumaterial wurde Sandstein verwendet. Die Gesamtbaukosten betrugen 4.000 Mark.

Im Zuge der Bismarckbegeisterung regte der Arzt Dr. Ohlendorf die Umbenennung des Turmes in Bismarck-Warte an. Beim Freischieß-Fest am 28. Juni 1902 machte der Stadtarzt und Geheimrat Dr. Ohlendorf den Vorschlag, ein Reliefbild des Fürsten von Bismarck für die Mengeringhäuser Warte zu stiften. Die Warte wurde im Oktober 1902 zur Stadtseite hin mit einem bronzenen Bismarck-Medaillon versehen und in Bismarckwarte umbenannt. Die Anbringung erfolgte durch Techniker Carl Bödicker aus Mengeringhausen.

Die Kosten für das Bismarck-Medaillon, welches in der Galvanoplastischen Kunstanstalt in Geislingen a.d. Steige gefertigt worden war, betrugen 210 Mark. Der Einbau erfolgte durch Karl Bödicker aus Mengeringhausen (Kosten: 29,10 Mark). Die Baumpflanzungen kosteten 117,17 Mark.


Turmbeschreibung

Der 10 m hohe Aussichtsturm ohne Befeuerungseinrichtung ist ein runder verputzter Wartturm.

An der Ostseite des Bauwerks ist ein bronzenes Bismarck-Medaillon in ein Rechteck aus rotem Backstein-Mauerwerk eingefasst.

Die Aussichtsplattform ist über eine rechtsdrehende Außenwendeltreppe mit 23 Stufen erreichbar. Die Plattform hat einen Durchmesser von 2,50 m, die Mauerdicke beträgt 0,40 m. Die Brüstung hat eine Höhe von 1,20 m.


Turmgeschichte

Die Einweihung des Turmes als Bismarckwarte am 02.09.1903 erfolgte durch den Schriftsteller Dr. phil. Friedrich Bötticher aus Berlin (geboren in Mengeringhausen).

Jeweils am 02.09. der Folgejahre (Sedantag) wurde neben dem Turm ein Holzstapel errichtet und in den Abendstunden abgebrannt. Bei diesen "Befeuerungen" war die Schuljugend und zahlreiche Bürger anwesend.

Landesdirektor von Puttkamer gab für die ersten Sanierungsmaßnahmen aus Staatsmitteln einen Zuschuss. Das Warte-Komitee vereinbarte mit der Stadt, dass diese als Eigentümerin der Warte jährlich einen Zuschuss für die Erhaltung der Warte und der Anlagen gibt. Der Platz um die Warte sollte für Schul- und Volksfeste dienen.

Seit der Gebietsreform vom 01.01.1974 ist Mengeringhausen ein Stadtteil von Bad Arolsen.

Die Warte wurde gegen Ende der 1980er Jahre saniert und ist bis heute Bestandteil des kulturellen Lebens in Mengeringhausen. Alle sieben Jahre wird der "Ausmarsch" der 1502 gegründeten Schützengesellschaft anlässlich des Freischießens, des größten Heimatfestes des Altkreises Waldeck, zu dieser Warte hin unternommen. Die Warte dient als Kulisse für Ehrungen der Mitglieder.

Alljährlich findet hier auch das Osterfeuer statt, das durch den erhabenen Standort der Warte über der Stadt weithin sichtbar ist.

Diese Warte ist als letzte von drei historischen Warten von Mengeringhausen erhalten.

Im Juni 2017 ist die Warte - bis auf schadhaften Außenputz - in einem allgemein guten Zustand. Das Bauwerk ist ständig geöfnet.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 269-270
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM (-WARTE) von MENGERINGHAUSEN (Hessen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 97 "Bismarck-Turm zu Mengeringhausen im Fürstentum Waldeck", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 5, S. 8); 9. Jahrgang 1911 (Nr. 10, S. 181/182)


Fotos

Sieglinde Seele, Mannheim (1997)
Oliver Weiss, Bad Arolsen-Mengeringhausen (Mai 2002)
Jörg Bielefeld, Remscheid (Dezember 2002)