Update: 30.11.2012

Turm auf Bergvorsprung statt Gipfel
Der Bismarckturm in Metz

Bauplanung

Oberstleutnant Winterfeld vom Pionierbataillon Nr. 16 (Ersatzbataillon 2) von den in Metz stationierten Militär-Truppen regte den Bau dieses Bismarckturmes im Winter 1898/1899 an.

Nach Gründung eines Bismarckturm-Komitees unter Vorsitz von Oberstleutnant Winterfeld (später abgelöst von Oberst Dingeldein) sammelte man Spenden für den Bau des Turmes.

Als Standort wählte man einen Bergvorsprung des St. Quentin, der Kaiser-Karl-Kuppe. Da der Bauplatz auf dem Gebiet der Garnisonsverwaltung lag, musste das Komitee einen Vertrag über die Nutzung des Geländes mit dem Militär schließen.

Aus militärstrategischen Gründen durfte die Säule nicht auf dem Gipfel des St. Quentin errichtet werden.

Das Komitee entschied sich für den von der deutschen Studentenschaft mit dem 1. Preis ausgezeichneten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis, dessen Entwurf vom Bauleiter, dem Königlichen Baurat Herzfeld in Metz, den örtlichen Gegebenheiten angepasst wurde.

Am 01.04.1901 wurde der Grundstein der Bismarcksäule gelegt.

Die Gesamtkosten für den Turmbau betrugen 15.000 Mark, die durch Spendensammlungen und Vorträge zum Besten der Bismarcksäule aufgebracht wurden.


Bauarbeiten

Ausgeführt wurden die Maurerarbeiten durch die Firma Haase und Schott aus Metz. Als Bauleiter fungierte der Königliche Baurat Herzfeld aus Metz.

Als Baumaterial für den als Aussichtsturm mit Feuerschale konzipierten Turm wählte man Kalkstein (außen) und Bruchsteine in Zementmörtel (innen).


Turmbeschreibung

Der 13,50 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungseinrichtung wurde 2,50 m tief fundiert.

Der Turm wurde auf einer Terrassenanlage errichtet, zu der stadtwärts (Südostseite) eine doppelseitig geschwungene Treppenanlage mit je 15 Stufen angefügt wurde.

Als Basis des Turmes dient ein dreistufiges quadratisches Podest. Die Podeststufen sind jeweils 0,50 m hoch.

Der Turmsockel hat eine Gesamthöhe von 1,50 m.

Der Turm ist vollständig mit Hausteinen (Kalkstein) verkleidet.

Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit dreistufigem Oberbau zusammengehalten werden.

Zur Stadtseite hin wurde ein Bismarck-Medaillon aus Sandstein von Bildhauer Timm  angebracht.

Durch die eiserne Eingangstür im Nordwesten gelangte man in die Säule (Innenbreite 2 m x 2 m).

Über eine eiserne Wendeltreppe gelangte man zur Aussichtsplattform des Turmes.

Bei der Befeuerungsanlage auf dem Turmkopf handelte es sich um eine viereckige, massive Feuerpfanne aus Beton, die fest eingemauert war. Die ursprüngliche Befeuerung erfolgte mit Scheitholz, welches mit flüssigem Teer und Petroleum getränkt wurde.


Turmgeschichte

Im Rahmen einer Feier wurde die Einweihung des Bismarckturmes am 01.04.1902 ab 16:00 Uhr begangen. An der Einweihungsfeier nahmen die Spitzen der Militär- und Zivilbehörden sowie zahlreiche Vereine teil.

Die Festrede hielt Archivdirektor Dr. Wolfram, danach übergab der Vorsitzende des Denkmalausschusses, Oberst Dingeldein, die Bismarcksäule der Landesbehörde, welche vor Ort durch Bezirkspräsident Zeppelin vertreten wurde. Im Auftrag des Statthalters legte der Bezirkspräsident einen Kranz an der Säule nieder. Um 20:00 Uhr wurde erstmals ein Feuer auf der Säule entzündet.

Bis zum Jahr 1903 wurde rund um die Bismarcksäule von Oberforstmeister Ney auf Kosten des Vogesen-Klubs und des örtlichen Verschönerungsvereins ein Bismarckwäldchen angelegt. Es wurden Anpflanzungen mit allen Holzarten der deutschen Reviere durchgeführt. Die Pflege des Wäldchens übernahmen in den nächsten Jahren der Vogesen-Klub und der Verschönerungsverein.

Am 21.09.1906 stellten der Vogesen-Klub und der Verschönerungsverein erste Schäden an der Bismarcksäule fest, u.a. Befeuerungsschäden (verbranntes Mauerwerk auf der Aussichtsplattform) und Rost an den eisernen Treppen. Im Jahr 1907 wurde von beiden Institutionen nochmals um Beseitigung der Schäden gebeten und eine Abdeckung der Treppe gegen Witterungseinflüsse gewünscht.

Am 02.04.1907 wurde ein Kostenanschlag für Ausbesserungsarbeiten auf der Plattform und einen wasserdichten Abschluss in Gesamthöhe von 150 Mark erstellt. Ein weiterer Kostenanschlag in Höhe von 65 Mark wurde am 17.04.1907 von einer Malerfirma für einen Neuanstrich der eisernen Wendeltreppe erstellt.

Erst am 04.03.1908 wurden die Reparaturen ausgeführt und vom Bismarckturm-Komitee bezahlt.

Weitere Turmschäden wurden im Oktober 1911 festgestellt, u.a. bröckelte der Zementverputz an der oberen Backsteinausmauerung. Das obere Abdeckgitter und die Treppe zeigen Rostschäden. Eine Abdeckung gegen eindringendes Regenwasser war immer noch nicht vorhanden.

Am 24.12.1911 übernahm die Landesverwaltung die Pflege der Bismarcksäule, das Bismarckturm-Komitee wurde mit der Übergabe an die Landesverwaltung aufgelöst.

Anfang 1914 wurden Schlosser-, Maurer- und Anstreicharbeiten in Höhe von 191 Mark durchgeführt.

Die Stadt Metz wurde im November 1918 von französischen Truppen besetzt und gehörte ab 1919 wieder zu Frankreich.

Nach 1919 wurde die Feuerschale entfernt.

Der Bismarckturm wurde im Mai 2001 verschlossen und im guten Zustand vorgefunden. Das Bismarckrelief war durch Einschüsse beschädigt worden, aber noch zu erkennen. Das Bauwerk ist durch die hohe Vegetation in der Umgebung verdeckt.

Im August 2012 war das Bauwerk im sanierungsbedürftigen Zustand und mit Graffitis beschmiert.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 271
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von METZ (Elsaß-Lothringen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 60 "Bismarck-Feuersäule zu Metz", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 3, S. 5); 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, "Die Bismarck-Säule (Architekt Kreis) in Mainz [sic!]"
- Maas, Annette (M.A., Université de Nancy II): „Bismarcksäule St. Quentin/Metz (Lothringen), Artikel-Entwurf vom 26.09.2000


Bildmaterial

- Jörg Bielefeld, Remscheid (Fotos Mai 2001); historische Ansichten: Archiv J. Bielefeld
- Reinhard Kottek (Fotos April 2007)
- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Juni 2008, August 2012)