Update: 07.06.2015

Bismarck-, Thälmann- und Georgenbergturm
Der Bismarckturm in Spremberg

Bauplanung

Der Bau dieses Bismarckturmes wurde vom Vorsitzenden des Spremberger Verschönerungsvereins, dem Königlichen Amtsrat Bruno Eisentraut, auf der Generalversammlung des Vereins im Hotel Zum Rautenkranz am 01. April 1901 vorgeschlagen. Zu diesem Zeitpunkt lagen schon erste Skizzen, Zeichnungen und Kostenanschläge vor.

Innerhalb weniger Tage bildete sich ein achtköpfiges „Comitee zur Errichtung eines Bismarckturms“ unter Vorsitz des Königlichen Landrats Dr. Erwin Wilkins. Weitere Mitglieder waren Bürgermeister Felix Wirth, Kreisdeputierter Hauptmann von Glisczinski, Amtsgerichtsrat Bruno Eisentraut, Buchdruckereibesitzer Emil Saebisch, Stadtverordnetenvorsteher Hermann Püschel, Apotheker Fernando Tietz und Fabrikbesitzer Richard Kossack.

Die bereits gesammelten 2.000 Mark für eine Kaiser-Arnulf-Gedenkstätte, die nie verwirklicht wurde, wurden bei einer Versammlung des Komitees am 13.04.1901 im Hotel Zum Rautenkranz als Grundstock für den Bau des Bismarckturmes verwendet. Eine sofort durchgeführte Sammlung unter den Anwesenden ergab einen Betrag von 1.588 Mark. Der Verschönerungs-Verein bewilligte zusätzlich 800 Mark für den Erwerb des Baugrundstücks auf dem Georgenberg (Grundstückskosten betrugen insgesamt 2250 Mark). Architekt Gundermann präsentierte einen ersten Entwurf für das Bauwerk, welches auf etwa 5.000 Mark veranschlagt wurde.

Als Standort des Turmes legte man den Georgenberg fest. Der ca. 3 Morgen große Bauplatz wurde für 2.250 Mark erworben.

Im Mai 1901 rief das Komitee in der Bürgerschaft zu Spenden für den Bismarckturm auf.

Das Bismarckturm-Komitee wählte aus drei vorliegenden Entwürfen (davon zwei weitere Varianten des Architekten Gundermann) den Entwurf des Stadtbaumeisters Johannes Römmler aus Guben (geborener Spremberger) zur Ausführung aus. Nach Angaben des Komitees hob sich der schlanke Turm von der Umgebung markant ab. Als Turmabschluss sollte die Kaiserkrone Bismarcks Wirken bei der Gründung des Deutschen Reiches symbolisieren.

Im Februar 1902 wandte sich das Bismarckturm-Komitee an die Bewohner, die eine Anfuhr von Feldsteinen in Aussicht gestellt hatten, die Lieferung dieser Steine zu beschleunigen. Nur Steine von mindestens 150 kg Gewicht sollten Verwendung finden.

In wenigen Monaten konnten durch Spendensammlungen die Baukosten von 15.000 Mark (Gesamtkosten inkl. der Kosten des Bauplatzes und der Anlagen 20.000 Mark) aufgebracht werden.


Bauarbeiten

Die ersten Steine für den Turmbau wurden am 27. Februar 1902 geliefert. An den Steinlieferungen beteiligten sich die Gemeinden Bloischdorf, Radeweise, Klein Loitz, Stradow, Hornow, Wadelsdorf, Groß Luja, Graustein, Weskow, Groß Buckow und Türkendorf.

Die Bauausführung erfolgte ab dem 24. März 1902 zunächst durch die Baufirma Gundermann.

Als Baumaterial wurden märkische Findlinge (Ziegelmauerwerk mit Feldsteinverblendung) sowie Granit und Löbejüner Porphyr (für die Krone) verwendet.

Am 01.04.1902 wurde in Anwesenheit der Spitzen der Stadt und des Kreises, der Mitglieder des Veteranen- und Kriegervereins und den Vorständen der zum Kreis-Krieger-Verband gehörenden Vereine der Grundstein des Turmes gelegt

Landrat Dr. Wilkins aus Hornow hielt die Festansprache, Bürgermeister Wirth verlas die Urkunde, die in eine kupferne Hülse eingelötet wurde.

Der Maurer und Zimmermeister Gundermann aus Spremberg überließ ab Juni 1902 aufgrund eines Streikes seiner Arbeiter und nicht ausreichend vorhandenen Baumaterials dem Konkurrenzbetrieb Wilhelm Handrick unter Leitung seines Poliers Kaiser die Endausführung der Bauarbeiten. Vom Komitee musste aus diesem Grund am 07.06.1902 ein zweiter Bauantrag gestellt werden. Die Genehmigung zum Weiterbau wurde am 03.07.1902 erteilt.

Der ursprünglich geplante Einweihungstermin am 02. September 1902 wurde aufgrund fehlender Porphyr-Steine und der Bauverzögerungen zunächst auf den 18. Oktober 1902 verschoben, doch auch dieser Termin konnte nicht eingehalten werden. Am 18.10.1902 wurde das Richtfest gefeiert. An diesem Tag wurde erstmals die Befeuerung des Turmes mit Teer und bengalischem Pulver erprobt.

Ende Oktober 1902 trafen die letzten Werksteine (Bismarck-Band und Datenstein) ein. Im Januar 1903 meldete das Komitee, dass der Bismarckturm seiner Vollendung entgegen geht.

Da der Baufonds zu dieser Zeit erst 8.000 Mark betrug und die Kosten für den Landankauf und den Turm weitaus höher liegen sollten, wurde die Bevölkerung erneut zu Spenden aufgerufen. Die Namen der Spender sollten in einem besonderen Dokument im Schlussstein (Turmhalle) aufbewahrt werden.

Am 06.03.1903 trat das Komitee zum letzten Mal zusammen, um den Ablauf der Einweihungsfeier zu planen.

Die feierliche Einweihung konnte schließlich am 01. April 1903 bei regnerischem und wechselhaftem Wetter erfolgen. Anwesend waren das Komitee und Ehrengäste, die staatlichen und städtischen Behörden sowie zahlreiche Vereine. Bei der Turmeinweihung um 16:00 Uhr hielt Landrat Dr. Wilkins die Ansprache, die Festrede hielt Hauptmann von Glisczinski. Um 17:30 Uhr folgte das offizielle Festessen im Hotel Zur Sonne. Der Tag der Einweihung schloss nach der Befeuerung des Turmes um 20:00 Uhr mit dem großen Festkommers im Gesellschaftshaus ab.


Turmbeschreibung

Auf dem drei Morgen großen Bauplatz erhebt sich 20,74 m hohe runde Aussichtsturm mit Feuerschale, der im Unterbau massig und nach oben hin schlank ausgeführt ist. In den großen Flächen ist das Bauwerk mit märkischen Findlingen verblendet, seinen Abschluss findet er in einer Krone aus rotem Porphyr-Granit.

Den Haupteingang (Rundbogen-Eichentür mit Eisenbeschlägen, Größe 2,63 m x 1,35 m) erreicht man über drei vorgelagerte Stufen. Der leicht zurückgesetzte Eingangsbereich liegt 0,52 m über Bodenniveau. Die untereste Stufe ist 3,20 m, die zweite Stufe 2,63 m und die dritte Stufe 2,00 m breit.

0,70 m oberhalb der Eingangstür tritt die erhabene Inschrift „BISMARCK“ im Querband (Breite: 0,65 m) reliefartig hervor. Durch das Portal betritt man die weiß getönte Halle des Turmes, in deren Fensteröffnungen zwei farbige Glasfenster mit Bismarckwappen und Spremberger Stadtwappen eingelassen wurden. Oberhalb des Querbandes ist das bismarcksche Wappen (60 Zentner schwer) angebracht.

Durch die Halle gelangt man durch eine schmiedeeiserne, durchbrochen gearbeitete Tür über eine Granittreppe eines kleinen Turm-Anbau (mit einer Breite von 1,35 m) mit Kegeldach zur großen Eisenwendeltreppe oberhalb des Hallengewölbes. Die kunstgeschmiedete Innentür mit Reichsadler wurde von Schlossermeister Hugo Richter aus Spremberg gefertigt. Über Zwischenpodeste, die mit Ruhebänken versehen wurden, erreicht man die Aussichtsplattform mit Rundbogenöffnungen.

Über einen separaten Eingang (Holztür mit Eisenbeschlägen, Größe: 2,20 m x 1,20 m) auf der Ostseite des 6 m hohen Turm-Anbaus mit Kegeldach ist der Aufstieg zur eisernen Wendeltreppe ebenfalls möglich.

An den beiden großen, an den Seiten des Einganges befindlichen Strebepfeilern sind zwei Datensteine mit dem Geburts- und Todestag von Otto Bismarck angebracht. Die beiden Strebepfeiler sind im oberen Bereich durch das Bismarck-Querband (Material: Granit) verbunden.

Die Turmbreite beträgt im unteren Teil 2,40 m x 2,40 m, die mittlere Breite beträgt 2,15 m x 2,15 m. Die obere Turm-Brüstung liegt in einer Höhe von 16,69 m, die untere bei 13,95 m.

Die Aussichtsplattform wird von vier Strebebögen abgeschlossen, die kronenartig zur Spitze des Turmes zusammenlaufen. Diese trägt die runde Feuerschale (Durchmesser: 2,10 m) mit einem Einsatz aus Schmiedeeisen.

Zur Befeuerung wurde zunächst Scheitholz, welches mit Petroleum getränkt war, verwendet. Die Brenndauer lag bei zwei Stunden, es wurde eine Flammenhöhe von 3-5 m erreicht. Später verwendete man Illuminationspech der Fa. Carl Netz aus Jena, da die Brenndauer – bei einer Flammenhöhe von 5-6 m - bis zu drei Stunden betrug.

Das Wappen über dem Eingang (aus einem Löbejüner Porphyrblock gefertigt), die Datensteine sowie das umlaufende Bismarckband (0,60 m breit mit farbigen Mosaiksteinen) mit der Inschrift

"WIR DEUTSCHE/
FÜRCHTEN GOTT/
SONST NICHTS/
AUF DER WELT
"

wurden erst nach der Einweihung angebracht.

Die eiserne Treppe zur Aussichtsplattform wurde von der Firma Emil Miser eingebaut.


Turmgeschichte

In den ersten Jahren nach der Einweihung (bis zum Jahr 1916 gesichert) wurde das Bauwerk jeweils zum 01.04. (Bismarcks Geburtstag) befeuert. Auch am Sedantag 1903 wurde die Feuerschale entzündet.

Im Juni 1909 wurde von der Ortsgruppe Spremberg des Riesengebirgsvereins (RGV) ein Antrag auf Beihilfe für einen Fußweg zum Bismarckturm gestellt. 150 Mark wurden für diesen Zweck bewilligt.

Der Eintrittspreis betrug im Jahr 1914 zehn Pfennig.

Nach 1926 wurde die Befeuerung auf Wunsch des Verschönerungsvereins wieder aufgenommen, wurde bis 1939 jedoch nur sporadisch durchgeführt.

Am 15. Juli 1916 wurde ein Beutegeschütz zum Bismarckturm transportiert und als Gedenken an die Schlacht bei Longwy in Frankreich (23.08.1914) auf dem Turm-Vorplatz aufgestellt. Ende des Jahres 1945 wurde die Kanone entfernt und verschrottet.

Aus der schmiedeeisernen Innentür wurde 1946 das Brustschild mit Reichsadler entfernt.

Durch Beschluss der Stadtverordnetensitzung am 26. Juni 1950 wurde der Turm in "Ernst-Thälmann-Turm" umbenannt. Die Hinweise auf Bismarck wurden durch eine Spremberger Baufirma entfernt (Teile der Mosaiksteine des Bandes) bzw. mit Putz abgedeckt.

Bereits am 21. Mai 1951 wurde der Turm durch den Demokratischen Block und die Stadtverordnetenversammlung in „Georgenbergturm“ umbenannt. Über dem Eingang wurde der Schriftzug „Georgenbergturm“ angebracht.

Eine durchgehende Öffnung des Bauwerkes war wegen fehlenden Aufsichtspersonals zwischenzeitlich nicht möglich.

1991 erfolgte die Rückbenennung in Bismarckturm. Dabei wurden im Rahmen von umfangreichen Sanierungsarbeiten die Hinweise auf Bismarck durch Entfernung der Putzschicht und Einlassung neuer Mosaiksteine (Farbunterschied zu den noch vorhandenen alten Mosaiksteinen erkennbar) wieder freigelegt bzw. ergänzt.

Im Frühjahr 1992 wurden die Treppen von der Stadt zum Stadtpark unterhalb des Bismarckturmes erneuert. Am 16.05.1993 wurde das Bauwerk mit dem neugestalteten Areal wieder eröffnet.

Am 01.04.2003 wurde das 100-jährige Jubiläum des Bismarckturmes durch viele Veranstaltungen am Turm (Festumzug zum Turm, Ansprachen, geschichtliche Aufführung, Turmfeuerwerk und mehr) gefeiert. Drei Ausstellungen zum Thema Bismarckturm und die Herausgabe eines Faltblattes rundeten die Jubiläumsfeierlichkeiten ab.

Vom 01.10.2010 bis Frühjahr 2012 wurde das Bauwerk für insgesamt 230.000 € saniert. Die Wiedereröffnung erfolgte am 05.05.2012.


Besucherzahlen:

In den Jahren 1996 bis 2002 bestiegen insgesamt 13.400 Personen den Turm. Im Jahr 2003 waren es 1513, im Jahr 2004 insgesamt 1358 Personen.


Besondere Veranstaltungen:

Verschiedene Aktionen wie romantische Nacht-Dinner, Heiratserklärungen auf dem Turm, Nachtbesichtigungen (auch von Schulklassen).

Ab 15 Personen können Sonderbesichtigungen außerhalb der Öffnungszeiten, nach vorheriger Absprache, vereinbart werden. Anmeldungen und Anregungen unter:

Stadtverwaltung Spremberg
Sachgebiet Kultur und Jugend
Am Markt 1
03130 Spremberg
Tel. 03563/340-411 / Fax 03563 / 340-600 oder per E-Mail: kulturamt (at) stadt-spremberg.de


Öffnungszeiten und Eintrittspreise (Stand: 2015)

Mittwochs von 09:00 - 12:00 Uhr, Sa., So. und an Feiertagen von 14:00 - 18:00 Uhr (von Oktober bis April von 13:00 - 17:00 Uhr)

Erwachsene 0,50 €, ermäßigt 0,30 € (Kinder ab 3 Jahre, Auszubildende, Studenten, Schwerbehinderte)
Sozialhilfeempfänger (mit Sozialpass der Stadt Spremberg) erhalten zusätzlich 50 % Ermäßigung.


Links

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 241-242
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von SPREMBERG (Brandenburg)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 84 "Bismarck-Feuersäule bei Spremberg", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 1. Jahrgang 1903 (Nr. 4, S. 4), 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903: 2. Teil, Nr. 102a
- Kwast, Eckbert: "Ein Wahrzeichen wird 100 - Geschichte und Geschichten über den Bismarckturm" in: Heimatkalender 2003 Stadt Spremberg und Umgebung, Spremberger Kulturbund e.V. und Stadtverwaltung Spremberg, S. 22 - 29
- Spremberger Anzeiger vom 30.03.1902 + 01.04.1903


Fotos

- Marek Moson, Wroclaw (April 2003, Mai 2015)
- Hans-Dieter Hirschmann aus Haßloch (Mai 2008)
- Jörg Bielefeld, Remscheid (Mai 2015)