Update: 01.06.2016

1,5 Millionen rote Steine für den Turm
Der Bismarckturm in Burg (Spreewald)

Bauplanung

Bereits Pfingsten 1900 plante ein Komitee unter Führung von Sanitätsrat Dr. Robert Behla zur Förderung des Fremdenverkehrs einen Spreewald-Aussichtsturm in Burg zu errichten.

Es dauerte jedoch bis 1910, bis der Burger Spreewaldverein den Bau eines Bismarckturmes in Burg (Spreewald) angeregte. Nach längeren Diskussionen entschied man sich für den Schlossberg als Turmstandort. Bereits in der Steinzeit soll hier eine Erdburg gestanden haben, die den Menschen als Schutz vor Hochwasser und als Rückzugsort bei feindlichen Angriffen gedient haben soll. Auch in der Slawenzeit soll die Wallburg als starke Feste gedient haben. Um den Schlossberg und die ehemalige Ringanlage ranken sich viele Sagen und Märchen, die vom Schloss des letzten Wendenkönigs und ungeheuren Schätzen erzählen. Bereits im Jahre 1897 wurde die Form des Berges durch einen Eisenbahndurchstich verändert. Zudem sollte der gesamte Hügel abgetragen werden, um Kies für den Eisenbahnbau zu gewinnen. Als Bauplatz hatte man den Schlossberg ausgewählt, weil man diesen historischen Berg durch einen Aussichtsturm erhalten wollte. In einer Sitzung des Burger Spreewaldvereins wurde beschlossen, den Schlossberg nach und nach zu erwerben.

Der Verein wandte sich am 10. Mai 1910 mit einem Aufruf an die Bevölkerung, den Bau eines Bismarckturmes finanziell zu unterstützen.

Heimatforscher Rektor Rogatz aus Berlin entwickelte die Idee des Bismarckturmes weiter, indem er vorschlug, auch Museumsräume im Bauwerk anzulegen, um die archäologischen Funde des historischen Berges ausstellen zu können. Es wurde eine Schlossbergerwerbs- sowie eine Museumskommission gewählt. Zur Unterstützung dieses Vorhabens nahm man Kontakt zum Cottbuser Spreewaldverein und dem Cottbuser Verein für Heimatschutz auf.

Im Herbst 1911 war der Baufonds auf 15.000 Mark angewachsen.

Der damalige Landrat des Landkreises Cottbus, Freiherr Oskar von Wackerbarth, regte den Kauf des ca. 5 ha großen Geländes an. In einer Kreistagssitzung des Landkreises Cottbus wurde daraufhin im Herbst 1913 beschlossen, die zur Erhaltung des Schlossberges und die für die Errichtung des Bismarckturmes erforderlichen Liegenschaften für den Landkreis zu erwerben. Die Geldmittel für den Kauf sollten aus dem Baufonds des Komitees entnommen werden. Der Landkreis Cottbus verpflichtete sich, die Pflege und Unterhaltung des Bismarckturmes nach Fertigstellung zu übernehmen.

Das 5 ha große Gelände (Schlossberg) wurde vom Kreis sukzessiv erworben, die Provinz Brandenburg stellte dafür 60.000 Mark zur Verfügung.

Mit dem Entwurf des Aussichtsturmes mit Feuerschale wurde der Berliner Architekt Prof. Bruno Möhring beauftragt. Dieser hatte einige Jahre zuvor die Bismarckwarte in Brandenburg entworfen.

Nach Ausbruch des Krieges im Jahr 1914 wurde der Plan, den Bismarckturm bauen zu lassen, vorerst zurückgestellt. Im Frühjahr 1915 entschloss man sich, mit dem Bau des Bismarckturmes zu beginnen und gleichzeitig als Denkmal der „gefallenen Helden“ des Krieges auszugestalten.

Neben den Spenden der Einwohner von Cottbus und Burg (Spreewald) beteiligten sich insbesondere auch Gutsbesitzer aus der unmittelbaren Umgebung. Das Grundkapital für den Turmbau wurde aus Spendenmitteln aufgebracht.

Die Gesamtkosten für den Turmbau betrugen 70.000 Mark (inkl. Architekten-Honorar).


Bauarbeiten

Ausgeführt wurde der Entwurf vom Architekten Hermann Hauke der Cottbuser Firma Dümpert & Hauke.

Das Bauwerk wurde aus ca. 1,5 Millionen roten Calauer Klinkersteinen aus der Calauer Ottilienhütte errichtet. Die Brüstungen wurden mit Granit abgedeckt.

Das Bauwerk konnte zu Kriegszeiten erst im Jahr 1917 fertig gestellt werden, wobei man den Turm auch als Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges einrichtete.


Turmbeschreibung (zur Zeit der Einweihung)

Der ursprünglich 27 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit hat einen 1,00 m hohen quadratischen Sockel mit einer Kantenlänge von 13,77 m.

Zwei dem Turm vorgelagerte Freitreppen mit sieben und sechs Stufen führen auf der Südwestseite zum Rundbogenportal, welches mit einem schmiedeisernen Gitter verschlossen wurde.

Auf dem Sockel erhebt sich das quadratische erste Turmgeschoss (9,35 m x 9,35 m), das im unteren Bereich von der Gedenkhalle mit 28 Pfeilern umgeben ist und die untere Plattform trägt. Die Turmmauern der Gedenkhalle enthalten auf der Außenseite flache Nischen zur Anbringung der Gedenktafeln für die Gefallenen. Der Grundriss des Erdgeschosses besteht aus einem achtseitigen kuppelüberdachten Mittelraum und vier in den Hauptachsen angeschlossenen Apsiden, die halbkreisförmig in den Hauptraum schneiden.

Die Gedenkhalle wurde bis in eine Höhe von 2,70 m mit glatten grünfarbigen Majolikaplatten, gefertigt und gebrannt von Ernst Teichert aus Meißen, verkleidet. Oberhalb dieser gebrannten Keramikplatten wurden Ornamente angebracht, die den Anschluss zu den schlichten, in hellem Putzton gehaltenen Gewölben bildeten.

In einer halbkreisförmigen Nische gegenüber dem Haupteingang (Nordostseite) wurde eine Bismarck-Büste in Eisen von Bildhauer Hermann Hosaeus aus Berlin mit der Widmung im Granitsockel

"IHM/
DER AUS VOLKES NACHT/
UND NOT GEGRÜNDET/
REICH und KAISERMACHT/
und/
IHNEN/
DEREN HELDENTOD/
SEIN RIESENWERK/
ERST GANZ VOLLBRACHT
"

angebracht. Diese Nische ist tief gegliedert und zeigt eine reich ornamentierte Umrahmung. Im Gegensatz dazu stehen in den seitlichen Apsiden in einfach gehaltenen Einfassungen eiserne Stiftertafeln, die von den Bildhauern Georg Roch und Hermann Feuerhahn aus Berlin gefertigt und von Noack in Berlin-Friedenau gegossen wurden. Der Fußboden der Gedenkhalle zeigt ein einfaches Backsteinmuster.

Die Ecken des Turmkörpers wurden für die Anlage zweier Treppenaufgänge und einen Wärterraum genutzt.

Über die beiden Wendeltreppen (Auf- und Abgang) mit jeweils 26 Stufen gelangt man zum Umgang des Turmes (untere Plattform). Über 15 Stufen und weitere 70 Steinstufen erreicht man die obere Besucherplattform. Von hier aus ist über eine Metallwendeltreppe mit 26 Stufen (+ eine Steinstufe beim Austritt) der achteckigen Turmkopf mit Feuerschale zu erreichen. Die Gesamtzahl der Stufen beträgt 138.

In den 1990er Jahren wurde mittig der oberen Plattform eine Glas-Stahl-Austritt installiert. Dadurch stieg die Gesamthöhe des Turmes auf 28 m.

In 5 m und 21 m Höhe befinden sich zwei Aussichtsplattformen. An der unteren Brüstung der Eingangsseite wurde ein Bismarckwappen angebracht.


Turmgeschichte

Am 02.09.1917 fand die Einweihung des Bismarckturmes statt. Der Schlüssel zur Besteigung des Turmes wurde in einem nahen Restaurant aufbewahrt. In den Folgejahren fanden am Turm mehrere festliche Veranstaltungen statt.

Nach 1933 wurde der Turm von den Nationalsozialisten für inszenierte Sonnenwendfeiern missbraucht. Zudem wurden politische Kundgebungen am Turm durchgeführt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde 1944 ein Beobachtungspunkt für die Luftwaffe auf dem Turm eingerichtet. Auf dem Turmkopf wurde eine quadratische Holzlaube installiert (wahrscheinlich wurde bereits zu dieser Zeit die Feuerschale entfernt). Zudem wurde er als Funkleitstelle der deutschen Wehrmacht genutzt. Eine 1945 geplante Sprengung (Sprengsätze waren schon angebracht) konnte von einem russischen Kommandanten verhindert werden.

Nach 1945 wurden die Bismarckbüste und die Stiftertafeln in den Apsiden entfernt, die Inschrift im Granitsockel wurde unleserlich gemacht (ursprüngliche Widmung wurde auf neuer Tafel angebracht). Der Verbleib der beiden Stiftertafeln ist nicht bekannt. Die Bildnisse Wilhelm Piecks und Otto Grotewohls wurden am Turm befestigt.

Im Jahr 1950 wurde er im Rahmen eines Deutschlandtreffens der Jugend in Berlin in "Turm der Jugend" umbenannt. Am Bauwerk fanden ab 1950 mehrere Groß-Veranstaltungen statt (FDJ-Veranstaltungen, Feierstunde der brandenburgischen Jugendkirchengemeinden, lokale Chor- und Sportveranstaltungen). Das Bauwerk war aber bis 1990 aus militärstrategischen Gründen geschlossen.

Vor 1960 wurde die Brüstung der ersten Plattform durch ein umlaufendes Geländer ersetzt. Im Jahr 1965 fanden Sanierungsarbeiten am Bauwerk statt. Durch Wasser- und Frostschäden war das Bauwerk über viele Jahre in einem desolaten Zustand. Über eine Sprengung des Turmes wurde diskutiert.

Am 03. Oktober 1990 wurde der Turm nach erfolgter Sanierung im Rahmen eines Volksfestes in Bismarckturm zurückbenannt und wieder für den Besucherverkehr eröffnet. Spendenaktionen wurden durchgeführt, um das Bauwerk zu retten. Die Brüstung der unteren Plattform wurde wieder (ohne Bismarck-Wappen) erneuert.

Statt der immer noch fehlenden Bismarck-Büste wurde ein Bismarck-Bild, nach 2006 ein Bismarck-Medaillon befestigt. Am Sockel der Büste weist seitdem eine Tafel auf die ehemalige Sockelinschrift hin.

Im Frühjahr 2006 wurde etwa 200 m vor dem Turm eine Gastwirtschaft (Bismarck-Schänke) eröffnet.

Anfang 2008 wurde der Turm für 65.000 EUR saniert (Putz in der Halle und den Treppenaufgängen ausgebessert, Installation einer Notbeleuchtung, acht Türen erneuert, Einrichtung eines Sanitär- und Aufenthaltsraumes).

Seit 2006 wird jährlich (außer im Jahr 2013) am Bismarckturm die Spreewälder Sagennacht mit abschließendem Feuerwerk durchgeführt.

Im Oktober 2012 wurden Verfugungsarbeiten durchgeführt.

14 LED-Strahler von der Cottbuser Firma Leuchtstoff wurden im Oktober 2014 auf den vier Ebenen des Turmes installiert. Der Bismarckturm kann in verschiedenen Farben beleuchtet werden.


Nächste Spreewälder Sagennacht: 2017

Öffnungszeiten (Stand: 2016):

April bis Juni täglich von 10:00 - 18:00 Uhr
Juli bis August täglich von 10:00 - 19:00 Uhr
September bis Oktober täglich von 10:00 - 18:00 Uhr
Öffnungen von November bis März auf Anfrage

Eintrittspreise:

Erwachsene: 1,50 Euro (mit Gästecard 1,00 Euro)
Kinder über 6 Jahre: 1,00 Euro (mit Gästecard 0,50 Euro)
Kinder unter 6 Jahre: freier Eintritt


Links

Google Maps

Google Earth

Bismarckturm Burg bei spreewald.info

Bismarckturm Burg (Spreewald) bei Burg Spreewald Info Tourismus

Spreewälder Sagennacht


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 181-182
- Seele, Sieglinde: Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von BURG/Spreewald (Brandenburg)
- Hübener, Dieter: „Der Bismarckturm von Bruno Möhring auf dem Schlossberg“ in „Brandenburgische Denkmalpflege, Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 1992, Jahrgang 1, Heft 2, S. 71-74
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 8. Jahrgang 1910 (Nr. 6, S. 100/101; Nr. 10/11, S. 172/173), 9. Jahrgang 1911 (Nr. 8, S. 152/153)
- Zentralblatt der Bauverwaltung, 37. Jahrgang,  Nr. 91 vom 10.11.1917, S. 545-547


Fotografen

Jörg Bielefeld, Remscheid (Juni 2006)
Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Juni 2008)
Albrecht Behrends, Bochum (April 2010)