Update: 06.04.2015

Bismarckturm nach Prinzregentendenkmal
Der Bismarckturm in Würzburg

Bauplanung

Die Anregung zum Bau dieses Bismarckturmes erfolgte kurz nach dem Tode Otto von Bismarcks durch (Universitäts-)Professor Dr. med. Oskar Schultze. Dieser gründete unter seinem Vorsitz ein Komitee zur Errichtung einer Bismarck-Feuersäule in Würzburg.

Auch die örtliche Studentenschaft gründete am 01.04.1899 einen Ausschuss zur Errichtung einer Bismarcksäule, welcher sich wegen Interesselosigkeit jedoch kurz nach Gründung wieder auflöste. Die gesammelten Gelder des Studentenausschusses (100 Mark) wurden an das Bismarcksäulen-Komitee übergeben.

Ein Spenden-Aufruf, versehen mit zahlreichen Unterschriften, wurde an die Bevölkerung von Stadt und Land erlassen. Nach kurzer Zeit waren in den Spendensammlungen „ermutigende“ Ergebnisse erzielt worden.

Auch in Würzburg wählte man den preisgekrönten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis zur Ausführung aus.

Als Standort wählte man den Steinberg im Norden von Würzburg, ca. 1.700 m von der Innenstadt entfernt. Der örtliche Verschönerungsverein stellte den Bauplatz dafür zur Verfügung.

Die Stadtverwaltung bezuschusste den Plan zur Errichtung der Bismarcksäule ebenfalls. Als zur gleichen Zeit auch der Plan zur Errichtung eines Prinzregenten-Denkmals bekannt wurde, wurde beschlossen, mit dem Bau der Bismarcksäule bis nach Errichtung des Prinzregenten-Denkmals östlich des Bahnhofsvorplatzes (wurde am 08.07.1903 enthüllt) zu warten.

Im November 1904 wurde eine hölzerne Schablone der Säule aufgestellt, um die Fernwirkung zu testen.

Die Baukosten für die Säule betrugen etwa 19.000 Mark.


Bauarbeiten

Die Bauarbeiten für die Säule begannen Anfang 1905. Nach Beendigung der Fundamentierungsarbeiten wurde am 01.04.1905 der Grundstein der „Ersten Bismarcksäule in Franken“ gelegt. Die Urkunde wurde in eine Kupferkapsel gelegt. Diese wurde verschlossen und in den Grundstein eingemauert.

Ausgeführt wurden die Bauarbeiten vom Kommerzienrat und Baumeister J. E. Weber und Architekt Franz Ostberg, beide aus Würzburg.

Als Baumaterial wählte man Fränkischen Muschelkalkstein, der aus den Steinbrüchen von Randersacker, Eibelstadt und Sommerhausen bei Würzburg stammte.

Innerhalb von drei Monaten konnten die Bauarbeiten beendet werden.


Turmbeschreibung

Das Bauwerk wurde auf einem in Südrichtung aufgeschütteten Plateau errichtet. Links und rechtsseitig ist das Plateau über jeweils 11 Stufen erreichbar.

Als Basis des 15 m hohen Aussichtsturmes mit Befeuerungsvorrichtung dient ein einstufiges quadratisches Podest mit einer Seitenlänge von 9,00 m und einer Höhe von 0,80 m.

Der Eingang (1,20 m x 2,00 m) liegt im Süden des Turmes und ist über drei 2,40 m breite Stufen  (1. Stufe 0,30 m, Stufen 2 und 3 je 0,25 m hoch), die auf das Podest führen, erreichbar.

Oberhalb der Podeststufe erhebt sich der 7,00 m x 7,00 m breite Sockel des Turmes mit dem Eingangsportal auf der Südseite.

Auf der Eingangsseite oberhalb der Tür ist mittig als einziger Schmuck ein Adlerrelief (mit der Schlange der Zwietracht) angebracht.

Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit dreistufigem Oberbau zusammengehalten werden.

Die Nord- und Westseite weisen einen Fensterschlitz auf, auf der Nordseite in halber, auf der Westseite im oberen Drittel.

Auf dem Turmkopf wurde eine gusseiserne achteckige Feuerschale, gefertigt von der Firma von Wiek in Eisenach, mit einem Durchmesser von 2,50 m angebracht.

Über eine steinerne Wendeltreppe und eine eiserne Wendeltreppe ist die Plattform des Bauwerkes erreichbar.

Vor dem Turm wurde eine 3,00 m x 3,00 m großer U-förmiger Feueraltar installiert, welcher von drei Seiten mit einer 1 m hohen und 0,40 m dicken Brüstung versehen ist. Zwei je 0,15 m hohe Stufen führen zu der Innenfläche des Feueraltars.


Turmgeschichte

Am Sonntag, 02.07.1905 um 11:00 Uhr wurde die Einweihung des Bismarckturmes unter zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung sowie aller studentischen Korporationen (sogar der katholischen Korporationen) vorgenommen. Die Festrede hielt Prof. Dr. Schultze, danach wurde die Säule an die Stadt Würzburg übergeben. Bürgermeister und Kgl. Hofrat Philipp Ritter von Michel (1845 – 1922) übernahm das Bauwerk mit einem Hoch auf den Regenten.

Vor 1986 wurde eine Metalltür im Eingangsportal eingesetzt.

Heute liegt der Würzburger Bismarckturm im Naturdenkmal "Steinbergsanlagen am Bismarckturm", auch Bismarckwäldchen genannt. Es handelt sich um den Naherholungsbereich im Stadtteil Grombühl zwischen Reußenweg und dem Mittleren Schalksbergweg.

Der Turm und die Anlage davor sind in einem sanierungsbedürftigen Zustand. Die metallene Feuerschale ist rundum stark korrodiert und weist Löcher auf.

Im September 2013 wurde das Bauwerk am Tag des offenen Denkmals für Besucher geöffnet.


Links

Google Maps

Google Earth

Würzburg Wiki (Innenaufnahmen vom Tag des offenen Denkmals 2013)

360°-Panorama Bismarckturm Würzburg


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 414
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von WÜRZBURG (Bayern)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 117 "Bismarck-Feuersäule bei Würzburg", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 3. Jahrgang 1905 (Nr. 2, S. 6; Nr. 5, S. 6; Nr. 8, S. 9; Nr. 11, S. 10), 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“)


Fotos

Jörg Bielefeld, Remscheid (Mai 2003)
Ralph Männchen, Dresden (Februar 2010, März 2015)
Lars Lenzner, Hückeswagen (Juni 2011)