Update: 09.12.2010

Die wuchtige Säule   
Der Bismarckturm in Tübingen

Die Tübinger Studentenschaft regte den Bau einer Bismarcksäule in Tübingen bereits 1899 an. Diese studentische Initiative wurde vom König Wilhelm II. von Württemberg Mitte 1899 durch eine „namhafte Summe“ unterstützt.


Bau-Planung und Finanzierung

Die Tübinger Studentenschaft sammelte Geldmittel für den Bau der Säule, u.a. wurde am 21.06.1902 ein Fackelzug der Studentenschafts-Korporationen zu Ehren Bismarcks durchgeführt. Im Jahre 1903 wurden mehrere Vorträge „zum Besten der Bismarcksäule“ gehalten.

Es wurde ein Denkmalskomitee unter Vorsitz der Professoren Dr. Schleich und Dr. Frank gebildet. Das Komitee entschied sich für den preisgekrönten Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis.

Im November 1903 wurde der Schlossberg als Standort für die Bismarcksäule bestimmt. Die Stadt Tübingen stellten den Bauplatz (höchster Punkt auf dem Schlossberg) kostenlos zur Verfügung.

Die Studentenschaft hatte bereits Jahre zuvor eine besondere Beziehung zum Schlossberg, da sie zu Ehren der Reichsgründung im Jahre 1871 am 18.01. jährlich einen Fackelzug zum Schlossberg veranstaltete und Feuer entzündete.

Im Jahr 1904 lag der Baufonds bei 16.000 Mark, im Mai 1905 bereits bei 20.000 Mark.

Das Baugesuch für den Turm wurde im Juli 1907 genehmigt.


Bauarbeiten

Die Bauarbeiten wurden von Regierungsbaumeister Franz Bärtle aus Tübingen ausgeführt. Der 16 m hohe Bismarckturm wurde aus Tuffstein (aus Gönningen und Seeburg) sowie grobkörnigem Sandstein errichtet.


Baubeschreibung

Die Turmbasis des Aussichtsturmes mit Feuerschale besteht aus einem dreistufigen Podest, wobei die unteren beiden Podeststufen aufgrund der an der Vorderseite befindlichen Außentreppe unregelmäßig gebaut sind (Polygon).

Die obere Podeststufe wurde quadratisch angelegt (8,75 m x 8,75 m). Darauf erhebt sich der quadratische Turmsockel mit einer Kantenlänge von 7,75 m x 7,75 m.

Die untere Podeststufe ist 0,6 m hoch. Die Höhen der 2. und 3. Podeststufe betragen 1,3 m bzw. 0,3 m (Gesamthöhe der Podeststufen bis zum Turmsockel: 2,2 m).

Eine 2,8 m breite Treppe mit zwölf Stufen auf der Frontseite (Nordosten) führt mittig zur 2,25 m hohen und 1 m breiten hölzernen Eingangstür der Bismarcksäule.

Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit zweistufigem Oberbau zusammengehalten werden. Die Dreiviertelsäulen sind bei der Tübinger Säule sehr wuchtig ausgeführt.

Über eine schmale Holztreppe war die 20 m² große Aussichtsplattform mit Feuerschale erreichbar.

Bei diesem Bismarckturm wurde auf die Anbringung eines Bismarck-Wappens oder eine Inschrift verzichtet.


Geschichte des Turmes

Die Einweihung der Bismarcksäule wurde am 07.12.1907 durch die Studentenschaft feierlich begangen. Zum ersten Mal wurde an diesem Tag die Feuerschale auf dem Turmkopf entzündet. Am Einweihungstag wurde die Bismarcksäule der Stadt Tübingen übereignet.

Der Aussichtsturm wurde bis 1999 nie öffentlich zugänglich gemacht, nur die Studentenschaft nutzte den Aussichtsturm gelegentlich.

1959 planten die Stadtwerke, einen Wasser-Hochbehälter in den Turm einzubauen. Diese Idee wurde jedoch verworfen.

Die morsche Holztreppe wurde 1969 für 3.000 Mark erneuert. Über 51 Holz- und 12 Stahlstufen war die Aussichtsplattform erreichbar. Der Bismarckturm wurde trotz dieser Sanierungsmaßnahme nicht für Besucher geöffnet.

Bis zum Jahr 1999 verfiel der Bismarckturm immer weiter. Bedingt durch Vandalismusschäden (u.a. mehrere Brände) blieb der Turm bis Anfang November 1999 verschlossen.

Ein Tübinger Ehepaar spendete im Jahre 1999 die kompletten Kosten für eine Sanierung des Turmes in Höhe von 64.000 DM. Damit konnte der Turm saniert werden.

Am 14.11.1999 wurde er offiziell wiedereröffnet. Die Feuerschale wurde bei der Sanierung entfernt. Ein Schild linksseitig der Eingangstür weist darauf hin, dass der Turm durch die Tübinger Kulturstiftung mit Hilfe der Spende des Tübinger Ehepaares erneuert wurde.

Im Jahr 2010 ist die Aussicht vom Turm durch Bäume stark eingeschränkt.


Öffnungszeiten:

Turm ist ganzjährig verschlossen,

Der Schlüssel kann bei der Touristeninformation (Bürger- und Verkehrsverein: www.tuebingen-info.de, Tel. 07071/91360) oder im Fachbereich Kultur (Tel. 07071/2041541) nach vorheriger telefonischer Reservierung entliehen werden.


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Quellen

- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): Bismarckturm von Tübingen (Baden-Württemberg)
- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 387-388
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 146 "Bismarck-Feuersäule zu Tübingen", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Kotowski, Mathias: Die öffentliche Universität, Franz-Steiner-Verlag 1999 (Dissertation), S. 63ff.
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes; 2. Jahrgang 1904 (Nr. 2 u. 9), 3. Jahrgang 1905 (Nr. 2, 5, 8 u. 11), 4. Jahrgang 1906 (Nr. 1), 6. Jahrgang 1908 (Nr. 1)
- Schwäbisches Tageblatt vom 08.09.1971


Fotografen

- Hans-Dieter Hirschmann aus Haßloch (Fotos 2007)
- Jörg Bielefeld aus Menden (Fotos Mai 2010)


© 2001 - 2010 Text und Bilder (außer anders angegeben) - www.bismarcktuerme.de [Impressum]

Foto Schild Tübingen2007 [Fotograf: Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch]
AK-Motiv beflammte Bismarcksäule Tübingen
AK-Motiv Bismarckturm Tübingen 1923